tpc zurück unter dem SRF-Dach
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tpc zurück unter dem SRF-Dach

Die vor 20 Jahren ausgelagerte Radio- und TV-Produktion tpc switzerland ag soll wieder integralerTeil von SRF werden. Ein logischer und immer wieder diskutierter Schritt, findet Christoph Gebel. Der frühere SRF-Unterhaltungschef leitet das Projekt zur Integration der SRG-Tochter tpc und hat am 1. Juli auch die operative Leitung von tpc übernommen.

LINK: Als eine von derzeit vielen Sparmassnahmen der SRG soll tpc (tech­nology and production center) in das Unternehmen von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) integriert werden. Welcher Betrag lässt sich damit ­einsparen?
Christoph Gebel: Wir gehen heute davon aus, dass diese Massnahme eine Verbesserung von rund drei Millionen Franken im Budget von SRF bringen wird. Die Integration von tpc ist Teil eines grösseren, nationalen Reorganisationsprojekts, bei dem der gesamte Bereich von Technik und Produktion durchleuchtet und neu aufgestellt wird. Insgesamt sollen damit zehn Millionen Franken gespart werden.

Wie lassen sich diese Einsparungen ­genau erzielen?
Bei tpc und SRF gibt es identische Strukturen. In vielen Bereichen können wir diese zusammenführen, beispielsweise in den Supportbereichen. Auch beim Management gibt es natürlich ein Sparpotenzial, weil es ja künftig nur noch eine Leitungsstruktur braucht. Dann gibt es Geschäftsbereiche, die nicht dem Kernauftrag von SRF entsprechen; etwa die Akquisition von Kunden im Drittmarkt müssen wir genauer beleuchten. Wie die einzelnen Massnahmen aussehen werden, kann ich aber noch nicht sagen. Die Umsetzung steht unter dem Vorbehalt der Ergebnisse des Konsultationsverfahrens.

Es kommt also auch zu einem ­Stellenabbau?
Wenn Doppelspurigkeiten abgebaut werden sollen, betrifft das natürlich auch das Personal. Wie viele Stellen betroffen sein werden, kann ich heute noch nicht sagen. Dazu wissen wir noch zu wenig über die künftigen Strukturen. Klar ist aber, dass die heutigen tpc-Angestellten als SRF-Mitarbeitende unter den genau gleichen Bedingungen wie bisher weiterarbeiten können sollen. 

Wie haben die Mitarbeitenden von tpc darauf reagiert, dass sie bald zum SRF-Personal gehören sollen?
Die Diskussion, ob man die Radio- und TV-Produktion wieder in SRF integriert, ist nicht neu. Daher konnte es niemanden wirklich überraschen, dass es nun bald so weit sein soll. Für die meisten Mitarbeitenden wird sich im Arbeitsalltag nicht viel ändern: Aus dem tpc-Kameramann wird ein SRF-Kameramann.

Können Sie die Dimensionen und den Ablauf dieser Operation umreissen?
Es geht darum, innert neun Monaten ein Unternehmen mit rund 1000 Mitarbeitenden in ein bestehendes Unternehmen mit 2000 Mitarbeitenden zu integrieren. Dazu haben wir zuerst eine Machbarkeitsstudie erstellt und kamen zum Schluss: Ja, wir schaffen das. Nach dem Entscheid des SRG-Verwaltungsrats, den Weg so zu gehen, erarbeiten wir das Detailkonzept. Nun gibt es enorm viel zu tun. Aber es ist vor allem viel Fleissarbeit.

Soll tpc quasi «en bloc» in SRF ­integriert werden?
Es ist unser Plan, das Unternehmen als Einheit zu überführen. So entsteht dann innerhalb von SRF eine neue Abteilung Opera­tionen, wie wir sie mal als Arbeitstitel nennen. Am Anfang wird dieser tpc-Block genau gleich weitergeführt wie jetzt, einfach unter dem Dach und der Leitung von SRF.

Damit entsteht eigentlich ein neues ­Unternehmen. Wie verändert sich SRF?
Neu sind alle zusammen für das gesamte Produkt zuständig. Da hat man dann wirklich vom Schreiner bis zur Chefredaktorin alle in der gleichen Firma. Für die tpc-Kolleginnen und -Kollegen heisst es auch, dass sie den Service-public-Gedanken noch stärker verinnerlichen müssen als heute, wo sie auch noch für den freien Markt tätig sind.

Wird das Publikum von der ver­änderten Struktur etwas mitbekommen?
Wenn das Publikum nichts merkt, haben wir alles richtig gemacht. Bei Aussenproduktionen wird das tpc-Logo nicht mehr sichtbar sein, das sieht man natürlich. Aber mehr eigentlich nicht.

Im letzten Jahr stand tpc im Einsatz für Kunden wie Red Bull, UBS oder Zurich. Ist nun Schluss mit Aufträgen von Privaten?
Sagen wir es so: Wir wollen diesen Markt nicht mehr aktiv bewirtschaften. tpc wird ein Teil von SRF, dadurch muss künftig auch im Bereich Produktion alles mit dem Konzessionsauftrag kompatibel sein. Als eigenständige Firma hatte tpc richtigerweise mehr Freiheiten. Wir werden jeden Auftrag durchleuchten und prüfen, ob er konzessionsrechtlich vertretbar ist. Als Beispiel: Der grösste Auftrag aus dem Drittgeschäft ist jener des Eishockeyverbands. tpc produziert über 400 Hockeyspiele pro Jahr. Da von jedem Spiel auch Bilder im Programm von SRF laufen, entspricht das dem Service-public-Auftrag. Darum werden wir diesen Auftrag weiterführen.

tpc hat sich international einen Namen gemacht als Host-Broadcaster der ­grossen Wintersportanlässe. Wird SRF auch in Zukunft das Weltsignal für Olympia und Ski-Weltmeisterschaften produzieren?
Freiwillig darauf zu verzichten, halte ich persönlich nicht für eine gute Idee. Aber wir sind letztlich ein kleiner Player auf dem globalisierten Produktionsmarkt. Darum lautet die Frage weniger, ob wir noch wollen, sondern ob uns die grossen Veranstalter überhaupt noch Aufträge erteilen zu annehmbaren Konditionen. Persönlich würde ich es sehr unterstützen, wenn wir auch weiterhin in dem Bereich gewisse Sachen produzieren könnten. Einfach damit wir das Know-how, das wir über Jahrzehnte aufgebaut haben, weiter einsetzen können.


Projekt Panorama
Im Rahmen der laufenden Reform- und Sparbemühungen organisiert die SRG ihre zentralen Dienste neu. Ein wichtiger Teil davon ist die Reintegration der Tochtergesellschaft tpc (siehe Interview). Sämtliche Massnahmen in diesem Paket, intern als Projekt Panorama bekannt, sollen das SRG-Budget um 10 Millionen Franken entlasten. Dazu gehört auch die Schaffung eines digitalen Kompetenzzentrums unter dem Dach von SwissTXT, einer weiteren SRG-Tochter. Ein Ziel des Projekts Panorama ist es, die Strukturen der Unternehmenseinheiten in allen Landesteilen zu harmonisieren. Gemäss SRG-Generaldirektor Gilles Marchand geht es beim Projekt Panorama darum, die «Flexibilität und Effizienz zu optimieren».


Text: Nick Lüthi

Bild: SRF / Oscar Alessio

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