Film «Leaving Neverland» und Sendung «Club»: «Genie oder Monster? Was bleibt von Michael Jackson?» und «Kontext»: «Das Michael Jackson-Dilemma: Wie umgehen mit seinem Vermächtnis?» beanstandet
SRG Deutschschweiz Ombudsstelle

Film «Leaving Neverland» und Sendung «Club»: «Genie oder Monster? Was bleibt von Michael Jackson?» und «Kontext»: «Das Michael Jackson-Dilemma: Wie umgehen mit seinem Vermächtnis?» beanstandet

5867-5874, 5876, 5878-5884, 5886-5889, 5898, 5900-5906, 5908, 5910, 5912-5913, 5915, 5917-5918, 5920, 5923, 5926, 5929, 5931, 5933, 5941, 5952, 5954, 5877, 5898, 5914, 5935, 5953, 5955, 5899
Zwischen dem 7. und dem 26. April 2019 haben Sie und 49 andere Personen Beanstandungen gegen den DOK-Film «Leaving Neverland» eingereicht, den Fernsehen SRF am 6. April 2019 ausgestrahlt hatte.[1] Ihre Eingabe entspricht den formalen Anforderungen an eine Beanstandung. Ich kann daher darauf eintreten. Sechs der Eingaben beanstandeten neben dem Film auch die dem Thema gewidmete «Club»-Sendung vom 9. April 2019 («Genie oder Monster? Was bleibt von Michael Jackson?»).[2] Eine weitere – die 51. – Beanstandung ging gegen die Radiosendung «Kontext» vom 9. April 2019 ein, die ebenfalls «Leaving Neverland» gewidmet war («Das Michael-Jackson-Dilemma: Wie umgehen mit seinem Vermächtnis?»)[3]. Da die meisten von Ihnen in Ihren Eingaben die von der Swiss Michael Jackson Community vorgegebene Formulierung[4] übernahmen, gebe ich zunächst diese Version wieder. Dort, wo Einzelne unter Ihnen weitere oder andere Ausführungen machten, zitiere ich sie unter der jeweiligen Fall-Nummer. Anschließend folgen die Beanstandungen, die zusätzlich gegen den «Club» oder nur gegen «Kontext» gerichtet waren. Die vielen Illustrationen und Anhänge, die der verantwortlichen Redaktion alle vorlagen, kann ich hier leider nicht mitgeben. Sie erhalten jedoch die Anhänge der Redaktion, die Sie ja noch nicht kennen.

 

A. Sie begründeten Ihre Beanstandungen wie folgt:

1. Beanstandungen nur gegen den DOK-Film

«Ab dem 06. April 2019 strahlte SRF den Film ‘Leaving Neverland’ (betitelt als Dokumentationsfilm) mehrmals aus und der Film ist nun für mehrere Tage auf der SRF-Internetplattform abrufbar.

Hiermit reiche ich meine Beschwerde zum genannten Film ein.

Ich fühle mich in meiner Würde verletzt und SRF missachtete mit dem Entscheid der Ausstrahlung dem Gebot des Sachgerechtem: <Redaktionelle Sendungen mit Informationsgehalt müssen Tatsachen und Ereignisse sachgerecht darstellen, so dass sich das Publikum eine eigene Meinung bilden kann.> Dies verletzte SRF in grober Weise, weil:

  • der Film wirkt ‘prätentiös und manipulativ (Greg Sigrist, SRF) [5] 
  •  SRF mutmassliche Fake-News gezielt und bewusst verbreitete. Vor der Ausstrahlung gab der Regisseur des Films zu, dass es einige Fehler im Film gebe. Weiter deckten ausländische renommierte Medien ebenfalls diverse Fehler auf. Dem SRF - insbesondere Daniel Pünter und Stefan Charles - wurden über diese Missstände frühzeitig VOR der Ausstrahlung informiert.  Trotzdem spricht Pünter in seiner Stellungnahme von, der Film ‘erfüllt unsere Qualitätskriterien’. SRF hat somit auch gegen das Transparenzgebot verstossen.[6] SRF verzichtete auch auf einen redaktionellen Hinweis im Stil von  <Die Redaktion möchte das Publikum darauf hinweisen, dass Teile dieser Produktion erwiesenermassen nicht der Wahrheit entsprechen. Eine kritische Betrachtung ist erforderlich.>
  • SRF das ‘öffentliche Interesse’ (Daniel Pünter, SRF3 Beitrag vom 26.03.19) höher an einem reisserischen und einseitigem Boulevard-Journalismus wertet, als gerichtlich (!) erarbeitete Fakten.
  • SRF beteiligte sich durch die Ausstrahlung dieses Films eines öffentlichen Rufmordes an einem der bedeutendsten Künstler unserer Zeit, der nicht mehr lebt und sich somit nicht mehr selber verteidigen kann.

Als Gebührenzahler fühle ich mich hintergangen, weil mit meinen Geldern und den Zwangsgebühren der Schweizer Bürger, nicht im Sinne des Auftrages im RTVG umgegangen wird.»

5867: «Nach Art.17 (Auskunftspflicht) des RTVG stelle ich hiermit den Antrag, die Kosten für die Ausstrahlung des Films bekannt zugeben.» 

5878: «Zudem finde ich es fragwürdig, warum diese (Geschichte) erst nach 10-Jahren nach dem Tod des King of Pop erzählt wird. Über Tote zu Urteilen ist das schlimmste, da er sich jetzt auch nicht mehr Rechtfertigen kann.»

5900: «SRF beteiligt sich am Rufmord eines Philanthropen, erwähnt mit keinem Wort seine wohltätigen Arbeiten und Spenden (in hunderten von Millionen - Höhe), seine zahllosen Besuche in Krankenhäusern für Kinder oder die unzähligen Kostenübernahmen von Operationen und Heilungskosten. Geschweige davon, dass das Erbe eines der begnadetsten Künstlers, der je diesen Planeten beheimatete, damit für immer einen Schaden genommen hat.»

5905: «Darf man nicht mehr erwarten, dass SRF zuerst recherchiert? Zudem, wäre es das Mindeste, wenn SRF parallel zur Doku die ganzen Debunk Informationen / Artikel als Artikel mit hyperlinks hochgeladen würde…!!! DANN kann man sich ein Bild machen nach der 4h Hirnschwäsche! Danke für fake news SRF - kein wunder wurde die Ex-Billag in Frage gestellt. Nach der schwachsinnigen Crypto FOMO der SRF - nun das.»

5923: «SRF zeigt den Film mit der Begründung, dass Kindesmissbrauch eines der gossen gesellschaftlichen Tabuthemen unserer Zeit ist. Aufklärung zum Thema sexueller Missbrauch von Kindern ist wichtig. Es ist richtig und nötig, dass dies thematisiert wird. Aber ’Leaving Neverland’ ist der falsche Film dafür.

Erstens erfüllt der Film nicht die Kriterien einer sachlichen Dokumentation. Er ist einseitig (während die Familien von Robson und Safechuck interviewt werden, wurde die Familie Jackson komplett ausgelassen), emotionalisierend (explizite Sprache, dramatische Musik), und führt zu Lynchjustiz an einem bereits verstorbenen Mann. Mit diesem Film wird Michael Jacksons gesamtes Lebenswerk erneut in Frage gestellt, und dies ohne einen einzigen schlüssigen Beweis.

Zweitens gibt es nachweislich diverse Unstimmigkeiten und sogar Fehler, die zum Zeitpunkt der Ausstrahlung bei SRF bereits bekannt waren und deshalb unbedingt hätten thematisiert werden müssen. Unter anderem:

  • Safechuck behauptet, der Missbrauch habe bis 1992 stattgefunden und sei oft in den Räumlichkeiten im oberen Stockwerk des Bahnhofs in Neverland geschehen. Das Bahnhofgebäudes wurde aber erst Ende 1993 genehmigt und noch später fertiggestellt.
  • Safechuck war, entgegen seiner Aussage im Film, von Anfang an nicht als Zeuge beim Prozess in 2005 vorgesehen.
  • Robson behauptet, Michael Jackson wollte in ihm Hass auf Frauen entfachen und ihn vor Frauen fernhalten. Tatsächlich hat Michael Jackson ihn als jungen Teenager mit seiner Nichte Brandi verkuppelt, die beiden waren während Jahren ein Paar.
  • Robson gibt an, auf Neverland allein mit Michael Jackson zurückgeblieben zu sein, während die Robsons einen Ausflug zum Grand Canyon machten. Tatsächlich hat aber Robsons Mutter 1994 unter Eid ausgesagt, dass die ganze Familie beim Ausflug dabei war, also auch Robson selber.
  • Zudem sagte Robson im Prozess 2005 unter Eid für Michael Jackson aus. Als Hauptentlastungszeuge. Welcher Angeklagte würde eines seiner Missbrauchsopfer als Zeugen für sich aussagen lassen?

Drittens geht es hier nicht einfach nur um Kindesmissbrauch, sondern auch um den Menschen Michael Jackson, der immer noch ein riesiges Publikum anzieht und über den nachweislich schon viele Lügen verbreitet wurden. Er garantiert hohe Einschaltquoten. Doch jede Diskussion dieses Filmes dreht sich am Ende unweigerlich um Michael Jackson (und dessen Schuld oder Unschuld) und nicht um Kindesmissbrauch an sich und Möglichkeiten der Prävention oder Hilfeleistung, was doch eigentlich mit ein Ziel einer solchen Sendung sein müsste.

Hier wird ein toter Mann per Dokufilm-Gericht angeklagt und verurteilt, der zu Lebzeiten Millionen von Menschen inspiriert und Tausenden von Kindern und Jugendlichen geholfen hat, der von allen Anklagepunkten freigesprochen wurde, und bei dem nach wie vor die Unschuldsvermutung gelten sollte. Anscheinend sind die Medienschaffenden hierzulande nicht gewillt, sich objektiv mit den Anschuldigungen und den Gerichtsprozessen von damals auseinander zu setzen. Gerade weil die ganze Geschichte so komplex ist, wäre es doch umso nötiger, sorgfältig zu recherchieren, und die Ergebnisse ebenfalls dem Publikum zu präsentieren! Der Film dürfte meiner Meinung nach nicht ohne entsprechende Hintergrundrecherchen und eine seriöse Kontextualisierung gezeigt werden.»

5929: «Aufgrund der Verletzung des Sachgerechtigkeitsgebotes, wonach redaktionelle Sendungen mit Informationsgehalt Tatsachen und Ereignisse sachgerecht und ausgewogen darzustellen haben, damit sich das Publikum eine eigene Meinung bilden kann, reiche ich hiermit Beschwerde gegen das Senden der höchst einseitigen ‘Dokumentation’ Leaving Neverland über einen angeblichen Kindesmissbrauch zweier Buben durch Michael Jackson ein. Ich finde es höchst fragwürdig, dass die SRG diese manipulative Dokumentation sendete. Michael Jackson ist vor Gericht in höchster Instanz freigesprochen worden und die Daten stimmen teilweise erwiesenermassen teilweise nicht überein. Wade Robson spricht beispielsweise von einem Bahnhof, der zum Zeitpunkt des angeblichen Missbrauchs noch gar nicht realisiert worden war. In der ganzen ‘Doku’ kommt zudem keine einzige Person zu Wort, die dem Star nahe stand und ihn in irgendeiner Form hätte entlasten können. Der Regisseur Dan Reed hat übrigens selbst getwittert, dass er ‘keine Ahnung von Michael Jackson’ habe und bloss die angeblichen Opfer zu Wort kommen lassen wollte.

Die Ablehnung der No-Billag-Initiative gibt der SRG keinen Freibrief, solche Schundsendungen zu senden. Ich bin höchst enttäuscht, dass ich solche Rufmord-Sendungen mitbezahlen muss.»

5933: «Ich möchte beanstanden, dass die ‘Doku’ im Betreff vom SRF ausgestrahlt wurde, obwohl in diesem Film nicht bewiesene, absolut einseitige Vorwürfe gegen einen Verstorbenen Künstler, der sich nicht verteidigen kann, erhoben werden.»

5935: «Dass unser Schweizer Fernsehen auf den Zug gesprungen ist, einen 4 stündigem Film Fläche zu bieten, der eine offensichtlich einseitige vorallem suggerierende Meinung vertritt, hat mich zutiefst enttäuscht. Die entstandenen Diskussionen auf gleichem Sender liessen diesbezüglich auch nicht wirklich einen Hauch von Gerechtigkeit gegenüber lediglich einem Vorwurf jenseits jeglicher Faktenlage. Wird der Sender jetzt zur yellow press? Kann man jetzt allerwenigstens auf eine Gegenüberstellung der Jackson Familie hoffen? Auch wenn da ein 4 Augen Delikt verkauft wird, finde ich man darf die 2 ‘Ankläger’ auch mal etwas belichten, ja sogar analysieren von aussen aus dem Umfeld indem sie sich damals bewegt haben. Wäre beides geschehen hätte ich eine Diskussionsrunde für gerechter und vorallem sinnvoller halten können.» 

5952: «Ich bin schockiert! Aus meiner Sicht, hätte diese sogenannte Dokumentation vom schweizer Fernsehen Anfang April 2019 nicht gesendet werden dürfen.
1. Ist nicht Bewiesen, dass Michael Jackson diesen beiden Männern das getan hat, was sie behaupten.
2. Wird hiermit Opfern von sexuellem Missbrauch geschadet, indem es diesen beiden Männern um Geld geht. Michael Jackson lebt nicht mehr, kann somit nicht bestraft werden und auch keine Verbrechen begehen.

Ich hoffe dieses sehr ernste Thema: Kindmissbrauch wird von SRF in Zukunft seriöser behandelt.»

2) Beanstandungen auch gegen den «Club»

5877: «Am vergangenen Samstag zeigte das SRF den Film ‘Leaving Neverland’. Das SRF versuchte, den umstrittenen Film rund um den angeblichen Missbrauchs Michael Jacksons an Robson und Safechuck mit der Flankierung der Club-Sendung zu relativieren. Nur leider wird der Dienstags-Club erst am Dienstag ausgestrahlt, was bedeutet, dass die Zuschauer*innen am Samstag die Diskussion nicht mitbekamen.

Zudem, und das wäre meine Hauptanklage, befasste sich das SRF enorm mangelhaft und fahrlässig mit der Faktenlage. Es war offensichtlich, dass niemand in der Gesprächsrunde und in der Redaktion Kenntnisse über die Gerichtsdokumente besass und keine Recherche betrieben wurde. Das ‘Sachgerechtigkeitsverbot’ wurden fahrlässig und schwer verletzt. Die Diskussion drehte sich dann auch hauptsächlich um Fragen wie <Dürfen wir Künstler*innen mit möglichem kriminellem Hintergrund noch hören?> sowie Bedenken zu der Eindimensionalität des Filmes. Konkrete Hintergrundinformationen wurde ausgelassen. Beispielsweise, dass die beiden Männer zweimal vom Gericht abgewiesen wurden, auf 1.6 Billions klagen, dem Estate Geld schulden, sie ihre Geschichte mehrmals änderten. Auch hätte explizit erwähnt werden müssen, dass Robson und Safechuck

sowohl 1993 als auch 2005 im Kreuzverhör befragt wurden und Übergriffe verneinten. Das beisst sich insbesondere mit den Aussagen der beiden, sie <hätten nicht gewusst, dass es sich um eine Falschhandlung handelt>, zumal sie explizite sexuelle Handlungen schildern. Safechucks Aussage, er hätte sich 2005 geweigert, auszusagen, muss als Falschaussage taxiert werden. Die Gerichtsakten sagen klar, dass er als ‘Non-Entitiy’ gehandelt wurde, er also für nicht wichtig genug befunden wurde. Auch konnte er sich nicht ‘gegen Ende des Prozesses’ dagegen entschieden haben, weil  nach Anlauf des Prozesses keine weit’ren Zeugen zugelassen wurden. Solche Äusserungen müssen dem Publikum explizit mitgeteilt werden. Das SRF zeigte auch keine Gegenstimmen, die es zur Genüge gibt: Beispielsweise die Nichte Michael Jacksons, die mit Wade Robson angeblich zusammen war, anderen ‘Neverland Jungs’, wie Brett Barnes, MacCaulay Culkin, Omar Bhatti, Jean Lennon, Talun Zeitoun, Emmanuel Lewis, Cascio Brüder, Schleiter Geschwister, alle Nichten, Neffen und Cousins usw. – die genau das Gegenteil behaupten. Auch hätten Ex-Angestellte zitiert werden müssen, von denen alle sagen, sie hätten nie etwas gesehen und die Anklage heftig bestreiten. Diejenige, die für MJs Schuld plädierte, wurde 1994 auch angeklagt, Michael Jackson bestohlen zu haben. Damit wäre das Vielfaltgebot ebenfalls missachtet worden.

Der Film hätte unterlegt werden müssen mit den eindeutigen Beweisen. Beispielsweise stimmt die Aussage Safechucks, er wäre im Bahnhofsgebäude auf Neverland vergewaltigt worden, nicht. Gemäss Aussagen vor Gericht dauerten die angeblichen Übergriffe bis 1991/1992. Das Gebäude wurde aber erst im September 1993 bei den Behörden eingereicht und Mitte 1994 fertiggestellt. Im August 1993 fand der ersten Skandal um Michael Jackson statt. Safechuck hätte wohl gewusst, ob die Vergewaltigung bis nach dem Skandal andauerten. Auch lebte Michael Jackson 1994/1995 nicht auf Neverland, sondern in New York und war verheiratet. Somit fällt das Kartenhaus zusammen, rund um Safechucks Geschichte, die Vergewaltigungen endeten vor der Pubertät, weil sich Michael Jackson nicht mehr für ältere Jungs interessierte. Wie kann zudem ein Opfer, das sich so detailliert an alles erinnert, ein Raum beschreiben, der noch gar nicht existierte? Es gibt zig weitere Angaben, die dringend hätten vermerkt werden müssen im Film. Beispielsweise die E-Mails von Robson, die er vor Gericht zeigen mussten, die belegen, dass er die Geschichte zusammen mit seiner Mutter spinnte, die z.B. antwortete, sie käme mit einer passenden Variante auf ihn zu. Des Weiteren sagte die Mutter von Robson vor Gericht zweimal aus, 1990 sei die ganze Familie zum Grand Canyon gefahren. Im Film sagt Wade Robson allerdings aus, er sei alleine zurückgeblieben mit Michael Jackson und es sei zum Sex gekommen. – Alles weitere Beispiele für eine grobe Missachtung des Sachgerechtigkeitsverbots.

