Jahresbericht Ombudsstelle SRG.D 2025: Höchststand an Beanstandungen wegen grosser Mobilisierung

1'408 eingereichten Beanstandungen wurde im Berichtsjahr 2025 die höchste Zahl seit Bestehen der Ombudsstelle erreicht. Allerdings ist dieser Anstieg massgeblich auf organisierte «Massenbeanstandungen» zurückzuführen. Damit ist auch der höhere Prozentsatz (9,9%) der ganz oder teilweise unterstützten Beanstandungen im Vergleich zum Vorjahr (8,7%) zu erklären.

Die Ombudsstelle verzeichnete im Jahr 2025 mit 1’408 eingereichten Beanstandungen so viele Eingaben wie noch nie seit ihrem Bestehen. Der markante Anstieg ist jedoch nicht Ausdruck eines Qualitätsverlusts im Journalismus, sondern vor allem Folge organisierter Massenbeanstandungen, ausgelöst durch gezielte Mobilisierung in sozialen Medien und auf Webseiten. Damit ist auch der höhere Anteil der ganz oder teilweise unterstützten Beanstandungen mit 9,9 Prozent (Vorjahr: 8,7 Prozent) zu erklären. 513 Mal wurde die Satiresendung «Late Night Switzerland» vom 13. April 2025 beanstandet und von der Ombudsstelle unterstützt. Eine kritische «Impact»-Reportage vom 24. September 2025 über die Zürcher Tantra-Schule «Bodywerk Center» wurde 138 Mal beanstandet und in zwei Kritikpunkten unterstützt.

Die trotz allem sehr hohe Eingabezahl geht aber auch auf ein hoch polarisiertes politisches Umfeld zurück, wie es die Ombudsstelle in ihrer täglichen Arbeit feststellt. Nicht zuletzt im Vorfeld der Abstimmung über die Halbierungsinitiative spitzt sich die Programmkritik auch insofern zu, als die Befürworter der Initiative medienwirksam dazu aufrufen, Beanstandungen einzureichen. Das führt beispielsweise dazu, dass einzelne Beanstander innert vier Tagen fünf Beanstandungen einreichen. Was in der öffentlichen Wahrnehmung den Eindruck einer überdurchschnittlichen Kritik an SRF entstehen lässt.

Nahost und US-Politik im Zentrum der Kritik

Thematisch entfiel knapp ein Viertel aller Beanstandungen auf den Nahost-Konflikt. Die Kritik kam 2025 mehrheitlich aus pro-israelischen Kreisen und richtete sich gegen eine Berichterstattung, die mit zunehmendem zeitlichen Abstand zum Hamas-Terroranschlag vom 7. Oktober 2023 das humanitäre Leid in Gaza, Völkerrechtsfragen und politische Verantwortung stark in den Fokus rückte.

Auch die US-Politik, insbesondere die Berichterstattung über Donald Trump und sein Umfeld, sorgte für zahlreiche Beanstandungen. Kritisiert wurde eine angeblich systematisch negative Darstellung. Die Ombudsstelle erachtete die journalistische Einordnung politischer Akteure und Positionen jedoch in den meisten Fällen als sachgerecht und notwendig für die Transparenz gegenüber dem Publikum.

Im Berichtsjahr gingen 1'703 Eingaben ein. 295 waren keine Ombudsfälle, betrafen sie doch Kritik an Publikationen, welche nicht die für die Ombudsstelle massgeblichen Gesetzesbestimmungen betrafen. Neben den schon erwähnten beiden Massenbeanstandungen gingen 62 Eingaben auf «rec.» vom 24. März 2025 über die «Junge Tat» ein, welche die Ombudsstelle trotz ihrer Meinung nach nicht durch und durch gelungen, nicht unterstützte. Der Schlussbericht wurde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz weitergezogen, welche die Beschwerde abwies. Überdurchschnittlich oft – nämlich 154 Mal – wurden Online-Berichterstattungen kritisiert, was deren höhere Beachtung unterstreicht.

Mehr Aufmerksamkeit für Online-Inhalte

Deutlich zugenommen hat die Zahl der Beanstandungen gegen Online- und Social-Media-Beiträge, weil Online stärkere Beachtung findet: von 40 im Vorjahr auf 154 Fälle im Jahr 2025. Zwar wurde nur ein kleiner Teil davon unterstützt, dennoch weist die Ombudsstelle vor allem auf vermeidbare problematische Titel hin, die durch starke Verkürzungen komplexer Sachverhalte entstehen können.

Überraschend stark im Fokus standen 2025 Kultursendungen. Beanstandet wurden hier vor allem historische Ungenauigkeiten, die Auswahl von Expertinnen und Experten sowie der Umgang mit Archivmaterial. Zudem zeigt sich ein qualitativer Wandel in der Kritik am Datenjournalismus: Das Publikum reagiert sensibler auf irreführende Visualisierungen, verzerrte Achsenskalierungen oder fehlende Kontextualisierung.

Starke mediale Beachtung im Umfeld der Halbierungsinitiative

Im Umfeld der Halbierungsinitiative wurde auch die Arbeit der Ombudsstelle stärker medial beachtet. Häufig erhielten prominente Beanstandungen grosse Aufmerksamkeit, während deren spätere Abweisung oder Relativierung kaum Resonanz fand. Dies trägt laut Ombudsstelle zu einem verzerrten öffentlichen Bild bei.

Mit einem Gesamtpensum von 140 Stellenprozenten stösst die Ombudsstelle an ihre Kapazitätsgrenzen. Die Ombudsleute verstehen ihre Arbeit weiterhin als sachliche, rechtsstaatlich abgestützte Begutachtung journalistischer Inhalte – gerade in einem zunehmend emotionalisierten medialen Umfeld.

Vollversion des Jahresberichts Ombudsstelle SRG.D 2025 (PDF)

Die Ombudsstelle der SRG Deutschschweiz ist eine unabhängige Instanz zur Schlichtung. Sie prüft Beanstandungen zum gesamten publizistischen Angebot von SRF. Jede Person kann innerhalb von 20 Tagen nach der Ausstrahlung eine Sendung bei der Ombudsstelle beanstanden. Die Ombudsstelle hat keine Weisungsbefugnis gegenüber den Redaktionen. Ombudsleute im Berichtsjahr 2025 waren Esther Girsberger und Urs Hofmann.

Text: Ombudsstelle SRG.D

Bild: SRG.D / Mirco Rederlechner

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