Das Bildungsfernsehen wird multimedial
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Das Bildungsfernsehen wird multimedial

SRF mySchool möchte mit seinem Bildungsangebot die Kids auch ausserhalb der Klassenzimmer erreichen, und zwar da, wo sie sich gerne aufhalten – im Internet. Ab Herbst lanciert Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) neue mySchool-Angebote. Eines davon ist «Clip und klar!».


Das Wichtigste in Kürze

  • Das Seh- und Lernverhalten der Schulkinder hat sich in den letzten Jahren stark verändert: Statt durch Bücher, Radio und TV informieren sie sich heute immer mehr über Youtube, Instagram, Facebook usw.
  • Das Bildungsangebot von SRF mySchool wird nun deshalb multimedial und setzt verstärkt auf Schweizer Bezug und Medienkompetenz.
  • Zum neuen Bildungsangebot gehört das Youtube-Erklärangebot «Clip und klar!», das die Redaktion in Schulklassen im Zürcher Oberland getestet hat und im Herbst online geht.

Gespannt steht Conny Brügger im Klassenzimmer. Jetzt ist für die Projektverantwortliche von «Clip und klar!», dem neuen Online-Erklärvideo-Angebot von SRF mySchool, der Moment der Wahrheit gekommen. Sie präsentiert die Pilotsendung einem Testpublikum. Es besteht aus Schülern und Schülerinnen einer fünften und einer sechsten Klasse in Dürnten, ZH. Jeder Klasse wird das gleiche Video gezeigt. Einziger Unterschied: Die eine Klasse bekommt den Clip zu sehen, in dem eine Moderatorin mit Basler Dialekt die Erklärungen spricht, der anderen Klasse erläutert ein Moderator mit Ostschweizer Dialekt das Thema.

srfmyschool conny.jpgConny Brügger will wissen, wie das Youtube-Angebot ankommt. Schweizbezug im Vordergrund

Die Clips werden explizit in Mundart moderiert. Damit unterstreicht SRF mySchool den Bezug der Erklärvideos zu Schweizer Themen. Dieser aufs Inland fokussierte Blick hat gute Gründe. «Es gibt online bereits verschiedene Produktionen zu klassischen Schulthemen wie Physik, Mathematik oder Weltgeschichte», sagt Christoph Aebersold, Leiter Strategie und Angebote Junge Zielgruppe SRF. «Wir wollen den Jugendlichen mit ‹Clip und klar!› aber Wissenswertes bieten, welches sie auf keinem anderen Kanal bekommen. Deshalb setzen wir so deutlich auf den Schweizbezug.»

Gerade sind zwanzig Augenpaare der sechsten Klasse erwartungsvoll auf Conny Brügger gerichtet. Die Projektverantwortliche und ausgebildete Lehrerin lädt die Zwölfjährigen ein: «Sagt mir nachher ganz ehrlich, wie euch der Film gefallen hat. Eure Meinung zählt. Ihr seid unsere Experten.» Die jungen Kritiker nehmen ihre Aufgabe sehr ernst. Als der Moderator auf der Leinwand erscheint und eine riesige Schneelawine auf ihn zu donnert, ist es im Klassenzimmer mucksmäuschenstill. 

Seit über 60 Jahren erfüllt das Schweizer Fernsehen seinen Bildungsauftrag mit Schulfernseh-Sendungen. Lehrpersonen können ihren Unterricht mit den von SRF mySchool zur Verfügung gestellten Produktionen und themenspezifischen Sendungen abwechslungsreicher gestalten und vertiefen. Sie folgen damit dem Rat des grossen Lehrers Konfuzius: «Sage es mir, und ich werde es vergessen. Zeige es mir, und ich werde mich erinnern.»

srfmyschool test.jpgFür das SRF mySchool-Team ist die konstruktive Kritik der Kinder wertvoll. Ressourcen Bündeln, Neues entwickeln

Das Seh- und Lernverhalten der jungen Menschen hat sich stark verändert. Die nach 1980 Geborenen informieren sich immer seltener durch Bücher, Zeitungen, Radio und Fernsehen. Sie beziehen ihr Wissen zunehmend online via Youtube oder über Social-Media-Kanäle wie Facebook und Instagram. «Wir gehen davon aus, dass sich Junge auch in Zukunft ihre Infos vermehrt digital suchen», sagt Christoph Aebersold. Er ist überzeugt, dass sich mit dem sich verändernden Nutzungsverhalten neue Chancen für die Medienanbieter eröffnen (wenn sie diese denn nutzen). In diesem Sinne vollzieht SRF mySchool seit einigen Monaten schrittweise die Verwandlung vom klassischen Bildungsfernsehen zum multimedialen Wissensangebot. Ressourcen werden gebündelt, Neues wird entwickelt und Inhalte werden dem Publikum dort zur Verfügung gestellt, wo dieses die Inhalte konsumieren kann und möchte.