Insbesondere der öffentliche Kommentar von Püntner im Vorfeld muss scharf kritisiert werden. Er äusserte, dass der Film glaubhaft sei und sie ihn deshalb zeigen. Er verstiess gegen das ‘Transparenzverbots’ und hätte sagen müssen, dass er keine Ahnung von den Hintergründen hat. Der Film liefert keine Beweise, auch wenn eigentlich solche existieren müssten, wie beispielweise die ‘Heiratsurkunde’ und arbeitet alleinig mit manipulativen grafischen Beschreibungen. Da die Sendezeit früh angesetzt war und die Beschreibungen schwer zu verdauen sind, plädiere ich zudem auf Missachtung des ‘Schutzes Minderjähriger’. Einen solchen Film zu zeigen, ohne sich mit den Gerichtsakten zum aktuellen Fall zu befassen, sowie allgemeine Kenntnisse über die Prozesse Michael Jacksons zu haben, bedeutet eine Verletzung der Menschenrechte. Nämlich des Rechtes der Unschuldsvermutung und der fairen Auslage der Fakten. 

Hier geht es erstens um die Deformation der Person Michael Jackson, die sich nicht mehr wehren kann. Zweitens geht die Problematik darüber hinaus. Das SRF unterstützt einen gefährlichen Trend der ‘Canceling Culture’, und der Missachtung von Fakten bei sensiblen Themen wie sexuellem Missbrauch. Solche Themen dürfen nicht einfach via Emotionen funktionieren, anti-rationale Diskurse sind gefährlich. Es darf nicht sein, dass der Versuch, Opfer zu ermutigen, ihre Geschichte zu erzählen, über die die Person Michael Jackson funktioniert, die darüber hinaus 2005 von allen Anklagen freigesprochen wurde. 2009 veröffentlichte das FBI zudem den Bericht über Michael Jackson. Nichts wurde gefunden, weder anhand von konkreten Beweisen noch psychologischen Einschätzungen. 

Wenn das SRF über Missbrauch sprechen möchten, dann soll dies in einem allgemeineren Rahmen funktionieren – das Thema ist unbestritten wichtig. 

Ich erwarte eine genaue Stellungnahme und eine Antwort darauf, ob und wie das SRF in die Verantwortung gezogen werden kann, die Fakten öffentlich zu korrigieren.» 

5898: «Ab dem 6. April 2019 war auf den Kanälen des SRF der Film ‘Leaving Neverland’ zu sehen und als ‘Dokumentarfilm’ deklariert. Hiermit möchte ich meine Beschwerde einreichen, weil sich das SRF mit diesem Film aus Gründen einer gewissen Sensationslust, Vorverurteilung und Verpflichtungsgefühl mit diesem Film befasst. Der Film sorgt weltweit für aufsehen. Vom SRF erwarte ich, dass sie einen Faktencheck durchführen, siehe Arena und Tagi-Kooperation, und sich journalistisch mit dem Inhalt und der Glaubwürdigkeit des gezeigten auseinandersetzen. Der Verantwortliche bezeichnet die beiden Geschichten der mutmasslichen Opfer als ‘glaubwürdig’ und versucht so eine Ausstrahlung zu legitimieren. Mit ein Bisschen Recherche, sind die beiden mutmasslichen Opfer aber relativ einfach als Lügner zu entlarven oder zumindest sollten für einen gestandenen Journalisten berechtigte Zweifel an den Aussagen der mutmasslichen Opfer bestehen. Leaving Neverland ist zu grossen Teilen erwiesenermassen eine Fake-Dokumentation, eine Mockumentary und wird vom seriösen Sender SRF als echter Dokumentarfilm beworben. Ein Dokumentarfilm muss authentisch sein und der Wahrheit entsprechen. Er darf auch Fragen aufwerfen, muss sich aber mit bestem Wissen und Gewissen an die Fakten halten. Dies ist bei ‘Leaving Neverland’ nicht gegeben (siehe weiter unten). ‘Leaving Neverland’ spielt in der gleichen Kategorie wie die Mockumentary ‘Kubrick, Nixon und der Mann im Mond’. Es wird glaubhaft eine Situation geschildert, die den Zuschauer glauben lässt, es handle sich um tatsächliche Fakten. Am Schluss jenes Films, wird der Zuschauer aber darauf hingewiesen, dass der Inhalt des Films gar nicht echt ist. Aber nicht im Falle von ‘Leaving Neverland’ oder zumindest als Einblender des SRF selbst. Oder in der Diskussion oder in der Bewerbung der Sendung.

Für das SRF reicht es nicht, die Ausstrahlung von ‘Leaving Neverland’ einzubetten und einzurahmen mit einer Club und Kontext-Sendung, wenn man sich nicht kritisch, mit dem Inhalt und der Glaubwürdigkeit der Dokumentation auseinandersetzt. Im Club werden zwar Zweifel geäussert, im grossen und ganzen steht die Vorverurteilung für die Beteiligten aber fest. Es genügt nicht, eine Therapeutin einzuladen, die die Aussagen als ‘glaubwürdig’ bezeichnet, ohne zu reflektieren, dass man Opferthematiken auch recherchieren und schauspielern kann. Interessant wäre gewesen die Therapeutin zu befragen, ob sie die beiden Herren nicht inhaltlich, sondern in ihrer Erzählhaltung als glaubwürdig erachtet. Die Moderatorin verschiebt die Diskussion auf die Thematik <Darf man Musik von fehlbaren Künstlern konsumieren>. Die Pflicht von SRF wäre es gewesen, ‘Leaving Neverland’, die Machart, die zwei mutmasslichen Opfer, den Regisseur, etc. genauer zu beleuchten und die Zuschauer mittels Fakten über die Umstände zu informieren. In Frankreich wird kritisch befragt, in Grossbritannien ebenfalls, auch in den USA gibt es viele kritische Stimmen. Dass der Film ‘international als glaubwürdig’ aufgefasst wird entstammt wohl eher einer Pressemitteilung, die vom SRF ungefiltert übernommen wurde. Zu keinem Zeitpunkt wird zudem aufgearbeitet, wie die Anschuldigungen zu Kindsmissbrauch überhaupt aufgetaucht sind und warum sich diese Idee in der Gesellschaft so stark festgesetzt hat, dass Michael Jackson pädophil sei. Spannend wäre es gewesen darüber zu diskutieren. Woher kommt dieser Glaube, seit wann ist das überhaupt ein Thema. Was lief genau beim Prozess von 1993? Hat Michael Jackson tatsächlich Schweigegeld bezahlt? Wurde Jordan Chandler wirklich missbraucht? Was lief beim Fall 2005? Warum kippt die Bevölkerung immer in Extreme ohne sich ein klares Bild zu machen? Was bedeutet die Dokumentation in den Zeiten der Fake News in denen jeder glaubt was er will?

Ich schätze die Sendungen des SRF sehr, insbesondere die zahlreichen tollen Dokumentarfilme, recherchierten Sendungen, Berichte, auch Club, Rundschau, Kassensturz, Reporter, etc. Da ich mich mit dem Fall Michael Jackson sehr gut auskenne und nun zum dritten Mal (1993, 2005, 2019) miterleben muss, wie Falschinformationen über die Presse ungefiltert in die öffentliche Meinung gelangen, obwohl die Recherche heutzutage extrem einfach geworden ist, und auch das SRF das Gebot der sachgerechten Darstellung missachtet, muss ich auch die anderen Sendungen des SRF in Frage stellen und klar hinterfragen, ob ich überhaupt noch Fakten und Wahrheiten vorgesetzt bekomme.

1. Der (Dokumentar)-Film Leaving Neverland ist einseitig. Es gibt keine kritischen Stimmen oder andere Sichtweisen.
2. Die mutmasslichen Opfer sind vor Gericht bereits zweimal wegen ungenügender Beweise abgeblitzt, erst danach kam der Film, wird im Film nicht thematisiert.
3. Es werden Umstände erwiesenermassen falsch dargestellt, dazu gehören unter anderem falsche Daten von Missbrauchsmomenten: -> Grammy Awards, Bau der Zugstation, etc.
4. Brandi Jackson, die Nichte von Michael Jackson, war 7 Jahre in einer festen Beziehung mit Wade Robson (während den angeblichen Missbräuchen), sie wird im Dokumentarfilm nicht erwähnt (spricht aber im Internet! Liebes SRF.)
5. Wade Robsons jetzige Frau spricht davon, dass sie keine Ahnung gehabt hätte, ist aber selbst Opfer von Missbrauch (wird nicht erwähnt).
6. Es werden zwei weitere mutmassliche Opfer suggeriert. Macaulay Culkin (Kevin allein Zuhaus), der bis heute sich klar davon distanziert, jemals falsch angefasst worden zu sein. Und Brett Barnes, der mittlerweile nicht nur gegen HBO wegen Erwähnung seines Namens in diesem Zusammenhang klagt, sondern auch auf Twitter klargestellt hat, dass er mit reinem Gewissen leben kann und nicht dem Geld nachrennt.
7. Alle Informationen und Fakten bei ‘TheMichaelJacksonAllegations’.
etc.»

«Das SRF folgt seinem journalistischen Standard der 'tatsachengerechten Darstellung von Ereignissen’ NICHT. Bisher habe ich keine redaktionelle Bearbeitung gesehen, die dem ‘Pseudo’-Dokumentarfilm genauer auf die Pelle rückt. Wiederholt lese ich unter anderem auf den Sozialen Kanälen des SRF und in den redaktionellen Besprechungen, dass die Thematik diskutiert und besprochen wird. Die Problematik besteht darin, dass die Fakten zu den Anschuldigungen keine Beachtung geschenkt wird. Unter dem Deckmantel der Wichtigkeit zur Diskussion von Kindsmissbrauch, muss Michael Jackson herhalten, als prominenter angeblicher Täter. Ja, Kindsmissbrauch ist ein hochgradig relevantes Thema, aber warum wird dies einem unschuldigen Mann (vor Gericht freigesprochen, jahrelang vom FBI untersucht) angelastet? Warum werden die mutmasslichen Opfer konsequent nicht hinterfragt und ganz einfach durchleuchtet. Diese Personen haben eine Geschichte. Ja, sie erzählen ‘eine’ Geschichte, aber entspricht sie der Wahrheit? Mit ein wenig journalistischem Aufwand, kann man die beiden Herren entlarven. Es gibt dutzende Videos auf Youtube von seriösen Journalisten, von Angehörigen, die glaubhaft diverse Ungereimtheiten aufzählen.

Warum wird DARÜBER nicht diskutiert? Warum? Warum bedienen sich die sozialen Kanäle des SRF einer ‘Klickbait’-Kultur, indem sie permanent MJ als Schuldigen darstellen? Es DARF nicht sein, dass das SRF ungefiltert Informationen verbreitet, die nicht auf Wahrheiten basieren. Warum wird Präsident Trump mit seinen Fake-News konsequent beleuchtet, durchleuchtet, entlarvt und zurechtgewiesen... aber die beiden mutmasslichen Opfer nicht? Kann es sich das SRF wirklich leisten, die Meinungen der Schweizer Bevölkerung basierend auf schlechtem Journalismus zu beeinflussen?

Warum wird unter dem Deckmantel einer Diskussionskultur wie Club und Kontext nicht über die Glaubwürdigkeit des Films diskutiert und parallel mit den Tatsachen der Gerichtsfälle von 1993 und 2005 erklärt? Alle Daten sind online, auf offiziellen Seiten. Gerichtsdokumente. E-Mails, Statements. Auf ‘TheMichaelJacksonAllegations’ sind alle Fälle akribisch aufgelistet mit hunderten Klarstellungen und passenden Beweisen. Offizielle MJ-Biographen schlagen Allarm weil Fakten falsch wiedergegeben und verdreht werden.

Ich erwarte, dass das SRF genau so viel Zeit und Aufwand in eine Gegendarstellung investiert. Es gibt nicht nur eine Seite. Wenn sich das SRF einer Diskussion stellen will, dann MUSS es auch für Präsenz der anderen Seite stehen. Wenn Präsident Trump erklärt, dass er Arbeitsplätze geschaffen hat, dann wird dies auch nicht ungefiltert als Wahrheit vom SRF kommuniziert. Im Gegenteil, es folgt der Faktencheck und die Schweizer Bevölkerung kriegt eine recherchierte Aufarbeitung präsentiert. Es kann nicht sein, dass dies im Falle der mutmasslichen Opfer nicht passiert, dass hier ohne mit der Wimper zu zucken ungefiltert ein unschuldiger Mensch, rufschädigend verunglimpft wird. Wenn das SRF auf diesem Zug mitfährt, dann MUSS es Beweise präsentieren und nicht vage Hören-Sagen-Märchen aufzählen. Auch verhalten sich die Journalisten nicht neutral, es wird stets in die Richtung gedrückt, dass Michael Jackson tatsächlich Dreck am Stecken hatte. Es gibt nationale und internationale Fachpersonen, die unzählige Mythen mit Fakten und Beweisen widerlegen können.

SRF sei auf der Hut und lass dich nicht von Weinstein unterlaufen.

Ich lege hiermit eine Beschwerde ein, weil das SRF dem Publikum nicht die Möglichkeit bietet, sich eine eigene Meinung zu machen, weil das SRF lediglich eine manipulative Sendung ausstrahlt, ohne die Gegenseite zu beleuchten. In der Arena stoppen sie die Sekunden, bei Michael Jackson gibt es keinen Faktencheck. Club und Kontext sind KEIN Faktencheck, dort wird darüber diskutiert, ob man Kunst und Künstler trennen kann/soll.»

«Hiermit beanstande ich den Vorschausatz auf die CLUB Sendung der von Ueli Schmetzer in der Sendung Kassensturz gemacht wurde. <...über die mutmasslichen Opfer der sexuellen Übergriffe von Michael Jackson.> Auch hier wird die Vorverurteilung von Michael Jackson vermittelt. Die Opfer sind ‘mutmasslich’ aber die sexuellen Übergriffe werden als Fakt vermittelt. Es kann nicht sein, dass die Unschuldsvermutung eines vor Gericht in allen Anklagepunkten freigesprochenen Sängers beim SRF konsequent nicht gilt. Es müsste mindestens ‘mutmasslichen sexuellen Übergriffen’ heissen. Es darf nicht sein, dass die Faktenlage konsequent missachtet wird. Weiter gibt es bis heute keinen Bericht vom SRF zur Darstellung der Gegenseite. Obwohl diverse Berichte existieren.»[7]

5914: «Ich möchte mich bei Ihnen melden, weil ich finde dass das SRF nicht ausgewogen informiert bezüglich Thema Michael Jackson. Es wird zu einseitig auf die Opfer gestellt und so auch Unwahrheiten gezeigt! Ich würde sogar Fakenews in den Mund nehmen. Dies sollte eigentlich nicht sein. Auch nach dem am Dienstag ausgestrahlte Sendung Club nicht! Dort wurde wiederum fast ausschliesslich über die Opfer gesprochen und wie Schlimm dass das alles ist. Aber objektiv wurde nicht geurteilt. Auch wurde immer nur die Psychologin das Wort überlassen, dem Herr Meier (Fanclub MJ) wurde hingehen die Plattform nicht geben. Dies ist nicht ausgewogen... Zum Schluss finde ich die Dokumentation sehr fragwürdig... und sie geht auch Richtung Rufmord hin... aber das ist wieder ein anderes Thema...»

5935: «Dass unser Schweizer Fernsehen auf den Zug gesprungen ist, einen 4 stündigem Film Fläche zu bieten, der eine offensichtlich einseitige vorallem suggerierende Meinung vertritt, hat mich zutiefst enttäuscht. Die entstandenen Diskussionen auf gleichem Sender liessen diesbezüglich auch nicht wirklich einen Hauch von Gerechtigkeit gegenüber lediglich einem Vorwurf jenseits jeglicher Faktenlage. Wird der Sender jetzt zur yellow press? Kann man jetzt allerwenigstens auf eine Gegenüberstellung der Jackson Familie hoffen? Auch wenn da ein 4 Augen Delikt verkauft wird, finde ich man darf die 2 ‘Ankläger’ auch mal etwas belichten, ja sogar analysieren von aussen aus dem Umfeld indem sie sich damals bewegt haben. Wäre beides geschehen hätte ich eine Diskussionsrunde für gerechter und vorallem sinnvoller halten können.» 

5953: «Ich wende mich an die Ombudsstelle, da durch die Programmaufnahme des Filmes ‘Leaving Neverland’ gegen das Sachgerechtigkeitsgebot und das Transparenzgebot verstossen wurde. (Es muss davon ausgegangen werden, dass einige Leute nur den Film selbst oder gewisse Werbetrailers gesehen haben. In den begleitenden Diskussionen – im ‚Club‘ durfte ich teilnehmen – wurde der Wahrheitsgehalt des Filmes nicht vertieft diskutiert.) SRF beteiligt sich einerseits an der Verleumdung eines gesellschaftspolitisch bedeutenden Künstlers, und beteiligt sich andererseits aktiv an der Untergrabung des Vertrauens in die Medien – was losgelöst vom Thema Michael Jackson – langfristig auch für eine stabile Gesellschaft wie in der Schweiz gefährliche Folgen haben kann.

Ich habe Verständnis dafür, dass sogar renommierte Journalisten die Schilderungen in ‚Leaving Neverland‘ als glaubhaft einstufen. Nüchtern und mit dem notwendigen Hintergrundwissen betrachtet, ist die Glaubwürdigkeit der beiden Darsteller in ‚Leaving Neverland‘ aber sehr zweifelhaft. Diverse Schilderungen im Film können nicht der Wahrheit entsprechen. (Teils nachweislich, teils gemäss Aussagen von mehreren Zeugen.) Wieso diese Behauptungen trotzdem in einer vierstündigen Doku erzählt werden, wenn doch nur schon ein paar der perversen und abscheulichen Schilderungen ausreichend skandalös wären, um dem Film die Brisanz zu verpassen – das alleine ist für viele Leute ein Beweis, dass auch die sexuellen Übergriffe erfunden sein müssen.

