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Kommentar von Moderator Sven Epiney in «Eurovision Song Contest»-Übertragung beanstandet [Teil II]

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Mit E-Mail vom 24. Mai 2014 haben Sie den „Moderationsbeitrag der SRG zum ‚Eurovision Song Contest‘ vom 23. Mai, ca. 2h01‘10“ nach Beginn der Sendung und vor dem russischen Beitrag Nr. 25“ beanstandet. Den Erhalt Ihrer Eingabe habe ich mit meinem Brief vom 26. Mai bestätigt.

Wie üblich, habe ich die Verantwortlichen von SRF gebeten, zu Ihren Kritiken Stel­lung zu beziehen. Dies ist erfolgt und in der Zwischenzeit habe ich die Angelegenheit analysieren können. Ich bin somit in der Lage, Ihnen heute meinen Schlussbericht zu senden.

1. Sie motivieren Ihre Reklamation wie folgt:

„Ich beanstande den Kommentar von Herrn Epiney im Schweizer Fernsehen vor Polina Gagarinas Auftritt deshalb als völlig deplatziert, weil....

(a) .....Herr Epiney, der bekannte homosexuelle Moderator, die hervorragende Leistung einer engagierten russischen Künstlerin missbraucht, um seine sehr, sehr einseitige Meinung über ein Land zu platzieren, welches Demos von Homosexuellen nicht zulässt.

(b) .....Herr Epiney das zudem noch toppt mit einem für einen ESC völlig deplatzierten politischen Statement sowie der Unterstellung, die russische Politik verwendete den ESC 2015 für politische Propaganda.

Persönliche Meinungen und politische Statements ausserhalb entsprechender Sen­degefässe sind reaktiv gehörig zu sanktionieren und präventiv ist der Missbrauch durch geeignete Massnahmen künftig auszuschliessen.“

2. Wie erwähnt, haben die Verantwortlichen von SRF zu Ihren Kritiken Stellung bezo­gen. Herr Sven Sarbach, Bereichsleiter Show und Events, schreibt dabei Folgendes:

„Um eine angemessene Replik auf die Beanstandung sicherzustellen, haben wir die rund 4-stündige Sendung nochmal visioniert und die entsprechende Passage wie folgt transkribiert:

Transkription Kommentar Sven Epiney, 23.5.2015

[....]

Polina Gagarina ist 28 und in Moskau auf die Welt gekommen. Sie ist aber in Griechenland aufgewachsen. Im Moment arbeitet sie an ihrem dritten Album. Sie arbeitet als Sängerin und auch als Modell und Schauspielerin vor der Ka­mera. Sie hat auf dem Weg nach Wien im Tirol bei Swarowsky die Kristallwelt besucht; sie versucht aber nicht nur Edelsteine zu polieren, sondern möchte auf der Eurovisionsbühne auch das angeschlagene Image vom politischen Russland aufpolieren. Mit ihrem weissen Outfit will sie alles überstrahlen. In ihrem Lied geht es um die Message, dass wir alle gleich seien und wenn wir uns einsam fühlen, die Russen immer ein offenes Ohr für uns hätten. Vielleicht sollte sie das Lied auch mal im Kreml singen.

[....]

Soweit die Transkription der Passage, die den Auftritt der russischen Sängerin betrifft.

Der Beschwerdeführer kritisiert nun, dass Sven Epiney in seinem Kommentar ‚die hervorragende Leistung einer engagierten russischen Künstlerin missbraucht, um seine sehr, sehr einseitige Meinung über ein Land zu platzieren, welches Demos von Homosexuellen nicht zulässt.‘

Bei der Durchsicht der transkribierten Texte lässt sich dieser Vorwurf nicht erhärten, der Originaltext lautet: ‚[Die Sängerin] möchte auf der Eurovisionsbühne auch das angeschlagene Image vom politischen Russland aufpolieren‘, in keiner Art und Wei­se ist die Rede von Demonstrationen von Homosexuellen oder von anderen persön­lichen Ansichten des Moderators.

Der Beschwerdeführer kritisiert weiter, dass ‚Herr Epiney das zudem noch toppt mit einem für einen ESC völlig deplatzierten politischen Statement sowie der Unterstel­lung, die russische Politik verwendete den ESC 2015 für politische Propaganda.‘

Wir geben dem Beschwerdeführer insofern Recht, als dass der ESC grundsätzlich keine politische Sendung ist, sondern eine Unterhaltungssendung. Allerdings lässt sich ein Zusammenhang zu aktuellen geopolitischen Situationen nicht immer aus­blenden, das gehört zum ESC seit Jahren dazu. Aus unserer Sicht ist es durchaus die Aufgabe des Kommentators, in der Funktion eines Reporters die Stimmung in der Halle zu beschreiben und den Auftritt der jeweiligen Künstler entsprechend zu kom­mentieren.

