Celine und Annette
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Interne Unterstützung für «Play Suisse»

Aus der Not eine Tugend gemacht: Statt sich während des Lockdowns im Homeoffice zu langweilen, engagierten sich SRG-Mitarbeitende freiwillig für die neue SRG-Streaming-Plattform «Play Suisse».

«Er wurde umgewandelt.» Nein, das macht keinen Sinn. Annette Mugglin schüttelt den Kopf. Sie spult das Video zurück und hört sich den Off-Kommentar auf Französisch noch einmal an. «Ah, das sollte bedeuten: Er hat sich völlig verändert.» Mit flinken Fingern korrigiert sie den Text am Bildschirm und scrollt zum nächsten Untertitel. Annette Mugglin ist eigentlich Geschäftsstellenleiterin der SRG Zentralschweiz. Derzeit aber arbeitet sie als eine von 42 freiwilligen SRG-Mitarbeitenden für die neue nationale Streaming-Plattform «Play Suisse». Sie redigiert die elektronisch übersetzten deutschen Untertitel von italienisch- oder französischsprachigen Filmen, Serien und Dokus – freiwillig, ohne zusätzliche Entschädigung.

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Ab November lanciert die SRG ihre neue Streaming-Plattform «Play Suisse». Angeboten werden Inhalte in Originalsprache aus allen Sprachregionen mit Untertiteln in Deutsch, Französisch und Italienisch.

Die neue nationale Streamingplattform bietet eine kuratierte Auswahl aus Eigen- und Koproduktionen wie Filme, Serien, Dokumentarfilme, Reportagen und Archivperlen an. Dank den wahlweise zur Verfügung stehenden Untertiteln sind die Inhalte den Nutzern über die Sprachgrenzen hinweg zugänglich, ausgewählte Titel auch auf Rätoromanisch.

Dabei ist der Frühling normalerweise eine der arbeitsintensivsten Zeiten auf der Geschäftsstelle der Trägerschaft. Dann heisst es: Delegiertenversammlung vorbereiten und durchführen, Mitglieder-Veranstaltungen organisieren, Rechnungen versenden, buchen und unzählige telefonische Anfragen beantworten.

Doch dieses Jahr ist wegen des Corona-Lockdowns alles anders: Nachdem die Abstimmungs- und Wahlergebnisse der online durchgeführten Delegiertenversammlung verarbeitet, die Pendenzen erledigt oder archiviert sind und das Pult aufgeräumt ist, herrscht «Arbeitslosigkeit» auf der Geschäftsstelle bzw. im Homeoffice.

Da kommt die interne Ausschreibung «Gesucht werden Freiwillige für die Untertitelungsarbeit» gerade recht: «Das gibt mir die Möglichkeit, meine Arbeitszeit sinnvoll einzusetzen – natürlich in Absprache mit dem Vorgesetzten», erklärt die gelernte Übersetzerin.

So sitzen Annette Mugglin und ihre Stellvertreterin Céline Adekunle im Homeoffice vor dem Laptop und arbeiten zusammen rund 30 Stunden pro Woche Film um Film ab. «Für die Prüfung und Korrektur einer Minute Untertitel brauche ich im Schnitt zwei bis drei Minuten», erklärt die Geschäftsstellenleiterin. Je nach Thema und Qualität der automatischen Übersetzung kann es aber gut und gern auch ein Vielfaches davon sein, bis alle Textabschnitte korrekt und schlüssig sind. Denn: «Die Qualität ist sehr wichtig», betont Benoît Rebetez, Program und Project Manager von SWISS TXT. «Deshalb werden sämtliche Texte auch immer von zwei Personen gelesen.»

Optimale Aufgabe für das Homeoffice

Die SWISS TXT ist verantwortlich für die Untertitelung der SRG-Inhalte und ist es sich gewohnt, mit externen Fachleuten zusammenzuarbeiten. Als bekannt wurde, dass für SRG-Mitarbeitende keine Kurzarbeitsentschädigung beantragt werden kann, lancierte Rebetez zusammen mit dem Projektleiter der Streaming-Plattform, Pierre-Adrian Irlé, das interne Freiwilligenprojekt. «Denn das Untertiteln ist eine optimale Aufgabe für das Homeoffice. Alles, was es braucht, sind PC, Internetanschluss und ein Login auf dem Mediahub von SWISS TXT», so Rebetez.

Das Echo war enorm: «Schon in der ersten Woche kamen so viele Anfragen, dass ich täglich neue Mitarbeitende ausbilden musste.» Und ebenso begeistert waren und sind die Involvierten: «Eine SRG-Mitarbeiterin fand nach dem Mutterschaftsurlaub über das Projekt den Anschluss an die Arbeitswelt wieder, ebenso zwei andere Mitarbeitende nach längerer Krankheit», freut sich Rebetez. «Der Versuch hat sich für alle gelohnt – für die SRG, die Mitarbeitenden und das Projekt.»

So ist auch Projektleiter Pierre-Adrian Irlé mehr als zufrieden: Dank den Helferinnen und Helfern werden beim Projektstart im Spätherbst bereits gegen 2000 Filme, Serien und Dokumentarfilme in der Originalsprache und mit Untertiteln zu sehen sein.

Eine der ersten, die sich dann bei «Play Suisse» einloggen wird, ist Annette Mugglin. Sie wird einige «ihrer» untertitelten Filme nochmals anklicken, denn «ich habe so viele faszinierende Themen bearbeiten dürfen, dass es sich lohnt, sie ein zweites Mal anzuschauen».


Text: Patricia Diermeier

Bild: zVg

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