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SRF «DOK»-Sendung «Der Klimawandel. Die Fakten» beanstandet IV

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Mit Ihrer E-Mail vom 20. November 2019 beanstandeten sie die DOK-Sendung (Fernsehen SRF) vom 14. November 2019 zum Thema «Der Klimawandel. Die Fakten». Ihre Eingabe entspricht den formalen Anforderungen an eine Beanstandung. Ich kann daher darauf eintreten.

A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:

«Mit grossem Befremden habe ich mir den DOK Film ‘Der Klimawandel. Die Fakten’ angeschaut. Als Geographielehrer an der KS Schaffhausen beschäftige ich mich seit über 10 Jahren mit dem Thema Klimawandel (KW). Selten ist mir aber eine so einseitige und alarmistische Dokumentation - der BBC - begegnet. Bereits zu Beginn der Sendung wurde erwähnt, dass sich die Forscher über die Ursachen des Klimawandels einig seien. Dies Aussage ist schlicht faktenwidrig. Ich habe Ihnen dazu eine Pdf-Datei von mir mit dem Titel ‘97 Prozent Konsensus kritisch hinterfragt’ angehängt, in welchem ich sehr ausführlich darzulegen versuche, dass es in der wissenschaftlichen Literatur keinen Konsensus zu den Ursachen des KW gibt.[1] Auch was die Folgen des Klimawandels anbelangen, gehen die Meinungen in der Wissenschaft stark auseinander. Der Dok Film geht in seinen Aussagen aber selbst weit über Aussagen des IPCC (AR5) hinaus. Wie ich nach kurzer Internetrecherche festgestellt habe, wurde von Dr. Benny Peiser im Namen der The Global Warming Policy Foundation bereits am 25.4.2019 Einsprache bei der BBC gegen den Film erhoben und in einem vierseitigen Brief mit Verweis auf die Fachliteratur detailliert dargelegt, wo der Film Falschaussagen macht. [2] Ich schliesse mich dieser Kritik an und erspare mir, sämtliche des im Brief an die BBC erwähnten Kritikpunkte mit weiteren Papern aus der Fachliteratur zu belegen. Ich bin mir absolut bewusst, dass das Thema KW im Moment sowohl medial als auch politisch sehr stark polarisiert. Daher wäre es m.E. sehr wünschenswert, wenn die SRG einen echten Dialog zum Thema fördern würde und nicht einseitig Stellung bezieht. Mit meiner Beschwerde erhoffe ich mir nicht nur eine Richtigstellung der im BBC-Film falsch dargestellten Fakten, sondern erlaube mir auch anzuregen, dass ein Streitgespräch unter Experten ausgestrahlt werden könnte. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass Professoren im Umfeld von EIKE oder z.B. der emeritierte Prof Dr. Schlüchter gerne bereit wären mit Professoren wie Dr. Knutti und Dr. Stocker etc. zu diskutieren. Ich danke Ihnen für eine wohlwollende Prüfung meines Anliegens.»

B. Die zuständige Redaktion erhielt Ihre Beanstandung zur Stellungnahme. Für die DOK äußerte sich Frau Nathalie Rufer, Executive Producer DOK und Reportage:

«Gerne nehmen wir Stellung zur Beanstandung von Herrn X zum Dokumentarfilm ‘Der Klimawandel – die Fakten’ vom 14.11.2019.

Herr X beanstandet, der gezeigte Film sei einseitig und ‘alarmistisch’. Es stimme nicht, dass sich die Wissenschaft mehrheitlich einig sei über die Ursachen des Klimawandels. Er regt an, einerseits die dargestellten Fakten richtigzustellen und andererseits ein Streitgespräch unter Experten zu organisieren.

Beim Film ‘Der Klimawandel – die Fakten’ handelt es sich um eine Produktion der BBC aus der Reihe des preisgekrönten Natur- und Tierforschers Sir David Attenborough, die neben SRF bereits von verschiedenen anderen Sendern ausgestrahlt wurde (z.B. ZDF, ORF). Thematisiert werden weltweite Folgen des Klimawandels, unter anderem, dass sich der Meeresspiegel erhöht und die Eisdecke in Grönland abnimmt. Gezeigt werden aber auch verheerende Waldbrände oder heftige Unwetter. Als Experten kommen renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern zu Wort.

Den Vorwurf des Beanstanders, der Film informiere nicht ausgewogen, weisen wir zurück.