Wir haben im Rahmen der Nachbearbeitung sämtliche Moderationstexte zu Russ­land, die in der Sendung vorgekommen sind, transkribiert und sind zu dem Schluss gekommen, dass der Kommentar fair und vorurteilsfrei war; selbstverständlich hat der Kommentator jeweils die in der Halle aufkommenden Stimmungen zu Russland (teilweise Buhrufe) auch entsprechend kommentiert, aber stets in der Rolle eines Berichterstatters und nie aus einer persönlichen Perspektive.“

3. Soweit die Stellungnahme der Verantwortlichen von SRF. Herr Sven Sarbach, Be­reichsleiter Show und Events, argumentiert glaubwürdig, warum er Ihre Beanstan­dung nicht teilen kann.

Geht es nun um meine eigene Beurteilung, so kann ich Ihre kritischen Bemerkungen durchaus nachvollziehen. Denn es ist nicht zu bestreiten, dass Herr Sven Epiney in seinem Kommentar die musikalische Leistungen und die entsprechenden Bewertun­gen von Frau Polina Gagarina wiederholt und mit einer gewissen Beharrlichkeit mit Russlands Politik in Verbindung gebracht hat.

Indem Sie sich nicht nur auf die bereits erwähnte Passage beziehen, lohnt es sich, sämtliche Kommentare von Herrn Epiney zum Auftritt der russischen Sängerin zu berücksichtigen. Die Verantwortlichen von SRF haben diese wie folgt transkribiert:

[....]

Es gibt nun doch einige Buhrufe im Saal, wahrscheinlich, weil Russland doch nicht zuoberst figuriert auf der Sympathieskala.

[....]

Ihr merkt es, so richtig mag keine Stimmung aufkommen in der Halle, da schwingt offenbar das Politische doch etwas mit.

[....]

Riesenjubel in der Halle, dass Schweden Russland überholt hat. Die Sympa­thien hier in der Halle sind klar verteilt, wenn es nach den Eurovision-Fans gehen würde, darf Russland nicht gewinnen.

[....]

Hier (Anm.: bei der Resultatevergabe der Länder) ist definitiv der Tenor ange­geben: Alles gegen Russland, irgendwie will man ein Zeichen setzen, es ist ein Unbehagen da, da tut mir Polina (Anm.: Die Sängerin) leid, was kann sie dafür, dass die Politik in ihrem Land alles andere als ‚building briges‘ macht, sagen wir es mal so (Anm.: Building briges ist das Motto des diesjährigen Song Contest).

[....]

Wenn man hier in der Halle ist, läuft es einem kalt den Rücken hinunter, weil die Sympathien so stark verteilt sind, es heisst quasi alles gegen Russland hier vor Ort.

[....]

Da ist also der Champion, der 28jährige Schwede, und jetzt gibt’s Goldregen für Schweden, und eine jubelnde Fanmasse hier im Stadion, die froh ist, dass Russland in Anführungszeichen zum Glück zweiter geworden ist, bzw. nur zweiter geworden ist.

[....]

Wir schauen uns das Schlussklassement an: Es war nicht einmal knapp am Schluss: 365 Punkte, also ganze 62 Punkte Vorsprung auf Russland, ein toller Platz für Italien.

[....]

Kann man die Kommentare von Herrn Epiney als „völlig deplaziert“ ansehen? Nach­dem ich die Angelegenheit analysieren konnte, gelange ich zu einer anderen Schlussfolgerung als Sie. Zwar haben Sie Recht, wenn Sie unterstreichen, dass der European Song Contest kein politisches Sendegefäss sei. Denn es handelt sich grundsätzlich um eine Musikveranstaltung und nicht um einen Politevent. Natürlich spielt die Musik bei den elektronischen Volksabstimmungen eine wichtige Rolle. Aber ebenso Sympathie und leider auch Politik. Nachbarvölker geben einander im ESC reichlich Punkte. Und wenn ein Land politisch oder gesellschaftlich an den Pranger gestellt wird, wird der ESC stets auch zu einem Polit-Ventil und Barometer.

