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Der «Club» berichtete seriös über Ver­schwörungs­theorien

In der «Club»-Ausgabe vom 19. Juni 2018 stand das Thema «Eine Welt ohne Zufall: Alles nur Verschwörung?» im Zentrum der Diskussion. Gegen die Sendung gingen sechs Beanstandungen ein. Ombudsmann Roger Blum kann jedoch keine einzige davon unterstützen.

Im «Club» diskutierten die Journalisten Roger Schawinski, Hugo Stamm, Bruno Lezzi und Stefan Schär, die Schauspielerin Sibylle Birkenmeier sowie die Anglistin Prof. Dr. Elisabeth Bronfen unter anderem die Frage, warum Verschwörungstheorien gegenwärtig derart viel Auftrieb erhielten. Nach einer lebhaften Diskussionssendung gingen insgesamt sechs Beanstandungen ein, die im Wesentlichen vier Punkte kritisierten: die Themenwahl, die Diskussionsführung, den Zusammenhang zwischen Anthroposophie und Verschwörungstheorien sowie die Behandlung des Themas 9/11 in der Sendung.

Keine Neuauflage

Es wurde mehrfach betont, die Themenwahl sei mangelhaft, weil Thema und personelle Besetzung stark an die viel kritisierte Ausgabe der «Arena» vom 24. Februar 2017 erinnert habe. Dem hält die Redaktion entgegen, dass der thematische Fokus sehr unterschiedlich war. Während es 2017 um «Trumps Krieg gegen die Medien» ging, standen diesmal die Verschwörungstheorien im Zentrum der Sendung. Auch die personelle Besetzung war – abgesehen von Roger Schawinski, der allerdings in der Zwischenzeit ein Buch zu Verschwörungstheorien veröffentlicht hat – eine andere.

Kontrolle versus Diskussion

Stark kritisiert wurde auch die Gesprächsführung, die beispielsweise als «inkompetent» bezeichnet wurde. Moderatorin Barbara Lüthi habe verschiedenen Diffamierungen Raum gelassen. Sie habe zu wenig und wenn, dann in parteiischer Art und Weise ins Gespräch eingegriffen. Zudem sei zwar die Zusammensetzung der Gäste ausgewogen gewesen, Lüthi habe jedoch gerade durch die Art, wie sie moderierte, eine ausgeglichene Diskussion verhindert.

Weder Roger Blum, noch die Redaktion des «Club» sehen dafür überzeugende Belege. Der Ombudsmann konstatiert, dass die Moderatorin das «ihr Mögliche beigesteuert» hat, um die – zugegeben teilweise unsanfte – Diskussion nicht ausufern zu lassen. Hinzu kommt, dass es sich beim «Club» um eine Diskussionssendung handelt. Das Bundesgericht ist in Bezug auf die Sachgerechtigkeit bei diesem Format weniger streng, weil die Redaktion die Sendung nur bedingt kontrollieren kann. Bestimmt werden kann die Auswahl der Gäste, nicht aber, was diese dann sagen werden. Zudem kann die Moderatorin auch nicht ständig den Redefluss unterbinden, denn es geht ja darum, den Gästen Raum zur Entwicklung ihrer Argumente zu entwickeln.

Steiner und Verschwörung

In mehreren Beanstandungen wurde die in der Sendung hergestellte Verbindung zwischen Rudolf-Steiner-Schülern und Verschwörungstheorien als fragwürdig empfunden. In diesem Zusammenhang verweist Blum auf den Tübinger Amerikanistik-Professor Michael Butter, der in seinem Buch über Verschwörungstheorien auf eine Affinität zwischen Anthroposophen und Verschwörungstheorien hingewiesen hat. Diese Affinität ist belegbar, weshalb es auch legitim war, das Thema kurz aufzuwerfen, wobei es zu keiner abschliessenden Klärung der Frage kam.

Die Sache mit 9/11

Aus mehreren Beanstandungen ging hervor, dass eine konkrete, inhaltliche Auseinandersetzung mit den Ereignissen rund um den 11. September 2001 erwartet worden war. Dies war jedoch, gemäss der Redaktion, wie auch nach Ansicht des Ombudsmannes, nicht das zentrale Thema der Sendung. Im «Club» sollte darüber gesprochen werden, warum Verschwörungstheorien als Phänomen im Allgemeinen grossen Auftrieb haben und nicht darüber, welche alternativen Erklärungen für die Terroranschläge in New York vorhanden sind.


Zur Sendung «Club» vom 19. Juni 2018 «Eine Welt ohne Zufall: Alles nur Verschwörung?»

Zu den Schlussberichten 5500 , 5501 , 5502 , 5507 , 5508 , 5512


Text: SRG.D/lh

Bild: SRG SSR

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