Bild von «Rundschau»-Beitrag «Hokus Pokus oder Heilmittel» beanstandet II
SRG Deutschschweiz Ombudsstelle

«Rundschau»-Beitrag «Hokus Pokus oder Heilmittel» beanstandet II

5950
Mit Ihrer E-Mail vom 23. April 2019 2019 haben Sie den «Rundschau»-Beitrag «Hokuspokus oder Heilmit­tel»[1] vom 17. April 2019 beanstandet. Ihre Eingabe erfüllt die formalen Voraussetzungen an eine Be­anstandung. Somit kann ich auf sie eintreten.

A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:

Ich möchte mein Befremden über obige Sendung äussern. Statt einer Rundschau wurde ein einseiti­ges Kleben an der Ideologie Stadler/Grams gezeigt. Kritik an ihrem unwissenschaftlichen Postulat, dass es keine wiederholt beobachtbare Tatsachen gebe, wenn der Wirkungsmechanismus nicht klar sei, wurde systematisch weggelassen. Stichhaltige Argumente, die in der Diskussion gegen das anti­quierte Lächerlichmachen von Verdünnungen geäussert wurden, wurden mit keinem Wort erwähnt, auch zwei aufwendig arrangierte Interviews in homöopathischen Arztpraxen wurden völlig weggestri­chen. Wahrlich eine in der Einseitigkeit beschämende Sendung eines neutralen Senders. Eine Ausei­nandersetzung mit der fachärztlichen Homöopathie hat überhaupt nicht stattgefunden.

Eine ergänzende Darstellung dieser Sichtweise wäre eine Geste an selber denken wollende Zuschau­erInnen.

B. Ihre Beanstandung wurde der zuständigen Redaktion zur Stellungnahme vorgelegt. Herr Mario Po­letti, Redaktionsleiter «Rundschau», schrieb:

Gerne nehmen wir Stellung zur Beanstandung von Herrn X.

Die Rundschau hat darüber berichtet, dass der Glaubensstreit um die Wirkung der Homöopathie im­mer weitere Kreise zieht. Es war naheliegend, für diesen Bericht den Auftritt von Natalie Grams in Winterthur zu nutzen. Grams ist eine ehemalige Homöopathin, die ein Buch über die Wirksamkeit von Homöopathie geschrieben hat. Dieses Buch wird derzeit heiss diskutiert. Es ist keineswegs so, dass die Rundschau «einseitig an der Ideologie von Grams klebt». Schon zu Beginn stellt der Reporter gegen­über von Frau Grams kritisch fest: «Man hat den Eindruck, dass Sie Unmut schüren bei Leuten, die homöopathische Mittel schlucken».

Der Beanstander stellt weiter fest, es habe keine Kritik an dem unwissenschaftlichen Postulat von Frau Grams gegeben, dass es «keine wiederholt beobachtbaren Tatsachen gebe, wenn der Wirkungsme­chanismus nicht klar sei». Das stimmt nicht. Ausgerechnet der Beschwerdeführer selbst, also Herr X, entgegnet Frau Grams im Filmbeitrag: «Von der Wissenschaftlichkeit sind Sie ausserordentlich eingenommen. Als Skeptikerin zuzuhören, was sagt der einzelne Mensch, das wäre das Entschei­dende. Und dann zu sehen, welche Veränderungen finden statt. Nicht Studien und nochmals Studien. Das ist langweilig bis zum Gehtnichtmehr.»

Das heisst, Herr X als Zuhörer im Saal und als Homöopath hatte die Gelegenheit, das stärkste Argu­ment gegen die Wirksamkeitsstudien aus Homöopathen-Sicht zu liefern. Konkret: dass Homöopathie wirkt, man aber nicht weiss, wie es wirkt. Das gleiche sagt wortwörtlich eine andere Homöopathin im Filmbeitrag – Beatrice Soldat in der Diskussion mit Natalie Grams.

Wir bedauern, dass wir die Filmaufnahmen in der Praxis von Herrn X nicht verwendet haben. Er wirft uns vor, «zwei aufwendig arrangierte Interviews völlig weggestrichen» zu haben. Das tut uns leid und wir haben uns bereits in einem Mail an Herrn X dafür entschuldigt (vgl. angefügter Mail­wechsel). Wir sind aber überzeugt, dass die drei Auftritte von Homöopathie-Befürwortern (Apotheker, Schüler und Lehrer sowie Kritiker an der Veranstaltung) die Sichtweise der Homöopathen genügend dargelegt haben.

