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SRG Deutschschweiz Ombudsstelle

Interviews mit Ramon Zenhäusern beanstandet

5834
Mit Ihrer E-Mail vom 18. März 2019 beanstandeten Sie im Rahmen einer Zeitraumbeanstandung diver­se Sportsendungen, in denen Ramon Zenhäusern interviewt wurde. Ihre Eingabe entspricht den for­malen Anforderungen an eine Beanstandung. Ich kann daher darauf eintreten.

A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:

«Aufgrund von diversen Sendungen/Interviews mit Ramon Zenhäusern und dem SRF erlaube ich mir eine Beschwerde an Sie zu richten.

Zum wiederholten Mal wird Ramon Zenhäusern in Live-Interviews oder Sendungen des Schweizer Fernsehen penetrant auf seine <körperliche Grösse> angesprochen oder noch schlimmer, es werden darüber Witze gemacht.

Sendung vom 17.03.2019 Ski Slalom 2. Lauf Männer / Live-Übertragung mit anschlies­sendem Interview von Lukas Studer und Ramon Zenhäusern

  1. Einstieg sinngemäss: Studer <Mier händ gat Platz gno....> Ramon Z. war schon irritiert. <Dann sind wir jetzt auf Augenhöhe>
    Studer: <Da bin ich grad froh>.....
    Meine Sicht: Diskriminierender, billiger, primitiver Einstieg Seitens des Reporters.
  2. Frage: Nachfassen des Reporters: .... <Zweifel wegen ihrer Person... der ist so gross.... Be­schäftigt sie das?>
    Meine Feststellung: Er ist schon nach der ersten Frage über die Frage des Reporters irritiert und nach der zweiten erst Recht. – Ist das das Ziel des Reporters? In der Hälfte des Inter­views steht nur seine Grösse im Fokus.

Interview vom 19.02.2019 / nach City-Event Stockholm

.. jedes Mal steht dieses Thema im Raum, fast schon im Mittelpunkt... <Wir sind doch nicht bei Ger­manys Next Topmodel> als Antwort sagt ja genug.

Sportpanorama vom 24.02.2019 mit Jann Billeter

... Mier göhnt go sitze, den müent si nit immer oben abe luege.... Ein Witz auf Kosten seiner Grösse und alle lachen... nur Ramon Zenhäusern nicht. – Super Leistung und Humor der Moderators.- Nein, solche Witze macht man keine Witze, wenn man Niveau hat.

Aus meiner Sicht ist es eine klare indirekte Diskriminierung wegen einer körperlichen Gegebenheit. Bei anderen Sportler steht die Leistung im Vordergrund – beim ihm immer die Grösse. Werden andere Sportler permanent auf irgendeine körperliche Gegebenheiten angesprochen – nein. Was ist so span­nend daran, ihn ständig auf seine Körpergrösse anzusprechen, da es ihn auch sichtlich nervt, ständig dazu Fragen zu beantworten.

Wieso spricht man ihn ständig auf seine Grösse an? Was wäre, wenn man Frauen ständig auf ihre Oberweite, Übergewichtige ständig auf ihr Gewicht oder körperlich Behinderte ständig auf ihre körper­liche Behinderung anspricht? Werden kleine Männer auf ihre Grösse angesprochen? ... Oder wurde Herr de Weck in irgend einem Interview auf seinen ‘Speziellen Blick’ angesprochen und darüber ein Witz gerissen... In jedem Fall Nein! - Das geht aus gutem Grund nicht – aber der andere Sachverhalt geht eben auch genau so wenig.

Zusammenfassung: Aus meiner Sicht eine diskriminierende, niveaulose und billige journalistische Leistung mit Mobbinggehalt in verschiedenen Sendungen.

Haben die Interviewer des Schweizer Fernsehens keine spannenderen Fragen zu stellen? Falls die Reporter des SRF zu wenige Ideen für Interviews haben, würde ich ihnen einen Katalog von Fragen zustellen, die bedeutend interessanter wären... und wenn es um banales wie das Wetter, die Piste oder den Ski geht.

Es wäre nicht als Recht, sich einmal dafür zu entschuldigen und in Zukunft darauf zu verzichten. Sollte sich das in der nächsten Skisaison wiederholen, behalte ich mir weitere Schritte vor.

PS: Siehe auch Bundesverfassung: Art. 8 Abs. 2:
<Niemand darf diskriminiert werden, namentlich nicht wegen der Herkunft, der Rasse, des Ge­schlechts, des Alters, der Sprache, der sozialen Stellung, der Lebensform, der religiösen, weltanschau­lichen oder politischen Überzeugung oder wegen einer körperlichen, geistigen oder psychischen Be­hinderung.>

Ich hoffe, dass Sie die Situation gründlich überdenken. Besten Dank für Ihre kritische Prüfung.»

