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«Arena»-Sendung «Zauberformel – ausgezaubert?» beanstandet

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Mit Ihrer E-Mail vom 7. Dezember 2019 beanstandeten Sie die Sendung «Arena» (Fernsehen SRF) vom 6. Dezember 2019 zum Thema «Zauberformel – ausgezaubert?».[1] Ihre Eingabe entspricht den formalen Anforderungen an eine Beanstandung. Ich kann daher darauf eintreten.

A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt

«Missachtung der Menschenwürde durch den Moderator Sandro Brotz. Diese Arena vom Freitag, war einfach unwürdig, bedenklich und unter der Gürtellinie, wer gibt dem Fernsehen und Sandro Brotz das Recht, die Meinungen von anderen in der Teilnehmer - Runde u. a. an den Tischen vorne mit Sandro Brotz zusammen in Frage zustellen. Sandro Brotz und das Schweizer Fernsehen steht nicht über alles und sollen und müssen auch andere Meinungen, ohne wenn und aber akzeptieren, wir sind immer noch in einer Demokratie und nicht in einer Diktatur. Wenn er schon die Teilnehmer wie z. B. Gerhard Pfister fragt und nachher mit dessen Antwort nicht einverstanden ist, zeit die Arroganz und Selbstherrlichkeit von Sandro Brotz. Gerhard Pfister hat dies ja auch Sandro Brotz gesagt, wenn er schon Frage, akzeptiere er ja seine Antwort nicht. Sandro Brotz, zeigte nach der Antwort von Gerhard Pfister, wie er gestrickt ist, wie eine Beleidigte Leberwurst. Ich erwarte vom Fernsehen keine Belehrungen und Schulmeisterhaftes tun, sondern einfach ein Sammeln und wiedergeben von Informationen. Auch die Redezeiten von verschiedenen, zeigt, wie das alles gelenkt wird, Balthasar Glättli konnte minutenlang seine Statements abgeben, ohne das der Moderator seinen Redeschwall unterbrach, bei andern zeigte er weniger Verständnis. Auch hat er das ständiges Dreinreden von Balthasar Glättli nicht unterbunden, diese Arena - Sendung war nicht Fair, einfach eine gelenkte Zumutung.»

B. Die zuständige Redaktion erhielt Ihre Beanstandung zur Stellungnahme. Für die «Arena» äußerte sich Frau Franziska Egli, Leiterin der «Arena»:

«Mit seiner Mail vom 7. Dezember 2019 hat Herr X eine Beanstandung gegen die Arena-Sendung ‘Zauberformel – ausgezaubert?’ vom 6. Dezember eingereicht.

Der Beanstander kritisiert einerseits, dass Moderator Sandro Brotz die Meinungen in der Teilnehmerrunde im Allgemeinen und von Gerhard Pfister im Besonderen in Frage stellt. Andererseits beanstandet er die Redezeiten der Gäste, die in seinen Augen unterschiedlich ausgefallen sind. Auch kritisiert er, die Gäste der Sendung seien vom Moderator nicht gleichbehandelt worden bzw. Nationalrat Glättli sei gegenüber anderen Diskussionsteilnehmenden bevorzugt worden. Gerne nehme ich dazu Stellung.

Ausgangslage

An der betreffenden Sendung teilgenommen haben die Parteipräsidentinnen und -präsidenten aller Parteien mit Fraktionsstärke. In der Hauptrunde vertreten waren die aktuellen Bundesratsparteien SP, CVP, FDP und SVP; hinter der Hauptrunde in der Loge die Grünen und die GLP. Thema der Sendung war die Forderung der Grünen nach einem Bundesratssitz und die jeweils nach den Wahlen anstehende Verteilung der Departemente. Da die Parteipräsidentin der Grünen, Regula Rytz, sich selbst als Kandidatin zur Verfügung gestellt hatte, nahm an ihrer Stelle der damalige Co-Interims-Präsident der Grünen und aktuelle Fraktionschef der Grünen, Balthasar Glättli, an der Sendung teil.

Rolle des Moderators

Der Beanstander stellt in seiner Zuschrift die Frage, wer dem <Fernsehen und Sandro Brotz das Recht [gibt], die Meinungen von anderen in der Teilnehmer-Runde u.a. an den Tischen vorne mit Sandro Brotz zusammen in Frage zu stellen.> Wäre Moderator Sandro Brotz ein regulärer Gesprächsgast dieser Sendung, hätte diese Frage tatsächlich eine gewisse Berechtigung, auch wenn es zu einer ‘Arena’ gehört, dass die Gäste mit den Meinungen ihres jeweiligen Gegenübers oftmals nicht einverstanden sind und diese darum in Frage stellen.

