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«Tagesschau»-Beiträge «Thermometer zeigt bis zu minus 40 Grad» und Greta Thunberg am WEF» sowie «Kassensturz»-Beitrag «Erneuerbare Alternativen sind oft günstiger» beanstandet

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Mit Ihrer E-Mail vom 4. Februar 2018 haben Sie unter dem Titel «SRF verletzt die objektive Bericht­erstattung über Klimawandel» eine Beschwerde bei der UBI eingereicht. Bevor Sie an die UBI gelan­gen können müssen Sie Ihre Beanstandung bei der Ombudsstelle einreichen. Dies ist hiermit der Fall. Konkret beanstanden Sie den Beitrag «Thermometer zeigt bis zu minus 40 Grad» in der «Tages­schau» vom 31. Januar 22019 und den Beitrag «Greta Thunberg am WEF» vom 23. Januar 2019 so­wie den «Kassensturz»-Beitrag «Erneuerbare Alternativen sind oft günstiger» vom 22. Januar 2019. Ihre Eingabe erfüllt die formalen Voraussetzungen an eine Beanstandung. Somit kann ich auf sie ein­treten.

A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:

Auszug SRF Konzession Art. 4:
„Das publizistische Angebot der SRG hat hohen qualitativen und ethischen Anforderungen zu genügen. Es zeichnet sich aus durch Relevanz, Professionalität, Unabhängigkeit, Vielfalt und Zugänglichkeit.“

In diversen Sendungen wird ständig als gegeben vorausgesetzt und so kommuniziert:

  1. CO2 verursacht den Klimawandel.
  2. Der Menschen ist Schuld, da er mit der Verbrennung von fossilen Stoffen CO2 er­zeugt (1.2% des .Bestandes!).

Beispiel 1: Kassensturz vom 22.1.19 über Heizsysteme.

Beispiel 2: Greta Thunberg am WEF, z.B. SRF Tageschau vom 31.1.19: SRF übernimmt unkritisch die Klima Wahrheit von Greta:
Die Botschaft lautet wörtlich: "Wenn ein Kind etwas sagt dann fühlen sich Erwachsene schuldiger".
Aus meiner Sicht ist es ja schön, dass Jugendliche sich für etwas einsetzen, und in diesem Fall könnte man sagen, stimmts nicht so schadets nicht. Weit gefehlt: In Afrika z.B. leben viele Familien in abso­luter Armut ohne Strom. Sie können sich alternative Energie nicht leisten und dank dieser m.E. unlau­teren Klima-Proganda wird ihnen der Bau von Kohlekraftwerken verwehrt. Damit bleiben sie ohne Strom, arm und ungebildet oder noch schlimmer erleiden eine Rauchvergiftung. Leider erhalten diese Opfer bei uns keine Stimme.
David gegen Goliath - Kind gegen Machtelite; besser gehts nimmer. Ja, und die Klimaretter jetten auf unsere Kosten von Klimagipfel zu Klimagipfel.

Ferner wurde an mich herangetragen, dass jemand mit einer anderen Meinung keine Chance hat bei SRF eine Plattform zu kriegen und dass das Thema wie eine Religion behandelt wird.

Ich erwarte von SRF nicht, dass sie überall wissenschaftlich mithalten kann, aber bei einem so wichti­gen Thema (Energie, Gebäude, Diesel, Umwelt) sind hohe Anforderungen zu stellen.

Dabei geht es um eine faire und korrekte Berichterstattung, ohne die eine Demokratie nicht funktioniert (Beispiel Abstimmung über Energiegesetz).
Die in dieser Thematik einseitige, manipulative, indoktrinäre Informationsweise von SRF ist reichlich bekannt aus totalitären Staaten. In der Vergangenheit gab es grossen Klimawandel, mehrere Eiszeiten, wärmere Perioden als heute, Zeiten mit signifikant höherer CO2 Konzentra­tion nicht von Menschen gemacht.
Die Natur braucht CO2 , Alarmismus und Angstmacherei mit unhaltbaren Argumenten ist der Holzweg und bindet Geldmittel am falschen Ort.

Ich möchte klar darauf hinweisen, dass ich absolut nicht für die Verbrennung von fossilen Stoffen bin und z.B. die Besteuerung von Kerosin drastisch erhöhen würde. Auch die Reduktion der Schadstoff­belastung der Luft ist für mich ein grosses Thema.

Ich fordere von SRF:

  1. In Sendungen wie oben aufgeführt ist zu erwähnen:
    „Wissenschaftlich ist nicht erwiesen, dass CO2 Erderwärmung verursacht und demzufolge dass der Mensch diese mit CO2 verschuldet.“
  2. Menschen mit kritischer Meinung müssen auch eine Platform kriegen.

