Gilles Marchand über den künftigen Service public
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Gilles Marchand über den künftigen Service public

Gilles Marchand will mit den Verlegern nicht über Onlinewerbung streiten. Es gehe um ganz andere Fragen, sagt der neue Mann an der Spitze der SRG. Der designierte SRG-Generaldirektor im Gespräch mit persoenlich.ch über den künftigen Service public.

Herr Marchand, herzliche Gratulation zur Wahl als SRG-Generaldirektor. Was wollen Sie anders machen als Ihr Vorgänger?
Ich kann Ihnen noch keine Antwort geben auf diese Frage, dafür ist es zu früh. Am 1. Oktober werde ich mein neues Amt antreten. Ich brauche etwas Zeit, um alles im Detail ausarbeiten zu können. Ich bin ein Praktiker und pragmatisch. Und ich bin sehr offen für einen kritischen und konstruktiven Dialog mit der Gesellschaft, mit dem Publikum und auch mit der Politik. Und eines kann ich zudem sagen: Ich bin kein Politiker, sondern ein Medien-Macher. Als SRG-Generaldirektor werde ich vor allem erklären, erklären und nochmals erklären, denn es ist wichtig, dass die SRG künftig guten Service public machen kann.

Das tönt alles nicht besonders neu und eigenständig. Roger de Weck spricht auch oft vom «konstruktiven Dialog».
Sicher ist, dass wir die wichtigen Dinge weiterführen müssen: die Werte der Schweiz und damit auch jene der SRG. Das heisst, der Viersprachigkeit und Vielfalt müssen wir Rechnung tragen sowie die hohe Qualität der Radio- und TV-Programme aufrechterhalten. Die Tatsache, dass ich in das Amt des Generaldirektors gewählt wurde, bedeutet kein Erdbeben. Roger de Weck hat vieles begonnen, was den Service public in die Zukunft führen wird, in Zusammenarbeit unter anderem auch mit mir als RTS-Direktor und SRG-Geschäftsleitungsmitglied.

Als SRG-Generaldirektor werde ich vor allem erklären, erklären und nochmals erklären, denn es ist wichtig, dass die SRG künftig guten Service public machen kann.

Wo sehen Sie Schwierigkeiten?
Die SRG umfasst sozusagen vier verschiedene Märkte: den deutsch-, französisch-, italienisch- und den rätoromanisch-sprachigen. Diese zusammenzubringen, ist sicher kein einfaches, aber ein sehr wichtiges Ziel.

Wie wollen Sie verhindern, dass No-Billag-Initiative 2018 angenommen wird?
Wie gesagt: Mit einem konstruktiven und kritischen Dialog mit der Gesellschaft, dem Publikum und der Politik.

Und wie wichtig sind die Verleger?
Selbstverständlich will ich auch mit den Verlegern zusammenarbeiten, aber auch mit den Privatradios und den Privatfernsehen.

Wie?
Ich würde in der ganzen Schweiz gerne das etablieren, was wir in der Westschweiz bereits sehr erfolgreich praktizieren. In der Romandie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen der SRG und den Privaten gut. Es gibt eine Charta. Diese kommt zum Tragen, wenn meine Teams von RTS zum Beispiel vor Ort an einem Sportanlass sind, zu welchem die Privaten keinen Zugang haben, weil sie die Rechte nicht einkaufen konnten. Oder wenn wir lokale Reportagen machen in Zusammenarbeit mit Canal9. Wir haben zudem Kooperationen mit Tamedia, respektive unsere Sendung «26minutes» mit «20minutes», dem sehr populären Unterhaltungsformat für Pendler.

In der Deutschschweiz haben die Verleger andere Anliegen: Sie wollen der SRG Onlinewerbung verbieten.
Ist es wirklich so wichtig, über Onlinewerbung zu streiten? Die Werbung von morgen ist sowieso etwas ganz anderes, als das was gemeinhin unter dem Sammelbegriff Onlinewerbung verstanden wird. Man muss sich viel eher fragen: Welche Haltung hat die Schweiz in Bezug auf personalisierte Werbung? Was will die Schweiz bezüglich Programmatic Advertising unternehmen? Wie schaffen wir es mit Blick auf die grossen internationalen Player wie Google oder Facebook Alternativen zu bieten? Durch meine Arbeit im Verwaltungsrat von Admeira und als Präsident der Vereinigung frankophoner Service-public-Medien kenne ich mich hier gut aus.

Die Diskussion um Onlinewerbung ist also veraltet.
Es geht nicht mehr allein um die Frage, ob wir auf unseren Internetseiten werben dürfen. Vielmehr geht es darum, was mit personlisierter Werbung auf allen neuen Technologievektoren geschieht wie zum Beispiel HbbTV.

Ist es wirklich so wichtig, über Onlinewerbung zu streiten? Die Werbung von morgen ist sowieso etwas ganz anderes, als das was gemeinhin unter dem Sammelbegriff Onlinewerbung verstanden wird.

Wie wollen Sie sich selber und Ihre Vision in der Deutschschweiz bekannt machen, wo man Sie ja noch nicht so gut kennt?
Ich will mein Deutsch verbessern. Zudem werden meine Frau und ich nach Bern ziehen. Auf diesen neuen Lebensabschnitt freue ich mich.

Ihre Ehefrau ist die Besitzerin und Chefredaktorin von «ComingMag».
Sie freut sich darüber, dass wir in die Deutschschweiz ziehen. Sie arbeitet jetzt schon von überall in der Welt aus (lacht).

