Illustration einer amerikanischen Flagge mit Patronenhülsen drauf
SRG Deutschschweiz Ombudsstelle

Beanstander kritisiert Nachrichten zu US-Waffenlobby

Im vergangenen Mai berichtete SRF 3 in den Nachrichten über die Jahrestagung der «National Rifle Association». Ein Zuhörer fand, SRF habe die Position von Gegner:innen der Waffenlobby weggelassen und eine Einordnung der Aussagen verpasst.

Am 25. Mai sorgte die Tragödie von Uvalde, Texas, in den Programmen von SRF zu einer ganzen Reihe von Beiträgen. Ein Amokläufer hatte in einer Schule das Feuer eröffnet und dabei 21 Menschen getötet und mindestens 16 weitere verletzt. SRF widmete dem Vorfall unter anderem eine kritische Analyse der USA-Korrespondentin Isabelle Jacobi sowie einen Bericht über Joe Bidens Besuch bei den Eltern der getöteten Kinder.

Nur drei Tage nach dem Attentat versammelte sich die Schusswaffenlobby, die National Rifle Association, ebenfalls im Bundesstaat Texas. SRF berichtete über den Event und verwendete in der Einleitung Audioaufnahmen von Protesten der Waffengegner:innen. Im Beitrag selbst kamen anschliessend der Geschäftsführer der National Rifle Association, Wayne LaPierre, sowie Ex-Präsident Donald Trump zu Wort. Sie waren die beiden wichtigsten Redner auf dem Treffen der Lobbyorganisation.

«Hauptsache Aufmerksamkeit»?

Ein Zuhörer der Nachrichten zeigte sich schockiert über den Beitrag. In seiner Beanstandung beschreibt er die Berichterstattung als «extrem einseitig» und «unreflektiert». «SRF fällt meiner Meinung nach mal wieder auf den Mechanismus ‹Hauptsache Aufmerksamkeit› herein», so der Beanstander weiter. Die Position der Waffengegner:innen sei einfach weggelassen worden und es könne der Eindruck entstehen, dass SRF somit selbst Position beziehe.

Die Redaktion weist diesen Vorwurf entschieden zurück. Indem SRF über die Argumentation der Waffenlobby berichte, schliesse sie sich dieser in keiner Weise an. Der ganze Beitrag nehme eine kritische Haltung ein: Obschon soeben dieses Massaker stattfand, sei das rechte politische Lager nicht bereit, daraus nachhaltige Lehren zu ziehen.

Gesamtheitliche Abbildung der Debatte

In sämtlichen Beiträgen zur Tragödie in Uvalde habe man mit Überzeugung eine äusserst kritische Position zur «Laissez-Faire»-Politik des rechten politischen Lagers vertreten. «Es gehört aber auch zu unserer Aufgabe, in unserer Berichterstattung die Kernaussagen der Befürworter eines grenzenlosen Rechts auf Schusswaffenbesitz dem Publikum darzulegen», so die Redaktion. Nur so lasse sich die derzeit heisslaufende Debatte in den USA abbilden.

Die Ombudsleute sehen den Fall ähnlich wie die Redaktion. Bereits in der Anmoderation komme die Kernbotschaft des Beitrags zum Ausdruck.

Anmoderation der Nachrichten vom 28.05.2022:

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«SRF drei. Das sind die Nachrichten von SRF um acht. Guten Morgen. Die US Waffenlobby reagiert auf das neueste Schulmassaker. Statt Waffen verbieten, will sie mehr bewaffnete Sicherheitsleute an den Schulen. 19 Kinder und zwei Lehrerinnen sind diese Woche erschossen worden, bei einem Massaker in einer Schule in Texas. Und nun, nur drei Tage später, versammelt sich im selben US-Bundesstaat die mächtige Schusswaffenlobby, die National Rifle Association. Das Timing ist Zufall, und die Botschaft der NRA ist klar wie immer: das Recht, Waffen zu tragen, dürfe niemals eingeschränkt werden. Aus Washington berichtet Fredy Gsteiger.»

Jeder Nachricht liege ein Ereignis zugrunde, das deren Inhalt wie auch die Schlagzeile bestimme, so die Ombudsstelle weiter. Bei der beanstandeten Nachricht sei dies die Jahrestagung der US-Waffenlobby-Organisation National Rifle Association NRA gewesen.

Weil das Massaker auch an der Tagung ein Thema war, habe SRF diesen Aspekt ebenfalls in ihrer Nachricht aufgenommen. Dabei sei aber nicht das Attentat selbst im Fokus gewesen, sondern die Reaktion der NRA darauf. SRF beziehe keine Position, informiere und ermögliche so den Zuhörerinnen und Zuhörern, sich eine eigene Meinung zu bilden. Einen Verstoss gegen die Sachgerechtigkeit kann die Ombudsstelle deshalb nicht feststellen.

Die Nachrichten vom 28.05.2022 im Audio:

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Schlussbericht Ombudsstelle Nr. 8808


Text: SRG.D/df

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