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«Heute Morgen», Meldung über Trumps Aussage zu Biden/China beanstandet

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Mit Ihrer E-Mail vom 4. Oktober 2019 beanstandeten Sie die Sendung «Heute Morgen» (Radio SRF) vom gleichen Tag und dort eine Meldung zu einer Aussage des amerikanischen Präsidenten Donald Trump.[1] Ihre Eingabe entspricht den formalen Anforderungen an eine Beanstandung. Ich kann daher darauf eintreten.

A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:

«Ich bin mit der Neutralität Ihrer Berichtserstattung nicht einverstanden. Als ein durch den Steuerzahler finanziertes Unternehmen, welches zum Auftrag hat, eine objektive Berichtserstattung für die Schweizer Bevölkerung zu liefern, sehe ich im oben erwähnten Beitrag einen signifikanten Mangel: Sie sagen <Vor laufender Kamera hat Donald Trump China und Ukraine dazu aufgerufen, Untersuchungen (gegen Biden) einzuleiten> Der Originalton von Donald Trump sagt aber etwas ganz anderes; er erklärt: <China habe Untersuchungen eingeleitet, wie es in der Ukraine auch passiert sei.> Ich bin auch kein Fan von Donald Trump. Ich sehe aber leider immer wieder mal, dass auch die SRF Berichtserstattung nicht ganz Objektiv ist und teilweise eine leichte politische Färbung hat. Ich bitte Sie da in Zukunft mehr darauf auf zu passen.»

B. Die zuständige Redaktion erhielt Ihre Beanstandung zur Stellungnahme. Für «Heute Morgen» äußerte sich Herr Fredy Gsteiger, stellvertretender Chefredaktor von Radio SRF:

«Besten Dank für die Gelegenheit, Stellung zu nehmen zur Beanstandung von Herrn X. Er kritisiert eine Nachrichtenmeldung in der Sendung ‘Heute Morgen’.

Wir hätten in dieser Meldung eine Aussage von US-Präsident Donald Trump falsch widergegeben, ja, sie quasi in ihr Gegenteil verkehrt. Grundsätzlich sieht Herr X ausserdem mangelnde Neutralität in der Berichterstattung von Radio SRF.

Zunächst kurz zur Frage der Neutralität: Neutralität ist ein völkerrechtliches und ein politisches Konzept, jedoch kein journalistisches. Auch wenn die Schweiz als Staat neutral ist, sind wir das als öffentliches Medium nicht. Hingegen sehen wir uns verpflichtet, fair und sachgerecht zu berichten. Das heisst, wir nehmen zwar durchaus Stellung, wir vertreten Sichtweisen und geben Einschätzungen ab. Wir äussern Kritik, sei es an politischen, wirtschaftlichen oder anderen relevanten Akteuren. Das erlaubt uns die journalistische Freiheit. Kritik, positive wie negative, muss aber stets auf Tatsachen beruhen, auf Fakten – und das heisst nicht zuletzt auf einer inhaltlich korrekten Darstellung von Äusserungen von Akteuren.

In der beanstandeten Nachrichtenmeldung handelt es sich allerdings nicht um eine kritische, einschätzende, wertende Darstellung, sondern lediglich um eine kurze, nüchterne Faktendarstellung.

Im einen oder andern Fall – Nachrichtenmeldung wie einschätzender Bericht oder Kommentar - wäre freilich der Vorwurf von Herrn X berechtigt, wenn wir den Sachverhalt, also hier die Aussage von Trump, tatsächlich nicht korrekt wiedergegeben hätten. Dann sähen wir in der Tat auch selber unsere eigenen publizistischen Leitlinien verletzt.

Herr X muss sich jedoch verhört haben, was durchaus verständlich ist. Der Originalton von Donald Trump ist von lautem Helikopterlärm begleitet – wie häufig, wenn sich der Präsident vor seinem Abflug auf dem Rasen des Weissen Hauses gegenüber Journalisten äussert. Wenn man sich den ganzen, gut dreiminütigen Auftritt anhört, ist offenkundig, dass Trump mehrfach Mühe hat, wegen des Hintergrundlärms, überhaupt die Journalistenfragen zu verstehen.

Im O-Ton bei uns zu hören ist nur der kurze Abschnitt: <China should start an investigation into the Bidens...>, worauf, wie in Radiobeiträgen üblich, der Ton heruntergezogen und der Kerninhalt auf Deutsch übersetzt wird. In US-Fernsehanstalten ist die Aussage von Trump wesentlich ausführlicher zu hören, unter vielen anderen etwa im Sender CNBC.[2] Entsprechend breit wurde Trumps Aufforderung auch in gedruckten Medien zitiert, in den USA selber, aber ebenso weltweit. Stellvertretend dafür die ‘Washington Post’.[3] Es kann also kein Zweifel daran bestehen, dass Trump am 3. Oktober (neben der Ukraine) auch China aufgefordert hat, gegen Präsidentschaftskandidat Joe Biden und dessen Sohn eine Untersuchung einzuleiten. Trump hat auch bisher nie dementiert, dass er von China eine Untersuchung erwartet.

Anders als Herr X es darstellt, sagt Trump im Originalton keineswegs, <China habe eine Untersuchung eingeleitet, wie es in der Ukraine auch passiert sei>. Eine solche Trump-Aussage war bei uns nicht zu hören. Nach unserer Quellenlage existiert eine solche Aussage gar nicht. Sie wäre ausserdem faktenwidrig, da China keine solche Untersuchung eingeleitet hat. Die chinesische Regierung weigert sich sogar ausdrücklich, das zu tun.[4]

Wir haben also in der Nachrichtenmeldung die Aussage von US-Präsident Donald Trump korrekt widergegeben und bitten Sie daher, sehr geehrter Herr Blum, die Beanstandung von Herrn X abzulehnen.»

C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung der Sendung. Man hört tatsächlich nicht so gut, was Trump wirklich sagte, aber die zusätzlichen Quellen belegen eindeutig, dass Radio SRF in der Sendung «Heute Morgen» richtig berichtet hat: Der amerikanische Präsident hat auch China aufgefordert, gegen Joe Biden und seinen Sohn zu ermitteln. Die Nachricht hatte keinerlei Schlagseite; sie war sachgerecht und wahr. Ich kann daher Ihre Beanstandung nicht unterstützen.

D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüssen,
Roger Blum, Ombudsmann

[1] https://www.srf.ch/play/radio/heutemorgen/audio/irak-blutige-proteste?id=df89d2e8-a3f0-4060-b37a-73c66b21242d

[2] https://www.cnbc.com/2019/10/03/trump-calls-for-ukraine-china-to-investigate-the-bidens.html

[3] https://www.washingtonpost.com/politics/trump-publicly-calls-on-china-to-investigate-bidens/2019/10/03/2ae94f6a-e5f2-11e9-b403-f738899982d2_story.html

[4] https://www.cnbc.com/2019/10/08/china-rejects-trump-request-to-investigate-joe-biden.htm

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