Stéphane Gabioud: So stärkt Radio den interregionalen Austausch

Gemäss Konzessionsauftrag fördert die SRG die Verständigung, den Zusammenhalt und den Austausch zwischen den Landesteilen. Wo sich diese Kohäsionsaufgabe im audiovisuellen Programm niederschlägt, zeigen verschiedene Mitarbeitende der SRG in dieser Kolumne auf. Diesmal schreibt Stéphane Gabioud, Journalist bei RTS und Teil der interregionalen Radiogruppe IRP der SRG, über die SRG als Motor des Austauschs zwischen den Sprachregionen.

Zur Person

Stéphane Gabioud ist Journalist bei RTS und Teil der interregionalen Radiogruppe IRP der SRG.

Wann haben Schweizerinnen und Schweizer aus den vier Sprachregionen die Gelegenheit, sich zu begegnen? Ich meine: sich wirklich zu begegnen. Sich auszutauschen. Zu teilen. Gemeinsam zu begeistern. Teil der Fussballnationalmannschaft sein? Die Plätze sind heiss begehrt! In einem anderen Teil des Landes Militärdienst leisten? Das betrifft im Grunde nur die Hälfte der Bevölkerung (oder nicht einmal). Mehrere Stunden in einem SBB-Zug festsitzen und keine andere Wahl haben, als mit «den Anderen» in ihrer Landessprache zu sprechen? Unsere Züge sind zu zuverlässig, um auf diese Möglichkeit zu setzen.

Denken wir genau darüber nach. Die mythische mehrsprachige und multikulturelle Schweiz: Gibt es sie wirklich? Nein. Die meisten Bewohnerinnen und Bewohner unseres Landes leben ruhig in ihrer Sprachregion, ohne Kontakt zu «den Anderen» zu haben. Treffpunkte und Orte des Austauschs zwischen den verschiedenen Regionen sind rar.

«Ich bin seit über 20 Jahren davon überzeugt»

Die SRG ist einer davon. Ich bin seit über 20 Jahren davon überzeugt. Ich habe das Glück, Teil einer interregionalen Gruppe zu sein, deren Aufgabe es ist, den Austausch und die Erstellung von In halten für unsere wichtigsten Radiosender zu fördern: SRF 1, RTS Première, Rete Uno und Radio Rumantsch. Einer der Höhepunkte dieser Zusammenarbeit war die Gründung einer nationalen Redaktion, die seit über 14 Jahren – Woche für Woche – Themen von Korrespondentinnen und Korrespondenten aus den vier Sprachregionen präsentiert. Dabei geht es darum, die Sprache, die Ideen und die Besonderheiten der jeweiligen Region zu vermitteln und hörbar zu machen. Sicherlich war die Rubrik «Die Anderen – Les autres – Gli altri – Ils auters» mit vier mal fünf Minuten pro Woche nur ein bescheidener Beitrag. Aber sie war einer der noch viel zu seltenen Orte, an denen ein Austausch stattfand.

Ich spreche davon in der Vergangenheitsform, denn die Rubrik endet jetzt im Dezember 2025. Aber andere Austauschprojekte sind unter anderem im Radio schon geplant. Im Jahr 2026 wollen wir beispielsweise vier nationale Tage zu gemeinsamen Themen anbieten, die jeweils in einer Sprachregion stattfinden sollen. Um Perspektiven auszutauschen. Um Unterschiede und Gemeinsamkeiten hervorzuheben. Das ist für morgen. Und übermorgen? Das landesweit lancierte Projekt «Enavant» der SRG will unseren Austausch noch stärker fördern. Damit wir voneinander lernen, einander verstehen, uns bewegen, auch zusammen lachen und uns als Teil eines so schönen Abenteuers fühlen können: dem einer vielfältigen, komplexen, einzigartigen und eben auch fragilen Schweiz.

Näher dran mit dem Mitgliedermagazin

Dieser Text erschien zuerst im «LINK», dem Magazin für alle Deutschschweizer Mitglieder der SRG. Sie interessieren sich für die Entwicklungen in der Schweizer Medienlandschaft, in der SRG und deren Unternehmenseinheiten? Mit «LINK» erhalten Sie fünf Mal jährlich spannende Beiträge zu den Entwicklungen im Journalismus, über den medialen Service public und die Menschen dahinter.

Jetzt Mitglied werden

Text: Stéphane Gabioud

Bild: RTS/Anne Kearney/zVg

Weitere Neuigkeiten