Medienkonsum im Wandel: Zahlen und Fakten
Die Medienwelt entwickelt sich dank der Digitalisierung rasant. Die Konsequenzen für Medienunternehmen und Publikum sind tiefgreifend. Wie sieht unser Medienkonsum in Zukunft aus? Ein Blick in die Statistiken zeigt: Zum Teil sind wir bereits in der Zukunft angekommen. Ein paar interessante Zahlen und Fakten im Überblick.
Der Zugang
zu Medien verlagert sich zunehmend auf wenige globale Plattformen wie YouTube und Netflix. Hier entscheiden Algorithmen, wo Inhalte ausgespielt werden. Für Schweizer Medien bedeutet das: Nicht mehr Medienhäuser steuern die Reichweite – Plattformen entscheiden, was gesehen wird und was nicht. In der Schweiz ist YouTube der grösste internationale Player im Videostreaming und erreicht 4,8 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer. Dahinter folgen Netflix (3,4_Mio.) und Disney+ (1,6 Mio.). Bei den Schweizer Streaminganbietern erreicht das Angebot von Play SRF/RTS/RSI die meisten Zuschauerinnen und Zuschauer (3,8 Mio.), gefolgt von Play Suisse (1,9 Mio.). Mit der Nachfolgeplattform Play+, die 2027 lanciert wird, soll ein Schweizer Streamingdienst entstehen, der der ausländischen Konkurrenz künftig die Stirn bietet.
5,7 Stunden
Bildschirmzeit – so lange waren Schweizerinnen und Schweizer im Jahr 2025 täglich durchschnittlich im Internet unterwegs. Damit hat sich ihre Onlinezeit im Vergleich zu 2011 mehr als verdreifacht. Rund 3 Prozent der rund 1000 in der Schweiz Befragten einer Langzeitstudie der Uni Zürich sind sogar mehr als 15 Stunden am Tag online.
97 Prozent
der Schweizerinnen und Schweizer zwischen 15 und 75 Jahren nutzen digitale Newsangebote, und rund 89 Prozent sind auf Social Media aktiv – digitale Medien erreichen heute praktisch die gesamte Bevölkerung. Das hat Konsequenzen für die Art und Weise, wie Medieninhalte produziert werden. Auch SRG-News-Inhalte werden häufig zuerst im Social-Media-Feed gesehen und müssen deshalb konsequent für den digitalen Raum gedacht werden. Fazit: Die Transformation ins Digitale ist weit fortgeschritten – die digitale Medienzukunft ist in der Schweiz bereits Realität.
57 Prozent
der Schweizer Bevölkerung schauen noch täglich fern – das entspricht 3,6 Millionen Menschen. Bei den über 35-Jährigen sowie in der Deutschschweiz ist die tägliche Nutzung sogar gestiegen. Im Tessin liegt der Wert mit 70 Prozent deutlich höher als im Rest der Schweiz. Das Fernsehpublikum wird jedoch tendenziell älter: In der Altersgruppe ab 55 Jahren ist die tägliche Nutzung mit 77 Prozent besonders hoch. Auch wenn die Digitalisierung fortgeschritten ist: Lineares Fernsehen wird uns noch länger erhalten bleiben. Für Schweizer Medienunternehmen stellt die parallele Produktion für lineares Fernsehen und den digitalen Raum auch in Zukunft eine grosse strategische und finanzielle Herausforderung dar.
Vertrauen
wird zur entscheidenden Währung – und zugleich zur grossen Herausforderung für Schweizer Medienunternehmen. Obwohl digitale Inhalte heute nahezu die gesamte Bevölkerung erreichen – rund 97 Prozent nutzen digitale Newsangebote –, zeigt sich gleichzeitig eine wachsende Distanz zum klassischen Journalismus: Etwa 46 Prozent gelten laut fög als «newsdepriviert», konsumieren also nur wenig oder sehr selektiv journalistische Inhalte. Inhalte werden zunehmend über Plattformen wie Social Media oder Videoplattformen verbreitet, während ihre ursprünglichen Quellen in den Hintergrund treten.
Gleichzeitig verschwimmen die Grenzen zwischen professionellen redaktionellen Inhalten, Meinungen, Influencerbeiträgen sowie algorithmisch kuratierten oder KI-generierten Informationen immer stärker – die klassische Markenbindung an Medien verliert an Bedeutung. Stattdessen wird Vertrauen situativ entschieden. Damit verschiebt sich die zentrale Frage von «Was wird berichtet?» hin zu «Wem vertraue ich überhaupt?» – eine Kernfrage in einer überbordenden und unübersichtlichen Informationslandschaft.