Podium mit der Regisseurin Elena Avdija, SRF Kultur Redakteur Benjamin Magnin und Niklaus Ullrich, Vize-Präsident der SRG Deutschschweiz
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SRG Mitgliederanlass mit preisgekrönter Regisseurin

Am Zurich Film Festival wurden 18 Schweizer Produktionen gezeigt. Eine davon war der Dokumentarfilm «Cascadeusesۛ» der Schweizer Regisseurin Elena Avdija. In den Genuss der Premiere dieser SRG-Koproduktion kamen auch Mitglieder der SRG Deutschschweiz.

Der Film «Cascadeusesۛ» wurde am Zurich Film Festival als Weltpremiere gezeigt und mit einem goldenen Auge prämiert – dem Filmpreis des Zurich Film Festival. Wie dieser Film entstanden ist und wie sich die Produktion eines Dokumentarfilms von der einer fiktiven Serie oder eines Spielfilms unterscheidet, darüber gab es in Rahmen eines Podiumsgesprächs, organisiert von der SRG Deutschschweiz, einen Einblick. Durch den Talk führte Niklaus Ullrich, Vize-Präsident der SRG Deutschschweiz. Mit ihm im Gespräch waren die Regisseurin von «Cascadeusesۛ», Elena Avdija, und Benjamin Magnin, Redakteur bei SRF Kultur. Er ist unter anderem beteiligt an der Produktion der SRF-Serien «Tschugger» und «Neumatt».

Wie entstand «Cascadeuses»?

Die erste Phase der Entstehung ihres Dokumentarfilms bestand gemäss Elena Avdija aus der Suche nach finanziellen Mitteln für die Produktion. Dafür schrieb sie ein Dossier mit ihren Ideen, Recherchen und Konzepten für die filmische Umsetzung. In ihrem Erstlingswerk begleitete sie drei Stuntfrauen und beleuchtete wie die Akteurinnen in diesem männlich dominierten Business zu oft im Schatten bleiben und auf der Leinwand mehrheitlich in Opferrollen zu sehen sind.

Von Niklaus Ullrich auf die Bedeutung des Drehbuchs angesprochen, erläuterte Regisseurin Elena Avdija, dass es bei der Produktion eines Dokumentarfilms kein klar strukturiertes Manuskript gebe: «Bei Dokumentarfilmen haben wir kein schönes Skript mit einem transparenten Deckblatt und einer kartonierten Rückseite. Es ist ein bisschen chaotischer, es sind umherfliegende Post-it und Hefte mit Ideen.» Zu Beginn der Produktion entspreche das Drehbuch mehr einem groben Konzept für die Realisation.

In einer zweiten Phase, welche die Regisseurin als sehr wichtig erachtet, verglich sie ihre Ideen und Vorstellungen mit den realen Gegebenheiten. Sie reiste dafür ohne Kamera vor Ort und traf die Protagonist:innen. Danach schrieb sie das Drehbuch für die Dokumentation, wobei nicht alles fix vorgeplant werden konnte. Man wisse nicht, wie die Proganonist:innen auf gewisse Fragen oder Ereignisse reagieren, ergänzte Benjamin Magnin. Deshalb gehe man beim Dreh von Dokumentarfilmen lediglich mit einer Idee los. Elena Avdija betonte aber, eine Doku ganz ohne Skript und Plan anzugehen, wäre ein grosses Risiko. Dann könne es passieren, dass schlussendlich nichts Brauchbares rauskomme.

Sobald das Drehbuch stand, folgte als dritte Phase der Dreh. Gedreht wurde in Los Angeles, Paris und in der Schweiz. Für Los Angeles wurde genauer geplant, was gefilmt werden sollte, da die Reise nach Los Angeles kostspielig und die Aufenthaltsdauer beschränkt war. Während den Dreharbeiten hat Avdija aber vorzu am Drehbuch weitergeschrieben «da sich erst in der Zusammenarbeit mit der Filmcrew jeweils herausstellt, wie was gefilmt werden kann oder Unvorhergesehenes eintritt».

Die letzte Phase war der Schnitt und das Editing. Im Unterschied zu Spielfilmen oder fiktiven Serien entstehe ein grosser Teil des Dokumentarfilms erst im Schnitt ­­– wenn das gesamte Material beisammen ist ­­– erläuterte Elena Avdija. Dazu werde alles Rohmaterial gesichtet und dann die finale Geschichte zusammengestellt.

Bedeutung des Drehbuchs in der Fiktion

Bei fiktiven Produktionen sieht das Ganze etwas anders aus. Am Anfang stehe zwar auch eine Idee, erläuterte Benjamin Magin auf die Frage von Niklaus Ullrich nach der Rolle des Drehbuchs. Aber im Vorfeld des Drehs von Serien und Spielfilmen «wird sehr viel Zeit dafür verwendet, ein solides Drehbuch zu schreiben, damit möglichst effizient produziert werden kann», führte Magnin weiter aus.

Heutzutage werde immer öfters in sogenannten Writers Rooms an den Drehbüchern gearbeitet, wo mehrere Drehbuchautor:innen einer Produktion zusammenkommen. Das Schreiben eines Drehbuchs sei in der Regel ein langer Prozess. «Man beginnt und macht eine Version, eine zweite, dritte, vierte», erläuterte Benjamin Magnin und hole sich noch Meinungen von Expert:innen ein. Bei «Neumatt» hätten sie beispielsweis viele Diskussionen mit Landwirtinnen und Landwirten geführt. Es bestehe ein permanenter Austausch, bis man denke, dass das Drehbuch jetzt gut sei. Danach werde das Skript den Schauspieler:innen gegeben, welche ihre Figuren lesen und interpretieren und ebenfalls Inputs einbringen können. Auch während den Dreharbeiten oder im Schnitt fallen dann noch Änderungen an, erzählte Benjamin Magnin. Im Gegensatz zu Dokumentarfilmen, ist der Grossteil der Geschichte einer fiktiven Serie oder eines Spielfilms aber im Drehbuch festgehalten.

So fördert die SRG den Schweizer Film

Die SRG engagiert sich als Medienpartnerin für Filmfestivals und fördert zahlreiche Eigen- und Koproduktionen. Neben dem Bundesamt für Kultur ist die SRG die wichtigste Förderin des Schweizer Filmschaffens. Seit 1996 wird dieses Engagement mit den Partnern der Schweizer Filmbranche im Pacte de l’audiovisuel festgehalten. So wird eine eigenständige Schweizer Filmproduktion ermöglicht, die sich in der kleinen Schweiz über den Markt nicht finanzieren liesse.


Text: SRG.D

Bild: SRG.D

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