Aus unserer Sicht erfüllt der Film das Gebot der Sachgerechtigkeit: Er zieht die verfügbaren Fakten in Betracht und zeigt, was <nach bestem Wissen und Gewissen für wahr gehalten wird>. Dass der Klimawandel ein ernstzunehmendes Problem darstellt, ist weltweit anerkannt und von der Wissenschaft bestätigt. Der Film stellt sichtbare und noch zu erwartende Folgen des Klimawandels nicht nur dar, sondern belegt diese mit Aussagen von anerkannten, seriösen Forscherinnen und Forschern. Das mag aufwühlend, erschreckend oder auch alarmierend sein, ‘alarmistisch’ aber im Sinne von unnötig oder übertrieben warnend, wie Herr X schreibt, erscheint uns der Film deswegen nicht. Uns ist bewusst, dass die Diskussion um das Thema Klimawandel und im speziellen um die Ursachen desjenigen gesellschaftlich und politisch umstritten sind. Wissenschaftlich hingegen ist die Sache viel eindeutiger.[3] Eine überwältigende Mehrheit der Klimaforscherinnen und -forscher ist sich einig: Der Klimawandel findet statt und ist mehrheitlich menschgemacht.

DOK sendet jeden Mittwoch um 21h einen ca. 50-minütigen dokumentarischen Film, meistens aus dem recht weit gefassten Themenbereich ‘current affairs’. Das grosse Thema ‘Klima’ respektive ‘Klimawandel’ ist gesellschaftlich und politisch hochrelevant und gehört deswegen zwingend zum Programm von SRF. Bestimmt werden auch andere Sendeformate als DOK die Thematik wieder aufnehmen, vermutlich auch Gesprächssendungen. Wann und wo das das geschehen wird, liegt in der Programmautonomie von SRF, die dem Sender erlaubt, zu entscheiden, wie und mit welchen Protagonisten ein Thema behandelt wird.

Wir sind der Meinung, die Beanstandung sei abzuweisen. Vielen Dank.»

C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung der Sendung. Ich mache zuerst einige grundsätzliche Bemerkungen und gehe danach auf Ihre spezifische Kritik an:

  1. Dass Fernsehen SRF im Jahr des Klimastreiks einen DOK-Film zum Klimawandel ausstrahlt, erklärt sich von selbst: Das Thema ist relevant und aktuell. Die Wahl erfolgte nicht willkürlich. Auch wenn die Programmautonomie den Redaktionen viel Freiheit lässt, hat SRF mit diesem Thema nicht danebengegriffen: Das Publikumsinteresse war da.
  2. Die im Film dargelegten Fakten wird wohl niemand bestreiten: Die Erde erwärmt sich, das Eis in der Antarktis schmilzt, der Meeresspiegel steigt, die Niederschläge nehmen zu, die Waldbrände werden zahlreicher und heftiger, Tierarten sind bedroht. Der Titel der DOK war darum nicht falsch gewählt: Es werden Fakten aufgezeigt.
  3. Projektionen und Prognosen können immer eine gewisse Ungenauigkeit aufweisen. Aber man verfügt heute über viel mehr Messungen und Zahlen als noch vor 30 Jahren. Der Klimawandel lässt sich daher exakter dokumentieren.
  4. Im Film wird klar gesagt: «Nicht alle Wetter-Ereignisse sind auf den Klimawandel zurückzuführen». Und es steht auch fest, dass nicht alles, was sich verändert, durch die Menschen verursacht ist. Klar ist aber, dass die Beschleunigung des Klimawandels mit der Treibhausgas-Emission und mit der Rodung der Regenwälder zu tun hat.
  5. Die seriösen Wissenschaftler kommen deshalb alle zum gleichen Schluss: Es muss gehandelt werden, und zwar rasch. Im Film kommen denn auch zahlreiche renommierte Forscher und Experten zu Wort, so Richard Black, Direktor der Energy and Climate Intelligence Unit in London[4], Mike Berners Lee, Professor am Environment Center der Lancaster University[5], Matthew Hansen, Professor für Geographie an der Unversity of Maryland[6], Richard Lazarus, Rechtsprofessor an der Harvard University[7], Timothy Lenton, Professor für Geographie und Direktor des Global Systems Institute an der University of Exeter[8], Michael E. Mann, Professor für Atmospheric Science, Direktor des Earth Systems Science Center an der Pennsylvania State Universtiy[9], Mark Maslin, Professor für Geographie am University College London[10], Catherine Mitchell, Professorin für Energiepolitik an der Unversity of Exeter[11], Sunita Narain, Generaldirektorin des Centre for Science and Environment in New Delhi[12], Naomi Oreskes, Professorin für Wissenschaftsgeschichte an der Harvard University[13], Andrew Shepherd, Professor an der School of Earth and Environment der University of Leeds[14], Peter Stott, Professor für Engeneering, Mathematics and Physical Sciences an der University of Exeter[15], sowie Katey Walter Anthony, assoziierte Professorin am Water and Environmental Research Center der University of Alaska Fairbanks[16].
  6. Im Film wird übrigens auch dargelegt, dass es die Gegenposition gibt, dass die Kritiker vorschlagen, sich an den Klimawandel anzupassen, und dass sowohl in der Industrie wie auch in der Politik manche den Klimawandel leugnen. Damit hat SRF der Forderung «audiatur et altera pars» Genüge getan. Das Bundesgericht verlangt nicht, dass in umstrittenen Fragen die jeweils konträren Positionen gleichgewichtig zum Zuge kommen. Es verlangt nur, dass die andere Position erwähnt wird.
  7. Medien haben zudem auch eine seismographische Funktion. Es obliegt ihnen, die Bevölkerung über drohende Entwicklungen zu informieren. SRF erfüllt daher eine wichtige Medienfunktion, wenn es die Bevölkerung darüber aufklärt, was in Bezug auf das Klima auf die Menschheit, die Tierwelt und die Pflanzenwelt zukommt.
  8. Und Medien haben schliesslich auch eine pädagogische Funktion. Deshalb war es wichtig, dass im Film aufgezeigt wurde, was die einzelnen Menschen tun können, um den Klimawandel zu entschleunigen. SRF hat mit Hilfe der BBC so klar die Betroffenheit von uns allen aufgezeigt.

