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Die Russlandberichterstattung von #SRFglobal

Ein Beanstander kritisiert ausführlich die Russlandberichterstattung von #SRFglobal. Dabei stützt er sich jedoch auf zweifelhafte Quellen. Ombudsmann Roger Blum kann die Beanstandung daher nicht unterstützen.

Die Berichterstattung der SRG, aber auch diejenige der – nicht näher bestimmten – privaten Leitmedien sei mittlerweile von der (geo-)politischen Realität weitgehend entkoppelt, so der Beanstander. Dabei sei es grundsätzlich die Pflicht des guten Journalismus, die Welt aus möglichst vielen Perspektiven zu betrachten und «die gewonnenen Erkenntnisse nüchtern zu rapportieren».

Sezession oder Annexion

In der Sendung «#SRFglobal – Russland: hofieren oder boykottieren?» vom 06.09.2018 kritisiert der Beanstander die Darstellung der politischen Situation zwischen der Ukraine und Russland. Die von westlicher Seite gegen Russland erlassenen Sanktionen dienten seiner Meinung nach gemäss «imperialer Logik» dazu, Russland in die Knie zu zwingen. Die mehrheitlich russische Bevölkerung der Krim habe sich zudem Russland gewaltfrei anschliessen wollen, als Reaktion auf den durch die USA und die NATO unterstützten «Regime Change» in der Ukraine. Daher sei die russische Besetzung der Krim eher eine Sezession und keine Annexion. SRF – so der Beanstander – ignoriere diese Fakten und gehe von anderen Verhältnissen aus, weshalb die Berichterstattung nur falsch sein könne.

In seiner Stellungnahme betont Daniel Blickenstorfer, Redaktor und Produzent von «#SRFglobal», dass in der Sendung die Frage, ob die Sanktionen gerechtfertigt und zielführend seien, durchaus kritisch betrachtet worden sei. Sowohl auf wirtschaftlicher wie auch auf politischer Ebene seien die Sanktionen in jüngster Zeit mehrfach infrage gestellt worden. Die verschiedenen Positionen zu dieser Streitfrage wurden in der Sendung gezeigt.

In Bezug auf die Krim zeigt Blickenstorfer klar, dass es sich um eine Annexion handelt. Selbige bedeutet eine gewaltsame Aneignung von Land gegen den Willen des Staates, dem es zugehört, durch einen anderen Staat. Dies ist im Falle der Krim geschehen, wenn auch weniger gewaltsam als in der Ostukraine.

Angezweifeltes Attentat

Die Berichterstattung zum Anschlag auf den ehemaligen Doppelagenten Sergei Skripal und seine Tochter in «#SRFglobal – Die Rückkehr der Spione» vom 01.11.2018, sei gemäss Beanstander ebenfalls nicht tragbar. Es sei sehr unwahrscheinlich, dass Putin einen ehemaligen Doppelagenten samt dessen Tochter in England habe umbringen wollen.

Auch hier widerspricht Blickenstorfer vehement, weist auf seine Quellen sowie auf die kritische Auseinandersetzung mit denselben in der Sendung hin und den Vorwurf, «#SRFglobal» vertrete eine «NATO-Meinung» entschieden zurück.

Ombudsmann Roger Blum unterstützt die Argumentation der Redaktion voll und ganz. Weiter weist er darauf hin, dass sich der Beanstander in seinen Ausführungen teilweise auf dubiose Quellen stützt. So ist beispielsweise der Nachrichtendienst «Rubikon News» russophil ausgerichtet und mit Sicherheit nicht neutral. Die ebenfalls zitierte Organisation «Swiss Propaganda Research» hält zudem ihre Finanzierung und ihre Methoden geheim und steht im begründeten Verdacht, von Russland bezahlt und gesteuert zu sein.

«Nüchterne Faktenanalyse»

Insgesamt beurteilt Blum die beanstandeten Sendungen als kritisch und sachgerecht und stellt fest, dass eine «durchaus differenzierte, nüchterne Faktenanalyse» betrieben worden ist. Propaganda-Thesen konnte Blum in keiner der Sendungen erkennen. Daher unterstützt er die Beanstandung nicht.

Zur Sendung «#SRFglobal – Russland: hofieren oder boykottieren?» vom 06.09.2018

Zur Sendung «#SRFglobal – Die Rückkehr der Spione» vom 01.11.2018

Zum Schlussbericht 5683

Text: SRG.D/lh

Bild: SRG.D/Illustration Cleverclip

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