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«Twitter und YouTube sind erst ein Anfang»

Seit Beginn des Jahres sitzt erstmals eine Spezialistin für digitale Medien im SRG-Verwaltungsrat: Sabine ­Süsstrunk, Professorin und Leiterin des «Images and Visual Representation Lab» an der ETH Lausanne setzt auf Technik, um die Zukunft der öffentlichen Medien in der Schweiz zu sichern.

Der Versuch, das Arbeitsgebiet von Sabine Süsstrunk in einem Satz zu umschreiben, muss scheitern. Das von ihr 1999 gegründete Labor forscht nach neuen Wegen zur Optimierung von Bildern. ­Aktuelle Themen sind etwa die Modellierung neuronaler Vorgänge beim Sehen, maschinelles Lernen im Bereich der Bildästhetik oder die Rückführung digitaler Bilder mittels 3D-Drucker in analoge Produkte.

Die Begeisterung, mit der die gebürtige Solothurnerin, die lange in den USA gelebt und geforscht hat, in ihrem Büro auf dem Campus der ETH Lausanne von ihrer Arbeit erzählt, ist ansteckend. Sie ist auch über ihr Forschungsgebiet hinaus bestens über die Trends und technischen Entwicklungen im Bereich der ­digitalen Medien informiert. Dies dürfte nicht zuletzt der Grund gewesen sein, weshalb man Sabine Süsstrunk als jüngstes Mitglied in den SRG-Verwaltungsrat geholt hat. «Mit diesem Mandat hoffe ich, in der reellen Welt etwas zu bewegen», begründet sie ihre Zusage. «In den USA habe ich die negativen Auswirkungen der privatisierten Medien ­erlebt. Das ist ein weiterer Grund, mich dafür einzusetzen, dass die SRG relevant bleibt.»

Ohne Umschweife bringt ­Süsstrunk auf den Punkt, was sie als grösste Herausforderung für die SRG und deren ­Unternehmenseinheiten sieht: «Die Verpackung der journalistischen Beiträge muss individueller und kreativer werden.» Neben dem linearen Fernsehen und ­Radio müssten die aktuellen Online-Vertriebskanäle genutzt werden. Die Online-Portale ­sowie die Social-Media-Präsenz etwa auf Facebook, Twitter oder YouTube seien erst ein Anfang; künftig müsse die SRG auch Vektoren wie Alexa oder Siri einbinden. Nutzer und Nutzerinnen der verschiedenen Medien ­wollen Inhalte zudem nicht nur unabhängig von Zeit und Ort abrufen, sondern auch gezielt nach Stichworten oder Themengebieten. Dieses Angebot setzt voraus, dass Beiträge und ­Sendungen transkribiert und ­indexiert werden. Ein Riesenaufwand, auch wenn dies in naher Zukunft automatisiert erfolgen wird.

«Ich habe schon seit Jahren kein TV-Gerät mehr», gesteht Sabine Süsstrunk auf die Frage nach ihrem eigenen Medienverhalten. «Ich höre und schaue Radio- und Fernsehsendungen meist zeitversetzt. Auf Twitter sehe ich, was es ­Interessantes gibt. Dank der Nachrichten-App mit Headlines und kurzen Zusammenfassungen bin ich stets informiert, ohne dass ich viel Zeit investieren muss.» Auch wenn die Inhalte in Zukunft neu ­proportioniert und individualisierter verpackt werden, ­erwarte sie von der SRG in Zukunft weiterhin fundierten Journalismus und qualitativ hochstehende Beiträge.

«Digitalisierung ist nicht gratis, im Gegenteil: Sie kostet sehr viel Geld», stellt Süsstrunk klar. Als Mitglied des Investitionsausschusses setzt sie sich im SRG-Verwaltungsrat deshalb für eine Verlagerung der Mittel zugunsten der technologischen Entwicklung ein: «Die Komponente Technik ist heute für ein Medienunternehmen zentral.» Nur wer laufend in digitale ­Erneuerungen investiere, sei in der Lage, mit den rasanten Veränderungen Schritt zu halten und so weiterhin ein breites Publikum zu erreichen.

Text: Gabriela Neuhaus

Bild: SRF / Oscar Alessio

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