Journalist Hanspeter Künzler schrieb dazu bereits am 6. März: <Tatsächlich wirken die Unschuldsbeteuerungen der Michael-Jackson-Fans beim näheren Hinsehen rationaler als die ans Hysterische grenzenden Reaktionen der Gegenseite.>[8] Wieso vertrauen so viele auf ihr ‚Bauchgefühl‘? Die Empörungswelle, die auf die einseitige und meinungsmachende Dokumentation ‚Leaving Neverland‘ folgte, wäre nicht möglich gewesen, wenn nicht seit 1993 wiederholt verleumderische und teilweise nachweislich falsche bis halbwahre Berichte zu den Pädophilie-Vorwürfen gegen Michael Jackson kursieren würden. Seit Wade Robson in einer Fernsehsendung im Jahr 2013 mit den aktuellen Vorwürfen an die Öffentlichkeit ging, kursierten solche Storys erneut, ebenso Details aus den Millionen-Klagen von Wade Robson und James Safechuck, die mehrmals sogar von Schweizer Medien wie ‚20 Minuten‘ geteilt wurden.

Wir hatten auf unserer Webseite jackson.ch eine ‚Schmierkampagne‘ vermutet, unter anderem auch deshalb, da sich der Konzertveranstalter AEG-Live mit einer Klage der Jacksons konfrontiert sah und der Marktwert der Marke ‚Michael Jackson‘ von zentraler Bedeutung war. Unser Beitrag vom 9. August 2014, in dem wir 'Leaving Neverland' prophezeien.[9] Gemäss Warn-Schreiben von Jacksons Nachlassverwaltung an HBO vom Februar 2019, kursierten solche Storys immer dann, wenn eine Gerichtsanhörung anstand. Im Dezember 2017 wurden die Klagen von Robson und Safechuck ein zweites Mal abgewiesen. Ihre Anwälte kündigten umgehend Berufung an. SRF unterstützt mit der Ausstrahlung von ‚Leaving Neverland‘ gemäss Schreiben vom ‚MJ Estate‘ mutmassliche Betrüger.[10] Juristisch wurde MJ mehrmals entlastet. Aus juristischer Sicht steht relativ eindeutig fest, dass MJ zu Unrecht der Pädophilie bezichtigt wurde. Ich beziehe mich auf die Strafverfahren zwischen 1993 und 1994, sowie zwischen 2003 und 2005, an denen mehrere Polizeidepartements beteiligt waren. Wie seit einigen Jahren bekannt ist, hat auch das FBI seit 1993 mehrmals gegen MJ ermittelt. Keine dieser Ermittlungen hat je belastende Beweise hervorgebracht. Der Prozess im Jahr 2005 endete mit einem Freispruch in allen Anklagepunkten, da es der Staatsanwaltschaft nebst fehlenden Beweisen nicht gelang, glaubhafte Zeugen zu präsentieren.

Zweifelhafte Vorwürfe in ‚Leaving Neverland‘

Zu keiner Zeit ging ein Angestellter Michael Jacksons zur Polizei. Sollten die Vorwürfe in ‚Leaving Neverland‘ stimmen, so ist höchst zweifelhaft, dass nie irgend jemand etwas mitgekriegt haben sollte, und wenn, dass ihn alle gedeckt haben. MJ war bekanntlich ein grosser Chaot – es ist deshalb auch zweifelhaft, ob nie irgendwelche ‚Spuren‘ oder sonstige Beweise gefunden wurden. (Nur schon auf der Neverland-Ranch arbeiteten zeitweise bis zu 100 Personen.) Diverse Leute hatten Zutritt zur Ranch, inklusive Wohltätigkeitsstiftungen, die ganze Busse voll mit kranken oder aus armen Verhältnissen stammende Kinder auf die Ranch bringen durften. Michael Jackson war mehrheitlich nicht persönlich anwesend, oder zeigte sich nicht. Die im Prozess 2005 als Belastungszeugen präsentierten ehemaligen Neverland-Angestellten wurden von der Polizei vorgeladen, da zuvor abenteuerliche Storys in Boulevardmedien abgedruckt wurden. Im Gegensatz zu ihren eidesstattlichen Aussagen in den Jahren 1993/1994, präsentierten sie im Prozess 2005 nun ‚abgeschwächte‘ Versionen gewisser Schilderungen, die sie Mitte der 1990er Jahre für Beträge im fünfstelligen Bereich an Boulevardmedien verkauft hatten. Im Kreuzverhör mit Phillip LeMarque kam sogar zutage, dass dieser für eine Geschichte versuchte, bis zu 500'000 Dollar zu verlangen.

Im Prozess 2005 wurde auch bekannt, wie Jason Francia, der Sohn einer früheren Neverland-Angestellten, im Jahr 1994 mit falschen Behauptungen von den Ermittlern zu einer Aussage gedrängt wurde, Michael Jackson habe ihn unsittlich im Genitalbereich berührt, während dieser ihn gekitzelt habe. (Die Lügen: Angeblich hätten andere Knaben, darunter Macaulay Culkin, MJ belastet, weshalb er ihnen nun helfen müsse, MJ hinter Gitter zu bringen.) Mit illegalen Mitteln arbeitete die Ermittlungsbehörden unter der Leitung von Staatsanwalt Thomas Sneddon auch im Jahr 2005. So gab es beispielsweise unzulässige Durchsuchungen und Beschlagnahmungen von Gegenbeweismitteln, zudem wurde die Beweislage der Anklage unrechtmässig lange zurück gehalten und erst auf Verfügung des Richters Rodney Melville, der Verteidigung Michael Jacksons zugänglich gemacht. Ausserdem wurden einige ‚Beweismittel‘ von den Durchsuchungen im Jahr 1993 nie an MJ zurückgegeben, obwohl darunter nichts illegales war.

Dies alles ist durchaus relevant bezüglich ‚Leaving Neverland‘, da die Safechuck- sowie die Robson-Familie von den Behörden 1993/1994 ausführlich befragt wurden. Sie waren einige von angeblich dutzenden Familien, die damals befragt wurden. Keine Familie erhob Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs. Da Evan Chandler, Vater des angeblich missbrauchten Jordan Chandler, nach der Millionen-Zahlung durch Michael Jacksons Versicherungsgesellschaft im Januar 1994 seine Zivilklage zurückzog und die Chandler-Familie nicht mehr mit den Strafbehörden zusammenarbeitete, musste der Strafprozess im September 1994 eingestellt werden. Zwei verschiedene ‚Grand Jurys‘ hatten unabhängig voneinander entschieden, die Beweislage reiche für einen Prozess nicht aus.[11]

Die ‚stupiden‘ Behauptungen von James Safechuck und Wade Robson

Im zweiten Teil von ‚Leaving Neverland‘ behaupten Wade Robson und James Safechuck, sie seien für den Prozess 2005 zu Aussagen gedrängt worden. Safechuck sagt, er habe sich geweigert. Abgesehen davon, dass zu dem Zeitpunkt von Richter Melville längst festgelegt worden war, wer als Zeuge aussagen darf, macht die Behauptung von Safechuck überhaupt keinen Sinn. Die Verteidigung Michael Jacksons war relativ siegesgewiss und hatte bereits 2004 gefordert, den Prozess einzustellen. Dass sie also einen angeblich missbrauchten Mann zur Aussage drängen wollten, der womöglich im Kreuzverhör entlarvt worden wäre, ist fragwürdig. Wade Robson hingegen war im Prozess 2005 im Alter von 22 Jahren ein derart überzeugender Entlastungszeuge, so, dass ihn die Verteidigung Michael Jacksons sogar als ersten ihrer Zeugen präsentierte. (Dies, da eine frühere Neverland-Angestellte zuvor behauptet hatte, beobachtet zu haben, wie MJ mit Robson womöglich nackt geduscht habe.)

Wer diesen Behauptungen widerspricht:

> Privatermittler Scott Ross, der damals für Michael Jacksons Verteidigungsteam arbeitete und Wade Robson eventuell als erster ‚verhört‘ hatte. (Er erhielt zuvor und danach keine weiteren Aufträge von oder für MJ.)

- Nicole's View, ab Min. 16:00[12]

- Neverland Firsthand, ab Min. 15:30[13]

> Anwalt Thomas Mesereau Jr. (Der Freispruch 2005 geht auf sein Konto. Er hatte seither kein weiteres Mandat für Michael Jackson. Nach Jacksons Tod wurde er von der Nachlassverwaltung aufgefordert, sämtliche Akten vom Fall 2005 an das ‚MJ Estate‘ zu übergeben.)

- Tom Mesereau's First Extensive Interview After LN, ab Min. 11:30[14] 

> Anwalt Brian Oxman (Er arbeitete über die Jahre oft für die Jacksons. Im Jahr 2005 wurde er jedoch während dem laufenden Prozess von Mesereau entlassen.)

- Truth Be Told Radio[15]

- Daily Mail „Exclusive“[16]

Weitere Ungereimtheiten in ‚Leaving Neverland‘ (Auszug)

– Erste Kontaktaufnahmen: Tatsächlich waren es James Safechuck, der Michael Jackson nachdem gemeinsamen Auftritt in einem Werbespot mit einem Brief kontaktierte, worauf MJ antwortete. Die Mutter von Wade Robson wiederum bezeichnete das kurze Treffen mit dem ‚King of Pop‘ nach dem Tanz-Contest in Australien, als ‚Meet + Greet‘ im Beisein vieler weiteren Leute. In der Folge schrieben sie Michael Jackson diverse Briefe und schickten ihm sogar Videos von Wade Robsons Tanzkünsten. Als sie einige Jahre darauf in die USA reisten, konnten sie über eine Mitarbeiterin Michael Jacksons ein zweites Treffen arrangieren, das womöglich im Record One Studio in Los Angeles stattfand. So kam es, dass sie daraufhin sogar auf die Neverland-Ranch eingeladen wurden. (selbes widerfuhr beispielsweise auch dem Fanmagazin-Herausgeber Adrian Grant (‚Thriller Live‘). Im Jahr 1994 war Robson dann ein Teil eines Rap-Duos (‚Quo‘) von Michael Jacksons neuem Musiklabel MJJ Music. Die Robsons seien dutzende Male auf Neverland gewesen. Seit sie in den USA lebten, war Michael Jackson aber nur viermal persönlich anwesend. (Gemäss eidesstattlichen Aussagen von 1994 und 2005 von Joy Robson.)[17]

– In ‚Leaving Neverland‘ behaupten die Darsteller, Michael Jackson habe Ihnen eine Art Frauenhass vermitteln wollen. Tatsächlich aber hatte MJ seine Nichte Brandi Jackson mit Wade Robson verkuppelt. Diese führten bis in die Jugendjahre eine Beziehung. Sie bezeichnet ihn heute als Narzist und glaubt ihm die Vorwürfe in LN nicht. Bei einem zufälligen Treffen mit Journalist Hanspeter Künzler am diesjährigen ‚M4Music Festival‘ in Zürich, sagte mir dieser, das erste öffentliche Interview Brandi Jacksons gesehen zu haben und als authentisch einzustufen.[18] Sie wurde, nachdem diverse bekannte Medien in den USA es ablehnten, mit ihr zu sprechen, oder ihre Zusagen zurückzogen, zuletzt auch von ‘Billboard’ interviewt.[19]

– James Safechuck und Wade Robson hatten nur kurzzeitig so engen Kontakt zu MJ, wie dieser in Leaving Neverland dargestellt wird. James Safechuck hatte wahrscheinlich, nach einer Statistenrolle für den ‚Earth Song‘-Clip, keinen Kontakt oder Zugang zum Umfeld von MJ. Er strebte damals noch eine Karriere als Schauspieler an. Choreograph Wade Robson und seine Familie hatten zwar weiterhin Zugang zum Umfeld MJs, der direkte Kontakt zu MJ war jedoch spärlich. Die als ‚Liebesbriefe‘ dargestellten Nachrichten und Notizen, Telefonanrufe, Geschenke etc. waren bei Michael Jackson nichts ungewöhnliches. Diverse erwachsene Freunde und kreative Partner von ihm berichten von selbem. Es gab diverse Auktionen, die das unterstreichen. (u.a. von ‚Juliens Auction.‘)

– Der LN-Regisseur Dan Reed verhält sich in diversen den Film begleitenden Interviews und auf seinem Twitter-Account seltsam und so, als ob er genau wüsste, dass die Vorwürfe in LN höchst zweifelhaft sind. So behauptete er allen Ernstes auf Twitter, nachdem aufgedeckt worden war, dass die Bahnstation in der James Safechuck angeblich von MJ missbraucht wurde, damals noch gar nicht gebaut worden war, dass die Fans sich betreffend dem Zeitraum der angeblichen Übergriffe irren. Er widerspricht somit den Darstellungen in LN ebenso wie den Daten, die Safechuck in seiner bisher zweimal abgewiesenen Millionen-Klage geltend macht. (1988 bis 1992)

– Dan Reed sagte mehrmals, dass er von der Glaubwürdigkeit von James Safechuck und Wade Robson überzeugt war, da sich ihre Erzählungen auffällig gleichen, obwohl sich diese seit Kindheit nie getroffen hätten. Nun, da beide seit sie ihre Millionen-Klagen gegen den Nachlass von MJ eingereicht hatten, von den selben Anwälten vertreten werden, muss das nicht zwingend ‚zufällig‘ sein. Zudem ist in öffentlich zugänglichen Gerichtsdokumenten ersichtlich, dass sie sich, bevor Safechuck seine Klage nachreichte, im Beisein ihrer gemeinsamen Anwälte trafen. Auf die Frage, worüber sie sprachen, verweigerte Wade Robson die Aussage. In Voranhörungen zwischen 2013 bis 2017 kam auch zu Tage, dass Wade Robson nachdem ihm eine Rolle als Choreograph für eine offizielle MJ-Show von Cirque du Soleil verweigert wurde, ein Buch über angebliche Missbräuche an Verleger anzubieten versuchte. Das Transkript herauszurücken, versuchte er erfolglos zu verhindern. Ebenso versuchte er sich gegen die Offenlegung von E-Mail Korrespondenzen, u.a. mit seiner Mutter, zu wehren.[20] Mitte 2011 behauptete Wade Robson, die Rolle in Cirque du Soleil zu haben, was nachweislich nicht der Wahrheit entspricht (Min. 2:30).[21]

– Dan Reed betonte wiederholt, es gehe den angeblich Missbrauchten nicht um Geld. Das ist alleine angesichts ihrer noch nicht aufgegebenen Millionen-Klagen fragwürdig. (Obwohl ich der Ansicht bin, dass sie von Dritten zu dem Film LN gedrängt wurden.)

Als Grace Rwaramba sich mit einem langen Statement an die Medien wandte, meldete sich ein Anwalt von Robson und Safechuck und liess sich zitieren, dass Grace Rwarambas Aussagen mit Vorsicht genossen werden müssten, da sie als ehemalige MJJ Productions- Angestellte mitangeklagt sei. Rwaramba wurde ursprünglich als Büroangestellte engagiert und arbeitete dann von 1997 bis 2009 als Michael Jacksons Kindermädchen. Sie lebt abseits der Öffentlichkeit. Sich derzeit an die Medien zu wenden, dürfte sie Überwindung gekostet haben.[22]

Weitere Infos, Dokumente, Zeitabläufe, finanzielle Motive etc.:

Im Artikel[23] wird auch ‚The WHITE Problem in America‘ (Johnson Publishing Company, 1966) thematisiert. Jacksons literarische Interesse wird oft auf ein weiteres seiner Lieblingsbücher, ‚Peter Pan‘, reduziert.

Diverse Männer widersprechen

Sie alle verneinen, je von Michael Jackson sexuell missbraucht worden zu sein: Emmanuel Lewis, Corey Feldman, Brett Barnes und Macaulay Culkin (die beide am Ende vom ersten Teil von Leaving Neverland gezeigt werden.), Frank und Eddie Cascio (letzterer sieht sich mit einer Klage von einem MJ-Fan konfrontiert, da er wahrscheinlich gefälschte, angebliche MJ-Songs an Sony und die Nachlassverwaltung verkauft hatte. Drei davon wurden 2010 auf dem Album ‚Michael‘ veröffentlicht.), Omer Bhatti, Aaron Carter und weitere. Corey Feldman hatte sich nach einer ersten heftigen Reaktion auf ‚Leaving Neverland‘ von seinen Nachrichten auf Twitter distanziert, da sie zu aggressiv ausgefallen seien. Man dürfe keine mögliche Opfer sexuellen Missbrauchs anzweifeln. Der Schauspieler Corey Feldman arbeitet derzeit an einem Film über Pädophilie in Hollywood. Er war als Jugendlicher in den 1980er-Jahren mit Michael Jackson befreundet. Über ‚Leaving Neverland‘ sagt Feldman nun:

<Es ist der übliche Vorgang vom Vertrauen erschleichen, den sie beschreiben>, so Feldman. <Alles war gleich [was auch mir passiert ist], abgesehen vom sexuellen Teil. Alles. [Jackson] kaufte mir Geschenke, ein Watchman TV, eine goldene Uhr von Disneyland. Hat er also mein Vertrauen erschlichen und ich wurde einfach nie seine Wahl? Oder war er einfach so? Das ist die verdammte Sache. Wir werden es nie wissen.> Feldman ergänzt: <Aber ich wäre exakt sein Typ gewesen. Ich war hübsch, klein und blond.>[24] Dass Michael Jackson in seiner Einsamkeit und im Interesse am Leben ‚gewöhnlicher Menschen‘, diverse Freundschaften pflegte, ähnliche wie zu den Safechucks und den Robsons, und auch zu weiblichen Personen, wird in folgendem Artikel mit diversen Beispielen unterlegt:Grooming or a Generous and Lonely Soul?[25]

Die Diskussion im ‚Club‘

Die Einladung zur Diskussion in der ‚Club‘-Sendung hatte mich gefreut. Leider ist es der Moderatorin nicht gelungen, ihre persönliche Haltung zum Film und gegenüber mir als ‚Fan‘ zu verbergen, ebenso wie es mir nicht gelang, meine Zweifel pointierter zu formulieren. Aufgrund diverser vorangegangener Medienberichten und aus Respekt vor tatsächlichen Opfern sexueller Gewalt, sah ich mich gezwungen, eine relativ zurückhaltende Meinung zum Film zu vertreten.

