Rumantsch  per la naziun
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Rumantsch per la naziun

Flavio Bundi (31) möchte die ­rätoromanische Kultur und ­Sprache bekannter machen. Der Chefredaktor von Radiotelevisiun Svizra Rumantscha RTR geht dazu aussergewöhnliche Wege und baut Brücken zu ­anderen Sprachregionen.

«Es war ein unglaublich spannendes Jahr», sagt Flavio Bundi über seine erste Zeit als Chefredaktor von RTR. Im Gegensatz zu den Chefredaktoren bei SRF ist er bei Radiotelevisiun Svizra Rumantscha alleine für die Bereiche TV, Radio und Online verantwortlich. Zeit, langsam in die Position hineinzuwachsen, nahm er sich nicht. «Ich arbeite gerne und wollte loslegen», sagt Bundi, der seit November 2017 Chefredaktor ist. Die No-Billag-Initiative, über die im März 2018 abgestimmt wurde, nutzte Bundi, um die RTR-Produkte zu hinterfragen. Als der Neue konnte der ehemalige Schweizer Gardist dies unvoreingenommen tun. Bundi, der als freier Mitarbeiter beim «Bündner Tagblatt» erste journalistische Erfahrungen sammelte, galt als Medien-Greenhorn. Seine Wahl zum RTR-Chefredaktor löste Kritik aus. Er aber nutzte seine Narrenfreiheit, um alte Zöpfe abzuschneiden und neue zu flechten.

Seine Hauptaufgabe sieht Bundi darin, dem RTR-Team ein Umfeld zu schaffen, wo jedes Mitglied seine bestmögliche Leistung erbringen kann. Diese besteht im Erzählen von Geschichten aus Politik, Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft. Die Storys werden je nach Sendegefäss und Kanal (TV, Radio, Online) in Rumantsch Grischun, der 1982 eingeführten rätoromanischen Schriftsprache, oder einem der fünf rätoromanischen Idiome erzählt.

Knapp 41 000 Menschen sprechen die vierte Landessprache. Zum Vergleich: In der Schweiz leben 238 000 Portugiesisch und 95 000 Serbisch sprechende Menschen. Lohnt es sich, für eine Sprachminderheit wie die Rätoromanen eigene Sendungen zu produzieren? «Auf jeden Fall!», sagt Bundi. «Die Identifikation des Publikums und seine Interaktion mit RTR sind sehr hoch. Es bräuchte sogar mehr rätoromanische Angebote, um die Sprache noch aktiver zu leben.» Für die junge Generation sei es normal, sich wieder vermehrt in Romanisch auszudrücken. «30 Prozent der Musik, die wir ausstrahlen, stammen von rätoromanischen Sängern und Bands. RTR bietet ihnen eine Plattform und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Vielfalt der Schweiz», sagt Bundi, der in seiner Freizeit selber als Dirigent und Musiker aktiv ist. Dank national erfolgreichen Rappern wie Snook haben auch Nichträtoromanen die vierte Landessprache immer häufiger im Ohr.

«Mit diesen Aktionen wollten wir das Interesse an unserer Sprache und an den Geschichten aus der Rumantschia wecken, aber auch Storys aus anderen Landesteilen sammeln. Und wir wollten zeigen, wie Rätoromanisch im Alltag gelebt wird.»

