Ombudsstelle: Sammelband zum Thema «Frauen-Toilette» war sachgerecht

Ein Beanstander kritisiert eine SRF-Buchrezension über die Damentoilette als einseitig und links-feministisch. Die Ombudsstelle ordnet den Beitrag als erkennbare, persönlich gefärbte Rezension ein und sieht das Sachgerechtigkeitsgebot nicht verletzt.

Ein Leser beanstandet den SRF-Kulturbeitrag «Kleine Pause vom Patriarchat? So politisch ist das Frauen-WC». Der Begriff «Patriarchat» werde darin als selbstverständliches Erklärungsmuster verwendet, während eine kritische Einordnung und alternative Sichtweisen weitgehend fehlten. Dadurch übernehme SRF eine links-progressive beziehungsweise linke feministische Perspektive. Die Ombudsstelle beurteilt den Text dagegen als klar erkennbare, persönlich gefärbte Buchrezension. Eine Verletzung des Sachgerechtigkeitsgebots liegt nach ihrer Einschätzung nicht vor.

Darum geht es im beanstandeten Beitrag

Der Beitrag bespricht den Sammelband «Die Damentoilette. 22 Liebeserklärungen». Darin wird das Frauen-WC unter anderem als Rückzugsort, sozialer Treffpunkt, Ort weiblicher Solidarität und politischer Raum beschrieben. Der Autor setzt sich zunächst mit verbreiteten Klischees über Damentoiletten auseinander und gibt anschliessend unterschiedliche Erfahrungen aus den 22 Beiträgen des Buchs wieder.

Dabei wird die Damentoilette keineswegs nur positiv dargestellt. Für die non-binäre Person Sonja Finck etwa wird dort besonders spürbar, dass sie nicht dazugehört. Die Schriftstellerin Dana Vowinckel beschreibt das Frauen-WC als einen Ort des Vergleichs, an dem sie sich neben anderen Frauen unwohl fühlt. Die Rezension kommt zum Schluss, dass die Autorinnen anhand der Damentoilette zahlreiche soziale und gesellschaftspolitische Fragen verhandeln.

«Kleine Pause vom Patriarchat?» vom 4. Juli 2026

Was wird beanstandet?

Der Beanstander kritisiert, der Beitrag vermittle eine klar links-progressive beziehungsweise linke feministische Perspektive. Der politisch und gesellschaftlich umstrittene Begriff «Patriarchat» werde als selbstverständliche Erklärung verwendet, ohne ihn kritisch einzuordnen. Alternative Sichtweisen fehlten weitgehend. Dadurch entstehe der Eindruck, dass SRF nicht neutral berichte, sondern eine bestimmte politische Haltung übernehme.

Zusätzlich spricht der Beanstander von einer «Anti-Männer-Kampagne» bei SRF. Als weiteres Beispiel verweist er auf einen Bericht über einen Femizid im Tessin. Früher sei in solchen Fällen von Mord oder einem Mörder gesprochen worden, heute hingegen von einem Frauenmörder oder einem Femizid.

Was sagt die Ombudsstelle?

Die Ombudsstelle hält fest, dass es sich beim beanstandeten Beitrag erkennbar um eine Buchrezension und nicht um einen Informationsbeitrag handelt. Der Text sei von der ersten Zeile an persönlich gefärbt, mit dem Namen des Autors versehen, in der Kultursparte publiziert, mit einem Buchhinweis versehen und durchgehend in der ersten Person geschrieben. Eine Buchkritik sei ihrem Wesen nach subjektiv. Ihr Zweck bestehe gerade darin, ein persönliches Urteil zu formulieren.

Auch die Verwendung des Begriffs «Patriarchat» beurteilt die Ombudsstelle in diesem Zusammenhang als unproblematisch. In einer Nachrichtenmeldung wäre dessen unbesehene Verwendung als Erklärungsmuster nach ihrer Einschätzung allenfalls tatsächlich heikel und müsste entsprechend zugeordnet werden. Im vorliegenden Beitrag erscheine der Begriff jedoch bereits im Titel als Frage und nicht als Feststellung. Der zweite Titelteil «So politisch ist das Frauen-WC» relativiere die Formulierung zusätzlich. Zudem sei die Wendung «Kleine Pause vom Patriarchat?» erkennbar ironisch: Sie spiele mit dem Gegensatz zwischen einem grossen gesellschaftstheoretischen Begriff und einem profanen Ort wie der Toilette.

Den Vorwurf einer fehlenden Gegenperspektive teilt die Ombudsstelle ebenfalls nicht. Der Beitrag beginne mit der ausdrücklichen Aussenperspektive eines Mannes und arbeite sich an verbreiteten Klischees ab, statt sie zu bestätigen. Mit Jovana Reisinger werde zudem eine Stimme zitiert, die die vermeintliche Dramatik des Frauen-WC relativiere. Am Schluss zeige das Beispiel der non-binären Person Sonja Finck, dass nicht alle Beiträge das Frauen-WC feierten und die Vorstellung eines solidarischen Frauenraums auch innerhalb des Buchs nicht widerspruchsfrei sei.

Eine Rezension könne und solle die Thesen des besprochenen Werks einordnen und kritisieren. Sie müsse jedoch keine gegenläufige gesellschaftspolitische Position aufnehmen, die mit dem rezensierten Werk nichts zu tun habe.

Zum zusätzlich erwähnten Bericht hält die Ombudsstelle fest, dass «Femizid» kein Kampfbegriff, sondern ein etablierter und definierter Fachbegriff für die Tötung einer Frau aufgrund ihres Geschlechts sei, insbesondere im Zusammenhang mit häuslicher oder partnerschaftlicher Gewalt. Darum sei es in dem vom Beanstander erwähnten Bericht gegangen.

Die Ombudsstelle kommt zum Schluss, dass keine Verletzung des Sachgerechtigkeitsgebots vorliegt.

Text: SRG.D/nk

Bild: Envato

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