Laptop-Tastatur mit Bier-Symbol und Sprechblasen
SRG Deutschschweiz Ombudsstelle

Soll SRF den «digitalen Stammtisch» anbieten?

Ein Beanstander kritisiert die Online-Kommentarfunktion von «SRF News». Die Kommentare, besonders zu politischen Fragen, hätten enorm an Boshaftigkeit zugenommen und seien teilweise rassistisch. Für ihn passt die Kommentarfunktion nicht zu einem öffentlichen Angebot. Sowohl Ombudsmann Roger Blum als auch die SRF-Verantwortlichen halten die Kommentarfunktion hingegen als notwendig.

Online-Kommentare seien ein «digitaler Stammtisch», meint Ombudsmann Roger Blum. Meinungen könnten so leichthin abgegeben werden wie in einem Wirtshaus, nur dass anstelle von wenigen Bekannten die nahezu unendliche Öffentlichkeit teilhaben könne.

Bei SRF wird die Kommentarfunktion rege genutzt. Nur schon die Nachrichtenseite srf.ch/news erhalte im Schnitt täglich 550 Kommentare, informiert Sandra Manca, Bereichsleiterin SRF News. Anonyme Kommentare unter Pseudonymen seien nicht möglich. Zudem werde jeder einzelne Kommentar von einem Redaktor oder einer Redaktorin gelesen und manuell freigegeben.

Vorwurf der Zensur

Mehr als 1/4 der eingegangenen Kommentare würden nicht publiziert, weil sie gegen die Netiquette verstiessen, so Manca. Bei gewissen Themen – z.B. Familiendramen – bleibe die Kommentarfunktion von Anfang an geschlossen. Zudem könne sie auch deaktiviert werden, wenn Debatten ausarten würden. Die Kehrseite der Qualitätssicherung ist, dass sich SRF bei Nicht-Publikation von User-Kommentaren den Vorwurf der Zensur oder politischen Meinungsmache gefallen lassen muss.

Manca ist trotzdem überzeugt, dass die Kommentarfunktion zum Angebot eines gebührenfinanzierten Unternehmens gehört:

«Der Dialog unter den Usern, wie aber auch der Dialog auf Augenhöhe zwischen Journalisten und Publikum, ist für ein öffentliches Medienhaus wie SRF im digitalen Zeitalter geradezu zwingend.» Sandra Manca, Bereichsleiterin SRF News

Moderierte Online-Diskurse

Dieser Sichtweise pflichtet Ombudsmann Roger Blum bei. Das Publikum sei heute als Diskurspartner wichtiger geworden. Die Medien könnten sich über dessen Meinungen nicht hinwegsetzen. Blum bestärkt SRF in seinem Umgang mit der Kommentarfunktion. Es sei letztlich eine Frage der personellen Ressourcen, ob man noch mehr machen könne.

Eine Möglichkeit sei die Moderation der Online-Diskurse. Dabei würden einzelne Publikumsbeiträge herausgehoben oder die Redaktion könne selber mit eigenen Beiträgen korrigierend eingreifen. Dadurch würden boshafte Kommentare tendenziell abnehmen, meint Blum.


Schlussbericht Ombudsstelle 4456

Zu srf.ch/news


Text: SRG.D/dl

Bild: iStockphoto/Montage

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