Postmigrantische Schweiz und Medien: Zahlen und Fakten
Die Schweiz ist vielfältig und von unterschiedlichen Migrationsgeschichten, Sprachen und Lebensrealitäten geprägt. Was bedeutet diese postmigrantische Realität für Medien und Öffentlichkeit? Die folgenden Zahlen und Fakten zeigen, wie sich gesellschaftliche Vielfalt in der Schweiz entwickelt und welche Fragen sich daraus für Repräsentation, Teilhabe und den medialen Zusammenhalt ergeben.
41 Prozent
der ständigen Wohnbevölkerung in der Schweiz ab 15 Jahren hatten 2024 einen Migrationshintergrund. Das entspricht rund 3 Millionen Menschen. Etwas mehr als ein Drittel dieser Bevölkerungsgruppe besass die Schweizer Staatsangehörigkeit. Etwas weniger als vier Fünftel der Personen mit Migrationshintergrund gehören zur ersten Generation, während ein Fünftel in der Schweiz geboren wurde.
Die mediale Repräsentation
von Menschen mit Migrationsgeschichte spiegelt die gesellschaftliche Realität nicht immer wieder: Obwohl 41 Prozent der Bevölkerung einen Migrationshintergrund haben, fehlen schweizweite Kennzahlen zu ihrer Sichtbarkeit in den Medien. Medienforschende weisen jedoch darauf hin, dass Menschen mit Migrationsgeschichte in der Berichterstattung häufiger im Zusammenhang mit Migration, Asyl, Sicherheit oder Integration erscheinen und seltener als selbstverständlicher Teil des gesellschaftlichen Alltags sichtbar sind.
Zugehörigkeit
Sowohl Baslerin und Schweizerin als auch Kosovarin, Italienerin, Europäerin oder etwas ganz anderes: Immer mehr Menschen definieren ihre Identität nicht in Kategorien des Entweder-oder, sondern durch mehrere gleichzeitige Zugehörigkeiten. Genau diese Mehrfachzugehörigkeiten prägen die postmigrantische Gesellschaft. Viele Menschen in der Schweiz wachsen mehrsprachig auf. Für zahlreiche Kinder und Erwachsene gehört das Wechseln zwischen mehreren Sprachen ganz selbstverständlich zum Alltag.
Das soziale Umfeld
vieler Menschen in der Schweiz zeigt wenig Vielfalt. Die Schweiz ist ein vielfältiges Land. Die 2024 veröffentlichte Studie «Gemeinsam verschieden? Die grosse Schweizer Vielfaltsstudie» des Gottlieb Duttweiler Instituts zeigt jedoch, dass sich diese Vielfalt in den Bekanntenkreisen vieler Menschen nicht widerspiegelt. Fast zwei Drittel der Hochgebildeten pflegen wenig oder keine Kontakte zu Menschen mit niedrigem Bildungsniveau. Auch hinsichtlich der politischen Haltung ist die Vielfalt im Bekanntenkreis gering: 50 Prozent haben niemanden oder nur wenige Personen in ihrem Umfeld, die politisch gegensätzliche Ansichten vertreten. Die Mehrheit der in der Schweiz lebenden Bevölkerung hat zudem keine Kontakte zu anderen Kulturen. Das Interesse an mehr Vielfalt im sozialen Umfeld ist zwar gross, jedoch fehlt es häufig an Begegnungsmöglichkeiten.
24,5 Prozent
der ständigen Wohnbevölkerung in der Schweiz gaben gemäss der Strukturerhebung 2024 des Bundesamts für Statistik eine andere Hauptsprache als eine Landessprache an. Sprachforschende und Bildungsinstitutionen gehen davon aus, dass in der Schweiz insgesamt mehr als 200 Sprachen gesprochen werden, wobei diese Zahl nicht regelmässig statistisch erhoben wird. Deutsch ist mit 61,1 Prozent die häufigste Hauptsprache, gefolgt von Französisch (22,6 Prozent), Italienisch (7,8 Prozent) und Rätoromanisch (0,4 Prozent). Nahezu zwei Drittel der Bevölkerung verwenden im Alltag regelmässig mehrere Sprachen.
Mehrere Hundert internationale TV-Sender
sind in der Schweiz empfangbar. Über Kabel-, Satelliten-, IPTV- und Streaming-Angebote können Menschen mit internationalen Biografien Nachrichten, Fernsehprogramme und Radiosender aus ihren Herkunftsländern in Echtzeit verfolgen. Social Media und digitale Plattformen ermöglichen zusätzlich den unmittelbaren Zugang zu Medieninhalten aus aller Welt.
Die Mehrheit
schaut ausländisch. In der Deutschschweiz entfallen 57 Prozent der Fernsehnutzung auf ausländische Sender. Im Tessin sind es sogar 68 Prozent. Je internationaler der Medienmarkt wird, desto wichtiger wird die Frage nach einer gemeinsamen Schweizer Öffentlichkeit. Die Aufgabe der SRG besteht nicht darin, mit internationalen Sendern zu konkurrieren, sondern Inhalte bereitzustellen, die Menschen in der Schweiz miteinander verbinden, unabhängig von Herkunft, Sprache oder Biografie.