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«Rundschau» Thekengespräch mit Bauernpräsident Markus Ritter beanstandet

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Mit Ihrer E-Mail vom 9. Oktober 2019 beanstandeten Sie die Sendung «Rundschau» (Fernsehen SRF) vom gleichen Tag und dort das Thekengespräch mit dem Präsidenten des Schweizerischen Bauernverbandes, Nationalrat Markus Ritter.[1] Ihre Eingabe entspricht den formalen Anforderungen an eine Beanstandung. Ich kann daher darauf eintreten.

A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:

«Ich bin bei Leibe kein Bauernversteher. Im Gegenteil bin ich bei vielen Punkten bezüglich Klimaschutz, Nachhaltigkeit und vor allem Artenschutz von Fauna und Flora für einschneidende Massnahmen in Konsumverhalten, Gesetzgebung und Ausbildung. Weiter soll die Landwirtschaft auf sämtliche Problematik und Missstände angesprochen und zu Lösungen aufgefordert und gegebenenfalls gedrängt werden. Wie sich aber Ihre Moderatorin während dem ganzen Interview mit Herrn Binder aufführt geht gar nicht (Vorallem die letzten Sequenzen) sowas hat in einem öffentlich rechtlichen Fernsehprogramm, meiner Meinung nach nichts zu suchen. Tendenziös, ohne Fakten und Menschenverachtend (populistischer Journalismus).»

B. Die zuständige Redaktion erhielt Ihre Beanstandung zur Stellungnahme. Für die «Rundschau» äußerte sich deren Redaktionsleiter, Herr Mario Poletti:

«Gerne nehmen wir Stellung zur Beanstandung von Herrn X. Er beanstandet das Gespräch von Moderatorin Nicole Frank mit Bauernpräsident Markus Ritter in der ‘Rundschau’ vom 09.10.2019 als a) tendenziös, b) faktenlos und c) populistisch-menschenverachtend.

Diese Vorwürfe weisen wir in aller Form zurück.

‘tendenziös’

Das Gespräch war zu keinem Zeitpunkt tendenziös, sondern vielmehr kontrovers. Dies entspricht dem Sendemandat der ‘Rundschau’. Das Gespräch in der ‘Rundschau’ ist ein sogenannt kontroverses Interview – ein Gespräch also, in dem die Moderatorin die Gegenposition des Gastes vertritt. Es geht darum, dass die Moderatorin die besten Argumente der Gegenseite des Gesprächspartners – in diesem Fall: Markus Ritter, Präsident des Bauernverbandes – einbringt. Ebenfalls zum Charakter des kontroversen Interviews gehört es, die Antworten des Gastes kritisch zu hinterfragen, auf konkreten Aussagen zu beharren, Floskeln zu entlarven und hartnäckig nachzufragen.

‘faktenfrei’

Diesen Vorwurf weisen wir ebenfalls als unbegründet von uns. Nur ein paar Beispiele:

So entspricht es den Tatsachen, dass das Bundesamt für Umwelt den Bauernverband bereits 2016 aufgefordert hat, in seinem Bildungsplan Themen wie ‘Food Waste’ und ‘Klimaschutz und Klimaanpassung’ mehr Gewicht zu geben (das entsprechende Schreiben liegt uns vor) – was der Bauernverband ignorierte. Es entspricht der Realität, dass zwar der nationale ‘Aktionsplan Pflanzenschutzmittel’ Reduktionsziele beschreibt, jedoch keine Sanktionen vorsieht, wenn die Landwirtschaft nicht die formulierten Ziele erreicht.[2] Und es entspricht den Tatsachen, dass sich die VertreterInnen des Bauernverbandes im Parlament erfolgreich gegen einen Gegenvorschlag zur Trinkwasserinitiative wehrten. Und es stimmt ebenso, dass sie sich jetzt in den vorberatenden Kommissionen zwar nicht grundsätzlich gegen die Reduktion von Pestiziden wehren, doch erst die entsprechende Beratung des Gesetzes im Parlament wird zeigen, ob aus der Absichtserklärung tatsächlich ein griffiges Gesetz wird.

‘populistisch-menschenverachtend’

Wie oben erwähnt haben sich die Vertreter des Bauernverbandes im Bundeshaus erfolgreich wiederholt gegen griffige Gesetze in Bezug auf die Verwendung von Pestiziden gewehrt. Letztmals als sich der Verband diesen Sommer erfolgreich gegen einen Gegenvorschlag zur Trinkwasserinitiative gewehrt hat.[3]

Eine Journalistin, die einer blossen Absichtserklärung des Präsidenten des einflussreichen Bauernverbandes glaubt ohne nachzufragen, macht ihre Aufgabe schlecht. Nicole Frank hat nachgehakt und versucht, Markus Ritter ein konkretes Versprechen abzunehmen und hat daher seinen Handschlag eingefordert. Wir können Ihnen ausserdem versichern, dass der rhetorisch äusserst beschlagene Herr Ritter das Gespräch nicht als menschenverachtend empfunden hat.

Aus all diesen Gründen bitten wir Sie, sehr geehrter Herr Blum, die Beanstandung abzuweisen.»

C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung der Sendung. Das war ein ganz normales Interview. Ich kann die Ausführungen von Herrn Poletti nur bestätigen: Es ist die Aufgabe der Journalistin oder des Journalisten, den Gesprächspartner mit harten Fragen zu Aussagen zu zwingen. Das tut Nicole Frank, und nicht einmal auf unfreundliche Art. Ungewöhnlich ist nur, dass sie dem Bauernpräsidenten Markus Ritter per Handschlag ein Zugeständnis abringt. Er willigt in den Handschlag ein, allerdings nicht mit jenem Zugeständnis, das die Moderatorin fordert, dafür schmunzelnd. Letztlich macht das Interview klar, dass der Bauernverband gefordert ist und dass sich sein Präsident dessen bewusst ist. Die Vorwürfe, die Sie an die Interviewerin richten, treffen in keiner Weise zu: Nicole Frank ist sachkundig, gleichzeitig hartnäckig und freundlich, journalistisch korrekt. Ich kann ihre Beanstandung deshalb nicht unterstützen.

D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüssen,
Roger Blum, Ombudsmann

[1] https://www.srf.ch/play/tv/rundschau/video/pannenzug-bombardier-so-steht-es-um-die-sbb-doppelstoecker-wirklich?id=54a399b0-6969-49e9-81b2-1f655e6cba95

[2] https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/nachhaltige-produktion/pflanzenschutz/aktionsplan.html.

[3] Die Berichterstattung dazu ist umfangreich, vgl. z.B. https://www.beobachter.ch/politik/abstimmungskampf-um-pestizid-initiativen-die-stunde-der-schonschwatzer oder https://www.nzz.ch/meinung/pestizide-worauf-wartet-bern-ld.1490203?reduced=true

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