Auf Lehrplan 21 abgestützt

«‹Clip und klar!› ist ein Weg, wie wir zum jungen Publikum gelangen und ihm Wissen zeitgemäss vermitteln können», sagt Christoph Aebersold. Im Gegensatz zu verschiedenen Inhalten im Schulfernsehen wendet sich «Clip und klar!» nicht in erster Linie an die Lehrpersonen, sondern direkt an die Kinder und Jugendlichen. Die Erklärvideos sind ihren Sehgewohnheiten und ihrem multimedialen, mobilen Alltag angepasst. Die Filme sind kürzer und es wird auch eine andere Bildsprache verwendet als in SRF mySchool-Fernsehbeiträgen. Das ist nötig, weil ein Bild, das fürs Fernsehen aufgenommen wurde, auf einem Tablet oder Smartphone nicht gleich gut wirkt. Zudem sollen die Onlineclips so interessant und unterhaltsam sein, dass sie auch ausserhalb des Unterrichts angeschaut werden. Sei es als Ergänzung zum Lernstoff – die Themen sind auf den Lehrplan 21 (Fachbereich  Natur – Mensch – Gesellschaft) abgestützt – oder zum Vergnügen. Der Vorteil von «Clip und klar!» besteht darin, dass sich die Kinder und Jugendlichen die Filme jederzeit, überall und so oft sie möchten, anschauen können.

Angebot muss unterhalten

Mittlerweile ist das Erklärvideo zum Thema Lawinenschutz zu Ende. Im Gros­sen und Ganzen ist das Echo aus der Schulklasse sehr positiv. Die Moderatoren werden als cool und sympathisch und die Infos als leicht verständlich wahrgenommen. Die Animationen seien lustig und nicht zu «bubelig». Doch den kritischen Blicken der Jungen und Mädchen ist nichts entgangen. Sie bemängeln, dass die Moderatoren die Dynamitstangen gar nicht angezündet hatten, bevor sie diese wegwarfen, um eine Lawine kontrolliert ins Tal donnern zu lassen. Auch ist den Kindern aufgefallen, dass die Moderatoren nicht im Schnee standen, sondern vor einem sogenannten Greenscreen gefilmt wurden. Das Thema Lawine fanden die Klassen aus dem Kanton Zürich nicht so spannend. Sie würden sich lieber Erklärvideos zu Themen wie Tiere, Sport, Technik oder zu anderen Kulturen anschauen. Das Wichtigste scheint für sie aber nicht das Thema des Videos zu sein, sondern, dass dieses unterhaltsam und möglichst lustig aufbereitet ist.

Ob den «Clip und klar!»-Machern das gelingt, kann jeder ab dem 23. Oktober selber beurteilen. Dann geht die erste Folge der neuen Erklärvideos online. Danach wird jeden Montag eine weitere Folge aufgeschaltet, darunter zu Themen wie «Gibt es Armut in der Schweiz?», «Wie funktioniert Wasserkraft?», «Was ist Foodwaste?» und «Welche Rechte haben Kinder in der Schweiz?».


So lernen Kinder, mit Medien umzugehen

Die Vorliebe der jungen Generation, sich hauptsächlich in Social-Media-Kanälen zu informieren, ist im Zeitalter von Fake-News, Cybermobbing und anderen Online-Gefahren nicht immer unproblematisch. «Mit speziellen Angeboten wollen wir die jungen User auch dabei unterstützen, Souveränität im Umgang mit den neuen Medien zu ­entwickeln», sagt Christoph Aebersold, Leiter Strategie und Angebote Junge Zielgruppen SRF. «Und nicht nur sie, sondern auch ihre Eltern und Lehrpersonen.»

Dazu ist man auf verschiedenen Ebenen aktiv: Das SRF-Kinderangebot Zambo bietet Acht- bis Zwölfjährigen zum Beispiel die Möglichkeit, sich in einer ­geschützten ­Online-Community auszutauschen. Zusätzlich wird praktisches Medienwissen vermittelt, indem regelmässig Schulklassen im Studio zu Workshops empfangen werden. Das Bildungsangebot SRF mySchool bietet auf der eigenen Website zusätzlich ein Medienkompetenz-­Dossier mit verschiedenen Filmen und Artikeln an. Hier wird zum Beispiel erklärt, wie man virtuellen Müll von echten Informationen trennt und woran man Fake-News erkennen kann. Der kompetente Umgang mit Medien ist wichtig. Wie sonst sollen sich die künftigen Stimmbürger eine fundierte Meinung bilden und aktiv am Demokratieprozess beteiligen können?

Website von SRF mySchool

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Text: Riccarda Frei

Bild: Mirco Rederlechner

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  1. Denise Jöhr 04.10.2017 10:12

    (Im Elternhaus und)in der Schule muss beginnen, was einmal leuchten soll (im Vaterland und anderswo)!! Frei zitiert, aber sehr wahr. Die SRG leistet einen zeitgemässen Beitrag, und ich wünsche mir, dass er fruchtet. Ansonsten geht's mit der direkten Demokratie stetig abwärts.