Schliesslich moniert der Beanstander, «eine Auseinandersetzung mit der fachärztlichen Homöopathie hat überhaupt nicht stattgefunden». Da geben wir ihm recht, das war so. Aber es ist auch nicht die Aufgabe eines Polit-Magazins, eine fachärztliche Auseinandersetzung zu führen. Es würde wohl eher in den Aufgabenbereich eines Gesundheitsmagazins wie Puls passen. Wir als Rundschau bildeten die ge­sellschaftliche Auseinandersetzung im Glaubenskrieg um die Wirkung der Globuli ab.

Fazit: In unserer Reportage zur Homöopathie lernten wir Gegner und Befürworter kennen. Pro – und Contra-Argumente wurden transparent und verständlich dargestellt. Der Reporter hat beide Positionen kritisch hinterfragt. Darum sind wir überzeugt, dass sich das Publikum zu diesem hochemotionalen Thema jederzeit eine eigene Meinung bilden konnte.

Wir bitten Sie, die Beanstandung abzuweisen.

C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung der Sendung. Die «Rundschau» beschreibt sich im Sendungsportrait wie folgt: «Rundschau» – Das Politmagazin: Hintergrund und Recherchen über aktuelle Ereignisse und latente Brennpunkte im In- und Ausland. Reportagen und Magazinberichte nah am Geschehen, oft mitten drin ohne je die kritisch-journalistische Distanz zu verlieren.[2]

Wenn ich mir den von Ihnen kritisierten Beitrag «Hokuspokus oder Heilmittel» anschaue, sehe ich ge­nau diese Punkte abgebildet. Die «Rundschau» geht auf das aktuelle Ereignis, den Besuch der Ho­möopathie-Gegnerin und Buchautorin, Dr. med. Natalie Grams, in Winterthur ein. Dazu ist die «Rund­schau» auch an der Veranstaltung mittendrin, erteilt das Wort Befürworterinnen und Befürwortern, unter anderem auch Ihnen, sehr geehrter Herr Dr. X, sowie der Gegenseite. Des Weiteren kommen von jeder Seite Fachleute zu Wort. Einerseits Einerseits der eidg. diplomierte Apotheker, Guido Brun, der dem Publikum verständlich erklärt, wie mittels Verdünnung und Verschüttelung homöopathische Mittel hergestellt werden. Andererseits wird Beda Stadler, der emeritierte Professor und ehemalige Direktor des Instituts für Immunologie der Universität Bern gezeigt, wie er dem Publikum demonstrativ vor­führt, was er persönlich von Globuli hält. Ausserdem kommt auch der Sprecher des Bundesamtes für Gesundheit, Gregor Lüthy, zu Wort. Hier wird einem gesundheitspolitischen Bereich Rechnung getra­gen. Von einer wie Sie monieren «in der Einseitigkeit beschämenden Sendung» kann nicht gesprochen werden. Gegner wie Befürworter kamen mit ihren besten Argumenten zum Zug.

Zu Ihrem Vorwurf, es habe keine Kritik am unwissenschaftlichen Postulat von Frau Grams gegeben, dass es «keine wiederholt beobachtbaren Tatsachen gebe, wenn der Wirkungsmechanismus nicht klar sei», hat sich der Redaktionsleiter der «Rundschau», Herr Mario Poletti, schon eingehend geäussert. Ich pflichte ihm in diesem Punkt eben so bei wie der Tatsache, dass eine Auseinandersetzung mit der fachärztlichen Homöopathie in ein Gesundheitsmagazin wie beispielsweise «Puls» gehört. Bei «Puls» stehen «die menschlichen und fachlichen Aspekte von Gesundheit und Krankheit vor den ökonomi­schen und gesundheitspolitischen Fragen».[3]

Dass zwei aufwändig arrangierte Interviews in homöopathischen Arztpraxen völlig weggestrichen wur­den, ist zwar schade, aber die Statements der Homöopathie-Befürworter und Befürworterinnen ver­mögen dem Publikum die Standpunkte der Homöopathen ebenfalls aufzuzeigen. Herr Poletti hat sich bei Ihnen ausserdem per E-Mail entschuldigt.