Die Glaubwürdigkeit der Medien

Die Medien setzen derzeit weltweit ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel und provozieren nun auch beim Thema ‚Michael Jackson‘, dass Hunderttausende das Gefühl haben, sie müssten sich im Internet selbst informieren. Dieser Vertrauensverlust dürfte auch nicht im Interesse der Verlagshäuser sein. Ebenso wenig im Interesse der Allgemeinheit. Bekanntlich sucht der Mensch im Internet gerne nach dem, was die eigene Meinung verstärkt. Die Algorithmen sozialer Medien funktionieren ähnlich. Wenn die Leute sich zunehmend in ihren ‚eigenen Blasen‘ bewegen und sich nicht mehr ausgewogen informieren, ist das logischerweise gesellschaftspolitisch hoch gefährlich. Dass es diversen Journalisten und Chefredaktoren nicht bewusst scheint, dass sie sich nun auch mit dem Thema Michael Jackson die Finger verbrennen, lässt mich fast verzweifeln.

Als überzeugter ‚No-Billag‘-Verfechter, ärgert es mich, nun zu hören, wenn sogar SRF einen Film wie ‚Leaving Neverland‘ zeige, sei dies doch ein Beweis, dass man die Gebühren längst streichen müsste. Ich wiederum sehe dies aber genau als Bestätigung, wie dringend notwendig es ist, seriöse Medien zu unterstützen, damit diese nicht aus finanzieller Not wie Boulevardmedien fungieren müssen. Auch dieser Vorwurf besteht: Dass SRF den Film LN nur der Einschaltquoten wegen zeige. Wie mir mehrere Leute (keine MJ-Fans) bestätigten, wurde für LN und die begleitenden Diskussionen ungewohnt viel Geld für Werbung auf sozialen Netzwerken wie Twitter, Instagram und Facebook ausgegeben. (Zumindest wurde mir gesagt, sie sähen in der Regel keine oder kaum Werbung von SRF.) Ich hatte den Ärger der Fans über den Entscheid von SRF, die fragwürdige Doku ins Programm aufzunehmen, im Kurz-Interview mit der Winterthurer Zeitung zu erklären versucht (Obwohl ich mich an dieser Stelle vom Begriff ‘Fake News’ distanzieren möchte.)[26] Der Entscheid von SRF bestätigt für viele, dass der Film glaubwürdig sei. Unabhängig davon, ob diese Personen die Doku gesehen haben oder nicht. Das ist grundsätzlich ein Kompliment an SRF. Für die zahlreichen Fans ist dies jedoch nicht akzeptabel und belastend.

Das befremdend wirkende Engagement / Klischee-Bild der Fans

Die Anzahl der Fans, die an LN zweifeln, wird gerne auf eine kleine Zahl von übergeschnappten Fans reduziert, die blind an einem heilen und unrealistischen Bild Michael Jacksons festhält. Da Michael Jackson rund um die Welt die Massen begeistert, ist es logisch, dass sich ganz viele Menschen dafür interessieren, ob sie sich nun tatsächlich damit abfinden müssen, dass der ‚King of Pop‘ ein wahrscheinlicher Kinderschänder war. Mir persönlich ist es egal, wenn viele den Anschuldigungen in LN glauben. Jedoch nervt es mich gewaltig, nun wieder vermehrt auf diese Vorwürfe angesprochen zu werden. Und da ich seit bald 20 Jahren für jackson.ch schreibe, stecke ich so tief im Thema, dass es mir keine Ruhe lässt, mitzuwirken, um Licht in die Angelegenheit zu bringen, während reihenweise Journalisten völlig undifferenziert an die Sache herangehen. Das wiederum kostet mich wertvolle Zeit, die ich lieber für anderes investieren würde. Ich verstehe die Fans, die überemotional reagieren und Journalisten mit bösen Mails bombardieren. Wie erwähnt, die Situation ist für alle Fans belastend, egal wie ‚Hardcore‘ oder nicht diese ihr Interesse an MJ ausleben. Ich hoffe, die Ombudsstelle wurde einigermassen von unreflektierten Reaktionen verschont. Falls nicht, bitte haben Sie Verständnis.

Forderung an SRF

Von Seiten der Jackson-Familie (Taj Jackson) ist eine Gegendarstellung in Arbeit. DieNachlassverwaltung ihrerseits fordert ein offenes Verfahren in einem angestrebten Prozess gegen HBO, den einen Co-Produzent von LN. Ob die Nachlassverwaltung und die Familie zusammenarbeiten werden, ist ungewiss. (Einige Familienmitglieder fordern seit Jahren die Absetzung der Nachlassverwalter. Diese sind auch bei den Fans umstritten, machen derzeit aber in meinen Augen einen hervorragenden Job.) Es wäre angebracht, die Gegendarstellung der Familie und/oder ähnliche Filme ins Programm von SRF aufzunehmen und mit den selben Mitteln wie LN zu bewerben. Obwohl Falschmeldungen hierzu kursierten, ist ‚Neverland Firsthand‘ keine Antwort von Seiten der Jackson-Familie. Die Kurzdokumentation ist aber tatsächlich relativ informativ.» [27]

5955: Ich mache Missachtung folgender Punkte geltend:

1. Grundrechte der Menschenwürde, diskriminierende, rassistische und sittlichkeitsgefährdende Inhalte

2. Sachgerechtigkeitsgebot: Sachgerechte Darstellung der Tatsachen und Ereignisse, so dass sich das Publikum eine eigene Meinung bilden kann

3. (evt.) Schutz Minderjähriger: Sendezeit und sonstige Massnahmen, welche dafür sorgen, dass Minderjährige nicht mit Sendungen konfrontiert werden, welche ihre körperliche und geistig-seelische, sittliche oder sozial Entwicklung gefährden

Begründung:

Beanstandungspunkt1: Grundrechte der Menschenwürde

Standpunkt: In Abklärung mit einer mir bekannten Staatsanwältin beziehe ich mich auf Art. Auf Art. 174 und Art. 175 des Schweizerischen Strafgesetzbuches.[28] Weiter stütze ich mich auf die Tatsache, dass ein Sender für den Inhalt der Sendung die Verantwortung trägt und stelle mich somit auf den Standpunkt, dass mit Ausstrahlung des Films ‚Leaving Neverland‘ die Unternehmung SRG Deutschschweiz die Verantwortung auf die Meinungsäusserung im Film und den Inhalt des selbigen trägt. Somit sind die im Film getroffenen Aussagen inhaltlich relevant und Aussagen, die die Grundrechte der Menschenwürde und den Tatsachenverhalt der Verleumdung und Ehrverletzung eines Verstorbenen zu berücksichtigen. Inhaltlich dreht sich der Film um die Anschuldigung zweier junger Männer, die von sich behaupten während mehreren Jahren von Michael Jackson (Sänger, Entertainer, Wohltäter, Person des öffentlichen Interesses, verstorben am 25.06.2009) missbraucht worden zu sein.

Ich führe deshalb aus welche Punkte im Film diese Punkte betreffen:

a) diskriminierend

Die Aussagen, welche in 'Leaving Neverland' getroffen werden, sind einseitig und stützen sich lediglich auf die Aussagen zweier Protagonisten. Die Aussagen werden nicht hinterfragt und die Ausstrahlung des Filmes beeinflusst bewusst die Meinungsbildung der Öffentlichkeit. Dies durch diverse Manipulation des Filmemachers, Dan Reed. Unter anderem beziehe ich mich hierbei auf den sehr treffenden Artikel von Markus Knill [29], wonach die Medien über die vollumfängliche Macht verfügen die Meinungsbildung der Öffentlichkeit zu steuern. Unter anderem macht der Filmemacher von diversen Manipulationsmitteln Gebrauch:

- Macht der Themenauswahl: Aussenstehende haben kein Recht auf das zu behandelnde Thema zu bestimmen. Mit der Auswahl kommt es zwangsläufig zu einer Gewichtung und Lenkung des Zuschauers in die gewünschte Richtung

- Macht des Ausklammerns: Entkräftende Stimmen wird kein Gehör gegeben

- Macht, welche Personen sprechen dürfen: Nur die Anschuldiger und deren Familien, Zuteilung der Interessengruppen

- Die Macht der Zumischunge von Geräuschen und Musik, Macht der Tonsteuerung: Bewusst manipulativ verlegte traurige Violinenmusik und düstere Klänge

- Macht der Titelgebung: Betrifft vorallem das Anteasen des Narrativs der Schuldsvermutung durch SRG (v.a. in den Socialen Medien: Die Thematisierung der Opferdebatte wird in den Fokus gestellt die Thematisierung der Verleumdungsdebatte wird überhaupt nicht angesprochen) Und zudem durch die Genre Zuteilung . Publizistische Dokumentation In Filmen und im Rundfunk wird mit Dokumentation ein journalistisch aufbereiteter Bericht bezeichnet, der mithilfe von Quellen und Zeugnissen Anspruch auf Nichtfiktionalität, auf Bezug zur realen Welt, erhebt. In Dokumentarfilmen und Radio-Features kommt es zu einer Mischung von erklärenden und erzählenden Elementen. Dabei sind Übergänge in zwei Richtungen möglich. Zum einen tendieren die dokumentarischen Genres zum ästhetisch-künstlerischen Bereich, weg vom reinen Lehrfilm bzw. Schulfunk. Zum anderen gibt es auch einen Übergang zum Unterhaltungsbereich, wobei ebenfalls die Grenzen zur Fiktionalität überschritten werden (‚Doku-Soap‘).

- Macht der Bildauswahl, Macht des Weglassens und Kürzens Bewusste Schnitte im Film, welche den Kontext des Geschehenen und Gesagten verfälscht (Geburtstagsnachricht an Wade, Handnotizen mit dem Kontext ‚i love you‘ werden als Liebesbriefe dargestellt)*hierzu Ergänzungen im Anhang Bedeutung von I love you in der Englischen Sprache vs. Deutsch – ich mag dich. [30]

- Die Macht der Kameraführung Drohenshots, Drohnenshots, Drohnenshots und graumelierte Bildaufnahmen von Neverland suggerieren die Gefahr und Bedrohung, welche von diesem Ort ausgehen.

- Die Macht der Nähe: Nahaufnahmen der Erzählenden, Schluckgeräusche sind hörbar, zitternde Hände, erkennbare Zuckungen, schmerzverzerrte Gesichter. Die Tatsache, dass der Verstorbene oder seine Angehörigen keine Möglichkeit haben diese Behauptungen zu widerlegen oder Einsprache erheben können, ist diskriminierend und die getroffenen Aussagen ohne Beweisvorlage verletzen das Grundrecht der Menschenwürde. Weiter greift hier – sofern die Behauptungen als Lügen widerlegt und entlarvt werden können – der Tatbestand der Verleumdung und Ehrverletzung eines Verstorbenen gemäss STGB, Art. 175. Im Weiteren beanstande ich vehement das Verhalten des Bereichsleiters, Herr Daniel Pünter, welcher in seiner Stellungnahme klar positioniert und nicht neutral verhält und somit ebenfalls im Vorfeld die Zuschauermeinung durch seine Äusserung richtungslenkend zur Schuldsvermutung beeinflusst hat.[31]     

b) rassistisch

Als rassistische Äusserung und auch als Falschaussage, kann die in der Erzählung von Wade Robson getroffene Aussage bezüglich des Gefühls der krausen Haare von Michael Jackson gewertet werden. Diesbezüglich fand in den Sozialen Medien bereits ein Aufschrei der Afro-Amerikanischen Leserschaft statt. Wade Robson beschreibt die Haare von Michael Jackson während der graphischen Beschreibung einer sexuellen Aktivität. Hierbei erzählt er wie Michael Jackson in der Lendengegend des 7-jährigen Robson oral zugegen war und er währenddessen die Haare von Michael Jackson berührt habe. Diese hätten sich wie Stahlwolle angefühlt. Diese Aussage triggerte eine Zuschauerin von SRG sehr stark, da sie in der Schilderung von Robson eine derart glaubwürdige Aussage zu finden dachte und sich dies mit Erfahrungen aus ihren eigenen Missbrauchserinnerungen deckte. Man mag dies so auslegen. Genauso gut könnte man aber sagen, wenn zwei junge Männer für eine Berufungsklage von 1.5 Billion Dollars 6 Jahre Vorbereitungszeit haben (Klageerhebung 2013 - Filmausstrahlung 2019), wäre auch die Möglichkeit gegeben sich Geschichten von realen Missbrauchsopfern zu Nutze zu machen. Ein Argument für diese Theorie ist folgende. Robson erklärt er wäre damals 7 Jahre alt gewesen. Der Zuschauer ist jedoch so in den Bann gezogen, dass dieser sicherlich keine Zeit findet Fakten zu checken. Sofern Robson damals 7 Jahre alt war, ist somit von einem Vorfall im Jahr 1989 die Rede. Da Michael Jackson eine der meist fotografierten Personen der Welt war lässt sich genau eruieren wie die Haarstruktur von ihm in diesem Jahr darstellte. Auch hier lassen sich Bilder über Googlesearch innerhalb von Sekunden finden. Wie daraus zu ersehen ist, trug Michael Jackson zu der Zeit Jheri Curls. Jheri Curls haben die Eigenschaft sehr weich und meist etwas ölig zu sein. Keinesfalls also fühlen sich Jheri Curls wie Stahlwolle an. Dies kann ich im Übrigen auch selbst bestätigen, da meine Kinder teils afrikanische Gene tragen. Ich werte deshalb diese Aussage übereingehend mit der Afro-Amerikanischen und afrikanischen Ethnie hier als A: irreführend und B: rassistisch. Denn genau so eine Äusserung trifft eine Person, die vermutlich noch nie die Afro-Haare resp. Jheri Curls angefasst hat. [32] Hier zu verweise ich auf Stereotypisierung vor Jahrzehnten von übergrossen Lippen und Haaren wie Wolle als Komikfiguren in Mickey Mouse filmen der 30er und 40er Jahre oder auch auf Kinderlieder wie “10 kleine …lein”oder aber das Kasperlitheaterstück Schorsch Gaggo reist auf Afrika und trifft dort das süsse kleine …meiteli Susu.. Alles Stereotypisierungen, wie die Erzählung von Wade Robson.[33] Vordergründig ist es ein Lied zum Lernen von Zahlen, welches ganz nebenbei die Botschaft vermittelt, dass Menschen aus Afrika zu Ordnung und Disziplin erzogen werden müssen. Die Illustrationen weisen so ziemlich jedes Klischee auf. Angefangen vom immer gleichen Aussehen, dem Kindchenschema, übertrieben wulstigen Lippen bis zum Baströckchen, wird mit diesem Lied das Stereotyp des ‚Negers‘ immer wieder reproduziert. Genau so stellen sich auch heute noch viele Kindergarten- und Grundschulkinder die BewohnerInnen Afrikas vor – über 80 Jahre nach dem Ende der deutschen Kolonialherrschaft in Afrika.

Warum beanstande ich dies? Weil SRG sah es als notwendig diesen Leserbrief zu teilen, eines Missbrauchsopfers, der genau diese Geschichte als glaubwürdig einstufte. SRG sah die Notwenigkeit diese Zuschauerreaktion als ‘wichtig’ herauszuheben. Die Tatsache, dass SRG um sich neutral zu positionieren gleichzeitig nicht auch einen Zuschauerbrief eines aufgebrachten Zuschauers, der den Film als Verleumdungskampagne betrachtete, teilte – zielt darauf ab weiter den Narrativ des Films zu stützen und rein die Opferdebatte und Position herauszuheben (auch hier wieder diskriminierend).

c) sittlichkeitsgefährdend

Als sittlichkeitsgefährdend betrachte ich die Thematik und die unnötig graphischen und detailgetreuen Erzählungen in Leaving Neverland. Selbstverständlich kann ich verstehen, dass genau dieses Detail, Grund sein mag die Äusserungen als extrem glaubwürdig einzustufen. Aber auch hier liesse sich anmerken erstens, dass Opfer nicht gern und im Detail von ihrem Missbrauch erzählen. Da die Erzählung Überwindung kostet und einen gefühlsmässig in die Situation zurückführt. Ich bin im Übrigen ebenfalls Opfer von Sexualgewalt und war auch im Rahmen von der Leaving Neverland Debatte im Gespräch mit Personen, die die Glaubwürdigkeit der Protagonisten stark anzweifeln und selbst Missbrauchsopfer sind. Dass SRG Missbrauchsopfer, die die Erzählung getriggert hat, benutzt und voranstellt, um die Debatte anzukurbeln betrachte ich als höchst verwerflich. Genausogut könnte man auch sagen, ein Opfer erinnert sich meist nicht so detailliert. Opfer, die Leaving Neverland anprangern klagen genau dieses Detailtreue an und stellen sich auf den Standpunkt: ich habe Erinnerungslücken, ich habe schwarze Löcher und Erinnerungsfetzen und wenn so eine detailgetreue Erzählung von mir vor Gericht gefordert wäre, dann hätte ich schon von Beginn keinen Mut meine Anschuldigungen jemals laut zu äussern, weil dies ist mir unmöglich. Zumal auch das Gehirn zum Traumataschutz solche Erinnerungen blockiert.

Beanstandungspunkt 3: (evt.) Schutz Minderjähriger und sittlichkeitsgefährdend

Zurückkommend auf die Thematik ‚sittlichkeitsgefährdend‘, habe ich mir den Film nicht im Detail auf SF angesehen, da ich ihn schon aus dem Netz kannte. Aber ich bitte um Prüfung, ob eine Alterbeschränkung gekennzeichnet war.