B. Die zuständige Redaktion erhielt Ihre Beanstandung zur Stellungnahme. Für SRF Sport ant­wortete Herr Hansjörg Wyss von der Chefredaktion Sport:

«Ich nehme Stellung zur Beanstandung 5834, die sich mit dem Vorwurf der Diskriminierung und des Mobbings gegenüber Skirennfahrer Ramon Zenhäusern befasst.

Generell sprechen die Journalisten bei SRF-Sport öfters körperliche Merkmale (Grösse, Gewicht, spezi­fisch-persönliche Merkmale) von Athletinnen und Athleten an und bringen diese in Relation zur Sport­art. Teils, weil sie somit deren Vor- oder Nachteil erklären, teils weil diese körperlichen Gegebenheiten jedermann auffallen. Das ist beispielsweise bei Schwingern, wo Leichtgewichte mit schweren Athleten ohne Aufteilung in Gewichtsklassen kämpfen, oder im Kunstturnen, wo kürzere oder längere Hebel (Arme, Beine) einen Vor- oder Nachteil bilden können, der Fall. In keinem dieser Erwähnungen wer­den diese körperlichen Merkmale für die Athletin oder den Athleten verletzend oder diskriminierend geschildert oder gar als körperliche Behinderung eingestuft.

Der Beanstander beanstandet, dass SRF die Körpergrösse des Schweizer Skifahrers Ramon Zenhäu­sern zu oft thematisiert und gar darüber Witze macht. Das Visionieren der drei beanstandeten Sende­teile konnte aus SRF-Sicht keinen dieser Vorwürfe bekräftigen. Im Detail:

  • 17.3.2017 – Interview nach zweitem Slalomlauf: Moderator Lukas Studer muss den Zuschauerinnen und Zuschauern erklären, weshalb der Zweimeter-Athlet Zenhäusern ihn nicht deutlich überragt, sondern sich beim Interview im Freien auf Augenhöhe mit ihm befindet. Dazu fragt er ihn, ob er (nach seinem sehr guten, kräftezehrenden zweiten Lauf) müde sei, so dass er Platz genommen habe. Bei dieser Bemerkung nimmt er aber keinen Bezug auf dessen Körpergrösse von zwei Metern. Das Interview dreht sich anschliessend nicht um körperliche Merkmale, sondern Zenhäusern wird zum aktuellen Rennen, zur Saison und seinen Fortschrit­ten in der Disziplin Slalom befragt.
  • 19.02.2019 – Interview nach Ski-Cityevent: Das Interview wurde nicht durch einen SRF-Journalisten geführt, sondern wurde als Teil des «Worldfeeds» durch die produzierende TV-Einheit gesendet und ist von SRF übernommen worden. Auf den Inhalt dieses in englischer Sprache geführten Interviews hatte SRF keinen Einfluss. Der Live-Kommentator übersetzte die wichtigsten Aussagen von Zenhäusern zusammenfassend ins Deutsche und ordnete dessen Aussagen zur Körpergrösse ganz kurz ein.
  • 24.2.2019 – Studiogast im Sportpanorama: Nach der Begrüssung bittet Moderator Jann Billeter Studiogast Ramon Zenhäusern auf der Bank Platz zu nehmen. «Mer gönt go sitze, denn müend sie ned emmer abeluege» ist sicher nicht die eleganteste Überleitung, sie verletzt den Athleten aber keinesfalls sondern spricht eine Beobachtung an, welche bestimmt einem grossen Teil der Zuschauerinnen und Zuschauer aufgefallen ist. Im Studioteil, der rund 20 Mi­nuten dauerte, standen das Ski-Sportliche und die Bedeutung der mentalen Betreuung im Mit­telpunkt, die Körpergrösse des Athleten war kein Thema.

In allen drei Beispielen bekam der Zuschauer nie den Eindruck, dass sich Ramon Zenhäusern wegen der Fragen zur Körpergrösse enerviert oder geärgert oder sich gar diskriminiert gefühlt hat.»

C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung der Sendungen. Sie kritisieren in Ihrer Bean­standung, dass der Skirennfahrer Ramon Zenhäusern von SRF wegen seiner Körpergrösse diskrimi­niert und gemobbt werde. Ich habe mir die von Ihnen erwähnten Sequenzen mehrfach genau ange­schaut.

