Die Freiheit der anderen
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Die Freiheit der anderen

Am 4. März stimmt die Schweiz über die No-Billag-Initiative ab, die eine Abschaffung der Radio- und ­Fernsehgebühren verlangt. Der Verein «Nein zum ­Sendeschluss» wehrt sich gegen dieses Szenario: Ein Gastkommentar von Pedro Lenz, Autor und Präsident von «Nein zum Sendeschluss».

Bis zur Abstimmung dauert es noch drei Monate. Doch schon lange vorher ist No Billag in aller Munde. Die Initiative ist einfach. Sie verlangt, dass für Radio- und Fernsehempfang keine Gebühren mehr erhoben werden dürfen. Zusammen mit den öffentlichen Sendern aller Landessprachen würden bei einer Annahme der Initiative auch noch viele private Radio- und Fernsehstationen ausgelöscht.

Als Kulturschaffender werde ich hellhörig, wenn ich von einer Initiative höre, die sich zum Ziel setzt, mit einem Streich fast drei Dutzend Radio- und Fernsehsender auszulöschen. Ich werde hellhörig, wenn das Wort «Solidarität» durch den Begriff «Zwang» verdrängt wird.

Die No-Billag-Initiative argumentiert mit der Freiheit. Wir alle sollen frei wählen dürfen, für welchen Medienkonsum wir wie viel Geld ausgeben wollen. Aber die Freiheit, frei zu wählen, nimmt mir die Freiheit, mein gewohntes Radio zu hören. Die Freiheit frei zu wählen, nimmt uns allen die Freiheit, unabhängige Nachrichten zu empfangen. Die Freiheit, frei zu wählen, nimmt allen sprachlichen Minderheiten die Freiheit, auf das gleiche Angebot wie die Deutschschweizer zuzugreifen. Die Freiheit, frei zu wählen, nimmt uns die Freiheit, Musik jenseits des Mainstreams zu empfangen. Die Freiheit, frei zu wählen, ist die Freiheit der Marktfetischisten, allen anderen ihre Vorstellung von Freiheit aufzuzwingen.

«Die Freiheit, frei zu wählen, nimmt uns die Freiheit, Musik jenseits des Mainstreams zu empfangen. Die Freiheit, frei zu wählen, ist die Freiheit der Marktfetischisten, allen anderen ihre Vorstellung von Freiheit aufzuzwingen.»

Die Gründung des Vereins «Nein zum Sendeschluss» ist vom Willen inspiriert, diesem aggressiv-populistischen Angriff auf die Informationsvielfalt mit einleuch­tenden Argumenten zu begegnen. Zweck des Vereins ist es, Geld für eine Gegenkampagne zu sammeln und den Sendeschluss zu verhindern.

Es ist schwierig, mit Vernunft gegen Vereinfachung, mit Fakten gegen Stimmungsmache anzukämpfen. Der Kampf bedingt ein solidarisches Zusammengehen all jener, denen unabhängige elektronische Medien etwas bedeuten.

Text: Pedro Lenz

Bild: Daniel Rihs

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Am 4. März stimmt die Schweiz über die No-Billag-Initiative ab, die eine Abschaffung der Radio- und ­Fernsehgebühren verlangt. Ein Gastkommentar von Esther Gassler, Mitglied des Regionalvorstands SRG Deutschschweiz.

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  1. Daniel Münger 17.12.2017 21:00

    Dann nennen wir es eben: Zwangssolidarität. Dass Sie, Pedro Lenz, allen anderen Ihre persönliche Vorstellung von Freiheit aufzwingen, scheint Ihnen dabei komplett entgangen zu sein?! - Ich feiere demnächst meine 5 Jahre SRG-frei-Party. Da Sie zu meiner Freiheit nichts beitragen, möchte ich mich auch nicht an Ihrer Freiheit beteiligen. Es gibt wichtigeres, als TV- und Radiokonsum. Ich leiste mir lieber etwas persönliches, als Ihnen Ihre Freiheit mitzufinanzieren. Für den TV- und Radiokonsum mir fremder Menschen sehe ich keine Verpflichtung zur Solidarität. Und um meinem politischen Gegner seinen Propaganda-Sender mitzufinanzieren erst recht nicht!

  2. Ruth Olloz 17.12.2017 21:39

    Die Mundartvielfalt, echte Schweizer Kultur, die am Deutschschweizer Radio gepflegt wird, ginge verloren oder würde vernachlässigt, darum ein klares NEIN an der Urne am 04. März 2018!

  3. Esther Krebs 18.12.2017 05:37

    Ich hoffe, dass das ganz viele lesen und darüber nachdenken, welche Freiheit wir brauchen .

  4. Angelika 19.12.2017 19:15

    Das ist ja mal eine Ansage - Bravo - ich bin damit 100 prozentig einverstanden. No-Billag geht überhaupt nicht. Wir alle verfügen in der Tat über genügend Finanzen - und vier mal Fr. 112.75 ist weiss GOTT nicht eine Menge Geld. Für diesen geringen Betrag empfangen wir täglich drei Mal Nachrichten auf SRF 1, jegliche weiteren informativen Sendungen wie Arena, etc. Es wird täglich entsetzlich viel Geld für unnütze Dinge ausgegeben. Was nützt einem der Letzte Schrei am Arsch wenn das Hirn leer bleibt?

  5. Trudi Raciti 19.12.2017 19:57

    Diese Initiative macht so ziemlich alles kaputt, was mir lieb und teuer ist. Ich bin eine leidenschaftliche Radiohörerin. Rendez-vous am Mittag, Echo der Zeit, die Tagesgespräche orientieren mich umfassend durch die Woche. Alle Hintergrundsendungen wie
    Kontext und Doppelpunkt möchte ich auf keinen Fall missen. Ich stimme ganz sicher nein zu dieser völlig unnötigen Initiative.