Rechercheaktivitäten Wade Robson 2013 Gerichtsvorverhandlungen

Auch Robson widersprach sich hier und zwar nicht wie von Opferschutzorganisationen zurecht angeführtem Argument aufgrund der vielen Jahre, die der Missbrauch bereits zurück liegt, sondern im Gegenteil wurde er vor Gericht konfrontiert mit seinen Online Rechercheaktivitäten. Hierbei surfte Herr Robson auf Anti-Michael Jackson Hassseiten und schickte sich selbst diese auf seinen PC. Verwendungszweck war ein Buch welche er beabsichtige zu publizieren. Erst als die Verlage nicht an einer Veröffentlichung interessiert waren, klagte er. Um Rahmen der Vorverhandlungen und mehrmaligen Ausreden des Herrn wurde er gezwungen seinen Emailverlauf offenzulegen und wurde dabei ertappt wie er sich selbst ‚Erinnerungen‘ zusammen konstruierte. Seine Version in der Öffentlichkeit war jedoch diejenige, dass er sich ganz glasklar an jede Einzelheit erinnere. Sehr erstaunlich und fraglich wozu er dann die Informationen benötigte.

Erinnerungsvermögen Wade Robson

Weitere Anmerkung: Wade Robson widerspricht sich auch hier bezüglich seinen Erinnerungen, die er wie er sagt nicht als ‚Missbrauch‘ ansah. Auch nicht 2005 als er 22-jährig unter Eid gefragt wurde, ob und wie er an gewissen Körperstellen angefasst wurde oder manipuliert wurde und ihm durch die Fragestellung ganz klar ‚erklärt‘ wurde was als sexueller Missbrauch angesehen wird. Gleichzeitig hat er auch in der Vergangenheit in den beiden Vorprozessen 2013 widersprüchliche Angaben der Realisierung des Missbrauchs dargelegt. Sein Problem war folgendes und lässt die starke Vermutung zu, dass er verzweifelt versucht eine Klageoption zu erhalten, welche mit seinen ersten Schilderungen nicht hätten geltend gemacht werden können. Sofern jemand bewusst seine Geschichte verfälscht und ändert, ist bereits die gesamte Glaubwürdigkeit des Erzählenden ein Problem. Deshalb wurden die Vorprozesse abgewiesen (unter vielen anderen Punkten). Was mit Ausstrahlung am Fernsehen geschah ist, dass die Debatte angekurbelt und forciert wurde durch die Beeinflussung der öffentlichen Meinung. Sprich: Die Gerichtsverhandlung am TV, resp. in den sozialen Medien. Mit Ausstrahlung des Films unterstützt SRG diese Druckausübung auf das Berufungsverfahren. Mit der öffentlichen Positionierung von Herr Pünter umso mehr und mit der verschleierten Opferdebatten-Vorschiebetaktik im Netz ebenfalls.

Robsons Problem:

Die Deaktivierung eines Verjährungsartikels, demnach hätten die Beschuldiger nicht mehr klagen können. Jedoch gibt es einen Artikel der diesen schiebt und zwar dann wenn ein Opfer sich nicht an den Missbrauch erinnern konnte und sich erst Jahre später (z.B. durch Hypnosetherapie erinnert). Und genau so klingt die Version von Wade einmal so einmal so…ich konnte ich erinnern, nein doch nicht, ich wusste was Missbrauch ist, nein doch nicht. Einfach um den Versuch hinzukriegen diese Klausel zu aktivieren.

Beanstandungspunkt 2: Sachgerechtigkeitsgebot: Sachgerechte Darstellung der Tatsachen und Ereignisse, so dass sich das Publikum eine eigene Meinung bilden kann. Auch hier stütze ich mich auf die Auffassung, dass der Sender für den Inhalt des Films mit Ausstrahlung die Verantwortung trägt. Somit sind alle im Film widersprüchlichen und widerlegten Tatsachenverhalte von Relevanz. SRG Bereichsleiter Pünter stellte sich auf den Standpunkt die Erzählungen sind glaubwürdig. Somit möchte ich die einzelnen Punkte im Detail auflisten, welche NICHT glaubwürdig sind, bereits widerlegt sind und zudem von SRG selbst falsch dargestellt wurden.

Falschdarstellung: Brett Barnes

Quelle Teaser Facebook SRG: Teaser <Sollen wir Michael Jackson noch hören?> Der Dokfilm 'Leaving Neverland' wühlt auf mit schweren aber nicht neuen Missbrauchsvorwürfen an den Popstar.[34]

Falsch! -> Brett Barnes beschuldigt Michael Jackson nicht, sondern verklagt HBO und verteidigt Michael Jackson. Die Aussage im Teaser von SRG ist also falsch und zeigt den falschen Jungen. Der Teaser zeigt Wade Robson (blonder Igelschnitt) und Brett Barnes. Anschuldiger Nr. 2 ist aber James Safejuck [35]

Brett Barnes on Twitter: <Not only do we have to deal with these lies, but we’ve also got to deal with people perpetuating these lies. The fact they fail to do the small amount of research it takes to prove these are lies, by choice or not, makes it even worse.> Wie ironisch wie Brett Barnes unwissend genau das anklagt was SRF macht oder passiert ist.[36]

Widersprüche, auch hier gestützt durch Brett Barnes:

Widerspruch 1: Abendessen Robson MJ/ Zeugenaussage aus Mitleid Jackson-Kinder

Auch hier ich habe die ausgestrahlte Version von SRG nicht gesehen. Fakt im Vorfeld wurde im Sender HBO eine länger Version ausgestrahlt als im Britischen Sender Channel 4. Sofern die HBO Version gezeigt wurde auf SRG besteht folgendes Problem: In der in Channel 4 nicht gezeigten Version wurde eine Sequenz herausgeschnitten mit folgendem Inhalt: Wade Robson behauptet, dass er 2005 nur zu Gunsten von Michael Jackson aussagte, weil dieser völlig betrunken und allein mit den Kindern war. Robson sah in die traurigen Augen der Kinder und sah sich gezwungen zu lügen. Dies alles habe sich vor seiner Zeugenaussage zugetragen und zwar im Beisein seiner Frau und Michael Jackson. Nur widerspricht der Neffe Taj Jackson sowie Brett Barnes dieser Version. Demnach war auch Brett Barnes mit Familie und Taj Jackson zugegen und Michael Jackson keinesfalls alleine mit den Kindern Zudem fand das besagte Abendessen NACH DEM Prozess statt und konnte somit nicht als Beeinflussung des Zeugen gewertet werden, zumal Zeugen genau aus diesem Grund sich auch nicht Treffen dürfen mit einem Angeklagten:  Minute 4:00 [37]

Widerspruch, widerlegte Tatsache 3: Trainstation (Bahnhofsgebäude)

Eine der Schlüsselpunkte und widerlegte Tatsache ist die Erzählung von James Safejuck:

Safejuck zählt in Leaving Neverland Räumlichkeit über Räumlichkeit auf in denen hunderte von Übergriffen stattgefunden haben sollen. Unter anderem erklärt Safejuck wäre er missbraucht worden in der ‚trainstation‘. Safejuck sagt detailgetreu: Im Bahnhofsgebäude hat es einen Raum oben, dort hatten wir Sex. Nur leider war diese noch gar nicht gebaut im Zeitraum als Safejuck auf Neverland zu Besuch war.[38] Das Geburtsdatum von James Safejuck lässt sich finden über Google search. Vor Gericht gab James Safejuck bei mehreren Befragungen IMMER an die Übergriffe hätten stattgefunden in den Jahren 1987-1992. 1992 sei er 14-jährig gewesen. Mit Beginn der Pubertät habe Jackson das Interesse verloren, da sein Beuteschema Jungs von 7 bis Beginn Pubertät gewesen seien. Dies sind klare Aussagen. Zudem legt Safejuck die Schilderung des Bahnhofsgebäudes sogar an den Beginn seiner ‚Loverboy-grown man‘ Geschichte mit folgender Aussage: <It’s like when you’re first dating somebody right, you do a lot of it> (Wobei er damit auch suggeriert die sexuellen Dinge habe er gerne und oft gemacht, da er verliebt war sozusagen und sogar eine Art ‚Hochzeitszeremonie mit Jackson zelebriert habe) Merkwürdigerweise spricht er davon mit schmerzerfüllten Gesichtszügen.[39]

Filmregisseur Dan Reed versuchte diese Tatsache folgendermassen zu widerlegen resp. die Timeline zu ändern, wobei dann mit Fertigstellung des Bahnhofsgebäudes 1994 weitere Probleme die Geschichte verunmöglichen aber eines nach dem Anderen.[40]

Frage: Wie steht es Positionierung von Herr Pünter, dass die Erzählungen glaubwürdig sein, wenn Aussagen erwiesen falsch sind und wie steht es mit der Glaubwürdigkeit der Personen generell, wenn sie erwiesen lügen? Und wie steht es mit der Positionierung des Senders, wenn lediglich die Betonung der Opferdebatte thematisiert wird, aber nicht die Verleumdung?

Zur Problematik der Timelime ist weiter Folgendes wichtig:

1992-1993 war Michael Jackson auf Welttournee (auch hier Bedarf es seitens Filmemacher, Journalisten und SRG oder auch Ombudsstelle nur eines Wikipedia Suchauftrages. Kein Leben ist deartart gut dokumentiert).[41]

Die Dangerous World Tour war eine Konzert-Tournee des amerikanischen Pop-Künstlers Michael Jackson, die am 27. Juni 1992 in München startete und am 11. November 1993 in Mexiko verfrüht endete. Michael Jackson war also bis November 1993 auf Welttournee. Weitere zeitliche Geschehnisse lassen sich alle chronologisch nachvollziehen. Hierzu lege ich Ihnen die Chronik bei von 1987- 1996:

24.08.1993 fangen die Anschuldigung wegen sexuellem Missbrauch an.

08. -11.1993 Welttournee wird fortgesetzt

12.11.1993 Tournee wird abgebrochen Zwischenzeitlich begibt sich nach London um sich einer Einziehungskur zu unterziehen wegen Schmerzmittelabhängigkeit

10.12.1993 Rückkehr in die USA zurück und unterzieht sich einer Bodysearches

22.12.1993 offizielles Statement, Zurückweisung aller Anschuldigungen

Ein Laie wird hier stutzig werden. Jackson wird in dieser Phase sicherlich keine Möglichkeit und Gelegenheit gehabt haben Safejuck zu missbrauchen. Weiter:

17.01.1994 in L.A. ereignet sich das Northridge Erdbeben[42] Das Northridge-Erdbeben ereignete sich am 17. Januar 1994 um 04:30 Uhr Ortszeit (12:30 UTC) in Reseda in der Stadt Los Angeles.

Aus einem Seminar von <In the studio with MJ in Frankfurt> am 10.11.2018 (vor Ausstrahlung von Leaving Neverland) erzählte Brad Sundberg (Tontechniker MJ’s über Jahre) wie die Aufnahmen des Folgealbums infolge dieses Erdbebens von L.A. nach New York verlegt wurden. Michael Jackson wohnte demnach für fast ein Jahr in New York im Trumptower.[43]

29.04.1994 Die Chronik bestätigt den Bezug des Trumptowers

17.05.1994 Erste Berichte von Lisa Marie Presley und Michael Jackson

25.05.1994 Lisa Marie und Michael heiraten

21.09.1994 Die Anklage gegen Michael wird fallen gelassen

18.01.1996 Lisa Marie reicht Scheidung ein

28.02.1996 Safejuck wird 18 Jahre alt!!!!

Widerspruch 4: Druckmache seitens Jacksons vs. Safejuck 2005 -> vs. Realität: Non-Entity

NON-ENTITY RULING irrelevant für Prozess gem. richterlichem Beschluss für Fall 2005

James Safejuck (aktueller Anschuldiger 2):

Erzählt im Film, dass er von Michael Jackson kontaktiert worden sei um für ihn im Prozess auszusagen, was er verweigerte. Daraufhin sei Michael Jackson sehr verärgert gewesen und hätte ihn bedroht. Zudem hätte er ihm gesagt er werde ihm seine Anwälte aufhetzen, worauf hin der Anschuldiger meinte Michael Jackson habe nichts zu befürchten, er würde nie etwas sagen nur einfach seine Ruhe wollen. Punkt 1: Safejuck wurde vom Richter als non-entity ausgeschlossen (siehe Minute 16:30 in unterem youtube link), da der Kontakt zu Michael Jackson schon zu lange her war. Er kam nicht als Zeuge in Frage. Also warum sollte ihn Michael Jackson anrufen

Punkt 2: Alle Anrufe wurden überwacht – > siehe FBI Bericht. Es gibt keine Aufzeichnungen von den ausgehenden Linien Jackson’s zu Safejuck

Hier ein sehr eindrücklicher Bericht von Scott Ross, Untersuchungsbeauftragter Verteidigung 2005.[44]

Widerspruch 5: Stephanie Safejuck (Mutter von Anschuldiger): Timeline/ Widersprüche zeitlicher Ablauf

Sagt im Film, Zitat:

<I danced: I was so happy he died: He can’t hurt anymore children> Stephanie Safejuck bezieht sich auf Michael Jackson’s Tod vom 25.06.2009. Sie sagt sie, habe getanzt vor Freude als er starb. Aber vor Gericht gibt Safejuck an er habe erst 2013 realisiert, dass er missbraucht wurde. Wie konnte dann Stephanie schon 2009 vor Freude tanzen? -> AKA wann hat Safejuck nochmals realisiert, dass er überhaupt missbraucht wurde? [45]

Widerspruch 5: Amanda Robson (Ehefrau Wade Robson): Timeline/ Widersprüche zeitlicher Ablauf

Wife Wade Robson -> Which is it?

<Amanda did not know what abuse was but was abuse victim???? Or was not a victim but knew what abuse was? Or knew what abuse was, but was never abused?>

Ein Grundargument derjenigen, die Leaving Neverland Glauben schenken ist. Die Familie stütze die Geschichten Alle wirken sehr glaubhaft. Das sei einfach unmöglich, dass alle Familienmitglieder sich das ausgedacht hätten. Nehmen wir mal ein Beispiel an Frau Amanda Robson, Ehefrau von Wade Robson. Sie erzählt dass sie keine Ahnung von Kindesmissbrauch hatte. Und wie sich das psychologisch manifestiert, wenn man heranwächst und auch im Erwachsenenalter. Sie wäre ganz naiv gewesen bezüglich dieses Themas.

PROBLEM: Wade und Amanda haben eine Hilfsorganisation gegründet für Opfer von Kindesmissbrauch. Als Erklärung worum es sich bei dieser Institution handle, stand vor Ausstrahlung von Leaving Neverland: Zitat: Amanda Robson sei ein Opfer von Kindesmissbrauch gewesen genau wie Ihr Ehemann Merkwürdigerweise wurde nach Ausstrahlung des Films dieser Zusatz gelöscht Seit Ausstrahlung wurde der Hinweis zu Amanda gelöscht.[46]

Rechtliche Situation:

SRG hat die Ausstrahlung trotz Kenntnis dieser Sachlage vorgezogen. Obwohl bereits in der Öffentlichkeit klar eine Kritik erhoben wurde. SRG stützt sich auf den Standpunkt mit Ausstrahlunng des ‚Zischtigs Clubs‘ wäre eine Plattform der Debatte und den Widersprüchen gegeben worden. Zugegeben in der Debatte wurde von mehreren Gästen betont, dass der Film Fragen aufwirft und man kam im eigentlich fast einstimmig überein, dass man nach Ansehen dieses Filmes nicht alle Seiten kenne. ABER: Mit Ausstrahlung des Clubs sei die Balance geschaffen greift meiner Meinung nicht, wenn der ZischtigsClub nicht – fairerweise VOR Ausstrahlung des Films gegeben war, sondern lediglich zeitgleich online geschalten wurde. Die Logik gebietet die Vermutung, dass Zuschauer die Fernsehen schauen nicht gewillt sind zeitgleich online den Zischtigsclub zu schauen. Somit ist die Balance und Fairness nicht gegeben. Stellt sich die Frage, ob die reine Option den Zistigsclub am Dienstag dann noch ‚nachträglich zu schauen‘ ausreicht um als Sender alle Vorgaben eingehalten zu haben. Ethisch gesehen ist es dies noch lange nicht. Sicherlich liesse sich dies auch statistisch messen an den Anzahl online Klicks im Vergleich mit der Einschaltquote. SRG nimmt in Kauf, dass der Zuschauer nach Sichtung von Leaving Neverland wohl eher von Michael Jackson als Täter in die Verdammnis geschickt wird. [47]

Appell an die Medien Sprechen wir in der Vermutungssprache. Gehen wir für einen Moment bitte mal davon aus, dass es die Möglichkeit genau so besteht, dass Michael Jackson in seiner Naivität, seiner Komplexität, seiner Persönlichkeit, seinen Denkmustern, seinem inneren Ich (Peter Pan Syndrom, Dysmorphophobie, Anorexie, schwieriger Kindheit) an den Pranger gestellt wurde. Benutzt wurde für Zeitungsauflagen und Einschaltquoten. Die psychische Verfassung dieses empathischen, tief-sensiblen Künstlers missbraucht und benutzt wurde. Lächerlichmacherei, Verleumdung, Geschichtenstreuerei und Zynik war legitim, wenn es um den Namen Michael Jackson ging. Und somit der Mob, die Medien und er sich selbst in dieser unwirklichen Spirale in den Tod trieb? Zahlreiche Journalisten/ Insider berichten hinter hervorgehaltener Hand (siehe mjcast vorletzte Episode 098 [48] ,dass die Presse ‚from the Top‘ einen Freifahrtschein für die Berichterstattung über Michael Jackson erhielt. Schreibt, egal was ‚die Nase fällt ab‘. Kein Problem. Nicht bei Michael Jackson. Michael Jackson ist die Lachnummer des Jahrzehnts, nein über 3 Jahrzehnte. Kein Wunder sehen sich Medienschaffende in der Pflicht das Narrativ weiter zu pflegen, zu streuen und zu nähren. ES REICHT! Hört auf damit! Womit wir aufhören mit der Vermutungssprache und Tatsachen ansprechen.

