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«Rundschau»-Beitrag «Hokus Pokus oder Heilmittel» beanstandet IV

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Mit Ihrer E-Mail vom 27. April 2019 haben Sie den «Rundschau»-Beitrag «Hokuspokus oder Heilmittel» [1] vom 17. April 2019 beanstandet. Ihre Eingabe erfüllt die formalen Voraussetzungen an eine Be­anstandung. Somit kann ich auf sie eintreten.

A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:

Ich bin empört über die einseitige Berichterstattung. Meines Wissens hat Herr Stadler nie mit Homöo­pathie gearbeitet und deshalb hat er meines Erachtens auch kein Urteil darüber abzugeben. Das ist etwa so wie wenn ich ein Urteil über die Sicherheit eines Atomreaktors abgeben müsste.

Um in diesem Fall eine Meinung zu bilden müsste ich wohl ein paar Jahre in einem Kernkraftwerk ar­beiten, nebst dem Studium der Theorie. Wenn ich nur auf der materiellen Ebene bleibe so hat Herr Stadler ja recht, in höher potenzierten Mitteln ist keine Materie der verwendeten Substanz mehr drin. Aber es gibt noch energetische Wirkungen die wir zur Zeit noch nicht genau nachweisen können (es gibt aber erstaunliche Studien z. Bsp. von Prof. Luc Montagnier aus Frankreich) Herr Stadler sollte mal solche wissenschaftlichen Arbeiten lesen. Erwähnenswert sind auch die Arbeiten von Hr. Emoto über die Wasserkristalle. Oder Herr Stadler soll mir mal erklären was denn das materielle Agens ist wenn sich jemand verliebt. Gemäss Herr Stadler wäre das „sich Verlieben“ nur ein Placeboeffekt!

Ich habe 30 Jahre eine Allgemeinpraxis geführt und vorwiegend mit Homöopathie gearbeitet und viele gute Heilverläufe gesehen, auch für ernsthafte Krankheiten wie Lungenentzündungen, Angina, Mittel­ohrentzündungen etc. Immer war es nicht möglich nur mit Homöopathie eine Heilung zu erwirken, weil es nicht immer gelingt das richtige homöopathische Mittel zu finden.

B. Ihre Beanstandung wurde der zuständigen Redaktion zur Stellungnahme vorgelegt. Herr Mario Po­letti, Redaktionsleiter «Rundschau», schrieb:

Gerne nehmen wir Stellung zur Beanstandung von Herrn X. Er wirft der Rundschau eine «einseitige Berichterstattung» vor. Das weisen wir zurück. Die Aussagen von Homöopathie-Befürwor­tern im Ausbildungsbetrieb, in der Apotheke und bei der Veranstaltung in Winterthur hielten sich un­gefähr die Waage mit den Aussagen der beiden Kritiker Natalie Grams und Beda Stadler.

Der Beanstander stört sich vor allem am Auftritt von Beda Stadler, dem ehemaligen Leiter des Immu­nologischen Instituts in Bern. Beda Stadler habe nie mit Homöopathie gearbeitet und dürfe deshalb auch kein Urteil darüber abgeben. Das stimmt nicht. Beda Stadler hat in seinem Institut homöopathi­sche Experimente durchgeführt. Er will sogar nachgewiesen haben, dass der französische Forscher Jacques Benveniste mit seinen Experimenten über den «Gedächtniseffekt des Wassers» falsch liege. Auch andere Institute sind der Meinung, das widerlegt zu haben.[2]

Als Leiter des Immunologischen Instituts hat Stadler häufig Experimente mit Verdünnungen durchge­führt. Deshalb war der emeritierte Professor auch der richtige Protagonist, um zu demonstrieren, wie eine Verdünnung in Bezug auf das Wasser im Zürichsee aussieht. Wir haben im Beitrag mehrfach die Sicht der Homöopathen ausgeführt: sie sind überzeugt, dass die Globuli wirken, obwohl durch die Ver­dünnung kein Wirkstoff mehr vorhanden ist.

Der Apotheker Guido Brun erklärt, wie gut homöopathische Mittel bei Fieberblasen wirken. Er sagt ausserdem, dass durch das Schütteln die Information des Wirkstoffs ins Medium geht. Die Homöopa­thin Beatrice Soldat sagt im Zwiegespräch mit Natalie Grams über Homöopathie: «Es wirkt. Wir wissen nur nicht, wie es wirkt.»