Und Ihre Kinder?
Sie sind nicht mehr viel zuhause: Der ältere Sohn studiert in Montreal, der jüngere ist 20 Jahre alt und studiert Recht an der Université de Genève.

Sie sind RTS-Direktor und in diversen Verwaltungsräten. Was machen Sie sonst noch gerne?
(lacht) Neben der Arbeit meinen Sie? Nicht mehr viel. Aber ich reise sehr gerne und oft. Ich arbeite nur einen Tag der Woche in meinem Büro. Wie meine Frau, bin ich gerne in Bewegung. Ich brauche Inspiration und Kontakte zu Leuten in der Schweiz und ausserhalb. Wie kürzlich, die Reise nach San Francisco, welche mich inspiriert hat, für mein Blog den Artikel «Die drei Wellen der Digitalisierung» zu schreiben. Im Text, der kürzlich in «L’Hebdo» publiziert wurde, geht es um drei Wellen, die kommen werden und zwar sehr schnell: Die erste ist die «Künstliche Intelligenz», die zweite «Internet of Things» und die dritte ist «Virtual Reality». Die Medienbranche muss sich unbedingt vorbereiten, denn das wird vieles grundlegend verändern. Ich will sehen, was auf uns zukommt und einen Vorsprung haben. Deshalb reise ich so viel – etwa in die USA, nach Korea oder Japan.

Und was lesen Sie gerne?
Derzeit lese ich «Chirac, une vie» von Franz-Olivier Giesbert, einem bedeutenden französischen Journalisten. Mich interessiert im Zusammenhang mit den Präsidentschaftswahlen, wie sich die französische Politik in den 1980/90er-Jahren umorganisiert hatte. Daneben lese ich einen Roman von David Lodge der im Süden von Marokko spielt. Ich kann gut mehrere Bücher gleichzeitig lesen.

Text: persoenlich.ch

Bild: RTS


Der neue Mann an der Spitze der SRG

Der neue SRG-Generaldirektor im Porträt («Tagesschau» vom 25. November 2016)
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  1. Dörflinger André 30.11.2016 00:40

    Betr. Neuwahl des obersten SRF/TSR-Chefs: Es musste wieder ein Welscher sein, als Nachfolger des Halbwelschen De Weck, es ist nicht zu fassen, wie die mutter-schrift-sprach-ver-be-hinderten DCHer sich schweizweit kaum je durchsetzen können, als Beweis wie sehr die Bildungs-Nomenklatura der Schweiz verwelscht ist. Das Land besteht aus 4 Ballungszentren: a) Urschweiz als Gründungsmitte mit dem Blinddarmzusatz Tessin, b) Bern mit erobertem Welschhinterland c) Zürich mit untertanem Ostschweiz/GR-Hinterland als Gegengewicht zu BERN d) das sich dann ab 1798 von b) emanzipierte Welschland, das sich seit 1916 immer weniger als grösste Sprachminderheit versteht, sondern als "andere Schweiz", die unbarmherzig die Schwachstelle der DCH der mang-ele(n)den Schriftsprachkompetenz ausnützt! denn die Grundschule der DCH lehrt nie Rhetorik, etwas, was die Welschen nicht nachvollziehen können, ist doch für sie Sprache = das Leben schlechthin. Aber, die DCHer sind so einfach gestrickt mit ihren unzähligen 1500 jährigen Mundarten (1000 J. älter als Hochdeutsch) und schriftlich D-Englisch, dass sie die Ränkespiele der Welschen gar nicht bemerken. Es findet ja gar keine Zusammenarbeit zwischen den beiden Sprachkulturen statt, weil da die Welschen abblocken, keine gemeinsame regelmässigen Folkloresendungen mit den DCHer wollen, ihre Tagesschau dauert ja auch regelmässig 7 Min. länger als jene vom Leutschenbach. Die Welschen könnten sehr gut kulturell ohne die DCHer leben, was umgekehrt für die Bildungsnomenklatura nicht der Fall ist. Die beiden Landesteile leben wirklich Rücken an Rücken mit-gegeneinander und jetzt soll es wieder ein Welscher richten, weil sich kein DCHer in Genf/Lausanne durchsetzen kann. Die Welschen sind Sprassrassisten, akzeptieren die DCHer in ihren Gefilden nicht, währenddem die Welschen im Norden willkommen sind. Was glaubt man eigentlich, wenn die Welschen die 75 % Mehrheit im Lande wären, dann gäbe es nur eine Landessprache, die ihre, währenddem die DCHer Bildungsnomenklatura am liebsten zweisprachig wäre, um endlich eine beliebte Schriftsprache zu haben. Unglaublich ja die Anzahl Deutschsprachiger > Angepasster im Welschland, die als 2. Aufwuchs dann 150 % Welsche sein wollen, währenddem ein seit 80 Jahren in Rorschach wohnender Echtwelscher immer Welscher sein bleiben will. In diesem Sinne ist das Land ein unmögiches Gebilde, das nun mit Schulfrühfranzösisch nach und nach weiter verwelscht wird, was auch politische Folgen haben wird, dass so verwelschter DCHer Schulküken-Geist unmerkelig verEU-gehirngewaschen werden soll. // Die Geschichtsbücher sind ja alle diesbezuglich absichtlich lückenhaft, sagen nichts über zivilisatorische Vorherrschaft Frankreichs ab den Verträgen vom Freitag, 29.11.1516 betr. die übertriebene Reisläuferei, die das Land auch sprachlich verwelschte, daher die absichtlich verzögerte Alphabetisierung der Nordschweiz erst ab den 1810ern (BASEL:1838 !!). Zu oft werden Welsche an höchste Staatsstellen berufen !