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«Radio SRF Virus»-Online-Beitrag: «Die vielen Seiten des Xherdan Shaqiri» beanstandet

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Mit Ihrer E-Mail vom 22. Juni 2018 beanstandeten Sie den «Radio-SRF-Virus»-Online-Beitrag «Die vielen Seiten des Xherdan Shaqiri».[1] Ihre Eingabe entspricht den formalen Anforderungen an eine Beanstandung. Ich kann folglich darauf eintreten.

A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:

«Der Online-Beitrag über die Möglichkeiten Herrn Xherdan Shaqiris Namen zu verhunzen ist ehrverletzend und geschmacklos und erfüllt keine Aufgabe des Service Publics. Herr Shaqiri mag eine öffentliche Person sein, jedoch bitte ich Sie bei der Beurteilung sich vorzustellen, wie Sie sich fühlend würden, würden solche Bilder von Ihnen oder einer Ihnen liebe Person veröffentlicht.»

B. Die zuständige Redaktion erhielt Ihre Beanstandung zur Stellungnahme. Für «Radio SRF Virus» antwortete Herr Christoph Aebersold, stellvertretender Bereichsleiter SRF Junge Zielgruppen:

Mit Mail vom 22. Juni 2018 beanstandet X einen Online-Beitrag mit dem Titel ‘Die vielen Seiten des Xherdan Shaqiri’ von Radio SRF Virus zur Fussball-WM 2018. Nachfolgend unsere Überlegungen zum Inhalt und die Stellungnahme zur Beanstandung.

1. Gegenstand der Beanstandung

Im von Herrn X beanstandeten Online-Artikel wird der Name des Schweizer Nationalspielers Xherdan Shaqiri auf unterschiedliche Weise verballhornt. Dazu wurde eine Bildergalerie mit verschiedenen Fotomontagen zusammengestellt. Jedes der insgesamt 17 Bilder illustriert dabei ein Wortspiel mit dem Nachnamen Shaqiri. So wird aus Shaqiri zum Beispiel ‘SCHACHiri’, ‘SHARKiri’, ‘ShaZVIERI’ oder ‘ShaBIERi’. Die Fotos zu diesen Verballhornungen zeigen den Fussballspieler als Figur auf einem Schachbrett, mit Haifischkopf, als Vanilleplunder oder Biergläser balancierend.

Der Inhalt wurde von der Redaktion von SRF Virus im Vorfeld des zweiten Spiels der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft an der Weltmeisterschaft 2018 erstellt. Er war Teil einer Reihe, in der verschiedene Fussballgrössen auf sehr ähnliche Weise dargestellt wurden. So veröffentlichte SRF Virus zuvor schon Fotomontagen des portugiesischen Nationalspielers Cristiano Ronaldo und später des englischen Nationalspielers Harry Kane.

Das sportliche Grossereignis Fussball-Weltmeisterschaft sollte mit den Artikeln auf unterhaltsame Art begleitet werden. Die Gestaltung orientiert sich dabei an humoristischen Darstellungsformen, wie sie aktuell im Internet und insbesondere auf Social Media-Kanälen weit verbreitet und gerade bei jungen Medien-Rezipientinnen und -Rezipienten gebräuchlich und beliebt sind.

2. Beurteilung des Inhalts

Die Autorinnen und Autoren bedienten sich bei der Gestaltung des beanstandeten Online-Inhalts zu Xherdan Shaqiri den Mitteln der Verballhornung oder des Wortspiels. Damit wird ein Phänomen bezeichnet, bei dem Redewendungen, Wörter und Namen verändert oder neu gebildet werden und dadurch eine andere Bedeutung erhalten. Die Verballhornung ist ein Stilmittel, das oft auf eine komische Wirkung abzielt.

Wortspiele sind seit Jahrzehnten insbesondere bei der Formulierung von Schlagzeilen im Sport- und People-Journalismus verbreitet. So wird aus ‘Just married’ bei der royalen Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle ein ‘Just harried’ oder aus dem Skisportler Hermann Maier der ‘Herminator’. Im Internet haben sich Wortspielereien mit Namen von Prominenten, auch von Fussballerinnen und Fussballern, zu einem regelrechten Phänomen entwickelt. Das illustrieren Beispiele wie <Egal wie unordentlich du bist, Lionel ist Messi> oder ‘Yoda Matthäus’ für Lothar Matthäus.[2]

Der Beitrag ‘Die vielen Seiten des Xherdan Shaqiri’ war klar als Unterhaltungselement erkennbar und wurde, wie verschiedene Reaktionen von Usern zeigen, auch als solches verstanden (wenn auch nicht von allen gleichermassen goutiert). Die einzelnen Wortschöpfungen und Fotomontagen können je nach persönlichem Ermessen des Betrachters natürlich als mehr oder weniger geglückt wahrgenommen werden. Wir glauben jedoch nicht, dass die Grenzen des guten Geschmacks mit den Darstellungen überschritten worden sind.

