Ombudsmann stützt SRF-Berichterstattung über verfolgte Muslime in Myanmar
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Ombudsmann stützt SRF-Berichterstattung über verfolgte Muslime in Myanmar

Einem Beanstander missfällt die ausführliche Berichterstattung von Radio und Fernsehen SRF über die Verfolgung der muslimischen Minderheit in Myanmar. Er spricht von einer «Kampagne» seitens SRF und verlangt von den Medienschaffenden, ebenso ausführlich über verfolgte Christen zu berichten. Die SRF-Verantwortlichen weisen den Vorwurf einer «Kampagne» zurück und rechtfertigen ihre Berichterstattung. Auch Ombudsmann Roger Blum kann die Argumentation des Beanstanders nicht unterstützen.

Martin Durrer, Redaktionsleiter Ausland von Radio SRF, weist den schweren Vorwurf des «Kampagnenjournalismus» entschieden zurück. Kampagnenjournalismus sei nicht erklärend, debattierend, sondern einseitig zugunsten oder gegen eine Person/Gruppe. Zudem möchte er ein Ziel erreichen und eine Stimmung beeinflussen. Dagegen seien die SRF-Berichterstattung und -Hintergrundsendungen über den Konflikt in Myanmar sehr differenziert. Es gebe keine einseitigen Schuldzuweisungen. Vielmehr gehe es darum, einen Konflikt zu erklären und aktuelle Entwicklungen zu schildern.

«Die Medien können nicht Tag für Tag das anhaltende Unrecht überall in der Welt benennen (…). Nur dort, wo die Konflikte eskalieren, ist Medienberichterstattung garantiert.» Ombudsmann Roger Blum

Anlass für eine Berichterstattung sei oft ein Ereignis (z.B. Anschlag auf Kopten) oder eine dramatische bzw. alarmierende Entwicklung, die mit schwerem Leid verbunden sei (z. B. Vertreibung der Rohingya in Burma), so Durrer. Der Aspekt «Religion» sei also nicht ausschlaggebend für den Entscheid zu berichten. Die Situation verfolgter oder bedrängter Christen sei in den SRF-Infoprogrammen ebenfalls regelmässig Thema, versichert Durrer. Es ist gemäss Durrer jedoch problematisch und nicht praktikabel, eine Berichterstattung über eine verfolgte religiöse Minderheit gleich mit einer über verfolgte Christen zu «kompensieren».

Informationsauftrag der Medien

Ombudsmann Roger Blum erklärt das Funktionieren der Medien wie folgt: «Die Medien können nicht Tag für Tag das anhaltende Unrecht überall in der Welt benennen und gewissermassen den täglichen Fieberstand angeben. Das würde sie überfordern, und es wäre langweilig. Nur dort, wo die Konflikte eskalieren, ist Medienberichterstattung garantiert.»

Blum stützt die Schwerpunktsetzung von Radio und Fernsehen SRF. Es sei Aufgabe des Journalismus, solche Konflikte zu erkennen, zu beschreiben und die Grundmotive aufzuzeigen. Der Ombudsmann kann deshalb die Beanstandung nicht unterstützen.


Schlussbericht Ombudsstelle 5174


Text: SRG.D/dl

Bild: Aus Burma geflüchtete Rohingyas in Bangladesch. Aus «Tagesschau» vom 13.09.2017, Screenshot/SRF

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  1. H. Kortschak 13.07.2018 14:27

    Ich kann mich nicht erinnern, dass das Schweizer Fernsehen in den letzten dreissig Jahren über verfolgte Christen berichtet hätte. Die oben angesprochene Beanstandung erscheint mir richtig zu sein.

  2. Hugo Kortschak 28.08.2018 17:32

    Ergänzend zu meinem ersten Kommentar ist festzustellen, dass es zahlreiche Hilfswerke gibt, die laufend über Christenverfolgungen in aller Welt berichten. Demgegenüber besteht der Tatbestand, dass Christenverfolgungen m. W. noch nie in der Primetime (Tagesschau) im SRF erwähnt wurden. Ich erinnere mich, dass eine längere Zeit immer wieder über die Minderheit der Jesiden in der Tagesschau berichtet wurde. Das ist ok. Doch niemals fand das SRF Worte für die Christen. Für den Laien an der Basis entsteht somit ein Informationsgefälle. Haben die Hilfswerke die Wahrheit gesagt, dann stellt sich die beunruhigende Frage, weshalb das SRF schweigt?! Sollte es aber tatsächlich nichts zu sagen geben, dann würden die Hilfswerke lügen, weil deren Berichte dann schlicht erfunden wären. Irgendwann wird dieses Informationsgefälle nicht mehr tolerierbar sein. Wer immer sich als fehlbar erweisen wird, wird dann Rechenschaft für sein Verhalten geben müssen.