Ihrem Schreiben fügen Sie eine umfassende Aufzählung von Grundlagen an. Diese finden sich im An­hang.

B. Ihre Beanstandung wurde der zuständigen Redaktion zur Stellungnahme vorgelegt. Frau Ursula Gabathuler, Redaktionsleiterin «Kassensturz» sowie Herr Franz Lustenberger, ehem. stv. Redaktions­leiter «Tagesschau» schrieben:

Mit Mail vom 4. Februar 2019 hat Herr X eine Beanstandung gegen die Tagesschau vom 31. Januar und gegen den Kassensturz vom 22. Januar eingereicht. Die beiden Redaktionen nehmen im Folgenden separat Stellung.

Tagesschau

Die Beanstandung richtet sich gegen die Sendung vom 31. Januar. An diesem Tag hat die Tagesschau nicht über den Besuch von Greta Thunberg am Weltwirtschaftsforum WEF in Davos berichtet. Gleich zu Beginn der Sendung stand ein anderes «Wetter/Klima-Thema» im Vordergrund, nämlich die Kälte­welle in den Vereinigten Staaten. In einem sachorientierten Bericht werden die Kälte sowie die Folgen für Menschen und die Infrastruktur dargestellt. Im zweiten Beitrag wird nach den Ursachen dieses Kalt-Wetter-Einbruchs gefragt. In der Grafik werden Windströmungen dargestellt. US-Präsident Do­nald Trump zieht aufgrund dieser Kältewelle den Klimawandel in Frage. «What the hell is going on with Global Warming?» fragt er in einem Tweet. Die SRF-Meteorologin verweist auf die besondere geographische Lage des Mittleren Westens der USA. Sie schliesst einen möglichen Zusammenhang zwischen der Klimaerwärmung und dem schwächeren Polarwind nicht aus.[1]

Das Publikum wurde am 31. Januar sachgerecht über die Kältewelle in den USA informiert.

Das Weltwirtschaftsforum WEF fand vom 22. bis 25. Januar in Davos statt. Neben den politischen und wirtschaftlichen Gesprächen und Begegnungen gehörte der Auftritt von Greta Thunberg am 23. Janu­ar zu den Höhepunkten des WEF 2019.[2]

Im Beitrag wird sachlich über die Reise und das Anliegen von Greta Thunberg berichtet; die schwedi­sche Schülerin steht für eine Bewegung von Schülerinnen und Schülern, die seit Wochen weltweit mit Aktionen auf den Klimawandel aufmerksam machen.

Der Fokus des Beitrages liegt auf der Aktualität des Besuchs dieser jungen Schülerin und Aktivistin. In einem Tagesschau-Beitrag zueinem Auftritt am WEF kann nicht noch die ganze Armutsproblematik in Afrika abgehandelt werden; die Tagesschau ist zudem der Ansicht, dass das Thema Armut in Entwick­lungsländern wohl nicht mit einer «unlauteren Klima-Propaganda», die den Bau von Kohlekraft­wer­ken» verhindert, erklärt werden kann.

Kassensturz

Die Beanstandung richtet sich gegen die Sendung vom 22. Januar 2019, konkret gegen folgenden Beitrag:[3]

Es wurden im Beitrag die Kosten verschiedener Heizsysteme verglichen. Für den Vergleich stützte sich «Kassensturz» auf den Online-Heizungsrechner der EKZ, der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich.[4] Die Quelle wurde im Beitrag korrekt gekennzeichnet. Im anschliessenden Studiogespräch vertieften Ueli Bamert von Swissoil und Christoph Schaer von Suissetec das Thema. Beitrag und Studiogespräch gaben dem Publikum die Möglichkeit, sich eine eigene Meinung zu Vor- und Nachteilen verschiedenen Heizsysteme zu bilden.

Klimawandel

In den beiden beanstandeten Sendungen ging es nicht um den Klimawandel und um die Frage, in wieweit menschliches Wirtschaften und die im Zuge der Industrialisierung gewachsene Verbrennung von fossilen Energieträgern, zum Klimawandel beitragen oder nicht. Allerdings ist festzuhalten, dass die überwiegende Mehrheit der Forscherinnen und Forschern der Ansicht ist, dass sich das Klima in den letzten Jahrzehnten schneller als jemals zuvor verändert hat und weiter verändert. So hält der IPCC in seinem neusten Bericht Folgendes fest: «Menschliche Aktivitäten haben etwa 1,0 °C globale Erwärmung gegenüber vorindustriellen Werten verursacht, mit einer

wahrscheinlichen Bandbreite von 0,8°C bis 1,2°C. Die globale Erwärmung erreicht 1,5 °C wahrschein­lich zwischen 2030 und 2052, wenn sie mit der aktuellen Geschwindigkeit weiter zunimmt (hohes Ver­trauen).[5]

SRF weist den Vorwurf, dass das Thema Klima wie eine Religion behandelt werde, zurück. Ebenso weist SRF den Vorwurf zurück, SRF würde «manipulativ und indoktrinär informieren», ähnlich wie in «totalitären Staaten».

