Öffentlichkeit schaffen für die kulturelle Vielfalt der Schweiz
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Öffentlichkeit schaffen für die kulturelle Vielfalt der Schweiz

Sendungsformate mit eindeutigem Bezug zur Lebenswelt von Personen mit Migrationshintergrund sind für die Schweiz immens wichtig. Die kulturelle Vielfalt der Schweiz ist fest im Alltag der Bevölkerung verankert und die öffentliche Auseinandersetzung damit bedeutend für ein friedliches und tolerantes Zusammenleben.

Als Kind wurde ich schon früh mit negativen Schlagzeilen über Ausländer und insbesondere über meine kosovo-albanischen Landsleute konfrontiert. Daher weiss ich nur zu gut, welche Macht Medien auf die Reputation ganzer Bevölkerungsgruppen, aber auch auf die Selbstwahrnehmung von indirekt Betroffenen haben können. So muss man sich beispielsweise für kriminelle Landsleute entschuldigen, die man gar nicht kennt und deren Verhalten diametral entgegengesetzt zu Erfahrungen aus dem persönlichen Umfeld stehen. Wenn es kaum Sendungsformate gibt, die über die schönen und konstruktiv über die schwierigen Seiten einer kulturell vielfältigen Gesellschaft berichten, wird es schier unmöglich, sich ein differenziertes Bild zu machen. 

Ich glaube, die fehlende mediale Aufarbeitung birgt Gefahren und führt zu einer Entfremdung. Der dominante Schlagzeilen-Journalismus bleibt in vielen Köpfen haften und verfestigt sich dort zu allgemeingültigen Glaubenssätzen. «Albaner sind kriminell», «Schweizer sind Rassisten», «Der Islam ist grundsätzlich nicht vereinbar mit der westlichen Lebenswelt» – das sind nur einige solcher Glaubenssätze, die in unseren Köpfen schlummern und oftmals unsere Haltung bestätigen, welche sich aufgrund eines fehlenden persönlichen Erfahrungsschatzes und mangelnder starker Gegenthesen in der Öffentlichkeit geformt hat.

Ein starker Service public sollte ein Stück weit auch eine Integrationsfunktion wahrnehmen. Deshalb plädiere ich für eine stärkere mediale Aufmerksamkeit der SRG SSR für Themen aus dem Alltag einer multikulturellen Gesellschaft. Dazu reichen keine Spezialwochen, sondern es braucht eine Institutionalisierung in der Programmgestaltung, so wie es bei anderen für unsere Gesellschaft relevanten Themen der Fall ist. Dabei sollte die mehrheitlich gut funktionierende alltägliche Integration zelebriert, aber auch kritisch diskutiert werden.

Text: Donika Dragaj aus Bubikon ZH ist Marketing-Spezialistin und Vertreterin der ­ausländischen Bevölkerung der Schweiz im Publikumsrat der SRG Deutschschweiz.

Bild: Peter Mosimann

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