Die grundsätzliche Frage, ob es ‘lustig’ ist, mit dem Namen einer Person Scherze zu machen, sei dahingestellt. Sie lässt sich nicht allgemeingültig beantworten. Die Redaktion von SRF Virus hat sich im beanstandeten Fall nach interner Diskussion dafür entschieden und sich ein paar – aus unserer Sicht – vergleichsweise harmlose Wortspielereien mit dem Namen Shaqiri erlaubt. Eine zwingende publizistische Notwendigkeit dazu hat nicht bestanden, es handelt sich um eine Form von ‘Comedy’.

Als Person des öffentlichen Lebens und als Prominenter ist sich Xherdan Shaqiri (wie auch die anderen ausgewählten Fussballer) gewohnt, oft auch Spott und Häme ausgesetzt zu sein. Bei diesem Beispiel ist das allerdings nicht der Fall. Es war auch nicht die Absicht der Redaktion von SRF Virus, mit der Bildergalerie eine abwertende Haltung gegenüber der Person von Xherdan Shaqiri zum Ausdruck zu bringen. Mit der Wahl Xherdan Shaqiris für die Fotomontagen wird im Gegenteil dessen Wichtigkeit und Bedeutung als Teil der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft unterstrichen.

Eine Verletzung der Privat- und Intimsphäre von Xherdan Shaqiri liegt nach unserer Beurteilung nicht vor. In den Fotomontagen gab es weder Anspielungen auf persönliche Äusserungen, Verhaltensweisen oder Leistungen noch Details aus dem Privat- und Intimleben Xherdan Shaqiris. Beim beanstandeten Inhalt handelt es sich letztlich um einen kleinen Schabernack, wie er auf zahlreichen Online-Kanälen täglich zu finden ist.

Wir respektieren ausdrücklich die Auffassung von Herrn X, auch wenn wir seine Wahrnehmung nicht teilen können. Wenn Zuschauerinnen und Zuschauer durch die Bildergalerie in ihren Gefühlen verletzt worden sind, bedauern wir das. Der Inhalt wurde mittlerweile durch die Redaktion von der Website entfernt. Im Zuge der nachträglichen Diskussionen um das ‘Doppeladler’-Handzeichen wäre er unpassend gewesen. Umsetzung und Wirkung sowie Notwendigkeit der oben erwähnten Reihe zu Fussballer-Namen wurden redaktionsintern kritisch besprochen.»

C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung der Publikation. Das Radio- und Fernsehgesetz schützt die Grundrechte. Wenn Radio und Fernsehen in Sendungen oder online eine Person derart herabsetzen, dass in den Augen des Publikums ihre Menschenwürde verletzt ist, dann liegt ein Verstoß gegen das Radio- und Fernsehgesetz vor.[3] Das muss aber weiter gehen als der übliche Spott gegenüber Personen des öffentlichen Lebens in Comedys, Cabarets, Schwänken und an der Fasnacht, wo Handlungen und Verhaltensweisen solcher Personen regelmässig thematisiert werden. Wer eine öffentliche Rolle spielt, muss in Bezug auf Satire und Spott etwas mehr aushalten als eine Person, die nicht über den privaten und beruflichen Bekanntenkreis hinaus ausstrahlt. Der Fussballer Xherdan Shaqiri ist eine Person des öffentlichen Lebens bzw. der Zeitgeschichte, weil er über einen hohen Bekanntheitsgrad verfügt und weil er für viele Schweizerinnen und Schweizer eine Identifikationsfigur und ein Idol ist.

Im Bereich von Satire und Comedy ist die Meinungsäußerungsfreiheit besonders groß, denn zusätzlich gilt die Kunstfreiheit. Es ist zwar nicht alles Kunst, was unter diesem Titel fabriziert wird, und auch nicht alles ist gelungene Satire. Gerade die Wortspielerei mit dem Namen Shaqiri empfinde ich nicht als besonders lustig, aber gleichzeitig ist sie harmlos. Man kann sie als Versuch interpretieren, den Fussballer Theater spielen und dabei verschiedene Rollen übernehmen zu lassen. Diskriminierend ist das nicht, die Menschenwürde Shaqiris bleibt unverletzt. Ich kann deshalb Ihre Beanstandung, so sehr ich Ihr Kopfschütteln verstehe, nicht unterstützen.

D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.


[1] Vgl. Beitragstext im Anhang

[2] Beispiele für Wortspiele mit Namen von Sportlern und Prominenten:

Die lustigsten Fussballer-Namen, Blick.ch

Fussballer als Marken, Watson.ch

Fans veräppeln Namen von Fussball-Stars, 20min.ch

Flache Fussball-Sprüche, Focus.de

[3] https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/20001794/index.html, Vgl. Artikel 4.

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