  6. Hans Nüssli 19.12.2017 21:52

    Gegen die "no Billag-Initiative":
    Mir macht die Vorstellung Angst, nur noch private (Schweizer-) Radio- und TV-Sender empfangen zu können und von deren Werbung überschüttet zu werden.

    Und was ist mit der Solidarität gegenüber den sprachlichen Minderheiten (z.B. Welsche, Tessiner) , müssen diese Leute ihre Informationen bei Annahme der "no Billag-Initiative" dann von ausländischen Sendern beziehen? Diese Solidarität mit unseren Mit-Eidgenossen leiste ich mir gerne. Ich bezahle ja z.B. auch Schulsteuern wenn ich selber keine Schulkinder habe.

    Darum gibt es für mich nur ein kategorisches "Nein" zur "no Billag-Initiative".

  7. Peter Ruch 19.12.2017 23:45

    Es darf nicht sein, dass die Initiative angenommen wird. Es ist zu hoffen, dass sich im Schlussspurt möglichst viele Prominente, wie z.B Pedro Lenz, zu Wort melden, um mit gutverständlichen Argumenten dazu beizutragen, dass die Initiative abgelehnt wird.

  8. Toni Stadelmann 20.12.2017 07:15

    Lenz führt eine sog. 'Koalition der Vernünftigen' an, die alle Andersdenkenden als Trottel sieht.

  9. Sam Büsser 20.12.2017 07:54

    Bekommen die Billag Gegner auch diese Plattform? Als unabhängiger Sender müsste dies doch drinliegen, oder SRG?

  10. Sträuli 20.12.2017 09:10

    Die Sendungen fangen meistens einie Min. später an und (Kassensturz) ca 10 Min früher auf.Werbung Werbung . Die Nachtwerbung nervt. Bettwaren Fischer ist zum abschiessen. Werbung wird langsam zur Folter. Die ganze Fernseh Landschaft besteht hauptsächlich aus Werbung und zwar immer dasselbe. Finden Sie das toll??????? Freundliche Grüsse

  11. Wyss Christoph 20.12.2017 14:09

    Eine kurze Frage: bekommen die No-Billag-Befürworter hier auch Platz?

  12. SRG Deutschschweiz 20.12.2017 14:48

    Herr Wyss, Sie können hier frei schreiben (unter Einhaltung der Netiquette/AGB).
    Freundliche Grüsse SRG.D

  13. Paul Schärer-Laupper 20.12.2017 16:57

    Erfreulich, dass sich wesentliche Menschen Gedanken machen über die grosse Gefahr der kommenden Abstimmung.
    Heute zahlt die ganze Bevölkerung eine Gebühr. Damit können von einzelnen Geldgebern unabhängige Fernsehprogramme erarbeitet und gesendet werden. Die Qualität ist frei diskutierbar. Das ist Demokratie.
    Programme erstellen und senden kostet Geld. Sollten die Gebühren wegfallen, würden die Kosten wohl von Geldmächtigen Meinungsbildnern, übernommen. Die Geldgeber werden dann ihre Ideen durchsetzen wollen, was zu einer Programm-Diktatur der Geldmächtigen führen könnte. Diese Möglichkeit sollten wir auf keinen Fall unterstützten. Nur ein Nein schützt eine möglichst freie Programmbildung.
    Programme erstellen und senden kostet Geld. Sollten die Gebühren wegfallen, würden die Kosten wohl von Geldmächtigen Meinungsbildnern, übernommen. Die Geldgeber werden dann ihre Ideen durchsetzen wollen, was zu einer Programm-Diktatur der Geldmächtigen führen könnte. Diese Möglichkeit sollten wir auf keinen Fall unterstützten. Nur ein Nein schützt eine möglichst freie Programmbildung.

  14. Thomas Jacob 20.12.2017 17:02

    Abgesehen von den unbegründeten Behauptungen was der Markt liefern wird und was nicht: Die Freiheit von Lenz dies und jenes zu hören ist mein Zwang dies zu finanzieren. Seine Freiheit wird meinem Zwang gleichgesetzt, Freiheit wird gleich Zwang und umgekehrt. Diese schludrige Verwendung der Begriffe weckt Erinnerungen an das Gruselkabinett sozialistischer resp. kommunistischer Diskussionsrunden.

  15. Denise Jöhr 23.12.2017 10:23

    Zwangssolidarität, wie die Krankenkasse, die IV, die AHV. Es macht mir Angst, wie vereinfachend argumentiert wird. Stirbt die Medienvielfalt, stirbt die Meinungsvielfalt ergo stirbt die Demokratie. Oscar Wilde sagte: Zyniker kennen von allem den Preis und von nichts den Wert. Sind wir mal soweit, triumpfiert der Egoismus über die Mitmenschlichkeit. Frohe Weihnacht!

  16. Ruth Olloz 25.12.2017 15:49

    Wer denkt an die Personen, die in Alten-/Pflegeheimen, im Spital, zu Hause ans Bett gefesselt den rundum beliebten Sender "Musikwelle" hören. Die Wunschsendungen sind auf Grund der rege kund getanen Glückwünsche für diverse Anlässe sehr hoch!
    Als Unterrichtsmaterial werden die "my school"-Sendungen herangezogen. Die Vorstellungen diverser Berufsgattungen für Schulabgänger sind einmalig und praxisbezogen dargestellt!
    Alleine diese zwei aus dem gesamten Sendespektrum heraus gegriffenen Sendungen würden enorm vermisst werden.
    Ich kann mir nicht denken, dass Pay-TV-Sender diese aufgreifen würden!
    Ein NEIN gegen die No-Billag-Initiatiove ist unumgänglich!!