Jonas Projer über «Arena», Speed-Dating-Fragen und seinen 24-Stunden-Job
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Jonas Projer über «Arena», Speed-Dating-Fragen und seinen 24-Stunden-Job

Mit ihren «Bargesprächen» bietet die SRG Aargau Solothurn einen Rahmen für den «intimeren» Dialog zwischen dem Publikum und den SRF-Programmschaffenden. Erster Gast der Veranstaltungsreihe im Kulturlokal Coq d'Or in Olten war SRF-Moderator Jonas Projer – ein Gast, der für seine offene Dialogkultur mit dem Publikum bekannt ist.

Kaum ein SRF-Mitarbeiter hat sich in den vergangenen Wochen und Monaten so stark exponiert wie Jonas Projer. Der 34-jährige «Arena»-Moderator war in der Sendung «Hallo SRF!» Sprachrohr des Publikums, als Chefredaktor Ruedi Matter sich mit dessen Feedback konfrontiert sah. Für die «Arena» rief Projer das Publikum über Twitter auf, Verbesserungsvorschläge zu machen, und im März wehrte er sich in einem offenen Brief gegen den Vorwurf eines Zeitungskolumnisten, die «Arena» mache mit ihrer Einladungspraxis Politikerinnen und Politiker mundtot, wenn es um die Leistung der SRG geht.

Der ideale Mann also, mit dem die SRG Aargau Solothurn ihre neuen «Bargespräche» lanciert. Man sieht den rund 70 Besucherinnen und Besuchern im Oltner «Coq d’Or» förmlich die Fragen auf die Stirn geschrieben: Wer ist dieser Mann? Wie tickt er, wie sieht er seine Arbeit?

Die Garderobe als Stimmungsbarometer

Zumindest zu Beginn des Anlasses zeigt sich Jonas Projer so, wie man ihn aus der «Arena» kennt, mit Anzug und Krawatte. Als Moderatorin Selina Berner (siehe Kasten) Projer zum lockeren Gespräch in ungezwungener Atmosphäre begrüsst, stellt der Fernsehmann fest: «Dann müsste ich wohl die Krawatte ausziehen.» Sagts, entledigt sich des Schlipses und gleich auch des Jacketts. Doch allzu locker beginnt der Talk in gemütlicher Polstergruppe dann doch nicht, denn «ich habe 20 Speed-Dating-Fragen für Sie», so Selina Berner. Und so erfahren die Gäste in der Oltner Bar zum Beispiel, dass Projer sich als «engagiert, gewissenhaft und müde» bezeichnen würde. Das mit der Müdigkeit wird im Laufe des Abends zum Running Gag. Denn der dreifache Familienvater und Redaktionsleiter hat viel um die Ohren: «Ich bin jeden Morgen so müde, dass ich mich zwei Stunden lang zusammen­setzen muss.»

Das Gespräch ist aber alles andere als müde oder träge, sondern locker, von viel Witz und Schlagfertigkeit geprägt. Jonas Projer ist da, authentisch, direkt – einfach auf der anderen Seite des Mikrofons. Er blickt die Anwesenden direkt an, wenn er antwortet. Zum Beispiel auf die Frage, was ihn denn so richtig aufrege: «Ich rege mich auf, wenn die Leute schlecht über die SRG reden.» Für ihn sei klar, und das glaubt man ihm auch unabhängig davon, dass er von seinem Arbeitgeber redet, dass die Schweiz die SRG und ihre Programme brauche. Eine Schweiz ohne SRG wäre ein «epochaler Fehler» und «die Leute müssen sich bewusst sein, was sie ohne SRF hätten».

Vom Geplänkel zur Ernsthaftigkeit und zurück

Im zweiten Teil des Abends haben die ­Gäste das Wort und können dem Mann, der sonst über die Scheibe des Fernsehbildschirms von ihnen getrennt ist, Fragen stellen. Wie man sich denn innerhalb ­einer Woche auf ein («Arena»-)Thema fundiert vorbereite? «Ehrlich gesagt gar nicht», so Projers erste, direkte Reaktion. Der «Arena»-Redaktionsleiter und sein Team erarbeiten die Themen zwar so gut und sorgfältig wie immer möglich, doch angesichts des Zeitdrucks können sie oft nicht so tief gehen, wie sie gern möchten.

Der Gesprächsabend mit vielen spannenden, aufschlussreichen und unterhaltsamen Einblicken findet nach gut einer Stunde ein Ende. Danach begibt sich Jonas Projer ins persönliche Gespräch mit den Gästen. Etwas, das ihm sehr wichtig ist. «Was mir am besten gefällt», sagt er später, «ist, wenn die Leute ihre Fragen ­direkt stellen können.»

Die Frage, ob er sich bewusst in die Rolle jenes SRF-Mitarbeiters begeben hat, der sich mit der Öffentlichkeit über sein Unternehmen austausche, verneint Projer: «Ich denke, es gibt bei SRF sehr viele, die sich auch gegen aussen engagieren. Beispielsweise Sandro Brotz.» Dass Projer sich mit seinem Berufsverständnis und dem zeitlichen Aufwand einen 24-Stunden-Journalistenjob gegeben hat, das ist ihm bewusst. «Aber wenn man bedenkt, wie viele Journalisten unter massivem wirtschaft­lichen Druck arbeiten müssen, ist es sehr wohl ein grosses Privileg, für SRF zu arbeiten.»

Text: Fabian Gressly

Bild: Daniel Desborough


«Bargespräche»: ein Projekt der jungen Vorstandsmitglieder

20160523-BILD-LINK316-BernerRippstein.gifInitiantinnen der Bargespräche: Seline Berner (links) und Jasmin Rippstein. Initiiert wurden die «Bargespräche» der SRG Aargau Solothurn von Selina Berner (24), links im Bild, und Jasmin Rippstein (29), rechts im Bild. Die beiden wurden mit Olivia Gähwiler (25) im Mai 2015 in den Vorstand der SRG Aargau Solothurn gewählt. Die drei möchten verstärkt junge Menschen für Themen wie Medien, Service public, SRG und SRF sensibilisieren, nicht zuletzt auch über die neuen Medien.

Die weiteren «Bargespräche»:
5. Juli: mit Mona Vetsch
Oktober (genaues Datum folgt): mit Viktor Giacobbo und Mike Müller
20. Dezember: mit Stephan Klapproth

Alle «Bargespräche» finden im Coq d‘Or am Bahnhof Olten
statt und werden laufend in der Agenda der SRG AG SO sowie aauf der Website des Lokals ausgeschrieben.


 

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