Resonanzradar #16: «Da mache ich lieber die Faust im Sack»
Was passiert, wenn sich Audiokultur verändert – und wie reagiert das Publikum darauf? Diese Frage stand im Zentrum eines Dialoganlasses des Resonanzraums der SRG Deutschschweiz am 9. Mai im Rahmen des Jazzfestivals Schaffhausen. Schnell wurde deutlich: Der Wandel von Radio zu Podcasts wird aufmerksam beobachtet – und durchaus auch kritisch begleitet. Das Bedürfnis, sich dazu zu äussern, ist gross.
Über den Resonanzradar
Über den Resonanzradar
Der «Resonanzradar» ist der Blog des Leitungsteams des Publikumsrats der SRG Deutschschweiz. In regelmässigen Abständen informiert es so zu Neuigkeiten und Erkenntnissen aus dem Resonanzraum.
Der Publikumsrat der SRG Deutschschweiz beschäftigt sich aktuell intensiv mit der Entwicklung der Audiokultur. Während die Nutzung von Radio seit Jahren zurückgeht, gewinnen Podcasts an Bedeutung. Erste Ergebnisse einer kürzlichen Umfrage im Resonanzraum des Publikumsrats zeigen: Diese Veränderungen werden sehr unterschiedlich wahrgenommen. Für die einen eröffnen sie neue Möglichkeiten, für andere bedeuten sie vor allem Verlust.
Diese Spannung wurde im Gespräch in Schaffhausen konkret spürbar. In einer kleinen Runde trafen engagierte Hörerinnen und Hörer auf Vertreterinnen von SRF – und brachten ihre Erfahrungen, Erwartungen und auch Kritik ein. So wurde etwa nach konkreten Programmveränderungen gefragt:
«Warum läuft Zivadiliring nicht mehr?»
Daniela Püntener (Redaktionsleiterin SRF 4 News) erklärte, dass der Entscheid unter anderem mit publizistischen Leitlinien zusammenhänge, die klare Grenzen bei kommerziellen Aktivitäten setzen.
Solche Fragen zeigen: Medienwandel wird nicht abstrakt diskutiert, sondern an konkreten Angeboten festgemacht – und oft auch emotional erlebt. Ein Teilnehmer formulierte es so:
«Wenn wieder eine meiner Lieblingssendungen gestrichen wird, ist das für mich kein Anlass, auf das Online-Angebot zu wechseln. Da mache ich lieber die Faust im Sack.»
Auch das Spannungsfeld zwischen Nischenangebot und Service-public-Auftrag wurde – passend zum Festival – am Beispiel Jazz diskutiert:
«Wird sich SRF Jazz als Nischenthema noch leisten?»
Florence Baeriswyl (Redaktorin Kultur) betonte, dass genau dies Teil des Auftrags sei: kulturelle Vielfalt abzubilden – auch in Bereichen mit kleinerem, aber treuem Publikum.
Die Diskussion machte deutlich, wie differenziert die Teilnehmenden das Angebot von SRF wahrnehmen. Sie wünschen sich Orientierung im Wandel, erwarten aber gleichzeitig, dass bestehende Stärken nicht einfach verloren gehen. Oder, wie es eine Teilnehmerin zusammenfasste:
«Schliesslich geht es hier um die Zukunft der Medien.»
Auch die Rückmeldungen zum Anlass unterstreichen, wie wichtig solche direkten Begegnungen sind: Räume, in denen Fragen gestellt, Positionen ausgehandelt und unterschiedliche Perspektiven sichtbar werden. Der Publikumsrat nimmt diese Impulse in die weitere Arbeit auf.
Ein herzlicher Dank gilt allen, die ihre Perspektiven eingebracht und die Diskussion mitgetragen haben.
Zur Person
Christof Thurnherr ist Ombudsperson für eine Stadtverwaltung, Friedensrichter und Mitglied des Leitungsteams Publikumsrat SRG.D.