Zu meiner Person

In diesem Umfeld bin ich aufgewachsen. 1993 war ich ein Kind. Ich wusste nicht was stimmte. Ich hatte keine Ahnung. Ich wusste nicht was ich denken sollte. Mein inneres ich stellte ich sich automatisch auf Verteidigung der Person, die ich mochte. Dann wuchs ich heran. War 2005 am Prozess. Erlebte die Beweisaufnahme hörte und sah mit eigenen Augen was im Gerichtssaal passierte, dass keine Beweise vorlagen, sah den Zirkus der Medien, pflegte eine Freundschaft zu inneren Kreis von Michael Jackson: Mike La Perruque. Einer Person, die über Monate Tag und Nacht an Michael Jacksons Bett wachte (2001-2003 in der Zeit als Gavin Arvizo Anschuldiger 2005 auf der Ranch war) und nichts Verwerfliches beobachtete. Ich lernte Sicherheitsleute von Michael Jackson kennen. Ehemalige Polizisten, namentlich zwei Mike La Perruque (verstorben, persönlicher Freund von mir) und Kerry Anderson (auf Facebook zu finden). Beide sagten in aller Deutlichkeit – selbst Famiienväter – sie hätte unverzüglich gehandelt. Es war nichts davon spürbar, es war nichts davon festzustellen. Personen, die mit Polizei weiterhin vernetzt waren, werden von einem Täter, der besser verschleiert als jeder Agent? Dann aber aus lauter Naivität vor eine Kamera sitzt Hand in Hand mit einem Jungen? Nein.[49] Meine Emotionalität in dieser Sache erklärt sich über die jahrzehntelange Beobachtung einer systematischen Fertigmachkampagne. Gestreut in den USA, übernommen und aufgebauscht in Grossbritannien und copy paste-Übernahme der restlichen Medienlandschaft. 28 Seiten vs. 4 Stunden Indoktrination am TV. Für Ihre Sichtung meiner Darlegung der Sache, Ihre sachliche und professionelle Beurteilung und Stellungnahme (keine Standardstellungnahme) bin ich Ihnen dankbar.»

3) Beanstandung gegen «Kontext»

5899: «Leider muss ich auch eine Beschwerde gegen die Sendung Kontext einreichen. Auch hier wird mit einer Vorverurteilung der Figur Michael Jackson gearbeitet. Die Aussage <Michael Jackson wurde nie verurteilt> suggeriert eine Form von Schuld. Die richtige Formulierung wäre <Michael Jackson wurde FREIGESPROCHEN in ALLEN Anklagepunkten.>

Die Aussage <Eine Anklage wurde ('93 Anm.) gegen eine Bezahlung fallengelassen>, suggeriert die weit verbreitete Meinung, dass sich Jackson seine Freiheit erkauft hat. Fakt ist aber, dass es sich hier um einen Zivilprozess gehandelt hat und die Zahlung von der Versicherung getätigt wurde. Der Strafrechtsprozess lief noch einige Monate weiter, bis er versandete. (Der Fall 93 und die betreffende Zahlung ist komplex und es würde Sinn machen, die Umstände genauer zu beleuchten, als diese einfach als ‘monetäres Schuldeingeständnis’ abzutun).

Korrekt und positiv ist die Einschätzung der ‘Expertin’, dass es sich bei diesem Film um kein Beweisstück handelt. Warum wird dieser Punkt nicht genauer beleuchtet und vertieft, was die Sendung in der Einleitung andeutet. Weiter wird in der Folge der Film als Grundlage genommen, um darüber zu diskutieren, dass Michael Jackson pädophil gewesen sei. Auch wenn das Werk zurecht als einseitig deklariert wird, so besteht auch bei den Beteiligten der Sendung eine Vorverurteilung die mehr als deutlich ausformuliert wird. So spricht die Expertin von ‘einem Film der Verführung’. Hier wird indirekt auf das ‘Grooming’, also die Annäherung des Stars an die Kinder, Bezug genommen, erwiesenermassen waren es aber die Eltern, die sich immer wieder in die Nähe des Superstars zu bewegen versuchten und ihre Kinder vorschiebten, um selbst im Rampenlicht stehen zu können. Die langjährige Visagistin Karen Faye hat dies über ihren Twitter-Account mehrfach ausgeführt.

Es wird über ein ‘enges Verhältnis zu Kindern’ gesprochen ‘auch in den Jahren danach’. Allerdings wird auch hier nicht darauf hingewiesen, dass zahlreiche ehemalige Bezugspersonen (Kinderstars wie Macaulay Culkin), deutlich von einer reinen Freundschaft berichten. Auch hier gibt es aktuelle Interviews. Diese Version einer Freundschaft wird von den Experten nicht in Betracht gezogen.

Erfreulicherweise erkennt die Expertin ‘die traurigen Familien’. Warum wird hier nicht näher über die Motivation dieser Familien berichtet?

Es wird die Aussage des Films aufgegriffen, dass die Missbräuche über viele Jahre stattgefunden haben sollen. Auch hier wurden längst diverse Beschreibungen der angeblichen Opfer mit ganz einfachen Beweisen widerlegt. Missbrauch im Euro Disney 1988 (dabei wurde Euro Disney erst 1992 gebaut, nur 1 Beispiel). Ein Junge sagt er sei 100erte Male missbraucht worden, dabei gibt es Gerichtsakten der Mutter, die angibt, nur 14x auf der Ranch gewesen zu sein.

Frage der Moderatorin: Was bezweckt der Film? Hier geben die Experten Antworten auf die Machart des Films, und gehen nicht darauf ein, in welchem tatsächlichen Kontext (abgewiesene Gerichtsfälle, Harvey Weinstein Datums Überschneidungen, Money-grab), es sich bei diesem Film handelt.

Die Expertin führt aus ‘dass wir jetzt nicht etwas erfahren haben (Anm. Kindsmissbrauch von M. Jackson), das wir noch nicht wussten’. Auch dies ist eine Vorverurteilung und klare Positionierung, die von der Expertin auch auf die Gesellschaft projiziert wird und eine Form von ‘Gemeinschaft der Höhrer, ihr wisst es doch alle’ geschaffen wird.

Auch der Experte geht nicht auf ‘Widersprüche’ im Film ein, sondern bespricht die Widersprüche die entstehen, wenn man Michael Jackson hört und dabei die Bilder des Films im Kopf hat. Er geht am Ende der Sendung näher darauf ein und fordert die Höher auf, genauer bei den Songs hinzuhören und sich dabei vorzustellen, was vielleicht im Zusammenhang mit Pädophilie damit gemeint sein soll. (Detektivisches Hören). Er nennt (fast spitzbübisch amüsiert) auch ‘Pretty Young Thing’, gesungen von Michael Jackson, geschrieben haben das Lied aber Quincy Jones und James Ingram. Er spricht vom Lied ‘Man in the Mirror’, ein Gospel-Stück. Er macht auch vor dem Song ‘Heal the World’, einer absolut klaren Friedenshymne, nicht halt. Warum werden nicht die deutlichen Positionierungen von Michael Jackson in den Liedern GEGEN Kindesmissbrauch und Gewalt an Kindern genannt (Bsp: Do you know where your Children are? Oder Little Susie.).

Weiter wird zweimal Werbung für die umstrittene Fake-Dokumentation gemacht. Finde ich höchst problematisch. Weiter ist es höchst problematisch, dass auch das SRF keine richtigen Experten zum Thema Michael Jackson ins Kontext eingeladen hat. Es wird zu keinem Punkt der Wahrheitsfindung nachgegangen oder zumindest versucht, Licht ins Dunkel zu bringen und genauer anzuschauen, warum die Pädophilie-Vorwürfe bestehen. Auch das SRF hat sich nicht darum bemüht, die Gegenseite anzuschauen oder zur Sprachen kommen zu lassen. Das SRF präsentiert einen umstrittenen Film ohne genauer auf die umstrittenen Punkte einzugehen. Das SRF hat die Aufgabe der Recherche und der journalistischen Aufarbeitung. Bei Club wurde dies nicht geleistet, auch bei Kontext nicht.»

 

B. Die zuständige Redaktion erhielt Ihre Beanstandung zur Stellungnahme. Für die Redaktion DOK antwortete Herr Daniel Pünter, Bereichsleiter DOK und Reportagen:

«Gegen die Publikation des Dokumentarfilms ‘Leaving Neverland’ gingen über 50 Beanstandungen ein. Im Fokus der Kritik steht der Film, der dem Publikum auf den Kanälen SRF1, SRF Zwei und im WEB zur Verfügung gestellt wurde. Vereinzelt wird auch die entsprechende TV-Sendung ‘Club’ vom 9. April kritisiert. In einem Fall die Radio-Sendung ‘Kontext’. Beide Sendungen bildeten zusammen mit anderen Berichten, Interviews und Kommentaren ein den ergänzendes Programmangebot.

Der beanstandete Film wird als einseitig, nicht sachgerecht und darum als manipulativ bezeichnet. Er sei von SRF nur gezeigt worden, um Zuschauerquote zu machen. Zudem wird in mehreren Beanstandungen suggeriert, der Film sei teuer gewesen und habe die Gebührenzahlenden viel Geld gekostet. Ausserdem verstosse der Film gegen das Vielfalts- und Transparenzgebot und verletze die Würde des Betrachtenden. Viele Beanstandungen sind inhaltlich ähnlich oder gleich. Aufgrund der grossen Anzahl Reklamationen erlaubt sich die verantwortliche Redaktion, zu den Vorwürfen summarisch Stellung zu nehmen. Die Sendungen Club’ (6. und 9. April 2019) und ‘Kontext’ (9. April 2019) sind ebenfalls Teil dieser Stellungnahme.

Die beanstandeten Punkte und entsprechenden Argumente der Redaktion wurden folgendermassen gegliedert:

1. Programmangebot, Kosten und Reichweite
2. Vorwurf <Verletzung des Vielfaltsgebots>
3. Vorwurf <mangelnde Sachgerechtigkeit>
4. Vorwurf <mangelnde Glaubwürdigkeit der Protagonisten>
5. Vorwurf <öffentlicher Rufmord>
6. Vorwürfe <Verletzung der Menschenwürde> und <Missachtung des Jugendschutzes>
7. Schlussfolgerung
8. Anhang

1. Programmangebot, Kosten und Reichweite

Die Premiere des vierstündigen Films ‘Leaving Neverland’ fand Ende Januar 2019 anlässlich des Sundance Festivals in den USA statt. Das Werk des Regisseurs Dan Reed sorgte schon damals für Schlagzeilen und wurde rasch zum internationalen (Medien-)Ereignis. Die Gründe waren u.a. die Prominenz des Beschuldigten, die detaillierten Schilderungen der mutmasslichen Missbrauchsfälle, der Protest von Fans und Vertrauten/Familie Jacksons und die einseitige Erzählperspektive des Films.

Namhafte Radiostationen boykottierten aufgrund der Missbrauchsvorwürfe die Musik Michael Jacksons. Obwohl der Dokumentarfilm für eine breite Öffentlichkeit hierzulande nicht zugänglich war, wurden auch in der Schweiz sowohl Film als auch Rezeption öffentlich besprochen. SRF 3 nahm anfangs März auf Anfrage öffentlich Stellung, warum der Sender die Musik des Popstars weiterhin spiele, trotz ‘Leaving Neverland’. SRF entschied Mitte März, die laufende Diskussion zu Film und Rezeption auch in der Schweiz zu ermöglichen. Aufgrund des sensiblen Themas und der einseitigen Perspektivenwahl sollte der Film bei SRF mit entsprechenden Diskussionen und einer begleitenden Berichterstattung ergänzt werden. Das Publikum soll dadurch Werk und Thema besser einordnen können (siehe Anhang 3). Zwei Diskussionssendungen (‘Club’ und ‘Kontext’) wurden produziert, je mit einem leicht veränderten journalistischen Zugang zum Thema und Film.

Die TV-Diskussions-Sendung ‘Club’ wurde am Samstag, den 6. April 2019 aufgezeichnet und gleichzeitig mit ‘Leaving Neverland’ gleichentags um 21.15 Uhr im WEB [50] und auf der Website von SRF [51] publiziert. Die Radio-Diskussionssendung ‘Kontext’ folgte im Tagesprogramm von SRF 2 Kultur am 9. April. SRF ermöglichte damit dem Publikum, sich auch an einer entsprechenden Debatte indirekt oder direkt zu beteiligen.

In Trailern (Programm-Werbevideos), Pressemitteilungen, Berichten und Programmhinweisen im WEB wurden Publikum und User darauf hingewiesen, dass der Dokumentarfilm zusammen mit den Diskussionssendungen «Club»[52] im TV und «Kontext»[53] im Radio publiziert werde. Ergänzt wurden die filmische Dokumentation und die Diskussionssendungen mit zahlreichen Berichten im WEB, im TV (Tagesschau, G&G, 10v10) und im Radio (Berichte im SRF3, SRF1, SRF 2 Kultur, siehe auch Anhang 1). Unzählige Kommentare auf sozialen Medien und im WEB (z.B. SRF@facebook oder Anhang 2) oder ein Online-Bericht [54] boten zusammen mit einem kritischen Blog von SRF-Musikredaktor Gregor Sigrist [55] und einem Experten-Interview [56] weiteren Raum für kritische und vielfältige Meinungen zum Thema. SRF machte dabei transparent, dass es sich um eine ‘umstrittene’ Dokumentation handelt (siehe Anhang 7).

Viele NutzerInnen beteiligten sich aktiv an der Diskussion bei SRF, indem sie den Film, Diskussionen oder ergänzende Berichte/Interviews auf srf.ch kommentierten [57]. Das Social Media-Team von SRF begleitete während und nach der Publikation der Dokumentation und der Sendung ‘Club’ die Debatte im Web und insbesondere auf Facebook. Es kuratierte die User-Kommentare und beantwortete Fragen. Anstössige oder themenfremde Kommentare wurden nicht veröffentlicht. Der Post ‘Leaving Neverland’ der Film und die Diskussion im Club auf SRF. Mach dir ein eigenes Bild! erreichte 742 Interaktionen, 586 Kommentare und wurde über 45'000 Mal angeschaut (>10 Sekunden).[58]

Mit dem Programmangebot rund um den Film ‘Leaving Neverland’ bezweckte SRF, die Debatte über ein mediales Ereignis auch in der Schweiz zu ermöglichen und zu begleiten. Die Reichweite der Dokumentation und der Diskussionssendung ‘Club’ bewegten sich im durchschnittlichen Rahmen. Auf SRF zwei erreichte der Film rund 55'000 (Teil 1) bzw. 21'000 (Teil 2) ZuschauerInnen (ZS), die Wiederholung auf SRF 1 nur noch rund 20'000 ZS. Der Club erreichte auf SRF 1 115'000 ZS. Hörerzahlen der Sendung ‘Kontext’ auf SRF 2 Kultur liegen keine vor. Die Werte bezüglich der OnDemand-Nutzung für Film und ‘Club’ erreichten überdurchschnittliche Werte. Der Film zählte während den verfügbaren 14 Tagen über 60'000 (Teil 1) bzw. 43'000 (Teil 2) Videostarts und erreichte ähnlich viele Zuschauer wie auf den TV Kanälen. Der grösste Teil der Nutzung erfolgte übers Web, ca. ein Drittel erfolgte über die App und HbbTV.

Hinter der zweiteiligen Dokumentation ‘Leaving Neverland’ stehen zwei renommierte Fernsehprogrammanbieter HBO (USA) und Channel 4 (UK) als Produktionsfirmen und ein erfahrener Regisseur Dan Reed. HBO und Channel 4 gelten als zuverlässig, erfahren und qualitätsbewusst. Die Lizenz für die Ausstrahlungsrechte in der Schweiz erwarb SRF beim deutschen Sender ProSieben. SRF produziert zwar eigene DOK-Filme, sendet jährlich aber weit über 100 Dokumentarfilme zu Natur- Gesellschafts-, Politik-, Geschichts- und anderen Themen, die auf dem internationalen Markt eingekauft werden. Eine eingekaufte Dokumentation kostet SRF im Durchschnitt sFr. 15'000. Im Falle von ‘Leaving Neverland’ bewegten sich die Kosten für die Lizenzrechte im normalen Rahmen. Genaue Kosten können wir leider nicht bekanntgeben, weil Dokumentarfilme wie andere Einkäufe stets an Verträge mit Drittfirmen gekoppelt sind. Und in solchen Verträgen ist gegenseitiges Stillschweigen über die vereinbarten Lizenzkosten festgeschrieben. SRF arbeitet mit erfahrenen, unabhängigen, verlässlichen und qualitätsbewussten Vertrieben, Fernsehanstalten, Produzenten und Regisseuren zusammen. Die Filme werden bei SRF auf ihre Qualität (Sachgerechtigkeit, Vielfalt, Transparenz etc.) geprüft und offene Fragen mit Regisseuren, Produzenten oder Vertriebsfirmen direkt geklärt, um die Sachgerechtigkeit im Rahmen des Möglichen zu gewährleisten. SRF könnte keine internationalen Dokumentarfilme zu relevanten Themen senden, wenn die Aussagen von Protagonisten grundsätzlich für unwahr oder zweifelhaft gehalten würden.

2. Vorwurf <Verletzung des Vielfaltsgebots>

‚Leaving Neverland‘ für sich allein ist nicht ausgewogen und beschreibt einen Sachverhalt aus einer Opferperspektive. Diese Erzählperspektive wurde seit der Filmpremiere auch als einseitig und unfair kritisiert. Der Regisseur Dan Reed ist fest überzeugt, dass Wade Robson, James Safechuck und ihr familiäres Umfeld die Wahrheit erzählen. Vertraute von Michael Jackson oder Zeitzeugen (z.B. Anwälte, Jacksons Familie, prominente Freunde des verstorbenen Stars oder Personen, die in den 90er Jahren Michael Jackson nahestanden und auf Neverland oft zu Gast waren) lässt er nicht zu Wort kommen. Der Regisseur hat sich bewusst entschieden, die Geschichte ausschliesslich aus einer Perspektive zu erzählen. So lässt der Film nur eine Wahrheit zu und wird zum Dokument einer Anklage. Im journalistischen Sinne ist diese einseitige und unausgewogene Erzählung fragwürdig, denn Argumente und Plädoyers zur Verteidigung oder entlastende Fakten aus den Ermittlungen und Gerichtsprozessen gegen Jackson werden nicht aufgeführt.

