Antje Kirchhofer am Bahnhof in Aarau
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Antje Kirchhofer: «Viele schätzen den kleinen Impuls zum Zeitgeschehen»

Das «Wort zum Sonntag» ist nach der «Tagesschau» das zweitälteste ununterbrochen ausgestrahlte TV-Format bei SRF. Auch nach 70 Jahren habe das Format nicht ausgedient, findet die christkatholische Pfarrerin und ehemalige «Wort»-Sprecherin Antje Kirchhofer im Interview.

70 Jahre «Wort zum Sonntag»

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Am 6. Juni 1954 flimmerte erstmals die Sendung «Zum heutigen Sonntag» über die Bildschirme. Vier Jahre später erhielt die Sendung den heutigen Namen. Anfänglich noch am Sonntag ausgestrahlt, bekommt die vierminütige Sendung 1980 ihren heutigen Sendeplatz zwischen «Tagesschau» und Samstagabend-Unterhaltung.

Das «Wort zum Sonntag» wird in enger Zusammenarbeit mit den drei Landeskirchen (christkatholisch, evangelisch-reformiert, römisch-katholisch) organisiert. Aus den Vorschlägen der drei Kirchen wird alle zwei Jahre ein neues, konfessionell gemischtes Team von fünf Personen zusammengestellt. Die aktuellen Sprecher:innen des «Wort zum Sonntag» finden Sie hier.

Zum 70. Geburtstag plant SRF einen Rückblick mit Highlights aus 70 Jahren «Wort zum Sonntag». Am Samstag, 8. Juni 2024 präsentiert die römisch-katholische Theologin Ines Schaberger Perlen aus dem «Wort zum Sonntag»-Archiv.


Ausstrahlung: Sondersendung zum Jubiläum, Samstag, 8. Juni 2024, um 20.00 Uhr auf SRF 1


Antje Kirchhofer, seit 70 Jahren wird das «Wort zum Sonntag» jeweils samstags zwischen der «Tagesschau» und der Abendunterhaltung ausgestrahlt. Ist das Format noch zeitgemäss?

Ich bin erstaunt, wie viele Leute dieses Format schauen, wenn auch nicht unbedingt zur Sendezeit. Es gibt einige, die sich das «Wort zum Sonntag» später online ansehen. Aufgrund der vielen Rückmeldungen, die ich erhalte, glaube ich, dass ein solches Sendegefäss noch immer zeitgemäss ist. Viele schätzen diesen kurzen Gedanken zum Zeitgeschehen, diesen kleinen Impuls. Was insbesondere dem Zeitgeist entspricht, ist die Kürze. Die Sprecher:innen verfügen über eine maximale Redezeit von dreieinhalb Minuten. Damit hat man genau Zeit, einen Gedanken zum aktuellen Zeitgeschehen herzuleiten und diesen auszuführen. Für mich ist es ein geniales Format.

Was auffällt: Begriffe wie Gott, Jesus oder Bibel werden in diesem Format eher selten genannt, und wenn, dann erst in der zweiten Hälfe der Sendezeit. Ist das Absicht?

Bewusst habe ich mich bei meinen Wortmeldungen an der Lebenswirklichkeit der Menschen orientiert. Zudem ist es auch nicht der Auftrag der Sprecher:innen, eine Predigt zu halten. Es geht also nicht per se darum, die Weihnachtsbotschaft zu erzählen, sondern zu überlegen, was die Leute in der heutigen Zeit bewegt. Ich thematisierte zur Weihnachtszeit daher beispielsweise die Erwartungen und Probleme der Menschen in Bezug auf das Weihnachtsfest. Da konnte ich mich zwar auf die Weihnachtsbotschaft beziehen, stellte sie jedoch nicht in den Vordergrund.

«Ich habe meine Gedanken stets so versucht zu formulieren, dass auch andere Meinungen möglich blieben.»

Halten Sie es als christkatholische Pfarrerin auch bei den Predigten so?

Ja, absolut. Was soll ich schon ansprechen, wenn es nicht mit der Lebenssituation der Menschen zu tun hat? Ich glaube, den Leuten löscht es schnell ab, wenn sie in der Predigt etwas hören, was völlig ab von der Welt ist.

Die Sprecher:nnen des «Wort zum Sonntag» haben eine besondere Position: Es darf als eine von wenigen SRF-Sendungen meinungsgefärbt sein. War das für Sie eine Narrenfreiheit oder eher eine Herausforderung?

Ich war im Äussern meiner Meinung eher zurückhaltend. Klar, es war toll, Themen frei auswählen zu dürfen und eine Sache zur Sprache zu bringen, welche in dieser Woche relevant war. Ich bezog mich beispielsweise oft aufs Thema Klima. Doch habe ich meine Gedanken stets so versucht zu formulieren, dass auch andere Meinungen möglich blieben. Da gibt es Kolleg:innen, die eine klarere Linie fahren und denen es auch nichts ausmacht, Kritik einzufangen. Doch das ist auch eine Frage der Kapazität.

Wie meinen Sie das?

Die Sprecher:innen sind verpflichtet, alle Rückmeldungen zur Sendung zu beantworten. Das muss man zeitlich einplanen. Doch war es mir nie ein Anliegen, gezielt zu provozieren.

In welche Richtung könnte sich das «Wort zum Sonntag» Ihrer Meinung nach in Zukunft bewegen?

Das Format dürfte etwas lebendiger sein. Im Moment ist der Ablauf sehr standardisiert, auch die Kameraeinstellung ist immer dieselbe. Und vielleicht könnte die Sendung etwas interaktiver sein. Insofern, dass beispielsweise Publikumsreaktionen miteinbezogen werden.

Zur Person

Antje Kirchhofer ist Pfarrerin der Christkatholischen Kirchgemeinde Aarau. Sie war von 2020 bis 2022 als Sprecherin für das «Wort zum Sonntag» im Einsatz.


Text: Valeria Wieser

Bild: SRF, Merly Knörle

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