Stefanie Strahm
SRG Deutschschweiz Magazin LINK

Faktencheck – Fakten im Vier-Säulen-Check

Das Faktencheck-Netzwerk von SRF hilft bei der Verifikation von Texten, Audios, Videos und Fotos. In der LINK-Kolumne erzählen die Verantwortlichen an dieser Stelle von Fakten aus ihrer Warte. Dieses Mal mit Stefanie Strahm, Co-Leiterin SRF Netzwerk Faktencheck.

Ich bin Stefanie Strahm und neu Co-Leiterin des Netzwerks Faktencheck von SRF. Ich arbeite als Dokumentalistin im Bereich Recherche und Archive bei SRF im Radiostudio Bern. In der letzten Kolumne hat Co-Leiter Beni Widmer das Netzwerk vorgestellt und die meist leider unschönen Themen aufgezeigt, zu denen wir Faktenchecks machen. Aber wie funktionieren solche Checks überhaupt? Welche Aussagen, Bilder oder Videos müssen geprüft werden? Wie geht man vor und welche Instrumente stehen zur Verfügung?

Texte, Bilder oder Videomaterial, die in sozialen Medien auftauchen, stammen oftmals nicht von Agenturen, Journalistinnen, Journalisten oder Medienhäusern, sondern wurden von Menschen ohne journalistischen Hintergrund aufgenommen oder verfasst und im Internet veröffentlicht, zum Beispiel auf Twitter, Instagram oder Facebook. Diese Aussagen, Bilder oder Videos erfüllen keine publizistischen Anforderungen wie etwa das Zweiquellenprinzip oder journalistische Neutralität. Aus diesem Grund ist die Überprüfung durch uns wichtig.

Ein Faktencheck basiert grundsätzlich auf vier Säulen. Zuerst der Plausibilitätscheck: Da geht man Fragen nach wie «Berichten mehrere Personen über dasselbe Ereignis?», «Wer berichtet? Sind diese Personen vor Ort?», «Ist der geografische Standort ermittelbar?» usw. Als Zweites macht man eine Bilder-Rückwärtssuche: Man sucht das infrage gestellte Bild oder Video chronologisch rückwärts im Netz. So findet man beispielsweise heraus, ob Material früher schon einmal verwendet wurde, aber nun in einem falschen Zusammenhang publiziert wird. Die dritte Säule besteht darin, sich die Person genauer anzuschauen, die das Material in den sozialen Medien hochgeladen hat. Dabei untersucht man ihr Profil, um ihre Glaubwürdigkeit beurteilen zu können. Und die vierte und letzte Säule nennt sich Geo-Location: Bei diesem Schritt werden einerseits konkrete geografische Hinweise ermittelt, etwa die Längen- und Breitengrade eines Fotos. Es werden zusätzlich z. B. auch die Wetterbedingungen des vorliegenden Tages X geprüft und die Vegeta tion der herrschenden Saison betrachtet, um durch diese Zusatzinformationen mögliche Fehler im Bild oder falsche Informationen finden zu können.

Gearbeitet wird unter anderem mit sogenannter Open Source Intelligence (OSINT). Darunter versteht man alle Arten von Informationen, die aus frei zugänglichen und verfügbaren, meist kostenlosen Internetquellen stammen. Diese werden mit ebenfalls frei zugänglichen Analysetools untersucht. Die Anzahl solcher Instrumente im Internet ist schier endlos. Und es kommen fast täglich neue hinzu oder es fallen altbekannte weg, das heisst, wir müssen uns fortlaufend darüber informieren und à jour halten.

In einer nächsten Kolumne werden wir konkrete Faktenchecks aus unserem Arbeitsalltag aufzeigen und erläutern, wie wir dabei vorgegangen sind. Bis dahin bleibt mir zu sagen, dass ich mich auf die weitere Zusammenarbeit mit allen anderen Faktencheckerinnen und -checkern bei SRF freue. In einer Zeit, in der fundierte Berichte, geprüfte Bilder und sogar wissenschaftliche Fakten in Zweifel gezogen werden, ist unsere Arbeit wichtiger denn je.


Text: Stefanie Strahm

Bild: zVg

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