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Weshalb wir die Wahlbarometer der SRG brauchen

Das Schlossgespräch 2015 der SRG Aargau Solothurn (SRG AG SO) fand gestern in der Kantine Wasserschloss in Vogelsang statt. Auf dem Podium sassen Marianne Gilgen, Wahlleiterin 2015 SRF, Claude Longchamp, Verwaltungsratspräsident und Institutsleiter gfs.bern und Lehrbeauftragter an den Universitäten St. Gallen, Zürich und Bern, Prof. Dr. Daniel Bochsler, Assistenzprofessor für vergleichende Politik am ZDA und an der Universität Zürich und Maurice Velati, Leiter Regionalredaktion Aargau Solothurn SRF. Moderator war Peter Moor-Trevisan, Präsident der SRG AG SO.

Hochrechnungen: auf jeden Fall, aber wann?

Hochrechnungen an Wahl- und Abstimmungssonntagen sind nicht nur erwünscht, sie sind notwendig. In diesem Punkt waren sich alle einig. Wann diese verfügbar sein sollten, wurde von jeder Person gemäss eigenen Interessen anders beurteilt. Es ist naheliegend, dass sich die SRF-Leute Gilgen und Velati schnell verfügbare Zahlen wünschen, da von ihnen halbstündlich Auskünfte erwartet würden. Gemäss Gilgen sollten nationale Hochrechnungen nicht erst um sieben Uhr abends vorliegen, sechs Uhr müsse machbar sein. Longchamp fand, es sei nicht verständlich, dass beispielsweise Zürich um 14.30 Uhr eine erste kantonale Hochrechnung vorlegen, Bern aber erst um 23.30 Uhr überhaupt Zahlen vorlege.

Die Wählerinnen und Wähler wollen „Resultate“, und die Gewählten und Nichtgewählten möchten wissen, worauf sie sich für die nächste Zukunft einstellen können. «Ich weiss genau, seit wann die Hochrechnungen an Wichtigkeit gewonnen haben, nämlich seit 1999 Filippo Leutenegger Chefredaktor des Schweizer Fernsehens wurde und Roger Schawinski Tele Züri aus der Taufe hob,» so Longchamp. Diese Situation führte zu einer Konkurrenzsituation, die immer mehr Zeitdruck brachte und die Hochrechnungen noch wichtiger machte.

Wahlbarometer: eine umstrittene Notwendigkeit?

Gemäss Studien rangiert die Schweiz an der Weltspitze, was die Genauigkeit von Wahlbarometern angeht. Trotzdem sind diese sehr umstritten. Sind es wirklich nur Momentaufnahmen, werden die Wählerinnen und Wähler davon beeinflusst und was ist überhaupt der Sinn solcher Barometer?

Gemäss Longchamp soll durch die ein Jahr vor den Wahlen und den vier im Wahljahr erstellten Wahlbarometer die Entwicklung im potentiellen Wahlverhalten der Bevölkerung aufgezeigt werden. Bochsler erachtet die Barometer als wichtiges Instrument, um Politgeschehen und Meinungsbildung in der Bevölkerung zu beobachten und zu analysieren. Die Veröffentlichung dieser Erhebungen ist für ihn «eine Demokratisierung von Wissen im Wahlkampf.» Er würde sich aber wünschen, dass die erhobenen Daten, aufgrund derer die Wahlbarometer errechnet würden, nach der Auswertung freigegeben würden. So könnten sich auch andere Interessierte, Forschende und journalistisch Tätige damit auseinander setzen und weitere Studien erstellen.

Gilgen schätzt die Wahlbarometer, «da diese SRF jeweils die Gelegenheit bieten, die verschiedenen Positionen der Parteien und die daraus erwachsenden Konsequenzen aufzuzeigen.» Dies habe ihrer Meinung nach nur positive Auswirkungen, denn seit 1995, als erstmals solche Umfragen publiziert wurden, habe die Wahlbeteiligung stetig zugenommen.

Und wie sieht die Zukunft aus?

Big Data wird auch in Bezug auf Wahlen und Abstimmungen an Wichtigkeit gewinnen. Man müsse sich aber immer bewusst sein, «dass mehr Daten nicht unbedingt gute Daten sind. Big Data wird aber eine gute Ergänzung zum Herkömmlichen sein, » meinte Bochsler. Velati ist der Meinung, «dass man sich an die Stammtische setzen und zuhören müsse, vermehrt eben auch an die virtuellen.»

Und Longchamp wünscht sich für die Wahlen 2019 vor allem eins: «dass die Wahlen wieder an Integrität gewinnen werden.»

Text: SRG AG SO
Bild: SRG AG SO (von links: Claude Longchamp, Daniel Bochsler, Peter Moor-Trevisan, Marianne Gilgen und Maurice Velati im Gespräch am Schlossgespräch der SRG AG SO)

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