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DAB+ im Zentrum des SRG-Branchenforums

Das diesjährige SRG-Branchenforum vom 4. Juni in Bern stand ganz im Zeichen von DAB+. Dabei interessierten die rund 130 Besucherinnen und Besucher vor allem zwei Fragen: Wann wird UKW abgeschaltet? Und: Welche Vorbereitungen müssen dafür noch getroffen werden? Klar scheint: Die Umstellung kommt früher als 2024, und offene Baustellen sind vorhanden – wenn auch immer weniger. Ein Augenschein.

Als Auftakt sprach Marco Derighetti, Direktor Operationen SRG, über zukünftige Herausforderungen für die SRG. Neben dem Sparprogramm von 100 Mio. Franken nannte er die Notwendigkeit, sich an die stark ändernde Mediennutzung anzupassen. Heutzutage würden mehr individuelle Wahlmöglichkeit sowie orts- und zeitunabhängiger Konsum verlangt. Für DAB+ sieht Derighetti die richtige Zeit gekommen.

Die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt

Philippe Zahno, Präsident der Arbeitsgruppe «Digitale Migration» (DigiMig), attestierte der Schweiz gute Rahmenbedingungen für den Umstieg von UKW auf DAB+. Er gab bekannt, dass die Arbeitsgruppe eine UKW-Abschaltung ab 2021 favorisiere und 2022 abschliessen möchte. Auch René Burger, CTO bei SwissMediaCast (SMC), dem grössten privaten DAB+-Netzbetreiber der Schweiz, ist mit seinem Netzausbau auf Kurs. Die Nachfrage von privaten Radioveranstaltern nach DAB+-Verbreitung ihrer Programme scheint ungebrochen. René Wehrlin vom Bundesamt für Kommunikation (Bakom) wies darauf hin, dass die UKW-Technologie bereits 60-jährig sei und langsam in Pension gehen müsse. Für die Digitalisierung sei sie nicht geeignet. «Ohne den Umstieg auf digitales Radio werden Spotify, YouTube und Smartspeaker wie Alexa das Zepter vollständig übernehmen», so Wehrlin.

Das DAB+-Netz wird in Bälde die gleiche Abdeckung wie UKW erreichen. Doch wie sieht es bei den DAB+-Geräten aus? Bezüglich Empfangsempfindlichkeit zeichnete Damien Corti, CTO der SRG, ein durchzogenes Bild: Die Mehrheit der getesteten Kleinradios erreichten die geforderten Empfangsempfindlichkeitswerte, und auch HiFi-Anlagen lieferten gute bis mittelmässige Resultate. Enttäuschend ausgefallen seien hingegen bei den meisten Auto-Nachrüst-Lösungen die Testmessungen, welche die SRG regelmässig durchführt.

Knackpunkt Auto-Nachrüstung

Andreas Burgener, Direktor von auto-schweiz, sieht die Automobilbranche gut vorbereitet in Bezug auf Nachrüst-Lösungen und ist sich der kommenden Nachfrage durchaus bewusst: Rund 75 Prozent oder ca. 3,5 Millionen Personenwagen hätten in der Schweiz noch kein DAB+. Viele würden aber erst umrüsten, wenn das UKW-Netz abgeschaltet sei. Bei Neuwagen sieht er den Käufer in der Pflicht: Internationale Autokonzerne bauten Autos für die ganze Welt. Noch sei DAB+ nicht in allen Ländern soweit wie in der Schweiz. Wer ein DAB+-fähiges Auto wolle, müsse dies aktiv fordern, auch wenn es keinen Aufpreis koste. Man dürfe nicht erwarten, dass ein DAB+-Radio automatisch in der Standardausstattung inbegriffen sei. Die gute Nachricht: 85 Prozent der Neuwagen bieten DAB+ an.

Handlungsbedarf bei den Auto-Nachrüst-Lösungen sieht auch Ernst Werder von der Weer GmbH. Seine Firma hat sich auf Nachrüst-Lösungen spezialisiert und bietet Schulungen für Fachleute an. Das Auto selber nachzurüsten sei für einen Laien anspruchsvoll. Er empfiehlt, einen spezifisch geschulten Fachmann beizuziehen. Doch auch in Fachkreisen sei das Know-how noch zu gering. Deshalb bereitet Weer GmbH mit dem Bakom und dem Autogewerbeverband Schweiz (AGVS) eine Zertifizierung für fachgerechte DAB+-Nachrüstung vor. Nachrüstlösungen zum selber Einbauen seien ab 150 Franken erhältlich, ein zertifizierter Fachmann verrechne ab 350 Franken.

Sind die Konsumenten bereit?

Ob die Konsumenten für die Umstellung bereit sind, blieb umstritten: Ein Forumsgast stellte die breite Akzeptanz in Frage. Negative Äusserungen in den Kommentarspalten von Online-Medien bei DAB+-Berichten würden ein schlechtes Image fördern. Oliver Fueter, Redaktor bei der Konsumentensendung «Espresso», kritisierte, dass die Werbung für DAB+ zu früh begonnen und die Leute eher verwirrt statt aufgeklärt habe. Er unterstrich die Wichtigkeit eines lückenlosen Ausbaus der DAB+-Versorgung und Bekanntgabe eines klaren UKW-Abschaltplans.

Dass die Werbeanstrengungen Wirkung zeigen, unterlegte Luca Giuriato, Vertreter des Marktforschungsunternehmens GfK, mit Fakten: Der Einfluss der Kampagnen auf den Verkauf der Geräte sei gut sichtbar gewesen, und die Bekanntheit von DAB+ sei von 55 auf 89 Prozent gestiegen.

Um den Konsumenten DAB+ verständlicher zu machen, wolle man in der laufenden Kampagne die Elektrofachhändler stärker einbeziehen oder Autoumrüstungen thematisieren. Nora Müller von der Agentur Republica, die im Auftrag des Bundes die DAB+-Kommunikationskampagne «Radio zieht um auf DAB+» führt, nannte diese Schwerpunkte. Durch den Anlass führte «Schweiz aktuell»-Moderatorin Bigna Silberschmidt. Das nächste SRG-Branchenforum findet am Montag, 3. Juni 2019 statt.

Text: SRG SSR

Bild: SRG SSR/Beni Balsiger

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