«10vor10» berichtete sachgerecht über Evangelikale in Brasilien
SRG Deutschschweiz Ombudsstelle

«10vor10» berichtete sachgerecht über Evangelikale in Brasilien

Kurz vor den brasilianischen Präsidentschaftswahlen berichtete «10vor10» am 5. Oktober 2018 über den aussichtsreichen und später gewählten Kandidaten Jair Bolsonaro. Ein zweiter Beitrag beleuchtete die Rolle der Evangelikalen im Wahlkampf. Ein Beanstander moniert, dieser Beitrag habe die Freikirchen in ein schlechtes und unwahres Licht gerückt. Zudem sei zu wenig über das positive Engagement von evangelikalen Kirchen in Favelas berichtet worden. Ombudsmann Roger Blum kann keinen der Kritikpunkte unterstützen.

Im beanstandeten Beitrag «Die Macht der Evangelikalen» gehe es um die grosse Unterstützung, die Bolsonaro im Wahlkampf von Seiten der Evangelikalen erhalten habe, halten Christian Dütschler, Redaktionsleiter «10vor10», und Redaktorin Corinne Stöckli in ihrer schriftlichen Stellungnahme fest. Man habe vor allem über den grossen Einfluss, den extreme evangelikale (Fernseh-)Priester in Brasilien hätten, berichtet. Es sei im Beitrag auch erwähnt worden, dass viele der evangelikalen Glaubensgemeinschaften progressiv seien. Gleichzeitig habe man darauf hingewiesen, dass fundamentalistische Neo-Pfingstkirchen in Brasilien grossen Zulauf hätten. Es sei eine Tatsache, dass sich viele Evangelikale hinter Bolsonaro gestellt hätten, so Dütschler und Stöckli weiter.

«Im Beitrag machen wir klar, dass die gezeigten Pastoren innerhalb des evangelikalen Spektrums extreme Positionen vertreten.» Christian Dütschler, Redaktionsleiter und Corinne Stöckli, Redaktorin, 10vor10»

Stöckli und Dütschler sind sich mit dem Beanstander einig, dass christliche Organisationen in Brasilien wertvolle Arbeit leisteten. Das sei aber nicht Thema des Beitrags gewesen. In einem kurzen Fernsehbeitrag könnten nur einzelne Aspekte eines Themas beleuchtet werden.

Auch Gegenseite kam zu Wort

Insgesamt habe «10vor10» sachgerecht und differenziert berichtet, sind Dütschler und Stöckli überzeugt, und: «Im Beitrag machen wir klar, dass die gezeigten Pastoren innerhalb des evangelikalen Spektrums extreme Positionen vertreten». Zudem komme mit dem linken Abgeordneten auch die Gegenseite angemessen zu Wort.

Ombudsmann Roger Blum teilt die Argumentation der Redaktion. Nach eingehender Betrachtung der Sendung kann er keinen der vom Beanstander vorgebrachten Kritikpunkte unterstützen.


Schlussbericht der Ombudsstelle 5599

Zur Sendung «10vor10» vom 5. Oktober 2018

Beitrag: «Die Macht der Evangelikalen»


Text: SRG.D/dl

Bild: Der fundamentalistische Fernsehpriester und Bolsonaro-Unterstützer Silas Malafaia ruft zur Wahl «des richtigen» Präsidentschaftskandidaten auf. Screenshot aus «10vor10» vom 5. Oktober 2018, SRF.

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  1. Peter Thommen 27.11.2018 18:19

    Diese Kritik konnte nur zustande kommen, weil mit "recht" = auch "richtig" argumentiert wird. Es zeigt den moralischen Anspruch von Fundamentalisten, den sie mit ihrer "Hilfe" verbinden, die als solches durchaus akzeptiert werden kann. Dann wird gedacht, wenn sie "Erfolg" hätten, würde das auch zu ihrer eigenen "moralischen Hebung" (in den Himmel) beitragen. Ähnliches fand bei den Wahlen in Ägypten bei den Muslimbrüdern statt...