Der «Rundschau»-Beitrag war kein «einseitiges Kleben an der Ideologie Stadler/Grams». Befürworter und Gegner kamen angemessen und mit ihren jeweils besten Argumenten zu Zug. Das Publikum wurde nicht in die Irre geführt und konnte sich frei eine eigene Meinung bilden. Aus diesen Gründen kann ich Ihre Beanstandung nicht unterstützen.

D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernseh­ge­setzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfü­gung.

Mit freundlichen Grüssen,
Manfred Pfister, stv. Ombudsmann

[1] https://www.srf.ch/play/tv/popupvideoplayer?id=ee876fe8-36f5-4c23-92e8-a0b1dc4b2659&startTime=1.564

[2] https://www.srf.ch/sendungen/rundschau/sendungsportraet

[3] https://www.srf.ch/sendungen/puls/sendungsportraet

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

Bild von Assad wurde in der «Rundschau» nicht diffamiert

Assad wurde in der «Rundschau» nicht diffamiert

Ombudsmann Roger Blum hatte eine Beanstandung des Journalistengesprächs im Anschluss an das «Rundschau»-Interview mit dem syrischen Präsidenten Assad zu behandeln. Ein Beanstander wirft dem freien Journalisten Kurt Pelda einseitige Berichterstattung und die Diffamierung Assads vor. Die Verantwortlichen von SRF und der Ombudsmann sind sich einig, dass die Anschuldigungen des Beanstanders haltlos sind.

Weiterlesen

Bild von «Rundschau»-Beitrag «Sozialhilfe kürzen: Der strengste Regierungsrat» beanstandet

«Rundschau»-Beitrag «Sozialhilfe kürzen: Der strengste Regierungsrat» beanstandet

5947 | Mit Ihrem Brief vom 25. April 2019 beanstandeten Sie die «Rundschau» (Fernsehen SRF) vom 24. April 2019 und dort den Beitrag «Sozialhilfe kürzen: Der strengste Regierungsrat». Ihre Eingabe entspricht den formalen Anforderungen an eine Beanstandung. Ich kann daher darauf eintreten.

Weiterlesen

Bild von «Rundschau»-Beitrag «Rauer Wind aus Brüssel» beanstandet I

«Rundschau»-Beitrag «Rauer Wind aus Brüssel» beanstandet I

6005 | Mit Ihrer E-Mail vom 24. Mai 2019 beanstandeten Sie die Sendung «Rundschau» (Fernsehen SRF) vom 22. Mai 2019 und dort den Beitrag «Rauer Wind aus Brüssel». Ihre Eingabe entspricht den formalen Anforderungen an eine Beanstandung. Ich kann daher darauf eintreten. Sie erhalten diesen Schlussbericht leider ein paar Tage nach der 40-tägigen Frist, die mir für die Bearbeitung einer Beanstandung zur Verfügung steht. Für diese Verspätung möchte ich mich entschuldigen. Der Grund dafür ist, dass die Ombudsstelle stark überlastet ist. Ihre Rechte werden allerdings durch diese Verspätung nicht tangiert: Die Frist für eine allfällige Beschwerde vor der Unabhängigen Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI) beginnt erst zu laufen, wenn sich der Brief mit diesem Schlussbericht in Ihrem Briefkasten befindet. Und damit ist auch klar, dass Sie erst mit diesem Schlussbericht an die UBI gelangen können. Bisher befanden Sie sich im Bereich der Ombudsstelle. Sie täuschten sich daher in der Tür, als Sie mir schrieben: «Ich beschwere mich hiermit bei der UBI».

Weiterlesen

Alle Schlussberichte der Ombudsstelle jetzt ansehen

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit (bitte beachten Sie die Netiquette/AGBs)

Lade Kommentare...
Noch keine Kommentare vorhanden

Leider konnte dein Kommentar nicht verarbeitet werden. Bitte versuche es später nochmals.

Ihr Kommentar wurde erfolgreich gespeichert und wird nach der Freigabe durch SRG Deutschschweiz hier veröffentlicht