Die Meinung, dass Homöopathie wirke, auch über den Placeboeffekt hinaus, wird im Beitrag mehrfach vertreten. Und dass man aufgrund der Anamnese das richtige Mittel für eine Krankheit suchen muss, wird in der Szene aus der Schule ausführlich dargelegt. Wenn wir die einzelnen Studien für oder ge­gen die Wirksamkeit von Homöopathie nicht dargelegt haben, liegt das am Anspruch unserer Sen­dung. Die Rundschau ist ein Polit-Magazin, das den gesellschaftlichen Disput um die Homöopathie be­leuchtet hat. Eine wissenschaftliche Darstellung war nicht das Ziel unserer Berichterstattung.

Fazit: In unserer Reportage zur Homöopathie lernten wir Gegner und Befürworter kennen. Pro – und Contra-Argumente wurden transparent und verständlich dargestellt. Der Reporter hat beide Positionen kritisch hinterfragt. Darum sind wir überzeugt, dass sich das Publikum zu diesem hochemotionalen Thema jederzeit eine eigene Meinung bilden konnte.

Wir bitten Sie, die Beanstandung abzuweisen.

C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung der Sendung. Die «Rundschau» beschreibt sich im Sendungsportrait wie folgt: «Rundschau» – Das Politmagazin: Hintergrund und Recherchen über aktuelle Ereignisse und latente Brennpunkte im In- und Ausland. Reportagen und Magazinberichte nah am Geschehen, oft mitten drin ohne je die kritisch-journalistische Distanz zu verlieren.[3]

Wenn ich mir den von Ihnen kritisierten Beitrag «Hokuspokus oder Heilmittel» anschaue, sehe ich ge­nau diese Punkte abgebildet. Die «Rundschau» geht auf das aktuelle Ereignis, den Besuch der Ho­möopathie-Gegnerin und Buchautorin, Dr. med. Natalie Grams, in Winterthur ein. Dazu ist die «Rund­schau» auch an der Veranstaltung mittendrin, erteilt das Wort Befürworterinnen und Befürwortern sowie der Gegenseite. Des Weiteren kommen von jeder Seite Fachleute zu Wort. Einerseits der eidg. diplomierte Apotheker, Guido Brun, der dem Publikum verständlich erklärt, wie mittels Verdünnung und Verschüttelung homöopathische Mittel hergestellt werden. Er äussert sich auch sehr positiv dar­über, wie Fieberblasen mit Homöopathie bekämpft werden können. Andererseits wird Beda Stadler, der emeritierte Professor und ehemalige Direktor des Instituts für Immunologie der Universität Bern gezeigt, wie er dem Publikum demonstrativ vorführt, was er persönlich von Globuli hält. Beda Stadler nutzt das Medium Fernsehen, um den Zuschauerinnen und Zuschauern in starken Bildern zu zei­gen, welchen Standpunkt er vertritt. Diese Vorgehensweise ist durchaus legitim. In weiteren Sequen­zen äussern sich diverse ausgebildete Homöopathinnen und Homöopathen zur Wirksamkeit der Glo­buli. Letztlich kommt auch der Sprecher des Bundesamtes für Gesundheit, Gregor Lüthy, zu Wort. Hier wird einem gesundheitspolitischen Bereich Rechnung getragen.

Wie bereits der Stellungnahme des Redaktionsleiters der «Rundschau», Herr Mario Poletti, zu entneh­men ist, war nicht die wissenschaftliche Darstellung Ziel der Berichterstattung, sondern das Aufzeigen des Glaubenskrieges um die Wirksamkeit der Globuli. Diesem Anspruch ist die Sendung durch das Auf­zeigen verschiedenster Standpunkte gerecht geworden. Die «Rundschau» hat im von Ihnen kritisier­ten Beitrag die kritisch-journalistische Distanz nicht verloren. Die Berichterstattung war nicht einsei­tig, so dass sich das Publikum frei eine eigene Meinung bilden konnte. Aus dem Gesagten ergibt sich, dass ich die Sendung als ausgewogen taxiere und Ihre Beanstandung deshalb nicht unter­stützen kann.

D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernseh­ge­setzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfü­gung.

Mit freundlichen Grüssen,
Manfred Pfiffner, stv. Ombudsmann

[1] https://www.srf.ch/play/tv/popupvideoplayer?id=ee876fe8-36f5-4c23-92e8-a0b1dc4b2659&startTime=1.564

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Jacques_Benveniste

[3] https://www.srf.ch/sendungen/rundschau/sendungsportraet

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