Diese einseitige Perspektivenwahl, die weltweit geführte Debatte und das heikle Thema ‘Missbrauch’ waren für SRF zwingender Anlass, den Film mit Diskussionssendungen und einer Debatte auf digitalen Kanälen und Plattformen zu kombinieren und zu ergänzen.  Beide SRF-Diskussionssendungen, die TV-Sendung ‘Club’ auf SRF 1 und die Radiosendung ‘Kontext’ auf SRF 2 Kultur, analysierten und reflektierten den Film ‘Leaving Neverland’ und seine Folgen kritisch und vielschichtig. Bei der Zusammensetzung der Gäste hat die Redaktion ‘Club’ darauf geachtet, dass in der Sendung vielfältige Meinungen und Haltungen zum Thema und zur Dokumentation vertreten sind. Auch der Gründer der Fan-Site www.jackson.ch, Ueli Meier, war Gast der Sendung. Er hat sich nicht nur im ‘Club’ sondern auch in anderen Medien kritisch zum Film und zu den Aussagen von Wade Robson und James Safechuck geäussert. In der Sendung ‘Club’ traten neben ihm mehrere Gäste auf, die den Film kritisierten und die Glaubwürdigkeit der Protagonisten in Zweifel zogen. Auch die einseitige Erzählperspektive wurde thematisiert und explizit kritisiert. Ausserdem seien den beiden mutmasslichen Opfern nicht genügend kritische Nachfragen gestellt worden. Im ‘Club’ ging es des Weiteren um die Frage, wie wertvoll das Werk eines musikalischen Genies ist, der womöglich Kinder missbraucht hatte und warum unsere Gesellschaft vermehrt Künstlerinnen und Künstler wegen ihres privaten Verhaltens ächtet.

Auch die Radiosendung ‘Kontext’ hat den Film kritisch reflektiert. Der Fokus lag hier zwar noch weniger auf der Frage, wie glaubwürdig ‘Leaving Neverland’ sei. Die Gäste fragten sich eher, wie sich der Film auf Michael Jackson als Pop-Ikone auswirkt. Das Fan-System als popkulturelles Phänomen und die Rezeption des Films standen im Zentrum der Diskussion. Trotzdem hat auch die Sendung ‘Kontext’ dazu beigetragen, dass sich das interessierte Publikum ein kritisches Urteil über den Film machen konnte. Denn beide ExpertInnen der Sendung haben den Dokumentarfilm als problematisch kritisiert. Er sei einseitig, suggestiv, enthalte keine Nachfragen, liefere auch keine Beweise. In der Sendung wurde mehrmals erwähnt, dass Michael Jackson 2005 freigesprochen wurde und es sich im Film um nicht bewiesene Anschuldigungen handle. Im gesamten Gesprächsverlauf wurde deutlich, dass ‘Leaving Neverland’ keine neue gültige Wahrheit schaffe. Zu keinem Zeitpunkt wird Michael Jackson vorverurteilt bzw. gesagt, die Vorwürfe seien wahr. Auch wurde gegen Ende der Sendung erwähnt, dass der Film im Nachgang einer neuen Klage der beiden Hauptprotagonisten Robson und Safechuck erschienen sei.

Der bereits erwähnte Blog von Gregor Sigrist und mehrere Kommentare auf Social Media machten bei SRF ebenfalls auf die Einseitigkeit des Films aufmerksam. Fans und Kritiker sahen sich nicht nur in der TV-Diskussionssendung durch Ueli Meier vertreten, sondern nutzten die Gelegenheit, sich auch in den Kommentarspalten von SRF zu Wort zu melden (siehe srf@facebook oder Anhang 2 und 5).

Fazit

Auch wenn die kritischen Meinungen in den Sendegefässen und Berichten von SRF im Verhältnis zum exorbitant langen vierstündigen Film quantitativ nicht gleichwertig gewichtet wurden bzw. werden konnten, das Publikum hatte ein begleitendes SRF-Programmangebot zur Auswahl, unzählige kritische Kommentare und vielfältige Meinungen zur Verfügung, um ‚Leaving Neverland‘ einordnen und differenzieren zu können, damit es eine eigene Meinung zu Film und Thema bilden kann.

3. Vorwurf <mangelnde Sachgerechtigkeit>

Gesetz und publizistische Leitlinien von SRF verlangen, das Publikum sachgerecht zu informieren, damit es sich eine eigene Meinung bilden kann. Der zweiteilige Dokumentarfilm war seit seiner Premiere zwar heftig umstritten, aber es ist nicht bewiesen, dass die Geschichten der beiden Männer Fakenews sind, also der Kern ihrer Schilderungen falsch ist. In fast allen Beanstandungen und verbreitet im Netz wird trotzdem gebetsmühlenartig darauf hingewiesen, dass ‚ausländische renommierte Medien‘ diverse schwerwiegende Fehler aufgedeckt hätten. Den Vorwurf, der Film entspreche ‚erwiesenermassen nicht der Wahrheit‘, weisen wir zurück.

In verschiedenen Teilaspekten gibt es offene Fragen, angebliche und tatsächliche Ungereimtheiten. Mehrere aktuelle Aussagen der Protagonisten in ‘Leaving Neverland’ widersprechen beispielsweise früheren Aussagen, Dokumenten und Gerichtsprotokollen. Es gibt auch Ungereimtheiten in den Aussagen der Familie Robson zur ersten Kontaktaufnahme zwischen Michael Jackson und den damaligen Buben Robson und Safechuck. Widersprüche finden sich in Aussagen zu einem Familienausflug in den Grand Canyon oder bei der Datierung von mutmasslichen Missbräuchen im Bahnhofsgebäude auf dem Anwesen Neverland. Medien, Biografen und Jackson-Fans haben auf Ungenauigkeiten und Widersprüche in der Doku aufmerksam gemacht. Entsprechende Vorwürfe muss sich Regisseur Dan Reed gefallen lassen. Trotzdem beweisen diese Ungereimtheiten und Widersprüche noch lange nicht, dass der Missbrauch frei erfunden ist. Unseres Wissens hat der Regisseur Dan Reed nachträglich nicht von ‘einigen Fehlern’ gesprochen, wie eine Vielzahl von Beanstandungen kritisieren, sondern in einem Tweet konkret einen Widerspruch/Faktenfehler eingeräumt, nämlich bei der Datierung der Missbräuche im Bahnhofsgebäude Neverland. Im gleichen Atemzug betonte der Regisseur, dass trotz dieser Ungereimtheit keine Zweifel an der Wahrheit bestünden und er voll und ganz hinter den Protagonisten des Films stehe. Die Sendung 10vor10 hat im Rahmen einer begleitenden Berichterstattung zum Film diese Nachricht aufgenommen und explizit in der Abmoderation erwähnt [59]

SRF-Musikjournalist Gregor Sigrist schrieb in seinem Blog [60], dass auf ihn der Film manipulativ wirke. Dieser persönliche Kommentar ist noch lange kein Beleg dafür, dass der Dokumentarfilm nicht sachgerecht ist oder die Hauptaussagen nicht der Wahrheit entsprechen. Sigrist selber fügt im Blog an, dass die Schilderungen der beiden Männer und Angehörigen wahr sein können. Er schreibt im Lead seines Blogs: <Hat Michael Jackson Kinder sexuell missbraucht? Der Film ‘Leaving Neverland’ hat eine klare Antwort darauf. Ich habe mir die Geschichten der mutmasslichen Opfer vier Stunden lang angehört und weiss nicht, was ich sagen soll. Ausser, dass ich mich hüten werde, daraus irgendwelche Schlüsse zu ziehen.> Es wird in mehreren Beanstandungen kritisiert, dass SRF es verpasst hätte, in den beiden Diskussionssendungen im TV und Radio die Fakten und Ungereimtheiten kritischer zu diskutieren. Diese Kritik lassen wir so stehen, denn die Sendungen verfolgten nicht primär das Ziel, die Aussagen der beiden Protagonisten des Films zu hinterfragen, sondern Film, Thema und Rezeption kritisch und aus verschiedenen Perspektiven einzuordnen. In den Diskussionen am TV und im Radio wurde immerhin mehrmals darauf hingewiesen, dass die Missbrauchs-Schilderungen der Protagonisten nicht auf ihre Sachgerechtigkeit überprüft werden können, weil die mutmasslichen Ereignisse im Privaten unter vier Augen stattfanden.

Eine eindeutige Beweisführung mit journalistischen Mitteln ist aus unserer Sicht praktisch unmöglich: Es bleibt trotz Prozess, unzähligen Publikationen, Biografien, dem ‘Leaving Neverland’-Film, entsprechenden Gegendarstellungen und Diskussionen weiterhin offen, was geschehen ist. Es gebe klare Grenzen des Beobachtbaren, meinte beispielsweise Marlis Prinzing in einem SRF-Interview kommentierend zum Film. Manches wisse man in dieser Geschichte einfach nicht, wo schon polizeiliche Ermittler und Gerichte an ihre Grenzen gestossen seien. Die Medienwissenschafterin fragt sich: <… Weshalb sollte sich da eine Öffentlichkeit anmassen können, dass sie ganz genau weiss, was auf Neverland passiert ist?>[61]

Die eindeutige und einseitige Darstellung von ‚Leaving Neverland‘ stellt das Publikum vor ein Dilemma. Es muss zwei widersprüchliche und doch zwingende Grundsätze vereinen. Auf der einen Seite muss es quasi den Schilderungen dieser beiden Männer und ihren Angehörigen Glauben schenken. Denn man kann sich kaum vorstellen, dass eine solche Geschichte einfach frei erfunden ist. Auf der anderen Seite wurde bekanntlich der Popstar zu seinen Lebzeiten zwar verdächtigt, inhaftiert, verhört, einvernommen und angeklagt, aber nie verurteilt und nach einem aufwändigen Prozess 2005 von den Geschworenen vollständig freigesprochen. Michael Jackson ist und bleibt juristisch unschuldig.

Fazit

‚Leaving Neverland‘ ist unbestritten einseitig aus der Opferperspektive erzählt. Regisseur und Protagonisten erheben Anspruch auf Wahrhaftigkeit ihrer Aussagen, trotz Widersprüchen oder allfälligen Faktenfehler. Eine eindeutige Beweisführung mit journalistischen Mitteln bleibt praktisch unmöglich, weil der Kern der Schilderungen der mutmasslichen Missbrauchsopfer nicht überprüft werden kann. Es bleibt trotz Gerichtsverfahren und Prozess, unzähligen Publikationen Biografien, ‚Leaving Neverland‘-Film, entsprechenden Gegendarstellungen und Diskussionen offen, ob Michael Jackson Kinder sexuell missbrauchte oder ob er selbst Opfer von lügenhaften Anschuldigungen ist.

4. Vorwurf <mangelnde Glaubwürdigkeit der Protagonisten>

Zahlreiche Fans haben vor der Ausstrahlung von ‚Leaving Neverland‘ bei SRF Druck ausgeübt und die Redaktion und die Öffentlichkeit im WEB/Social Media auf die angebliche Lügengeschichte aufmerksam gemacht. Sie forderten von SRF, auf eine Publikation zu verzichten. Die Aussagen der beiden Männer seien skrupellose Lügen und eine Art Lynchjustiz. Der Film missachte die Unschuldsvermutung, überdies verletze er die Würde des Publikums und das Transparenzgebots, weil Gerichtsakten oder Gegenstimmen zu den beiden mutmasslichen Missbrauchsopfern unterschlagen worden seien. Ausserdem sei die Motivation der Männer, die Michael Jackson öffentlich des Missbrauchs beschuldigen, Geltungssucht und Geld. Denn Robson und Safechuck forderten bekanntlich auf juristischem Weg von der Nachlassverwaltung ‚Michael Jackson Estate‘ Millionensummen, was von den Gerichten abgewiesen wurde.

Im Netz finden sich unzählige Videos und Dokumente/Publikationen, welche die Glaubwürdigkeit der beiden Protagonisten und deren Angehörigen in Zweifel ziehen und die Unschuld des Popstars beweisen sollen. Neben Faktenfehlern wird als Hauptargument aufgeführt, dass beide Hauptprotagonisten vor ihren massiven Anschuldigungen ihren Freund und Mentor Michael Jackson jahrelang verteidigten. Vor Medien, bei Einvernahmen, auch unter Eid vor Gericht 2005 erzählten sie tatsächlich, ihr Freund und Mentor Michael Jackson habe sie als Knaben nie angerührt und sei der anständigste Mensch gewesen. Erst nach 2013, vier Jahre nach dem Tode von Michael Jackson, änderten sie ihre Geschichte. Zuerst sprach Wade Robson in einer Fernsehshow von Missbrauch, dann gelangten er und Safechuck an die Justiz, um Schadenersatzklagen durchzusetzen. Sie hatten keinen Erfolg. Schliesslich wandten sie sich mit ihrer Missbrauchsgeschichte mittels ‚Leaving Neverland‘ an eine breite Öffentlichkeit. Sie sprechen von Manipulation, Druck und Abhängigkeit.

Mehrere SRF-Berichte nahmen die Kontroverse um die Glaubwürdigkeit der Protagonisten auf. Unter anderem berichtete die Hauptausgabe der Tagesschau vom 4. April 2019 [62] darüber. In den Berichten und Sendungen zum Thema war von einem ‘umstrittenen’ Film die Rede. Zudem wurde bei SRF konsequent von ‘mutmasslichen’ Missbrauchsopfern (vgl. Screenshots im Anhang) gesprochen. In der Sendung Club hat Ueli Meier deutlich gemacht, dass Zweifel an den Aussagen der Protagonisten bestehen.

Fazit

Die Glaubwürdigkeit der beiden Haupt-Protagonisten ist im Film nie in Frage gestellt. In ergänzenden Sendungen und Berichten erfuhr das Publikum bei SRF jedoch, dass Film und Protagonisten insbesondere von Fans und Angehörigen in Zweifel gezogen werden.

5. Vorwurf <öffentlicher Rufmord>

Michael Jackson war und bleibt auch nach seinem Tod eine Person des öffentlichen Interesses. Die aktuellen Anschuldigungen sind nicht neu. Interessant und umstritten zugleich ist daran, dass sie von Personen vorgebracht werden, die Michael Jackson jahrelang gegenüber der Presse, bei Ermittlungen und während Gerichtsprozessen verteidigt haben. Auch kann sich der Angeschuldigte weder öffentlich noch juristisch wehren. Seit bald zehn Jahren ist Michael Jackson tot. Die Anschuldigungen der beiden Protagonisten gegen ihn sind schwerwiegend und werden in der Öffentlichkeit von Fans und Angehörigen von Michael Jackson vehement bestritten und als Lügen zurückgewiesen.

Wir sind grundsätzlich überzeugt, dass Handlungen und Verhalten von prominenten Menschen, Personen der Zeitgeschichte und öffentlichen Interesses, auch nach ihrem Tode in der Öffentlichkeit kritisiert werden dürfen. Obwohl sich die Person nicht mehr erklären oder verteidigen kann. Dass Michael Jackson von einem Gericht in allen Anklagepunkten freigesprochen wurde ist kein Grund, sein Leben und Verhalten nicht weiterhin kritisch zu reflektieren.

Fazit

Wäre eine postume Kritik von Personen öffentlichen Interesses durch Journalisten, Zeitzeugen oder Historiker nicht möglich, wäre nicht nur der Geschichtsschreibung die Hände gebunden, sondern auch die Wahrheitssuche im Allgemeinen stark eingeschränkt. Es ist deshalb legitim, einen Dokumentarfilm zu zeigen, der Michael Jacksons Leben kritisch beleuchtet.

6. <Verletzung der Menschenwürde> und <Missachtung des Jugendschutzes>

SRF als Programmveranstalter hätte durch die Wahl der Sendezeit oder sonstige Massnahmen dafür sorgen können, dass Minderjährige nicht oder nur schwerlich mit ‚Leaving Neverland‘ konfrontiert werden. SRF vertritt jedoch den Standpunkt, dass der Film die Entwicklung von Jugendlichen oder Kindern nicht gefährdet - weder ihre körperliche, geistig-seelische, sittliche noch soziale Entwicklung. Obwohl im Film explizite und detaillierte mündliche Schilderungen von sexuellen Handlungen mit Kindern vorkommen, welche auf das Publikum verstörend wirken können. ‚Leaving Neverland‘ wurde deshalb bei SRF ab 12 Jahren freigegeben. In einer grafischen Tafel zu Beginn des Films wurde das Publikum auf die expliziten Schilderungen hingewiesen. Gemäss den SRF Kinder- und Jugendmedienschutzrichtlinien werden Inhalte ab 12 Jahren auf SRF Play bzw. im Internet zeitlich nicht eingeschränkt.

Offenbar fühlen sich viele Fans von Michael Jackson in ihrer Würde verletzt wegen der Anschuldigungen der beiden Protagonisten. Wir können zwar nachvollziehen, dass der Film bei Fans und Angehörigen von Michael Jackson starke Emotionen wie Wut und Ohnmacht auslöst. Weniger nachvollziehbar erscheint, dass der Film ihre Würde verletzen soll. Allenfalls könnten der Film bzw. die Aussagen der Protagonisten die Menschenwürde Michael Jacksons verletzen. Weil beispielsweise in diesem Fall der Anspruch eines jeden auf (rechtliches) Gehör nicht gewährt wurde und die Anschuldigungen rufschädigend sein könnten. Weil die Anschuldigungen aber nicht neu sind, zieht dieses Argument in unseren Augen nicht. Viel eher müssen wir feststellen, dass die Würde der beiden Männer massiv verletzt worden ist, falls ihre Schilderungen der Wahrheit entsprechen. Ohne es erfassen zu können, sind sie mutmasslich als Kinder gedemütigt, ausgenutzt und sexuell missbraucht worden. Von einem Mann, den sie liebten und von dem sie abhängig waren.

Fazit

Aus Sicht der Redaktion verletzen die im Film vorgetragenen Anschuldigungen die Menschenwürde nicht. Die Schilderungen der beiden Protagonisten können zwar verstörend wirken, sind aber weder diskriminierend, demütigend, entwürdigend noch rassistisch. Auch gefährden sie trotz ihrer Explizitheit nicht die öffentliche Sittlichkeit oder Entwicklung von Jugendlichen.

