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SRF startet grossen Schwerpunkt «1945»

Vor 75 Jahren endete der Zweite Weltkrieg. SRF widmet der Epochenwende einen multimedialen Themenschwerpunkt mit zwei Publikationsphasen im Frühling und Herbst. Im Zentrum stehen die neue fiktionale Dramaserie «Frieden», zwei «DOK»-Eigenproduktionen und eine Webserie. Zeitzeuginnen und Zeitzeugen erinnern sich an das Kriegsende und die Jahre danach.

Der 8. Mai 1945: ein Jahrhunderttag. Das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa war ein Moment des Aufbruchs und der Ungewissheit, auch in der kriegsverschonten Schweiz. Über die Rolle des Landes im Zweiten Weltkrieg wurde viel geforscht und diskutiert – nicht aber über die erste Zeit danach. Wie veränderte sich der Alltag der Menschen? Wie agierte die offizielle Schweiz, und was bedeutete die Zäsur für das Kultur- und Wirtschaftsleben? Die frühe Nachkriegszeit ist eine spannungsvolle Leerstelle im historischen Gedächtnis des Landes.

Mit dem Schwerpunkt «1945» will SRF Diskussionen anregen und das Verständnis für die damaligen Ereignisse fördern. Die Generation jener, die den Krieg erlebt und die ersten Nachkriegsjahre geprägt haben, verschwindet. Unter dem Titel «1945: Eine Generation erzählt» erhalten Zeitzeuginnen und Zeitzeugen ab heute eine Plattform – in TV-Beiträgen und Radio-Porträts, in Generationenvideos und einer digitalen Audio-Reihe. Sie erinnern sich an das Kriegsende und die Jahre danach, und fragen, was die Ereignisse von damals mit der Gegenwart verbindet.

Zwei neue Dokumentarfilme stehen im Herbst auf dem Programm. Sie vertiefen kontroverse Themen, die mit der frühen Nachkriegszeit verknüpft sind. Dazu gehört die Geschichte der Hovag Ems, der Vorgängerfirma der heutigen Ems-Chemie. Der Aufstieg der Hovag Ems nach dem Krieg gründete auf der direkten Zusammenarbeit mit Nationalsozialisten, die dafür in die Schweiz geholt wurden. In die Vermittlung involviert war ein Exponent der Schweizer Sozialdemokratie: Nationalrat Robert Grimm. Die Unabhängige Expertenkommission Schweiz – Zweiter Weltkrieg hat die Geschichte der Ems-Chemie aufgearbeitet, trotzdem sind die Zusammenhänge kaum bekannt. Der SRF-«DOK» bringt bislang unbekannte Dokumente ans Licht und lässt Zeitzeugen, Historikerinnen sowie Firmen- und Parteivertreter zu Wort kommen. Ergänzt wird der Film durch eine mehrteilige Webdokuserie, die für den Herbst produziert wird.

Auch der zweite SRF-«DOK» widmet sich einem wenig bekannten Thema: der Aktion «Buchenwald-Kinder». Die Schweiz beschloss nach dem Zweiten Weltkrieg, 3000 jüdische Kinder aus den Konzentrationslagern für einen Erholungsaufenthalt in die Schweiz zu bringen. Die Aufnahme erfolgte aber nicht aus rein humanitären Gründen. Es war eine PR-Aktion der offiziellen Schweiz, um ihr angeschlagenes Image zu verbessern. Statt Kinder stiegen im Sommer 1945 aber rund 370 Jugendliche aus dem Zug. Die Hilfswerke waren darauf nicht vorbereitet. Und ein Teil der jungen Menschen wurde in der Schweiz faktisch interniert. SRF beleuchtet die Aktion «Buchenwald-Kinder» aus verschiedenen Perspektiven.

Die beiden «DOK»-Filme ergänzen die fiktionale Dramaserie «Frieden». Die Primetime-Serie, ausgestrahlt ab dem 8. November 2020, ist das Herz und Highlight des Schwerpunkts «1945». Das Drehbuch stammt von Petra Volpe («Die göttliche Ordnung», «Heidi»). «Frieden» erzählt in sechs Episoden die Geschichte einer Familie am Ende des Zweiten Weltkriegs. Eine Geschichte über den Verlust der Unschuld. Eine Metapher der Schweiz in schwierigen Zeiten. Das Porträt einer Generation.

Entstanden ist die Dramaserie in Zusammenarbeit mit der Schweizer Produktionsfirma Zodiac Pictures und in Koproduktion mit Arte. Neben Max Hubacher («Der Läufer», «Der Verdingbub») und Annina Walt («Der Bestatter») spielen Dimitri Stapfer («Sohn meines Vaters»), Stefan Kurt («Papa Moll», «Akte Grüninger»), Sylvie Rohrer («Der Läufer»), Therese Affolter («Die kleine Hexe», «Die göttliche Ordnung») und viele andere.

Sowohl die fiktionale Serie als auch die beiden «DOK»-Filme und die Webdokuserie sind nationale Produktionen und werden in je drei Sprachfassungen ausgestrahlt. Begleitet werden die Produktionen durch Diskussionssendungen und Hintergrundbeiträge im Fernsehen, im Radio und Online. Auf der Webseite srf.ch/1945 werden die Beiträge ab Freitag, 1. Mai 2020, gesammelt und laufend ergänzt.


Text: SRF

Bild: Keyvisual SRF

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