Damit noch mehr Menschen Rätoromanisch als moderne, lebendige Sprache wahrnehmen, starteten Flavio Bundi und sein Team die Aktion mit dem Titel «Rumantsch – what else?» beziehungsweise #rumantschwhatelse. Zum Beispiel nahmen sie bei SRF 3 den Moderator Stefan Büsser als «Geisel» und liessen ihn einen rätoromanischen Text vorlesen. Sie organisierten, dass in der Migros in St. Gallen die Aktionsangebote einen Tag lang in Rumantsch angekündigt wurden und in einem Tessiner Grotto in dieser Sprache bedient wurde. In Lausanne stellten sie werdenden Müttern romanische Kindernamen vor. Und in Bern verteilten sie «Fründschaftsbändeli», die Bündner Schüler geknüpft hatten. Im Gegenzug konnten die Berner vor Ort Bändchen knoten, die RTR für die Bündner Schüler mit nach Hause brachte. «Mit diesen Aktionen wollten wir das Interesse an unserer Sprache und an den Geschichten aus der Rumantschia wecken, aber auch Storys aus anderen Landesteilen sammeln. Und wir wollten zeigen, wie Rätoromanisch im Alltag gelebt wird.» Die sprachverbindende Aktion kam an. «Wir bekommen regelmässig Feedbacks von Nichträtoromanen. Sie hören oder sehen unsere Sendungen, weil ihnen der Klang der Sprache gefällt.»

RTR verbreitet die Sprache nicht nur, sie entwickelt sie massgeblich weiter. Dazu erfindet die Linguistin im RTR-Team neue offizielle romanische Wörter für Gegenstände oder Tätigkeiten, die es früher noch nicht gab wie beispielsweise Internetradio («radio d’internet»), streamen («transmetter via stream») und googeln («googlar»). Diese Neukreationen speist sie direkt in den Pledari Grond, das offizielle Online-Wörterbuch der Lia Rumantsch ein. Und über die Sendungen von RTR werden die Ausdrücke in die Alltagssprache eingeführt.

Text: Riccarda Frei

Bild: RTR

Rumantsch - What else?

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  1. peter kummer 17.02.2019 20:16

    ich schaue gern die rätoromanischen tv sendungen, weil ich zwar nicht viel verstehe, aber den klang der sprache mitbekomme und gern mit italienisch und französisch vergleiche.
    ich befürworte jede aktion zur förderung des rumsntsch.

  2. Gieri Battaglia 19.02.2019 18:27

    meine frau und ich schauen (wenn immer möglich) von montag bis freitag „telesguard“ und am sonntag „cuntrasts“.
    die untertitel sind für meine frau sehr wertvoll.
    danke rtr!!!

  3. Beat Grond 19.02.2019 22:42

    Quistas acziuns sun genialas. Be inavant uschè e nossa lingua vivarà eir in avegnir. Nus giodain gronda simpatia pro noss "Confederats" da la Bassa.

  4. rita staubli-eichholzer, 8917 O.L. 20.02.2019 10:18

    Ich freue mich über das neu Aufstellen der Rumantsch und deren Sprache. 1960/61 war ich in Davos Pension Strela. Ich war fast einzige Unterländerin. Ich wollte verstehen was die Romantsch miteinander reden. Habe mir selbst einen schriftlichen Wortschatz aufgebaut. Ich konnte verstehen über was sie tuscheln. Im Kopf habe ich nur noch "phonetisch" ein paar Sachen.
    Jedoch ich höre, schaue extra hin und wieder RTR, versuche zu verstehen.
    Ich finde das so super gut. Danke

  5. Robert Hackl 20.02.2019 12:58

    Diese Sprache gehört, wie ich finde, wie die anderen zur Schweiz. Beginnt man bei uns in Deutschland auch wieder alte Dialekte zu erhalten, obwohl ich keinen praktischen Sinn darin sehe. Gr. Robert

  6. Nelly Soder 27.02.2019 17:15

    Sehr gute Initiative, viele Schweizer wissen gar nicht was für eine Chance wir haben in einem kleinen Land zu leben mit 4 Sprachen und wir sollten sie auch Pflegen. Besonders die Deutschschweizer sollten mehr Interesse zeigen an den andern Sprachen und sie auch lernen. Ich bin 82 Jahre alt und habe in allen Sprachregionen gelebt (Romanisch leider nur am Rande, das war in Davos: in der Primarschule war das Rechnungsbuch auf romanisch). Ich höre und sehe alle 3 Sender (Radio und Fernsehen) und denke dabei: was für ein Luxus!!!