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Ombudsfall: Reaktionsschnelle Redaktion

SRF News online veröffentlichte am 7. Februar 2019 einen Artikel mit dem Titel «2016 war das wärmste Jahr seit Beginn der Messungen». Dieser Artikel sei nicht auf der Höhe der aktuellen Forschung, findet ein Beanstander. Der Ombudsmann unterstützt die Vorwürfe teilweise.

Der beanstandete Online-Artikel erschien am 7. Januar 2019. Am selben Tag hatte das World Meteorological Organization (WMO) seinen Jahresbericht zur Entwicklung der globalen Temperaturwerte 2018 publiziert. SRF4 News befragte den SRF-Klimaexperten Klaus Ammann (Mitglied der Radio-Wirtschaftsredaktion) in einem Radiointerview zu diesem Thema. Die Kernpunkte des Gesprächs wurden zudem schriftlich festgehalten und als Artikel gemeinsam mit dem bereits ausgestrahlten Audiofile online veröffentlicht. Dieser wurde mit «2016 war das wärmste Jahr seit Beginn der Messungen» übertitelt. Der Übertitel lautete: «Klimaerwärmung oder Hysterie?». Hier setzt nun die Kritik des Beanstanders an: Der Begriff impliziert seiner Meinung nach, dass die Existenz des Klimawandels als physikalisches Phänomen, das durch den Menschen verursacht worden ist, immer noch zur Debatte stünde.

Die Redaktion reagierte

Dieser Eindruck entstand auch bei mindestens einer weiteren Leserin des Artikels. Nach einer User-Zuschrift am Tag der Veröffentlichung des Artikels, änderte die Redaktion (unabhängig von der vorliegenden Beanstandung) den Übertitel zu «Neue Zahlen zur Klimaerwärmung». Zudem wurde der letzte Abschnitt wie folgt angepasst.


Beanstandete Version
Ist die Klimaerwärmung menschgemacht? «Die Wissenschafter äussern sich zu dieser Frage nicht», sagt Ammann. Die Analyse zeige aber, dass der Temperaturanstieg zeitlich eindeutig mit der Industrialisierung korreliere.

Korrigierte Version
Ist die Klimaerwärmung menschgemacht? «Die Wissenschafter äussern sich nicht direkt zu dieser Frage», sagt Ammann. Unter Wissenschaftern sei das aber etwa so unumstritten, wie dass die Erde eine Kugel ist. So zeige die Analyse, dass der Temperaturanstieg zeitlich eindeutig mit der Industrialisierung korreliere.


Michael Bolliger, stellvertretender Chefredaktor Radio SRF, anerkennt demnach in seiner Stellungnahme, dass der ursprünglich gewählte Titel ungeeignet gewesen ist.

Vorwürfe «nicht opportun»

Der Beanstander wirft SRF jedoch vor, durch diese Titelwahl provozieren und polarisieren zu wollen. Ausserdem berichte SRF seiner Meinung nach generell nicht sachgerecht über den Klimawandel. Diese Vorwürfe weist Bolliger hingegen entschieden von sich und verweist darauf, dass Polarisierung nicht zum publizistischen Konzept von SRF gehört. «Aus einer einzelnen Formulierung oder Frage zu folgern, SRF pflege generell in seiner Berichterstattung zum Klimawandel das Prinzip der ‘false balance’, ist nicht opportun», so der stellvertretende Chefredaktor.

Lob für schnelles Handeln

Der stellvertretende Ombudsmann Manfred Pfiffner unterstützt den Beanstander insofern, als dass auch er die nachträgliche Änderung des Artikels für richtig hält. Gleichzeitig spricht er der schnell reagierenden Redaktion ein Lob aus. Dieser Vorfall zeige, «dass User-Reaktionen ernst genommen werden und die kritische Reflexion in der Redaktionsleitung Früchte trägt». Den Vorwurf der «false balance» lehnt jedoch auch Pfiffner entschieden ab. Sachgerechte Berichterstattung heisst eben auch das Abbilden gegenteiliger – in diesem Fall klimakritischer – Meinungen. Jedoch ist auch der positive Charakter der Beanstandung hervorzuheben. So schreibt der Beanstander: «Die Beispiele sind nicht als Fingerzeig zu verstehen, sondern sollen einen konstruktiven Beitrag leisten, das Problem besser fassen zu können.»

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Zum SRF-Online-Beitrag «Neue Zahlen zur Klimaerwärmung»

Text: SRG.D/lh

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