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«Schawinski»-Sendung mit Beat Glogger beanstandet

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Mit Ihrer E-Mail vom 19. November 2019 beanstandeten Sie die Sendung «Schawinski» (Fernsehen SRF) vom 11. November 2019, in der der Wissenschaftsjournalist Beat Glogger zu Gast war.[1] Ihre Eingabe entspricht den formalen Anforderungen an eine Beanstandung. Ich kann daher darauf eintreten.

A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:

«Teil über 5G vor allem esoterische Kreise habe sich darauf gestürzt ....Beispiel nur Christina von Dreier aber.. Gegner von 5G werden damit alle in den gleichen Topf geworfen, dabei sind z.B. auch Ärzte für Umweltschutz dagegen und vor allen die Wissenschaft die vor Elektrosmog warnt wird diskreditiert und kommt gar nicht zu Wort, obwohl es im Titel der Sendung heisst Verschwörungstheorien, Impfskepsis, Esoterik: Die Wissenschaft ist in einer beispiellosen Glaubwürdigkeitskrise. Ich finde den Beitrag reisserisch und unausgewogen.»

B. Die zuständige Redaktion erhielt Ihre Beanstandung zur Stellungnahme. Für «Schawinski» äußerte sich Herr Christian Zürcher, Redaktor und Produzent der Sendung:

«In seinem Schreiben vom 19. November 2019 kritisiert X die Sendung ‘Schawinski’ vom 11. November 2019 mit dem Wissenschaftsjournalisten Beat Glogger als unausgewogen. Die Gegnerschaft der Mobilfunktechnologie 5G, insbesondere aus der Wissenschaft, sei nicht genügend abgebildet worden. Herr X empfand den Beitrag ausserdem als reisserisch.

Gerne nehme ich zur Kritik Stellung.

1. Einordnung

Die Sendung machte die Bedeutung von wissenschaftlichen Fakten und Erkenntnissen in einem zunehmend von Skepsis geprägten Umfeld zum Thema. Mit Beat Glogger, einem der renommiertesten Wissenschaftsjournalisten der Schweiz, sollte die Glaubwürdigkeitskrise der Wissenschaft in Zeiten von Fake News analysiert werden. Dazu wurden verschiedene Themenbereiche herangezogen, in denen sich die Mehrheit der Wissenschafter teils vehementer Kritik gegenübersieht. 5G war einer dieser Themenbereiche.

2. Vorwurf der Unausgewogenheit

Vorwegzunehmen ist, dass Beat Glogger nicht Partei ist. Als unabhängiger Journalist hat er selbst die Aufgabe, die Arbeit von Vertretern aus der Wissenschaft zu beobachten und zu hinterfragen. Von ihm ist zu erwarten, dass er in dieser Funktion tiefere Einblicke in komplexe Themenbereiche gewinnt sowie über aktuelle Studien und den Stand der Forschung in für die Öffentlichkeit relevanten Gebieten informiert ist.

Wie von Herrn X angeführt, begann die Diskussion über 5G mit der streitbaren Esoterikerin Christina von Dreien. Um sie dem Publikum vorzustellen, war ein kleiner Exkurs nötig, worauf das Gespräch auf ihre Einstellung zu 5G und Handystrahlung kam. Dann allerdings wurde die Diskussion auf eine andere Ebene verlagert: Herr Schawinski wies auf fehlende wissenschaftliche Erkenntnisse über gesundheitliche Langzeitfolgen von 5G hin. Herr Glogger bestätigte, dass es solche Untersuchungen noch nicht gibt. Bei Minute 16:49 fragt der Moderator: <Es gibt ja Leute, die sagen, sie seien heute schon geschädigt durch 4G und das Handy. Was sagt die Wissenschaft, was sagen die Untersuchungen, die Du angeschaut hast?> Herr Glogger beantwortet die Frage und zitiert Studien, die einen solchen Effekt negieren. Er erwähnt aber auch eine Studie, die geringfügige negative Wirkungen auf die Gesundheit nachgewiesen hat. Später gehen die beiden Gesprächspartner auch auf das Moratorium gewisser Westschweizer Kantone zum Bau von neuen 5G-Antennen ein. Der Tatsache, dass in der Bevölkerung, in der Politik und auch in gewissen wissenschaftlichen Kreisen Unsicherheit bezüglich der neuen Technologie herrscht, wurde damit aus unserer Sicht zur Genüge Rechnung getragen. Davon, dass die Gegner von 5G alle in den gleichen Topf geworfen wurden, kann nicht die Rede sein.

Aus Sicht der Redaktion kann aus den oben genannten Gründen die Beanstandung von Herrn X zurückgewiesen werden.»

C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung der Sendung. Man muss den Blick auf die gesamte Sendung werfen: Roger Schawinski wollte mit dem Wissenschaftsjournalisten Beat Glogger einen Tour d’horizon durch verschiedene Themen machen, in denen die Erkenntnisse der Wissenschaft von einem Teil der Bevölkerung bestritten werden. Diese Themen waren: Impfen, Mediennutzung, Homöopathie, 5G, Verschwörungstheorien, Klimawandel. Es war schon wegen der begrenzten Sendezeit nicht möglich, jedes Thema à fonds auszuleuchten. Und der Moderator musste in seinen Einspielungen mit Beispielen arbeiten: Er konnte nicht jeden Homöopathen vorstellen, nicht jeden 5G-Kritiker benennen, nicht jeden Verschwörungstheoretiker erwähnen, nicht jeden Leugner des Klimawandels beehren. Er musst auswählen. Darum war es absolut legitim, mit dem Beispiel von Christina von Dreien das Thema 5G einzuführen. Danach wurde ja das Thema losgelöst von bestimmten Kritikern behandelt, und Beat Glogger sagte aufgrund der vorhandenen Studien klipp und klar: «Es gibt die Langzeitwirkungen nicht». Das mag Ihnen nicht in den Kram passen, aber das war die wissenschaftsbasierte Aussage des Gastes. Die Sendung war auffallend nachdenklich und keineswegs «reisserisch und unausgewogen». Ich kann daher Ihre Beanstandung nicht unterstützen.

D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüssen,
Roger Blum, Ombudsmann


[1] https://www.srf.ch/play/tv/schawinski/video/roger-schawinski-im-gespraech-mit-beat-glogger?id=a539b085-19f9-4784-9860-642d29c6facf

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