Fazit

Die Tagesschau hat sachgerecht über den Besuch von Greta Thunberg am Weltwirtschaftsforum WEF in Davos berichtet.

Der Kassensturz hat sachgerecht und transparent über die Kosten unterschiedlicher Heizsysteme be­richtet. Das Publikum konnte sich eine eigene Meinung bilden.

Wir bitten Sie, die Beanstandung in diesem Sinne zu beantworten.

C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung der Beiträge in der «Tagesschau» und im «Kassensturz».

Im «Tagesschau»-Beitrag[6] vom 31. Januar 2019 wird in völlig sachlicher Form über die Kältewelle in den Vereinigten Staaten berichtet. Zur besseren Verständlichkeit, warum es in den USA zurzeit aus­sergewöhnlich kalt ist, wird zudem die SRF-Meteorologin, Frau Nicole Glaus, befragt. Es wird in kei­nem der beiden Teile erwähnt oder gar behauptet, dass CO2 den Klimawandel verursache oder der Mensch daran Schuld trage, da er mit der Verbrennung von fossilen Stoffen CO2 erzeuge, wie Sie beanstanden. Der «Tagesschau»-Bericht war in allen Teilen sachgerecht. Mit dem zweiten «Tagesschau»-Beitrag[7] und dem kurzen Bericht über die Umweltaktivistin Greta Thunberg, verhält es sich genau gleich. Der Bericht ist ebenso sachgerecht; er basiert auf Fakten, die Aussage von Greta Thunberg wird richtig übersetzt; ihre Meinung wird korrekt wiedergegeben. Ich stimme der Stellung­nahme von Herrn Franz Lustenberger im Übrigen auf der ganzen Linie zu.

Der «Kassensturz»-Beitrag[8] vom 22. Januar 2019 zeigt, dass beinahe jedes zweite Gebäude in der Schweiz mit Öl beheizt wird. Der «Kassensturz» wirft die Frage auf, ob Hausbesitzer die alte Ölheizung ersetzen oder ob sie wieder in die alte Technologie investieren sollen. Dazu werden dem Publikum alternative Heizsysteme, die umweltfreundlicher und nicht teurer sind, gezeigt. Auf der Website der Sendung[9] kann sich das Publikum ausserdem mit umfangreichen Hintergrundinformationen, weiter­führenden Links auf einen Kostenrechner und Beratungsstellen vertiefen. Es wird nirgends erwähnt, dass CO2 den Klimawandel verursacht.

Insgesamt stelle ich fest, dass sowohl die «Tagesschau» wie auch der «Kassensturz» sachlich, kor­rekt und fair berichtet haben. Wie Sie auf Ihre Aussage «Die in dieser Thematik einseitige, manipu­lative, indoktrinäre Informationsweise von SRF ist reichlich bekannt aus totalitären Staaten» kommen, ist mir vollkommen schleierhaft.

Das Publikum wurde in keinem Beitrag manipuliert. Es konnte sich frei eine eigene Meinung bilden. Aus dem Gesagten ergibt sich, dass ich Ihre Beanstandung in keinem einzigen Punkt unterstützen kann.

D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernseh­gesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüssen,
Manfred Pfiffner, stv. Ombudsmann


[1] https://www.srf.ch/play/tv/tagesschau/video/tagesschau-vom-31-01-2019-1930-?id=73abc78e-2435-4d2c-a858-5fa23a213f46

[2] https://www.srf.ch/play/tv/tagesschau/video/greta-thunberg-am-wef?id=ecbe5570-c4a4-45a6-b940-c2a1d79463a3

[3] https://www.srf.ch/news/schweiz/vergleich-heizungssysteme-oel-und-gasheizungen-sind-langfristig-nicht-guenstiger

[4] https://app.thermnavigator.net/index2.php?partner=ekz.

[5] https://www.de-ipcc.de/media/content/Hauptaussagen_IPCC_SR15.pdf

[6] https://www.srf.ch/play/tv/popupvideoplayer?id=73abc78e-2435-4d2c-a858-5fa23a213f46&startTime=46.418

[7] https://www.srf.ch/play/tv/popupvideoplayer?id=ecbe5570-c4a4-45a6-b940-c2a1d79463a3&startTime=10.029

[8] https://www.srf.ch/news/schweiz/vergleich-heizungssysteme-oel-und-gasheizungen-sind-langfristig-nicht-guenstiger

[9] https://www.srf.ch/news/schweiz/vergleich-heizungssysteme-oel-und-gasheizungen-sind-langfristig-nicht-guenstiger

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