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«Die Diskussionsbereitschaft ist gewachsen»

Ende des Jahres tritt Manfred Pfiffner nach 16 Jahren im Publikumsrat – wovon acht Jahren als dessen Präsident – zurück und übergibt das Präsidium an Susanne Hasler. Ein Kommentar über Medienkonvergenz, Bashing-Journalisten und konstruktiven Austausch.

«Als ich 2009 das Amt als Präsident des Publikumsrats antrat, sprach man bei den Verantwortlichen von DRS und SF von der nächsten grossen Entwicklung bei der SRG – der ‹Konvergenz› – dem Zusammenflies­sen der Vektoren Radio, Fernsehen und Internet. Was damals noch in weiter Ferne lag, kam mit Riesenschritten auf das ­Unternehmen zu.

Immer häufiger beobachtete der Rat für seine Sendungskritiken, nebst Radio oder Fernsehen, nun auch noch den Webauftritt als weiteren Vektor. Heute, lange nach dem erfolgreichen Konvergenzprojekt, ist es eine Selbstverständlichkeit, dass wir als Zuschauerin oder Hörer Informationen, Unterhaltung, Kultur und Sport auf allen Vektoren empfangen können. Egal auf welcher Art von Empfangsgerät, egal wo, egal um welche Uhrzeit. Immer häufiger können wir uns als Publikum über Angebote freuen, welche die verschiedenen Vektoren geschickt kombinieren.

Ich erinnere beispielsweise an die Konsumentensendungen ‹Espresso› und ‹Kassensturz›, an Sportereignisse auf der neuen SRF-Sport-App, an Themenwochen wie ‹Barock› und ‹Märchen› oder an tagesaktuelle Informationsangebote.

Auch der Publikumsrat war durch diesen Innovationsschub gefordert. So wurden die Beobachtungsraster und Beobachtungen vielfältiger, die Sendungsbesprechungen mit den Verantwortlichen breitgefächerter und der Weiterbildungsbedarf der Gremienmitglieder – nach dem zusätzlichen Aufkommen von Social Media – grösser. In ­unzähligen Arbeitsstunden vertieften sich die Publikumsräte in die neuen He­rausforderungen, um die konstruktiv-kritischen Dialoge mit den Verantwortlichen auf ­Augenhöhe führen zu können. In den ­Plenumssitzungen zeigte sich dann auch je länger je mehr, wie das Vertrauen und die Diskussionsbereitschaft seitens der Verantwortlichen von SRF grösser wurden.

Demgegenüber versuchten vor allem die Printmedienhäuser aus den Medienmitteilungen des Publikumsrats über die be­obachteten Sendungen jeden noch so kleinen Kritikpunkt häufig völlig überzeichnet auszuschlachten und SRF, den Publikumsrat oder beide zu bashen. Dies führte dazu, dass der Publikumsrat seine Kritik in den Medienmitteilungen bewusst zurücknahm, die Diskussionen im Rat mit den Macherinnen und Machern aber umso klarer führte. Der Rat entzog den Bashing-Journalisten somit die Nahrung, was einen Journalisten prompt dazu veranlasste, das Gremium als ‹lachhaftes Laientheater› zu diskreditieren.

Wie dem auch sei, in meinen 16 Jahren als Publikumsrat habe ich von vielen SRF-Verantwortlichen einen Satz immer wieder hören können: ‹Unterschätzen Sie die Wirkung des Publikumsrats nicht!›. Und wenn ich nach den Ratssitzungen Berichte höre, Sendungen sehe oder bei www.srf.ch lese, fällt mir häufig auf, dass viele unserer Kritikpunkte umgesetzt wurden.

Durch die zunehmend engere Zusammenarbeit mit den vier anderen Publikums­räten der SRG (RSI, RTR, RTS, SWI) konnte auch schweizweit die Qualität der Be­obachtungen wesentlich gesteigert werden. So wurde es beispielsweise in den letzten Jahren Usus, eine gemeinsame SRG-Be­obachtung zu machen und sich stetig weiterzubilden. Im internationalen Bereich tragen die neu aufgebauten Kontakte zu den Pendants des Publikumsrats bei der ARD und beim ORF Früchte. Gegenseitiger Austausch und Besuche bei diesen Gremien erweitern die Kompetenzen und die Weitsicht unseres Publikumsrats.

Am Ende meiner 16-jährigen Tätigkeit liegt mir sehr viel daran, den Mitarbeitenden der SRG und von SRF, mit denen ich zum Teil in sehr engem Kontakt war, zu danken. Ich habe stets Vertrauen und häufig Offenheit erlebt. Diese Begegnungen möchte ich ebenso wenig missen wie die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit den Ratsmitgliedern. Nur dank ihres unermüdlichen Einsatzes ist es möglich, den Publikumsrat weiter zu entwickeln und als Qualitätsinstrument der SRG zu etablieren.»

Text: Manfred Pfiffner

Bild: SRF / Oscar Alessio

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