In Bezug auf den Moderator einer Diskussionssendung ist dies umso mehr der Fall. Aus Sicht der Redaktion ist es sogar zwingend die Aufgabe des Moderators einer Sendung wie der ‘Arena’, die Positionen sämtlicher Gäste kritisch zu hinterfragen: Als Journalist und Gesprächsleiter ist dies eine seiner zentralen Aufgaben. Herr Brotz und die Redaktion sind sehr bemüht darum, dass das ausgewogen und fair geschieht. Inwiefern und warum dies im Rahmen der beanstandeten Sendung nicht der Fall gewesen sein sollte, erschliesst sich uns nicht. Von einer Missachtung der Menschenwürde kann aus Sicht der Redaktion nicht die Rede sein.

Redezeiten

Im Unterschied zu Abstimmungssendungen stoppt die Redaktion die Redezeiten der einzelnen Gäste in regulären Sendungen nicht: In Abstimmungssendungen wird jeweils die totale Redezeit des Pro- und des Kontra-Lagers gemessen, jedoch nicht die Dauer der einzelnen Wortmeldungen. Bei regulären Sendungen können die Positionen jedoch oftmals nicht einfach in Pro- und Kontra-Lager eingeteilt werden, so auch in dieser Sendung: Bei den Parteipräsidentinnen und Parteipräsidenten handelt es sich um sechs Einzelpersonen, die jeweils ihre individuelle Meinung und vor allem die Position ihrer jeweiligen Parteien vertreten. Daher dient es der Ausgewogenheit nicht, wenn die Redezeit der Gäste exakt gestoppt wird.

Bevorzugung der Grünen

Die Redaktion der ‘Arena’ führt während der Sendung eine Liste, auf welcher die Anzahl Wortmeldungen vermerkt wird. In besagter Sendung kam die Parteipräsidentin der FDP, Petra Gössi, auf 14 Wortmeldungen, Albert Rösti, Präsident der SVP, hatte derer 12, der Parteipräsident der SP, Christian Levrat, 12 und Gerhard Pfister 7. Balthasar Glättli, Fraktionschef der Grünen, ergriff 10 Mal das Wort, Jürg Grossen, Parteipräsident der GLP, 8 Mal. Nun könnte die Verteilung der Wortmeldungen auf den ersten Blick tatsächlich etwas unfair erscheinen. Dieser Umstand ist jedoch dem politischen Momentum geschuldet: Die Sendung fand im Vorfeld der Bundesratswahlen statt; am 6. Dezember diskutierten die Parteipräsidentinnen und Parteipräsidenten in der ‘Arena’ und am Mittwoch darauf wurde der Bundesrat gewählt. Zu Beginn der Sendung stand die Forderung der Grünen nach einem Bundesratssitz im Zentrum, dies erklärt auch, warum deren Fraktionschef Balthasar Glättli in diesem Teil der Sendung und damit auch insgesamt öfter zu Wort kam als andere anwesende Parteivertreterinnen und Parteivertreter. Er als Vertreter der Grünen musste einerseits erklären, warum seine Partei aus seiner Sicht einen Anspruch auf einen Bundesratssitz hat. Andererseits musste ihm die Moderation auch die Möglichkeit einräumen, auf Voten aus der Hauptrunde, die dieser Forderung eine Absage erteilten – und das waren alle vier Bundesratsparteien -, zu reagieren. Auch gilt es festzuhalten, dass die alleinige Menge der Wortmeldungen noch keine Aussagen über deren Länge oder Qualität zulässt.

Ich gehe davon aus, dass Herr X sich im weiteren auf eine Situation bezieht, in der Moderator Sandro Brotz den Parteipräsidenten der CVP, Gerhard Pfister fragt, ob ein Tausch der Departemente von Herrn Bundesrat Cassis und Herrn Bundesrat Berset die Probleme in Bezug auf das Rahmenabkommen lösen würden (ca. Minute 50). Herr Pfister antwortet darauf, dass der Bundesrat alleine über die Verteilung der Departemente entscheide, worauf Sandro Brotz nochmals nachhakt. Eine Vorgehensweise wie in vorliegender Situation sieht die Redaktion klar als Aufgabe des Moderators. Auch wurde die Nachfrage von Sandro Brotz von Gerhard Pfister unserer Einschätzung nach nicht als anmassend empfunden, was sich auch in seiner Antwort widerspiegelt, die er mit einem Lächeln gibt <Nein, das ist sehr deutlich (...) wenn ich sage, der Bundesrat ist verantwortlich für die Departementsverteilung, dann ist das nicht Wischiwaschi, sondern eine klare Ansage. Auch wenn sie ihnen nicht passt, das ist schon möglich (...)>. Ganz zum Schluss dieser Sequenz bedankt sich Moderator bei Gerhard Pfister für dessen Antwort und das Publikum applaudiert. Von einem beleidigten Moderator oder einer unangemessenen Massregelung eines Gastes kann also keineswegs die Rede sein.