7. Schlussfolgerung

Trotz Ungereimtheiten, Zweifeln an der Glaubwürdigkeit und angeblichen oder tatsächlichen Fehlern wirken die Aussagen der Protagonisten insgesamt glaubwürdig. Der Film für sich allein betrachtet ist zwar einseitig und schuldigt an. In der einordnenden Berichterstattung hat SRF darauf aufmerksam gemacht. Es wurde dem Publikum aufgezeigt, dass ‚Leaving Neverland‘ weder neue gültige Wahrheit schafft noch ein Gerichtsurteil ersetzen kann (Anhang 5 und 6). In beiden Diskussionssendungen und in Berichten auf SRF wurde angemessen auch darauf hingewiesen, dass die Anschuldigungen der beiden Männer umstritten seien.

Der Film ‚Leaving Neverland‘ und die begleitende, einordnende Berichterstattung von SRF boten dem Publikum insgesamt ein vielfältiges Gesamtpaket zu einem internationalen Medienereignis. Verschiedene begleitende und einordnende Angebote zeigten differenzierende Sichtweisen, kritische Analysen, Meinungen von Expertinnen und Experten, zudem vielfältige Kommentare von Userinnen und User. Das Publikum konnte bei SRF aktiv oder passiv an einer international laufenden Debatte teilnehmen und seine Meinung und Kritik auf SRF-Plattformen publizieren. Durch das SRF Programmangebot wurde die Einseitigkeit von ‚Leaving Neverland‘, Inhalt und Wirkung des Films angemessen ergänzt und eingeordnet. Das Publikum wurde deshalb in unseren Augen nicht manipuliert. Es konnte sich durch das vielfältige Angebot zum Film und Thema eine eigene Meinung bilden.»

 

C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung der Sendungen. Sie alle fühlen sich gekränkt, weil SRF einen Film ausgestrahlt hat, der den großen Musiker und Tänzer Michael Jackson in ein schlechtes Licht rückt. Es ist unbestritten: Michael Jackson war der «King of Pop», ein genialer Künstler, ein Weltstar. Seine musikalische Leistung ist unsterblich. Ich verstehe daher gut, dass ein anklägerischer Film über diejenigen, die seine Schützlinge waren, auf Sie verstörend wirkt.

Wenn man Ihre Beanstandungen zusammenfasst, dann kann man sie auf folgende Vorwürfe reduzieren:

  • SRF verletze das Sachgerechtigkeitsgebot. Es habe Fake News verbreitet; diese zirkulierten nach 1993 und 2005 jetzt schon zum dritten Mal. Der Film «Leaving Neverland» enthalte Fehler; er stelle sich gegen die rechtskräftigen Gerichtsurteile. Den beiden Protagonisten gehe es nur ums Geld. SRF habe es unterlassen, einen Faktencheck durchzuführen.
  • SRF missachte das Vielfaltsgebot. Der Film sei absolut einseitig. Die beschuldigte Partei komme überhaupt nicht vor.
  • SRF stelle aus reiner Sensationsgier das öffentliche Interesse hintan. Es wolle nur Quote machen.
  • SRF verletzte die Menschenwürde der Fans von Michael Jackson und betreibe öffentlichen Rufmord an einer verstorbenen Persönlichkeit. Die Unschuldsvermutung sei schmählich vernachlässigt worden. Außerdem verhalte es sich rassistisch.
  • SRF verstoße gegen den Schutz Minderjähriger, indem es einen sittlichkeitsgefährdenden Film ausgestrahlt habe.
  • SRF missachte das Transparenzgebot. Es habe nicht mitgeteilt, was das alles gekostet habe. Die Gebührenzahler würden hintergangen. Es sei zudem eine Zumutung, dass man gezwungen werde, für so etwas Gebühren zu bezahlen.

Daraus leiteten einige von Ihnen Forderungen ab, nämlich SRF solle die Kosten dieser Sendungen bekanntgeben und das Dargestellte öffentlich korrigieren bzw. eine Gegendarstellung publizieren.

Ich möchte die Problematik in vier Punkten abhandeln:

1. Die Sendungen
a) Der Film «Leaving Neverland»

Der vierstündige Film von Dan Reed zeichnet das Schicksal von Wade Robson und James Safechuck nach, zweier Männer, die als kleine Knaben die Chance hatten, ins Umfeld des Popstars Michael Jackson zu gelangen. Sie und ihre Mütter berichten ausführlich, wie sie Michael Jackson verehrt haben, wie er sie gefördert hat, aber auch, wie er sie sexuell missbraucht habe. Und es zeigt das letztlich traurige Schicksal der beiden Familien. Es handelt sich um einen «Docutainment», ein Mischformat aus Unterhaltung und Dokumentation, wie die Medienwissenschaftlerin Marlis Prinzing beschreibt [63], also um eine unterhaltende Dokumentation, die die Realität mit fiktionalen Elementen mischt und die vor allem stark mit Musik und Stimmungsbildern arbeitet. Das Format ähnelt Journalismus, versteht sich aber nicht als solcher. Der Regisseur will nur eine Sicht zeigen, und zwar anwaltschaftlich.

b) «Der Club»

Direkt vor und wenige Tage nach dem Film strahlte Fernsehen SRF den «Club» zum Thema «Genie oder Monster? Was bleibt von Michael Jackson?» aus, wo unter der Moderation von Barbara Lüthi sechs Personen diskutierten: die Psychotherapeutin Regula Schwager, der Kulturredaktor Eric Facon, der Musikmanager Oliver Rosa, der Leiter des Schweizer Michael-Jackson-Fanclubs Ueli Meier, die Kultur- und Literaturwissenschaftlerin Elisabeth Bronfen und der Staatsanwalt Martin Wyss. Die Runde unterzog zuerst den Film einer kritischen Analyse, bei der die skeptische Einschätzung überwog. Dann stand die Frage zur Debatte, ob sich Kunst und Künstler trennen lassen. Hier bestand Einigkeit, dass es keine Zensur geben dürfe und dass das Werk von Michael Jackson, das phänomenal sei, bleibe.

c) «Kontext»

Parallel behandelte Radio SRF 2 Kultur das Thema «Das Michael Jackson-Dilemma: Wie umgehen mit seinem Vermächtnis?» in der Sendung «Kontext». Dort diskutierten unter der Leitung von Monika Schärer wiederum die Kultur- und Literaturwissenschaftlerin Elisabeth Bronfen sowie der Popmusikjournalist Klaus Walter. Auch dort wurde über den Film gesprochen – die Noten waren nicht sehr gut – ebenso über die Reaktionen darauf. Dann folgte ein längerer Einschub über die Ausstellung «Michael Jackson: on the Wall», die zurzeit in der Bundeskunsthalle in Bonn gezeigt wird [64] und die die Faszination spiegelt, die Michael Jackson auf sehr viele Gegenwartskünstler ausgeübt hat – eine faszinierende Ausstellung, jenseits der Debatte über die Missbrauchsgeschichte. In der Sendung wurde die Ausstellung allerdings eher kritisch gesehen. Die beiden Diskutanten äußerten sich schliesslich zur Frage, ob man die Songs von Michael Jackson jetzt noch spielen dürfe. Beide sprachen sich gegen Verbote aus.

2. Die Vorwürfe der leichten Art

Einige Ihrer Vorwürfe kann ich relativ kurz abhandeln, einerseits, weil Herr Pünter in seiner Stellungnahme sie schon entkräftet hat, anderseits, weil sie letztlich nicht schwer wiegen. Ich behandle sie Punkt für Punkt:

a) Fehlendes Transparenzgebot

SRF hat meines Erachtens ausreichend darüber informiert, warum und in welchem Kontext der Film «Leaving Neverland» ausgestrahlt wird. Die Debatte, die von den USA ausging, hatte bereits dazu geführt, dass auch europäische Sender, unter ihnen die BBC, die Songs von Michael Jackson aus dem Programm kippten. Es war notwendig und richtig, auch dem Schweizer Publikum Einblick in diese «Anklage» zu verschaffen. Dabei war es nicht notwendig, dass SRF bekanntgab, was das kostet. Es ist nicht üblich, die Kosten jeder einzelnen Sendung auszuweisen. Hinterher hat es Herr Pünter jetzt ja dennoch getan. Von einem Missbrauch von Gebührengeldern zu sprechen, ist absurd. Die Gebühren begründen keinen Anspruch auf bestimmte Sendungen bzw. auf den Verzicht auf bestimmte Sendungen. Sie sollen der SRG ermöglichen, ein qualitativ hochstehendes und vielfältiges Programm für alle zu machen, was aber im Einzelnen dazugehört, liegt in der Programmautonomie des Senders.

b) Fehlendes Vielfaltsgebot

Das Vielfaltsgebot gilt nicht für die einzelne Sendung, sondern für das gesamte Programm. Im Radio- und Fernsehgesetz steht in Artikel 4, Absatz 4: «Konzessionierte Programme müssen in der Gesamtheit ihrer redaktionellen Sendungen die Vielfalt der Ereignisse und Ansichten angemessen zum Ausdruck bringen.»[65] Nur bei Sendungen direkt vor Wahlen und Abstimmungen wird verlangt, dass die verschiedenen Positionen in jeder einzelnen Sendung ausgewogen zur Darstellung kommen. Bei den Sendungen rund um «Leaving Neverland» handelte es sich nicht um Sendungen im Hinblick auf Volksentscheide. Gleichwohl kann man dem Regisseur Dan Reed den Vorwurf nicht ersparen, dass er die Positionen seiner beiden Protagonisten und ihrer Mütter nicht einmal durch kritisches Nachfragen in Zweifel gezogen hat. Journalistisch war diese Art der Interviews gewiss nicht. Nur: Die Kritik kann nicht über das Vielfaltsgebot erfolgen.

c) Fehlendes öffentliches Interesse

Das öffentliche Interesse an der Thematisierung dieser filmischen Anklage ist entgegen der Annahme vieler von Ihnen ohne jeden Zweifel gegeben: Erstens, weil Michael Jackson eine berühmte Persönlichkeit der Zeitgeschichte ist; zweitens, weil die neuerliche Klage der beiden Protagonisten gegen die Familie von Michael Jackson und samt dem Film nicht nur in den USA, sondern weltweit ein öffentliches Thema ist; drittens, weil sexueller Missbrauch zurzeit weltweit ein großes Thema ist. SRF hatte daher allen Grund, öffentliches Interesse anzunehmen.

d) Missachteter Jugendschutz

SRF schrieb im Vorfeld des Films im Internet: «‘Leaving Neverland’ ist bei SRF ab 12 Jahren freigegeben. Gemäss den SRF Kinder- und Jugendmedienschutzrichtlinien werden Inhalte ab 12 Jahren im SRF Player zeitlich nicht eingeschränkt. Der Film ist online somit ganztags zugänglich, es wird jedoch schriftlich auf die Explizitheit einzelner Szenen und Aussagen hingewiesen.» [66] Damit ist klar, dass kein Verstoss gegen die Jugendschutzrichtlinien vorlag.

e) Missachtete Menschenwürde

Der Vorwurf, durch den Film «Leaving Neverland» sei die Menschenwürde der Fans von Michael Jackson verletzt, grenzt ans Absurde. Die Fans in der Schweiz kommen in dem Film nicht vor. Auch werden ganz grundsätzlich die Fans nicht blossgestellt und erniedrigt. Ihre Menschenwürde ist daher in keiner Art und Weise tangiert.

3. Schwerer wiegende Vorwürfe

a) Rufmord

Begeht der Film Rufmord an Michael Jackson, und trägt SRF dazu bei? Der Film erhebt keine neuen Vorwürfe. Er dokumentiert sie lediglich durch Aussagen jener Protagonisten, die in den bisherigen Strafverfahren, noch zu Lebzeiten Michael Jacksons, ihn verteidigt hatten. Das Neue ist also die Kehrtwende dieser Beiden. Das Argument des Rufmords wird damit begründet, dass Michael Jackson seit 2009 tot sei und sich nicht mehr wehren könne und dass zudem im Film keine entlastenden Argumente vorgetragen werden. Der Film ist gewissermaßen die cineastische Dokumentation der Anklage. Es ist aber immer wieder so, dass Anklagen öffentlich werden, lange bevor eine Verhandlung stattfindet. Da ja die beiden Film-Protagonisten mit Geldforderungen gegen die Familie Jackson vorgehen, wird es auf jeden Fall zu einer weiteren Verhandlung kommen, und aufgrund der Beweise und Indizien werden dann die Geldforderungen ganz oder teilweise gutgeheissen oder abgeschmettert. Strafrechtlich besteht für Michael Jackson auch in dieser Runde vorerst die Unschuldsvermutung. Seine Familie kann darauf verweisen, dass er vor Gericht freigesprochen wurde. Dass die neuerliche Anklage gerade mit einem Film antritt, ist zwar ungewöhnlich, aber wenn SRF über diese neuerliche Anklage in der Form eines Films informiert, betreibt der Sender nicht Rufmord, sondern Aufklärung. Schon gar nicht kann ich in dem Film Rassismus erkennen: Michael Jackson wird wegen seiner Herkunft und Zugehörigkeit nirgends diskriminiert.

b) Fehlende Sachgerechtigkeit

Der am schwersten wiegende Vorwurf ist der, dass der Film «Leaving Neverland» Faktenfehler enthalte und der Gegenposition keinen Raum gebe. Nach journalistischen Regeln muss auch in einem anwaltschaftlichen Stück die Gegenposition vorkommen, auch wenn nicht verlangt ist, dass sie das gleiche Gewicht erhält wie die Anklage. In einem fiktionalen Spielfilm ist dies indessen nicht nötig, in einem Dokumentarfilm hingegen schon. Die Frage ist, ob sich ein Docutainment leisten kann, Aussagen nicht zu hinterfragen und Fakten nicht zu überprüfen. Der Film kam denn auch in den Begleitdiskussionen auf SRF nicht besonders gut an. Er habe Webfehler, sei ein Pamphlet, er stelle keinen Richterspruch dar, sondern sei eine Zeugenaussage, meinte Kulturredaktor Eric Facon. Der Film überzeuge nicht, weil nie nachgefragt wurde, stellte Staatsanwalt Martin Wyss fest. Er sei «überhaupt kein Beweisstück», ein «einseitiges Werk» und «kein besonders geschickter Dokumentarfilm», fand die Literaturwissenschaftlerin Elisabeth Bronfen. «Man muss für den Film fast schon Schmerzensgeld bekommen», bemerkte der Popmusikjournalist Klaus Walter.

Für sich allein betrachtet war der Film nicht sachgerecht. Aber was hätte SRF tun sollen? Ein Faktencheck hat nur dann einen Sinn, wenn man die Sendung verändern kann. Ein eingekauftes Docutainment kann man aber nicht verändern. Es war daher richtig, dass SRF Begleitsendungen vorsah, die den Film einbetteten. Der Film allein würde dem Radio- und Fernsehgesetz nicht genügen, zusammen mit den Begleitdiskussionen und -Interviews hingegen war das Paket sachgerecht.

4. Gesamtwürdigung

Die neuen Vorwürfe gegen Michael Jackson sind welt-öffentlich. Sie betreffen alle, die sich mit Michael Jackson befassen, auch die Fans, und erst recht die Musikredaktionen aller Medien. Auch in der Ausstellung «Michael Jackson: on the Wall» hat die Leitung der Bundeskunsthalle in Bonn sofort eine Tafel angebracht, auf der dargelegt wird, wie man zu den neuen Vorwürfen steht und warum man an der Ausstellung festhält. Man kann dem Thema nicht ausweichen. Deshalb hat SRF das einzig Richtige getan: die Debatte führen. Medien sind dazu da, Phänomene der Gesellschaft aufzugreifen, darüber aufzuklären und sie zu debattieren. Die Debatte wurde meines Erachtens mit Hilfe der Begleitsendungen klug geführt. Ich komme daher zum Schluss, dass die erhobenen Vorwürfe gegen SRF nicht gerechtfertigt sind, und kann Ihre Beanstandungen nicht unterstützen. Ich werde SRF infolgedessen auch nicht empfehlen, irgendetwas zu korrigieren oder zu widerrufen.

 

D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.


Roger Blum, Ombudsmann


[8] . Neue Diskussion über alte Missbrauchsvorwürfe: HBO zeigt kontroverse Dokumentation

über Michael Jackson; https://www.tagblatt.ch/leben/jackson-und-seine-kinder-ld.1099558

[9] http://www.jackson.ch/statement-zur-aktuellen-schmierkampagne/

[10] Michael Jackson Estate Wants HBO Meeting; Letter Warns 'Leaving Neverland' Will Be

HBO's Greatest Shame; https://www.hollywoodreporter.com/thr-esq/michael-jackson-estatewants-

[11] http://www.jackson.ch/artikeldetail/muessen-wir-leavingneverland-ernst-nehmen/

[12] https://youtu.be/pDa27x6mTWs

[13] https://youtu.be/m4trDbeFWTY

[14] https://youtu.be/rzZklvWIT7o

[15] https://youtu.be/FJmUdkfHOVM

[16] https://www.dailymail.co.uk/news/article-6769447/Former-attorney-Michael-Jackson-claims-accusers-Wade-Robson-James-Safechuck-lying.html

[17] Die Protokolle vom Prozess 2005, die täglich von Jacksons damaligen Management auf

„MJJ Source“ online gestellt wurden: (.txt-Dateien) https://themichaeljacksonallegations.com/the-court-transcripts/

[18] https://youtu.be/XFrypTZiusE.

[19] https://www.billboard.com/articles/news/features/8503375/brandi-jackson-on-leavingneverland-and-wade-robson-relationship

[20] Div. Gerichtsdokumente als PDF: https://de.scribd.com/user/127593529/Ivy/uploads?fbclid=IwAR08Z6TF7AHz5guJf_y6MiPLD7H9JR8YhfIUnOBNj5j8ebP_F-NFxDv5F4I Die „Facts Bomb“ von Journalist Charles Thomson (Ray Fitzwalter Award for Investigative Journalism / 2 x Highly Commended Weekly Reporter of the Year / Local Hero (Highly Commended) @ British Journalism Awards): https://www.facebook.com/photo.php?fbid=10156642826666998&set=a.247993066997&type=3&hc_location=ufi   

[64] Noch bis 14. Juli 2019

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