Dies war im ESC 2015 bezüglich Russland der Fall. Bereits im Vorfeld wurde diese Frage in verschiedenen Medien thematisiert. Schon am 16. März qualifizierte das deutsche Magazin „Der Stern“ die Ballade „A Million Voices“ als „eine widerliche Inszenierung, denn scheinheiliger geht es nicht“. Im Artikel wird vermerkt, dass Präsi­dent Wladimir Putin mit diesem Lied „die ESC-Bühne erneut für seine politischen Manöver“ missbrauchen würde. „Angesichts der kriegerischen Auseinandersetzung in der Ostukraine kann es nicht gelingen, den russischen Beitrag losgelöst von der menschenverachtenden Politik Russlands zu sehen. So könnte es in Wien gut passieren, dass sich auch Polina Gagarina für ein Pfeifkonzert rüsten muss. Zur Not helfen nur Buhrufe“, schreibt „Der Stern“.

Auch in der Aargauer Zeitung war Folgendes zu lesen: „Die Spannungen zwischen Russland und dem Westen haben die russische Sängerin Polina Gagarina vor dem ESC unter Druck gesetzt. Sie habe vor ihrem Auftritt Angst gehabt, weil sie unsicher gewesen sei, wie das Publikum auf sie reagieren würde.“

Es ging aber nicht nur um die Politik des Kremls. Auch die Haltung Russlands zur Homosexualität wird in diesem Zusammenhang thematisiert. „Die Welt“ vom 23. Mai berichtet zum Beispiel, Polina Gagarina könne nicht auf die Unterstützung des russisch-orthodoxen Patriarchs Kirill I. zählen. „Denn er fürchtet eine Invasion ‚bärti­ger Sängerinnen‘.“

Was in den Medien vorausgesagt wurde, fand am Finale vom 23. Mai statt: Bei Punkten für Russland waren immer Buhrufe zu hören gewesen. Ich war selber nicht in der Wiener Stadthalle. Und auch als Fernsehzuschauer konnte man diese nur bedingt wahrnehmen, denn der Protest wurde kaum zu den Zuschauenden zuhause übertragen. TV-Produzenten werden immer rausschneiden oder den Buh-Effekt reduzieren. In den meisten Medienberichterstattungen wurde aber über diese anti­russische Manifestation berichtet. Ich zitiere lediglich die NZZ vom 26. Mai: „Die begabte russische Sängerin Polina Gagarina lag ... nach der Hälfte der Punktever­gabe sogar in Führung – zum Unmut des Publikums“, ist zu lesen. Und weiter: „ Die zierliche blonde Sängerin bekam den Ärger über die Machtpolitik des Kremls ebenso zu spüren wie die Sorge, eine in der Homosexuellen-Szene beliebte Veranstaltung könnte im kommenden Jahr ausgerechnet in Russland stattfinden.“

Bei dieser Ausgangslage ist es durchaus verständlich, wenn Sven Epiney in seinem Kommentar über die im Saal vorhandene antirussische Stimmung und ihre Gründe berichtete. Zugegeben: Durch die Wiederholung der gegenüber Russland abfälligen Sprüche entstand der Eindruck, Sven Epiney selber würde stets Russland kritisieren. Dabei erfüllte er lediglich seine Aufgabe als Kommentator und erläuterte, was in der Halle passierte. Selbstverständlich geniesst ein TV-Moderator einen nicht geringen persönlichen Spielraum. Doch ich bin der Auffassung, wonach Herr Epiney die Grenze des Zulässigen nicht überschritten hat und von missbräuchlicher „politischer Propaganda“ nicht die Rede sein kann. Dies umso mehr, als er durch seine Formulierungen „ in der Halle“ oder „hier“ oder „ die jubelnde Fanmasse“ deutlich gemacht hat, dass es sich nicht um seine persönliche Meinung, sondern um die Stimmung im Saal handelte.

Aus dem Gesagten ergibt sich, dass ich zwar Ihren kritischen Bemerkungen durch­aus mit Respekt begegne, Ihre Beanstandung aber, soweit ich darauf eintreten konnte, nicht unterstützen kann.

4. Ich bitte Sie, das vorliegende Schreiben als meinen Schlussbericht gemäss Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes RTVG entgegenzunehmen. Über die Mög­lichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen UBI (Monbijoustrasse 51A, Postfach 8547, 3001 Bern) orientiert Sie der beiliegende Auszug aus dem Bundesgesetz über Radio und Fernsehen.

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