In der <Arena> kommt es vor, dass sich Gäste gegenseitig ins Wort fallen. Es ist nicht immer einfach, eine Diskussionsrunde wie die ‘Arena’ zu leiten. Des Öfteren wird heftig diskutiert, was zur Folge hat, dass die Rededisziplin von Zeit zu Zeit vernachlässigt wird. Sandro Brotz greift ausgleichend ein, wenn eine Seite unterzugehen droht oder zu oft das Wort an sich reisst. Allerdings ist die ‘Arena’ eine Diskussionssendung, die von den Voten der Teilnehmer lebt. Lebhafte, angeregte Diskussionen sowie ein natürlicher Diskussionsfluss sind erwünscht und ein ständiges Eingreifen durch den Moderator wäre störend. Aus Sicht der Redaktion hat die Moderation die Grünen daher nicht bevorzugt behandelt.

Aufgrund obiger Ausführungen bitte ich Sie die Beanstandung von Herrn Iten-Hartmann zur ‘Arena’ vom 6. Dezember ‘Zauberformel – ausgezaubert?’ nicht zu unterstützen.

Für Nachfragen stehen ich Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.»

C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung der Sendung. Es stimmt: Grünen-Fraktionschef Balthasar Glättli hat in dieser Sendung viel geredet, aber es ging ja auch um ihn, genauer: um den Anspruch und Angriff seiner Partei auf einen Sitz im Bundesrat. Am Anfang musste er übrigens zwölf Minuten warten, bis er zum ersten Mal das Wort erhielt. Insgesamt waren indes die Diskussion und die Wortverteilung absolut ausgewogen, da stimme ich Frau Egli hundertprozentig zu. Moderator Sandro Brotz hat gut durch die Sendung geführt, auch wenn er auf einige seiner Fragen keine direkte, sofortige und konkrete Antwort erhielt, weil die Politikerinnen und Politiker ganz bestimmte Botschaften platzieren oder sich nicht in die Karten blicken lassen wollten – wie CVP-Präsident Gerhard Pfister, der korrekt auf die Zuständigkeitsordnung für die Departementsverteilung verwies, um keine eigene Meinung äußern zu müssen. Es kam auch zu einigen augenzwinkernden Frotzeleien zwischen Moderator und Gästen.

An dieser Stelle muss einmal mehr auf die Rolle eines Moderators hingewiesen werden: Er leitet die Sendung. Er erteilt das Wort und stellt die Fragen. Er ist kritisch gegenüber allen, ganz gleichgültig, ob sie auf der politisch linken oder rechten Seite oder in der Mitte stehen. Er konfrontiert sie mit früheren Aussagen, mit Fehlleistungen der jeweiligen Partei oder mit Unklarheiten und Mauscheleien. Er fragt nach, wenn die Antworten ausbleiben oder nicht befriedigen. Er ist Anwalt des Publikums, das ehrliche Aussagen und vollkommene Aufklärung wünscht. Er treibt die Diskussion voran, auch mit leicht verständlichen Einspielern. Er stoppt jene, die zu lange reden oder in irgendeiner Weise ausfällig werden.

Sandro Brotz hat genau diese Rolle gespielt. Vor diesem Hintergrund habe ich überhaupt kein Verständnis für Ihre Beanstandung. Sie haben die Sendung entweder durch eine ganz dunkle Brille oder voller Vorurteile gesehen, wenn Sie behaupten, der Moderator hätte die Menschenwürde (von wem eigentlich?) verletzt und unter der Gürtellinie (von wem?) agiert. Es ist schleierhaft, wie man beim Betrachten einer solchen Diskussionssendung zum Schluss kommen kann, man befinde sich in einer Diktatur. Die Sendung verletzte keine Bestimmung des Radio- und Fernsehgesetzes. Ich kann daher Ihre Beanstandung nicht unterstützen.

D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüssen,
Roger Blum, Ombudsmann


[1] https://www.srf.ch/sendungen/arena/zauberformel-ausgezauber

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