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Ueli Maurer kritisiert Corona-Politik – Expert:innen widersprechen

Alt Bundesrat Ueli Maurer kritisierte in einem SRF-Interview die Schweizer Coronapolitik scharf. Daraufhin konfrontierte «10vor10» Wissenschaftler:innen und Politiker:innen mit den Aussagen. Eine Beanstanderin empfand den Beitrag als «rufschädigend» – die Ombudsstelle widerspricht.

Darum geht es in der beanstandeten Sendung

Ein Beitrag von «10vor10» widmet sich den Aussagen von Ueli Maurer in einem SRF-Interview im Rahmen der Aargauer Demokratietage. Der alt Bundesrat kritisierte, dass Informationen aus Wissenschaft und Politik an die Bevölkerung – darunter etwa die Abstandsregel sowie die Impfempfehlungen – sich im Nachhinein als falsch herausgestellt hätten. Im gleichen Zug wirft er den Medien, konkret auch SRF, Angstmacherei und die Verbreitung von Falschinformationen vor. Ueli Maurer war während der Coronapandemie selbst Teil der Landesregierung.

«10vor10» konfrontiert verschiedene Personen mit den Aussagen des alt Bundesrats. Zum einen befragten sie einen Epidemiologen, zum anderen verschiedene Politiker:innen unterschiedlicher Parteien. Dabei erntet Maurer für seine Äusserungen viel Kritik.

«10vor10» vom 15. März 2024 – «Alt Bundesrat Ueli Maurer kritisiert Corona-Politik»

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Was wird beanstandet?

Eine Beanstanderin kritisiert den Beitrag als «respekt- und niveaulos» sowie «rufschädigend» für Ueli Maurer. Dabei sei es «kein Geheimnis», dass die Coronamassnahmen übertrieben gewesen seien. Der Beitrag stelle nicht differenziert dar, in welchen Punkten alt Bundesrat Maurer recht gehabt habe. Die Berichterstattung von SRF sei deshalb einseitig.

Was sagt die Ombudsstelle?

Die Ombudsstelle unterstützt die Beanstandung nicht. In ihrem Schlussbericht schreibt sie, SRF gehe keinesfalls respekt- und niveaulos mit Ueli Maurer um, sondern lasse ihn ausreden und bitte im Beitrag dann andere Personen, ihre Einschätzungen zu den Äusserungen abzugeben. Der Epidemiologe des Unispitals Zürich widerspreche dabei den wissenschaftlichen Aussagen von Ueli Maurer, die Kritik der Politiker:innen beziehe sich primär auf das Verhalten Maurers als ehemaligem Bundesrat.

Da Maurer als Mitglied der Kollegialbehörde die damaligen Massnahmen zur Bewältigung der Pandemie mitgetragen habe, sei nachträgliche Kritik in dieser Heftigkeit nicht statthaft, so der Tenor bei den befragten Politiker:innen im Beitrag. Und den gesundheitlichen Aspekten hätte die Mehrheit der wissenschaftlichen Expert:innen widersprochen. Es sei zudem nicht Aufgabe von SRF, in einem solch kurzen Informationsbeitrag die getätigten Aussagen auf faktische Korrektheit zu untersuchen. Einen Verstoss gegen die programmrechtlichen Bestimmungen des Radio- und Fernsehgesetzes werde deshalb nicht festgestellt.

Schlussbericht Nr. 9993


Text: SRG.D/pz

Bild: SRG.D/Cleverclip

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