17.3.2017 – Interview nach zweitem Slalomlauf:

Lukas Studer fragt Ramon Zenhäusern, nachdem er dessen Leistungen gelobt hat, ob er müde sei, denn Ramon Zenhäusern sitzt auf einer Querstange eines Geländers. So sind die beiden Protagonisten in etwa auf gleicher Höhe. Ramon Zenhäusern bejaht dies, da er gerade den Lauf hinter sich ge­bracht habe und sagt dann wörtlich: «Und so sind wir auf Augenhöhe. Es ist bes­ser für uns beide». Dazu lacht er über das ganze Gesicht. Lukas Studer entgegnet: «Absolut! Da bin ich gerade froh, muss ich ganz ehrlich sagen». Die Atmosphäre ist komplett entspannt. Im Anschluss daran geht Lukas Studer auf das aktuelle Rennen, die Saison und auf die Fortschritte des Skirennfahrers ein. Die Körpergrösse spielt dabei kein Thema. Es ist in diesem Interview also so, dass Lukas Studer Ramon Zenhäusern nicht auf die Körpergrösse angesprochen hat. Im Gegenteil! Dieses Thema brachte der Slalomspezialist selber zur Sprache – und seinem Lachen ist zu entnehmen, dass er es selber lustig fand, sitzend, also auf Augenhöhe dem kleiner gewachsenen Fragensteller Auskunft zu geben.

19.02.2019 – Interview nach Ski-Cityevent:

Auch hier bringt zuerst Ramon Zenhäusern seine Körpergrösse zur Sprache, und zwar auf die Frage, ob er ein Geheimnis für seinen Erfolg habe, das er seinen Konkurrenten verraten möchte, damit sie auch so erfolgreich sein können wie er. Er geht von sich aus und unaufgefordert auf seine Körper­grösse ein. Die Interviewerin nimmt seine Aussage anschliessend kurz auf, worauf Ramon Zenhäusern u. a. auf das Gewicht anderer Sportler eingeht und dann zusammenfasst, dass es beim Sport eben nicht um einen «Modelcontest» gehe.

24.2.2019 – Studiogast im Sportpanorama[1]:

Jan Billeter leitet nach dem Einstieg, bei dem er Ramon Zenhäusern stehend befragt hat, mit den Worten «Wir setzen uns doch jetzt, dann müssen Sie nicht immer von oben herabschauen, Ramon Zenhäusern» hinüber zur Sitzgelegenheit. Dort angekommen meint er: «Es ist dann ein bisschen be­quemer bei uns». Das Studiopublikum lacht dabei freudig. Man kann die Situation auch anders her­um interpretieren, nämlich in der Art, dass es für Jan Billeter einfacher war, nicht mehr dauernd zum gross gewachsenen Skistar hinaufschauen zu müssen. Er hat dabei aber den Gast ins Zentrum ge­stellt und die Formulierung «... dann müssen Sie nicht immer von oben herabschauen» gewählt.

Dass bei Sportlerinnen und Sportlern seitens der Medienschaffenden auch auf die körperlichen Eigen­schaften eingegangen wird, liegt in der Natur der Sache. Das ist übrigens auch bei den Printmedien so. Es ist für das Publikum eben spannend, zu wissen, dass beispielsweise der Profi-Basketballspieler Earl Boykins, Spielmacher der Denver Nuggets, mit einer Größe von 1,65 m einer der kleinsten Akteu­re in der NBA war und dass er gegen Shaquille O'Neal mit 2,16 m sportlich dennoch bestehen konnte.[2]

Über alles gesehen, komme ich zum gleichen Schluss wie Herr Hansjörg Wyss von der Chefredaktion «Sport». Ramon Zenhäusern wird in den von Ihnen kritisierten Sendungen weder diskriminiert noch gemobbt. Der von Ihnen aufgeführte Artikel der Bundesverfassung gegen Diskriminierung zielt bei Ihrer Beanstandung zudem ins Leere, da es im Art. 8 Abs. 2 um körperliche Behinderung geht.

Aus dem Gesagten ergibt sich, dass ich Ihre Beanstandung in keinem Fall unterstützen kann.

D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehge­setzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfü­gung.


Manfred Pfiffner, stv. Ombudsmann


[1] https://www.srf.ch/play/tv/sportpanorama/video/sportpanorama-vom-24-02-2019?id=2d9a821d-b389-4598-aec2-3975af31c9ab [Timecode: 25:24 – 25:31]

[2] https://www.spiegel.de/sport/ussports/kleine-nba-profis-im-reich-der-giganten-a-395645.html

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