Und nun komme ich zu den Punkten, die Sie zusätzlich aufgeworfen haben. Sie nennen die Film «alarmistisch», und da muss ich Ihnen Recht geben: Da die Situation bedrohlich ist, können Medien gar nichts anderes tun, als auf die Gefahren hinzuweisen – anwaltschaftlich im Dienste der Mutter Erde. Es stimmt, dass vieles umstritten ist, aber es ist nicht automatisch so, dass die kleine Minderheit der Skeptiker und Leugner mehr Recht hat als die überwiegende Mehrheit der Forscher, die zahllose Studien durchgeführt haben. Ich habe die von Ihnen angefügte Einsprache gegen den Film bei der BBC studiert, aber hier ist wohl das Missverständnis dieses, dass im Film aufgezeigt wird, was droht, und im Weltklimarat festgehalten wird, was durch Studien empirisch belegt ist. Sie verweisen auf das Europäische Institut für Klima & Energie[17], das stark umstritten ist und sich nahe an der Leugner-Ideologie bewegt, und Sie bringen Prof. Dr. Christian Schlüchter ins Spiel, der Ordinarius für Quartär- und Umweltgeologie an der Universität Bern war. Er ist einerseits in Bezug auf seine Forschungsresultate ebenfalls umstritten, anderseits argumentiert er sehr differenziert, d.h. er relativiert seine Kritik und seine Zweifel an Klimawandel stark.[18]

Wenn ich den Film als Ganzes in den Blick nehme und die gesetzlichen Anforderungen an Radio- und Fernsehprogramme bedenke, dann erachte ich ihn als durchaus sachgerecht. Deshalb kann ich ihre Beanstandung nicht unterstützen.

D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüssen,
Roger Blum, Ombudsmann


[1] Vgl. Beilage Konsensus

[2] https://www.thegwpf.org/content/uploads/2019/04/BBC-complaint-April2019.pdf

[3] https://climate.nasa.gov/scientific-consensus/

[4] https://eciu.net/about/the-team

[5] https://www.lancaster.ac.uk/lec/about-us/people/mike-berners-lee

[6] https://geog.umd.edu/facultyprofile/hansen/matthew-c.

[7] https://hls.harvard.edu/faculty/directory/10509/Lazarus

[8] http://geography.exeter.ac.uk/staff/?web_id=Timothy_Lenton

[9] http://www.met.psu.edu/people/mem45

[10] https://www.geog.ucl.ac.uk/people/academic-staff/mark-maslin

[11] https://geography.exeter.ac.uk/staff/index.php?web_id=Catherine_Mitchell

[12] https://www.cseindia.org/page/sunita-narain

[13] https://histsci.fas.harvard.edu/people/naomi-oreskes

[14] https://environment.leeds.ac.uk/see/staff/1536/professor-andrew-shepher

[15] https://emps.exeter.ac.uk/mathematics/staff/pas217

[16] http://ine.uaf.edu/werc/people/faculty/katey-walter-anthony/

[17] https://www.eike-klima-energie.eu/

[18] https://www.eike-klima-energie.eu/2014/06/11/unsere-gesellschaft-ist-grundsaetzlich-unehrlich/

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